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Heft 24, "aber sicher", erscheint am 18. März 2013

Heft 24, "aber sicher", erscheint am 18. März 2013

Mit Thementexten von Hermann Götz, Michael Helming, Harald Friedl, Bernhard Horwatitsch, Doris C. Mandel, Ernst Kilian, Evelyn Peternel & Andreas R. Peternell, Evelyn Seidl, Dominika Minkasia Meindl, Roland Steiner, Martina Ernst und Dirk Werner.

Literarische Beiträge von Mieze Medusa, Tanja Paar, Rusalka Reh, Christoph Dolgan und Roman Marchel.

Bilder von Daniel Hafner und Bernd Hofbauer.

Rezensionen von Heimo Mürzl, Mario Hladicz, Lisa Spalt, Wolfgang Kühnelt, Klaus Ebner, Hannes Luxbacher und Werner Schando

 

88 Seiten, 6 Euro, erhältlich unter schreibkraft@mur.at

 

 


Wir suchen Texte zum Thema „schön blöd“

Eigentlich seltsam, dass anscheinend noch niemand die Idee hatte, eine Religion zu gründen, die der humanen Idiotie geweiht ist. Schließlich ist die Dummheit eine der ganz großen Konstanten der Menschheit.  Unterhaltungsindustrie, Wirtschaft und Politik bezeugen jeden Tag, dass Sigmund Freud, als er Eros und Thanatos in sein Modell der menschlichen Psyche einbrachte, die dritte bestimmende Größe schlicht übersehen hat, die als Fugenkit zwischen den beiden beherrschenden Kräften wirkt – nennen wir sie einfach Idiotos. Und betrachten wir die Neuigkeiten des Tages unter diesen Vorzeichen, dass der Mensch vielleicht schlicht zu blöd ist, sich das Überleben auf dieser Erde zu sichern. Von den seit jeher auftretenden Gemetzeln untereinander einmal ganz zu schweigen.

Aber auch im Makrobereich des Alltagslebens wird man permanent mit der Unzulänglichkeit des Denkapparates konfrontiert. Dabei sind nicht vorrangig die Idioten gemeint, denen man zwangsläufig im Lauf des Lebens immer wieder über den Weg läuft. Sondern es reicht, das erstbeste elektronische Gerät zur Hand zu nehmen und sich zu überlegen, was man auf diesem Gerät trotz aller Versprechungen der Werbung alles nicht bewerkstelligen kann, weil man schlicht überfordert ist. Wenn man nun schon die Funktionen des Telefons, das man in der Hosentasche mit sich herumträgt, nicht mehr auf einen Nenner kriegt, wie soll das dann mit komplexen, unstofflichen Phänomenen wie der globalen Politik und der Weltwirtschaft noch funktionieren? – Ergo: Wir sind einfach nicht gescheit genug, die Zusammenhänge, in denen wir uns bewegen, zu durchschauen. Und bewegen uns daher, was den Geist betrifft, im Großen und Ganzen wie größenwahnsinnige Mikroben durchs Leben. Das kann auch etwas Schönes haben. Die Kehrseite der Blödheit ist ja die Idylle, die man sich als Mensch, der ganz auf sich bezogen lebt (um hier sehr gelehrt den ursprünglichen Sinn des Wortes „Idiotie“ anklingen zu lassen), hingeben kann. Ausdrucksform der blöden Schönheit ist der Kitsch.

Im Jubiläumsheft 25 der schreibkraft wollen wir uns mal so richtig dumm stellen und unter dem Titel „schön blöd“ auf die vielfältigen Pfade der Idiotie begeben. Gleichzeitig hoffen wir, Ansätze und Strategien aufzeigen zu können, wie man mit den alle Bereiche des Lebens durchdringende Dummheiten umgehen könnte. Zum Beispiel: Gibt es einen intelligenten Umgang mit Volkstümlichkeit? Wann wirkt Information verblödend und wie kann man sich dagegen wappnen? Auf welche Formen der Imbezilität zielt die moderne Politik ab? Lässt sich dem Nonsens ein neuer Sinn abringen? Gibt es blöde Architektur? Wer spricht blöde Sprache? Warum ist Dummheit ein probates Herrschaftsinstrument? Wie steht es um die Intelligenzforschung? Und ganz allgemein: Warum ist überhaupt Blödheit und nicht vielmehr nichts?

