Wir suchen bis 3. Mai 2012 Beiträge zum Thema "aber sicher"
"Hier könnten Sie Triple-Sicherheitsglas einsetzen lassen", sagte der Polizist und zeigte auf die Terrassenscheibe. "Ist allerdings nicht ganz billig", fügte er hinzu. Als er sich umschaute und sah, wie viele Scheiben am Haus auszutauschen wären, hörte man förmlich eine Rechenmaschine in seinem Kopf rattern. "Das wird teuer", fasste er zusammen.
Zufrieden war er hingegen mit den fest verschraubten Abdeckungen der Kellerfenster. Und auch die gesicherten Außensteckdosen fanden seine Zustimmung. "Das Beste ist ein ordentlicher Hund", meinte er, als einer der Nachbarshunde anschlug. "… und gute Nachbarn, die ein Auge auf ihre Umgebung haben."
"Videokameras?", fragte ich.
"Kann man immer machen", meinte der Polizist. "Da gibt es Lösungen in allen Preisklassen. Wenn aber das Haus quasi offensteht, hält so eine Kamera keinen Einbrecher ab. Andererseits: Sie wohnen in einer Gegend, wo eher wenig passiert." – Danke, das wollte ich hören!
Die Sicherheitsbranche boomt, das Klima wandelt sich, und angesichts der sogenannten Finanzkrise und dem damit verbundenen Sozialabbau macht sich ein existenzielles Gefühl der Verunsicherung breit. Früher war es die EU-Osterweiterung, die in Österreich für Panik sorgte und das Bundesheer zum Grenzschutzeinsatz auf den Plan rief. Davor der Saure Regen, die EU an sich, der Kalte Krieg ...
"Fix is nix", weiß der österreichische Volksmund. Doch die Ungewissheit lähmt. Vielleicht ist wirklich der Relativismus der Moderne an allem Schuld, wie er konservative Bischöfe regelmäßig auf die Palme treibt. Der Relativismus, so heißt es in einschlägigen Kreisen, ist der Keim des Verderbens und kennzeichnend für unsere Zeit. Ja sicher. Nur: Woher die Gewissheit nehmen, um in dieser Welt der schwankenden Fundamente festen Boden unter den Füßen zu bekommen – rein weltanschauungstechnisch gesprochen. Sandmassen im Getriebe lassen die großen Welterklärungsmaschinerien des 19. und 20. Jahrhunderts knirschend den Geist aufgeben. Statt steigenden Wohlstand für alle gibt es immer mehr Ungerechtigkeit für immer mehr.
Wir wollen uns in der nächsten "schreibkraft" mitten hinein begeben in das Gefühl der Unsicherheit und Ungewissheit, der Unentschlossenheit und letztlich Angst! – Schicken Sie uns Ihre Beiträge über Lebensversicherungen, Söldner, Bodyguards und Personenschutz, über sichere Veranlagungen und Schweizer Schwiegermütter, über Free-Solo-Touren und Vorratsdatenspeicherung zur Terrorismusbekämpfung, über Experten und Wahrsager, Besserwisser und solides Halbwissen, über Mahner und Zweifler und die Fakten des Lebens, über durchgebrannte Sicherungen und den besten Freund des Menschen, über den Schauer, den Stephen King verbreitet, und die wirksamste Verhütungsmethode, über Ihr gutes Gewissen und die allgemeine Ungewissheit, über Wissenschaft und die Tatsache, dass nix fix ist – außer dass wir auf Feuilletonzusendungen sehr, sehr spät antworten und auf literarische Texte manchmal gar nicht reagieren (nostra culpa!). Auf unsere Langsamkeit ist jedenfalls Verlass!
In diesem Sinn: Wir freuen uns auf Ihre Zusendungen bis 3. Mai 2012 an schreibkraft@mur.at.
Maximale Länge der Beiträge: 18.500 Zeichen. Veröffentlichte Beiträge werden honoriert.
PS: Wenn Sie uns literarische Texte schicken, dann bitte nicht fünf oder zehn, sondern nur einen: Ihren besten! Und berücksichtigen Sie bitte, dass wir sicher nur bisher unveröffentlichte Texte ins Heft aufnehmen.
"zahlen bitte" erscheint Ende Februar
schreibkraft Heft 22, "zahlen bitte" ist in Druck und wird Ende Februar an unsere Abonnenten ausgeschickt.
Das Heft beinhaltet Beiträge von Domenika Meindl, Bernhard Horwatitsch, Michael Helming, Doris Neidl, Matthias Rauch, Wolfgang Pollanz, Harald A. Friedl, Wolfgang Gulis, Christoph Weiermair, Laura Freudenthaler, Brigitte Theißl, Martina Ernst, Ernst Kilian, Irina Kilimnik, Alice Le Trionnaire-Bolterauer, Dirk Werner und Hans Durrer.
Die literarischen Texte stammen von Daniel Wisser, Jan Giffhorn, Christian Baier, Stefanie Lehrner, Michael Pelitz, Christof Huemer und Markus Kopcsandi.
