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Beiträge für Heft 30: „wälzen“ gesucht

Vieles ändert sich. Manche sagen: alles! Und mit all den Änderungen rund um uns herum sind auch wir gefordert, uns selbst zu ändern. Positionen, Ansichten, Haltungen – Standpunkte müssen immer wieder hinterfragt werden. In vielen Zusammenhängen steht es uns weitgehend frei, Moden zu folgen, Trends aufzugreifen oder abzulehnen, oder schlicht den Paradigmenwechsel gar nicht zu bemerken: Das Feld des Zeitgeistes ist ein weites und gerade hier werden die Wellen immer kurzatmiger. Wer heute noch hemmungslos altmodisch dasteht, kann mit derselben Meinung schon morgen Distinktionsgewinnler sein.

Wenn jedoch Brüche weit größeren Ausmaßes entstehen und die Veränderungen deutlich über die Lebenswelt des eigenen kleinen Soziotops hinausreichen, finden wir uns plötzlich in der ambivalenten Zwischenwelt aus Komplexität, Befremdung, Angst und Harmoniesucht wieder. Auf der einen Seite also die Wahrnehmung der Veränderungen und Umwälzungen, auf der anderen Seite das Hoffen auf Harmonie, entweder in Form der Aufrechterhaltung bestehender Gegebenheiten oder aber als Norm, der es sich unterzuordnen gilt. Auf gut österreichisch formuliert: Es muss was passieren, aber bitte, spüren möchte ich jetzt grad nix davon.

Präziser gesagt: Veränderungen sind immer wieder auch Umwälzungen bestehender Ordnungen, sind sowohl Brüche als auch kontinuierliche Entwicklungen. Wir selbst wälzen unsere Gedanken, die wiederum zu Erneuerungen führen. Manchmal wälzen wir aber auch so lange, dass alles weiterhin still steht. Das ist dann sicher keine Veränderung, es handelt sich dann auch nicht um Harmonie, sondern bloß um Stagnation.

Das Streben nach Veränderung/Umwälzung ist ja zweischneidig. Auf der einen Seite die Wirtschaft: Was vor einem guten Jahrzehnt noch Leadership und vor nicht allzu langer Zeit Nachhaltigkeit waren, ist heute Change Management oder Disruption Planning. Wie schrieb die „faz“ über das neue Steckenpferd der Manager: „Disruption bedeutet für sie Revolution. Eine neue Idee ändert auf einen Schlag alles. Alte Firmen gehen unter, neue tauchen auf und nehmen sich alles. Im Zweifel kommen diese Eroberer aus Kalifornien und heißen Apple, Google, Facebook. Oder, in der nächsten Generation, Airbnb, Netflix, Uber.“

Und ja, was soll man sagen? Scharf beobachtet: Immer ändert sich alles. Immer wird etwas Altes von etwas Neuem abgelöst. Auf die 80er- folgten die 90er-Jahre, nach Ebbe kommt Flut, dem Sommer folgt der Herbst, das selbst fahrende Auto löst die hochgepimpten SUVs ab und Google das Meyer´sche Konversationslexikon und freilich gleich ein paar andere Institutionen mit dazu. Man sieht: Umwälzungen bringen Chancen, zugleich aber auch Konflikte.

Schreiben Sie uns, wie Sie das sehen. Wälzen Sie mit uns die Verhältnisse um oder verbreiten Sie harmonisierende Ideen. Was sind die Chancen der Veränderung, oder sollten wir lieber kuscheln und alles belassen, wie es ist? Warum betrachten etwa viele Menschen Reisen als Bereicherung und haben zugleich Angst vor fremden Kulturen? Veränderung und Harmonie, wie gehen die beiden zusammen? Und was steht am Ende von allen Umwälzungen? Sind wir dann endlich gescheiter(t).

 

Bitte beachten Sie, dass wir dieses Mal ausschließlich essayistische Beiträge suchen.

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Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema „verspielt“ in all seinen Facetten: von verspielt sein und verspielt haben, von Fußball zur Kunst, von Schuhticks zu Wettlokalen reicht die Bandbreite der Beiträge u.a. von Roland Steiner und Bettina Balàka. Die Kunstseiten wurden von Constantin Luser gestaltet.