Hier wie immer die konkrete Handlungsaufforderung am Ende unseres Ausschreibungstextes: Schicken Sie uns Ihre Essays und feuilletonistischen Texte zum Thema im Umfang bis 18.500 Zeichen an folgende E-Mail-Adresse: schreibkraft@mur.at

Einsendeschluss ist der 1. März 2013.


"gute reise" geht auf reisen

2012 war ein arbeitsreiches Jahr für uns schreibkräfte - vor allem in unseren sogenannten Brotberufen. Und das hatte zur Folge, dass sich die Fertigstellung der Ausgabe 23, "gute reise", ziemlich verschleppte. Nun aber ist es so weit: Das Heft ist gedruckt und geht auf Reisen.

Mit thematischen Beiträgen, die rund um die Welt führen, von Martin Amanshauser, Harald A. Friedl, Evelyn Peternel, Katja Grach, Eva Reithofer-Haidacher, Martin Gasser, Thomas Ernst Brunnsteiner, Roland Steiner, Stefan Kaegi, Vasile V. Poenaru, Klaus Knoll  und David Staretz.

Die literarischen Texte stammen von Ann Cotten, Rosemarie Pilz, Monika Rinck  und Katharina Seidlitz.

Andrea Stift, Heimo Mürzl, Werner Schandor, Wolfgang Kühnelt, Elisabeth Wimmer, Karl Mellacher und Stefan Schmitzer haben exklusive Rezensionen ausgewählter Bücher aus Klein- und Kleinstverlagen verfasst.

Die Kunstseiten wurden von Isa Riedl gestaltet.

 

schreibkraft, Heft 23, "gute reise", kann sofort ab 6 Euro (zuzüglich Porto) unter schreibkraft@mur.at bestellt werden.

 


Wir raten an

Gelesen und empfohlen

Markus Mörth: Geschwister. Graz: edition keiper. 2012.

Die Geschichte eines Geschwisterpaares, das aus Moldawien nach Österreich flieht. Einprägsam realistisch erzählt und hiermit dringend empfohlen.

 


Die schreibkraft im Buchhandel

Nur zur Erinnerung, dass die schreibkraft auch käuflich erworben werden kann - und zwar in folgenden Buchhandlungen:

Wien

FRICK International, Schulerstraße 1-3, 1010 Wien, www.buchhandlung-frick.at


Salzburg

Rupertus Buchhandlung, Dreifaltigkeitsgasse 12, 5020 Salzburg, www.rupertusbuch.at

 

Graz

Buchhandlung Moser, Am Eisernen Tor 1, 8010 Graz, www.buchmoser.at

Bücherstube Angelika Schimunek, Prokopigasse 16, 8010 Graz

Buchhandlung Leykam, Stempfergasse 3, 8010 Graz

 

... Sie können die einzelnen Ausgaben aber auch direkt ab Hof über unseren Shop bestellen ...

 


Das war das Zehnjahresfest, Teil 2

Ein Bilderbogen

Zehnjahresfest der schreibkraftMieze Medusa liest aus ihrem Buch "Freischnorcheln"Isabella Huser aus ZürichWolfgang Pollanz spielt obskure SongsThe Audience is listeningBeate Tröger gibt übers Lesen AuskunftDie Obsession Sisters sorgen für LeidenschaftTorte für alle!Torte für alleFinale grande mit David Lipp & Die Liebe


Das war das Zehnjahresfest, Teil 1

Angelika Kuchling über Wolfgang Pollanz' musikalische Geburtstagsgrüße am 27. November 2008 im Forum Standpark, Graz

„Steig ab, wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest“ stand da auf der Leinwand, als ich eintrat, etwa um 20:10 Uhr, als der Raum sich zögernd zu füllen begann. Werd ich tun, hab ich gedacht und die Bühne gemustert, über der inzwischen statt des weisen Spruchs Name um Name projiziert wurde. Lauter Mitwirkende. Poah. Und darunter stand nebst vollhellblauem Bass und halbakustischer Jazzgitarre samt zugehörigen Verstärkern, ein graues Pult auf rotem Tisch und kein Schlagzeug. Turn-Tables. Vielleicht.