Mehr demnächst auf dieser Homepage.
Wir danken allen, die uns Texte geschickt haben - und bitten jene um Verständnis, deren literarische Zusendung wir aus Gründen der organisatorischen Überforderung nicht beantwortet haben.
Die schreibkraft im Buchhandel
Nur zur Erinnerung, dass die schreibkraft auch käuflich erworben werden kann - und zwar in folgenden Buchhandlungen:
Wien
FRICK International, Schulerstraße 1-3, 1010 Wien, www.buchhandlung-frick.at
Salzburg
Rupertus Buchhandlung, Dreifaltigkeitsgasse 12, 5020 Salzburg, www.rupertusbuch.at
Graz
Buchhandlung Moser, Am Eisernen Tor 1, 8010 Graz, www.buchmoser.at
Bücherstube Angelika Schimunek, Prokopigasse 16, 8010 Graz
Buchhandlung Leykam, Stempfergasse 3, 8010 Graz
... Sie können die einzelnen Ausgaben aber auch direkt ab Hof über unseren Shop bestellen ...
Das war das Zehnjahresfest, Teil 2
Ein Bilderbogen




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Das war das Zehnjahresfest, Teil 1
Angelika Kuchling über Wolfgang Pollanz' musikalische Geburtstagsgrüße am 27. November 2008 im Forum Standpark, Graz
„Steig ab, wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest“ stand da auf der Leinwand, als ich eintrat, etwa um 20:10 Uhr, als der Raum sich zögernd zu füllen begann. Werd ich tun, hab ich gedacht und die Bühne gemustert, über der inzwischen statt des weisen Spruchs Name um Name projiziert wurde. Lauter Mitwirkende. Poah. Und darunter stand nebst vollhellblauem Bass und halbakustischer Jazzgitarre samt zugehörigen Verstärkern, ein graues Pult auf rotem Tisch und kein Schlagzeug. Turn-Tables. Vielleicht.
Nun habe ich die Lesungen von Mietze Medusa und Isabella Huser gehört und sitze noch immer und mustere die Bühne. Das Licht ist interessant da. Es gibt nur zwei Strahler über dem vorderen Bühnenbereich, die ganz steil über den Protagonisten angebracht sind. Jetzt schauen alle ein bisschen aus wie Leute, die am Lagerfeuer Geistergeschichten erzählen, mit ganz langen Schatten im Gesicht. Hat da jemand eine Frage gestellt? Oh, Frau Huser sitzt noch im Geistergeschichtenlicht und fragt: „Ist noch Zeit? Mögt ihr noch?“ – Österreichische Ichtraumichnichtstille – drauf die Schweizerin: „Ich les euch noch was Kurzes.“ Gemeinsam mit Frau Husers neuerlichem Lesen setzt eine kurze Unruhe ein, denn einige der ichtraumichnichtstilleproduzierenden österreichischen Zuhörer geben ihr Amt auf und verlassen den Raum in Richtung Bar. Trotzdem bleibt eine Zweidrittelmehrheit zurück. Frau Huser verlässt schließlich unter Applaus die Bühne, vergisst jedoch ihre Handtasche unter dem roten Tisch mit dem grauen Pult.

Ein gutaussehender junger Mann sagt in nahezu jungmädchenhafter Scheu Wolfgang Pollanz an, der auch gleich energisch auf die Bühne stürmt und endlich der seltsamen Beleuchtung Sinn verleiht, denn sein schöner weißer Haarschopf erleuchtet hell strahlend im Geistergeschichtenlicht. Gleich gibt Wolfgang Pollanz – untermalt vom Windows-wird-hochgefahren-der-Rest-ist-Glück-Sound - zu, dass er nicht weiß, wie er die ihm zur Verfügung stehenden 20 Minuten füllen soll. Bei der letzten Schreibkraft-Präsentation im Juni hat er Musiktitel vorgespielt und kommentiert, worum ihn die Veranstalter für heute erneut gebeten haben. Nun fiel ihm aber nichts Neues ein und das alte von Juni wollte er, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass kaum Publikum von damals heute auch da ist, dann doch nicht wiederholen. Er hat sich nun überlegt zum 10. Geburtstag von Schreibkraft Lieder zum Thema „10“ vorzuspielen. Da fiel ihm aber nur „10 Little Indians“ – das ebenso politisch inkorrekte englischsprachige Pendant von „10 kleine Negerlein“ – ein. Zum Thema „Birthday“ gab’s da schon mehr zu finden in der Musikwelt, sagt er. Als Beispiel präsentiert uns Herr Pollanz einen zart-schnulzigen 50er-Jahre Song, den er schon bei der Hälfte abbricht. Die nächste Überlegung, so erzählt Herr Pollanz, führte ihn zu Skurrilem und Kuriosem seiner Mp3-Sammlung. Hier spielt er dem belustigten Publikum gleich drei Beispiele vor: Mick Jagger singt auf Italienisch „As tears go