Nun habe ich die Lesungen von Mietze Medusa und Isabella Huser gehört und sitze noch immer und mustere die Bühne. Das Licht ist interessant da. Es gibt nur zwei Strahler über dem vorderen Bühnenbereich, die ganz steil über den Protagonisten angebracht sind. Jetzt schauen alle ein bisschen aus wie Leute, die am Lagerfeuer Geistergeschichten erzählen, mit ganz langen Schatten im Gesicht. Hat da jemand eine Frage gestellt? Oh, Frau Huser sitzt noch im Geistergeschichtenlicht und fragt: „Ist noch Zeit? Mögt ihr noch?“ – Österreichische Ichtraumichnichtstille –  drauf die Schweizerin: „Ich les euch noch was Kurzes.“ Gemeinsam mit Frau Husers neuerlichem Lesen setzt eine kurze Unruhe ein, denn einige der ichtraumichnichtstilleproduzierenden österreichischen Zuhörer geben ihr Amt auf und verlassen den Raum in Richtung Bar. Trotzdem bleibt eine Zweidrittelmehrheit zurück. Frau Huser verlässt schließlich unter Applaus die Bühne, vergisst jedoch ihre Handtasche unter dem roten Tisch mit dem grauen Pult.

Wolfgang Pollanz beim Zehnjahresfest der schreibkraft

Ein gutaussehender junger Mann sagt in nahezu jungmädchenhafter Scheu Wolfgang Pollanz an, der auch gleich energisch auf die Bühne stürmt und endlich der seltsamen Beleuchtung Sinn verleiht, denn sein schöner weißer Haarschopf erleuchtet hell strahlend im Geistergeschichtenlicht. Gleich gibt Wolfgang Pollanz – untermalt vom Windows-wird-hochgefahren-der-Rest-ist-Glück-Sound - zu, dass er nicht weiß, wie er die ihm zur Verfügung stehenden 20 Minuten füllen soll. Bei der letzten Schreibkraft-Präsentation im Juni hat er Musiktitel vorgespielt und kommentiert, worum ihn die Veranstalter für heute erneut gebeten haben. Nun fiel ihm aber nichts Neues ein und das alte von Juni wollte er, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass kaum Publikum von damals heute auch da ist, dann doch nicht wiederholen. Er hat sich nun überlegt zum 10. Geburtstag von Schreibkraft Lieder zum Thema „10“ vorzuspielen. Da fiel ihm aber nur „10 Little Indians“ – das ebenso politisch inkorrekte englischsprachige Pendant von „10 kleine Negerlein“ – ein. Zum Thema „Birthday“ gab’s da schon mehr zu finden in der Musikwelt, sagt er. Als Beispiel präsentiert uns Herr Pollanz einen zart-schnulzigen 50er-Jahre Song, den er schon bei der Hälfte abbricht. Die nächste Überlegung, so erzählt Herr Pollanz, führte ihn zu Skurrilem und Kuriosem seiner Mp3-Sammlung. Hier spielt er dem belustigten Publikum gleich drei Beispiele vor: Mick Jagger singt auf Italienisch „As tears go by“, „The Shaggs“ als Urmütter aller Pop-Dilettanten schmettern, was sie damals schmetterten, und Screamin’ Jay Hawkins, der alle Urwaldgeräusche auf seinem Track selbst gemacht hat, und das weit vor dem Zeitalter des Samplings, puts a spell on us. Auch diese drei Hörbeispiele werden bereits bei der Hälfte jäh abgebrochen, denn auch diese Idee verwarf Herr Pollanz eigentlich für den heutigen Abend, sagt er. Als nächstes überlegte Wolfgang Pollanz, Songs zu präsentieren, die Wolfgang Pollanz zu Herzen gehen, die ihm an grauen Novembertagen Tränen in die Augen treiben, wie er sagt (was den Herausgeber offensichtlich belustigt, denn er lacht gerade herzhaft auf da vorne eins, zwei, drei, vier Reihen vor mir) und eines spielt er dann auch vor, der Herr Pollanz, stützt seinen Kopf auf die Hand und schaut bedrückt. Trotzdem bricht er auch dieses Lied ab, allerdings nicht so brutal wie die vorhergehenden, sondern mit Fade Out, mit Gefühl. Schließlich überlegte er dann noch, uns, dem Publikum, das Peinlichste zum Besten zu geben, das seine Festplatte zu bieten hat: Karel Gott covert „Paint It Black“ von den Stones, auf Deutsch natürlich, also mit dem naheliegenden Titel „Schwarz und Rot“. Mit dem etwa mittigen Abbruch dieses Klassikers sind die 20 Minuten um und waren dann doch prall gefüllt mit der Suche nach ihrer Füllung.