by“, „The Shaggs“ als Urmütter aller Pop-Dilettanten schmettern, was sie damals schmetterten, und Screamin’ Jay Hawkins, der alle Urwaldgeräusche auf seinem Track selbst gemacht hat, und das weit vor dem Zeitalter des Samplings, puts a spell on us. Auch diese drei Hörbeispiele werden bereits bei der Hälfte jäh abgebrochen, denn auch diese Idee verwarf Herr Pollanz eigentlich für den heutigen Abend, sagt er. Als nächstes überlegte Wolfgang Pollanz, Songs zu präsentieren, die Wolfgang Pollanz zu Herzen gehen, die ihm an grauen Novembertagen Tränen in die Augen treiben, wie er sagt (was den Herausgeber offensichtlich belustigt, denn er lacht gerade herzhaft auf da vorne eins, zwei, drei, vier Reihen vor mir) und eines spielt er dann auch vor, der Herr Pollanz, stützt seinen Kopf auf die Hand und schaut bedrückt. Trotzdem bricht er auch dieses Lied ab, allerdings nicht so brutal wie die vorhergehenden, sondern mit Fade Out, mit Gefühl. Schließlich überlegte er dann noch, uns, dem Publikum, das Peinlichste zum Besten zu geben, das seine Festplatte zu bieten hat: Karel Gott covert „Paint It Black“ von den Stones, auf Deutsch natürlich, also mit dem naheliegenden Titel „Schwarz und Rot“. Mit dem etwa mittigen Abbruch dieses Klassikers sind die 20 Minuten um und waren dann doch prall gefüllt mit der Suche nach ihrer Füllung.
Nun ja, mein Pferd ist tot, auch ich fade diese Veranstaltung daher aus, mit Gefühl. Gute Nacht, Herr Pollanz.
Angelika Kuchling
Internet-Heimathafen für Lyrik
Hut ab vor Julietta Fix: Die Hamburger Autorin hat innerhalb weniger Monate mit www.fixpoetry.com eine optisch wie inhaltlich ansprechende Plattform für zeitgenössische, deutschsprachige Lyrik im Internet eingerichtet. Die Seite umfasst eine täglich wachsende Anzahl an Gedichten vorwiegend junger Autorinnen und Autoren, dazu kommen ein wöchentlicher Newsletter, ausgewählte Lyrikbände on Demand, eine Linkliste zum literarischen Leben, die an Umfang und Aktualität ihresgleichen sucht, ein Forum für Lyrikfreunde und ein Podcast von Julietta Fix' eigenen Texten.
Fazit: Selten gehen Web 2.0, Lyrik und Flash-Animation eine so gelungene Symbiose ein wie auf www.fixpoetry.com. Die "schreibkraft" empfiehlt die Seite hiermit nachdrücklich all jenen, die uns ihre Lyrik zusenden, aber aufgrund unseres total begrenzten Platzangebotes bei uns abblitzen.
schreibkraft kooperiert mit titel-magazin.de
Der Beginn einer langen Freundschaft
Das deutsche Internet-Magazin www.titel-magazin.de ist seit dem Jahr 2000 auf literarischer Entdeckungsreise abseits ausgetretener Pfade. Texte, Rezensionen - und neuerdings auch Essays aus der "schreibkraft" - sind auf der Homepage von titel-magazin.de zu finden. Wir freuen uns über die Kooperation mit den Kollegen vom Internet. Der erste Beitrag in der neuen Titel-Rubrik "schreibkraft präsentiert" ist übrigens Stefanie Lehrners "im wurststrudel" aus Heft 16, "für immer". Im Gegenzug veröffentlicht die "schreibkraft" ausgewählte Rezensionen aus dem Umfeld von titel-magazin.de.
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großer lagerabverkauf
Die "schreibkraft" verschenkt Bücher
"Big Business Literatur ,-- Reflexionen zum Marktwert der Literatur", herausgegeben von den schreibkräften Hannes Luxbacher, Andreas R. Peternell und Werner Schandor, erschien anno 2002 als Nachlese zum Literaturprojekt "www.literaturboerse.com" im steirischen herbst 2001.
Der Sammelband beinhaltet auf 144 Seiten literarische Texte, Literaturkritiken und literaturökonomische Essays von Wolfgang Ferchl, Norbert Niemann, Burkhard Spinnen, Peter Geist, Petra Coronato, tongue tongue Hongkong, Franzobel, Lou A. Probsthayn, Björn Kuhligk, Enno Stahl, Gisela Müller, Christian Steinbacher, Norbert Silberbauer, Wolfgang Kühnelt, Petra Nachbaur, Stefan Schwar, Anja Nioduschewski und der Börsenaufsicht.
Um unser Lager freizuräumen, verschenken wir Exemplare des Buches. Die Beschenkten müssen lediglich die Portokosten übernehmen (Versand nach Österreich: 1,25 EUR; ins EU-Ausland: 3,70 EUR).
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