Nun ja, mein Pferd ist tot, auch ich fade diese Veranstaltung daher aus, mit Gefühl. Gute Nacht, Herr Pollanz.

Angelika Kuchling


Internet-Heimathafen für Lyrik

Hut ab vor Julietta Fix: Die Hamburger Autorin hat innerhalb weniger Monate mit www.fixpoetry.com eine optisch wie inhaltlich ansprechende Plattform für zeitgenössische, deutschsprachige Lyrik im Internet eingerichtet. Die Seite umfasst eine täglich wachsende Anzahl an Gedichten vorwiegend junger Autorinnen und Autoren, dazu kommen ein wöchentlicher Newsletter, ausgewählte Lyrikbände on Demand, eine Linkliste zum literarischen Leben, die an Umfang und Aktualität ihresgleichen sucht, ein Forum für Lyrikfreunde und ein Podcast von Julietta Fix' eigenen Texten.

Fazit: Selten gehen Web 2.0, Lyrik und Flash-Animation eine so gelungene Symbiose ein wie auf www.fixpoetry.com. Die "schreibkraft" empfiehlt die Seite hiermit nachdrücklich all jenen, die uns ihre Lyrik zusenden, aber aufgrund unseres total begrenzten Platzangebotes bei uns abblitzen.

 


schreibkraft kooperiert mit titel-magazin.de

Der Beginn einer langen Freundschaft

Das deutsche Internet-Magazin www.titel-magazin.de ist seit dem Jahr 2000 auf literarischer Entdeckungsreise abseits ausgetretener Pfade. Texte, Rezensionen - und neuerdings auch Essays aus der "schreibkraft" - sind auf der Homepage von titel-magazin.de zu finden. Wir freuen uns über die Kooperation mit den Kollegen vom Internet. Der erste Beitrag in der neuen Titel-Rubrik "schreibkraft präsentiert" ist übrigens Stefanie Lehrners "im wurststrudel" aus Heft 16, "für immer". Im Gegenzug veröffentlicht die "schreibkraft" ausgewählte Rezensionen aus dem Umfeld von titel-magazin.de.

schreibkraft bei titel-magazin.de


großer lagerabverkauf

Die "schreibkraft" verschenkt Bücher

"Big Business Literatur ,-- Reflexionen zum Marktwert der Literatur", herausgegeben von den schreibkräften Hannes Luxbacher, Andreas R. Peternell und Werner Schandor, erschien anno 2002 als Nachlese zum Literaturprojekt "www.literaturboerse.com" im steirischen herbst 2001.
Der Sammelband beinhaltet auf 144 Seiten literarische Texte, Literaturkritiken und literaturökonomische Essays von Wolfgang Ferchl, Norbert Niemann, Burkhard Spinnen, Peter Geist, Petra Coronato, tongue tongue Hongkong, Franzobel, Lou A. Probsthayn, Björn Kuhligk, Enno Stahl, Gisela Müller, Christian Steinbacher, Norbert Silberbauer, Wolfgang Kühnelt, Petra Nachbaur, Stefan Schwar, Anja Nioduschewski und der Börsenaufsicht.
Um unser Lager freizuräumen, verschenken wir Exemplare des Buches. Die Beschenkten müssen lediglich die Portokosten übernehmen (Versand nach Österreich: 1,25 EUR; ins EU-Ausland: 3,70 EUR).
Bestellmails an: schreibkraft@mur.at