schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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Beiträge zum Thema "grenzwertig" gesucht

Das Feuilletonmagazin „schreibkraft“ sucht für seine 20. Ausgabe, die im Sommer 2010 erscheinen soll, Beiträge zum Thema „grenzwertig“. Gefragt sind Reportagen, Essays und feuilletonistische Betrachtungen, die sich auf literarisch ansprechende Weise mit den Wertigkeiten von Grenzen und Grenzen von Werten beschäftigen.

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Als der britische Autor Thomas de Quincey Mitte des 19. Jahrhunderts in einem Essay den „Mord als schöne Kunst betrachtet[e]“, stellte er gültige Grenzen von Ästhetik und Ethik auf den Prüfstand. Wahrer, guter und schöner Herzensbildung wurde damit Adieu gesagt, künftig konnte Katharsis auch im Theater der Grausamkeiten oder beim Death-Metal-Konzert gefunden werden. Gleichzeitig ging zu Lebzeiten de Quinceys das Prinzip Nationalstaat auf die Reise, und die politischen Ideen des frisch emanzipierten Bürgertums wuchsen sich zu Ideologien aus. Das war vor rund 150 Jahren. Im Rückblick sehen wir ganz klar, welch katastrophalen Folgen die Übertreibung von Ideologie und Nationalstaatgedanke gebracht haben und welche Grenzen eine nach der anderen dabei überschritten wurden. Nur in der Gegenwart tun wir uns schwer, die Konturen des Politischen, Kulturellen oder auch des Alltäglichen auszumachen und Wert-Grenzen zu sehen.

Die Frage ist: Wo zeichnet sich aktuell jenes Grenzüberschreitende ab, mit dem man den Begriff „grenzwertig“ positiv in Verbindung bringen könnte? Wo sind die Grenzen zum Ungeheuerlichen, aber auch zum Lächerlichen zu ziehen, das uns das Grenzwertige zur Schauergeschichte einerseits und zur Farce andererseits macht? Gibt es im Zeitalter des laissez faire noch gesellschaftlich relevante Grenz-Überschreitungen, hat der große Skandal noch eine Chance oder verkommt er zur Erregung im Privatbereich?

Die „schreibkraft“ sucht Texte, die den offenen Raum des Grenzwertigen mit Leben und Literatur füllen. Schreiben Sie über den neuen Ultra-Konservatismus populistischer Politik, über Extremkletterer und Extremscheiterer, über den Geschmack von Red Bull, über praktizierende Sodomisten, über Spiritisten und Satanisten, über die Grenze zwischen Genie und Idiotie, über Luftgütemessungen, Versicherungsmathematik, über naive Mauerblümchen und die nicht mehr ganz neue Selbstständigkeit samt ihren grenzwertigen Auswirkungen auf das Sozialgefüge, über astronomische Staatsgarantien für Banken, den Einfluss der Raiffeisenkassen auf die Politik, über verfallene Grenzhäuschen und über schöne Kunst, die man als Mord betrachten könnte.

Formales

  • Einsendeschluss: 15. Mai 2010, Einsendungen bitte ausschließlich elektronisch an: schreibkraft@mur.at
  • Die schreibkraft sucht ausschließlich bisher unveröffentlichte Texte. Die Redaktion trifft aus allen eingesendeten Texten eine Auswahl. Veröffentlichte Texte werden honoriert.
  • Die Texte – Reportagen, Essays, experimentelle Feuilletons – sollen nicht länger als 18.924 Zeichen (inkl. Leerzeichen) sein. Bitte vermerken Sie die Länge Ihres Textes am Ende des Dokuments.
  • Bitte schreiben Sie in die Kopfzeile des Textdokuments Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse.
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    Die schreibkraft im Buchhandel

    Nur zur Erinnerung, dass die schreibkraft auch käuflich erworben werden kann - und zwar in folgenden Buchhandlungen:

    Wien

    FRICK International, Schulerstraße 1-3, 1010 Wien, www.buchhandlung-frick.at


    Salzburg

    Rupertus Buchhandlung, Dreifaltigkeitsgasse 12, 5020 Salzburg, www.rupertusbuch.at

     

    Graz

    Buchhandlung Moser, Am Eisernen Tor 1, 8010 Graz, www.buchmoser.at

    Bücherstube Angelika Schimunek, Prokopigasse 16, 8010 Graz

    Buchhandlung Leykam, Stempfergasse 3, 8010 Graz

     

    ... Sie können die einzelnen Ausgaben aber auch direkt ab Hof über unseren Shop bestellen ...

     


    Das war das Zehnjahresfest, Teil 2

    Ein Bilderbogen

    Zehnjahresfest der schreibkraftMieze Medusa liest aus ihrem Buch "Freischnorcheln"Isabella Huser aus ZürichWolfgang Pollanz spielt obskure SongsThe Audience is listeningBeate Tröger gibt übers Lesen AuskunftDie Obsession Sisters sorgen für LeidenschaftTorte für alle!Torte für alleFinale grande mit David Lipp & Die Liebe


    Das war das Zehnjahresfest, Teil 1

    Angelika Kuchling über Wolfgang Pollanz' musikalische Geburtstagsgrüße am 27. November 2008 im Forum Standpark, Graz

    „Steig ab, wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest“ stand da auf der Leinwand, als ich eintrat, etwa um 20:10 Uhr, als der Raum sich zögernd zu füllen begann. Werd ich tun, hab ich gedacht und die Bühne gemustert, über der inzwischen statt des weisen Spruchs Name um Name projiziert wurde. Lauter Mitwirkende. Poah. Und darunter stand nebst vollhellblauem Bass und halbakustischer Jazzgitarre samt zugehörigen Verstärkern, ein graues Pult auf rotem Tisch und kein Schlagzeug. Turn-Tables. Vielleicht.

    Nun habe ich die Lesungen von Mietze Medusa und Isabella Huser gehört und sitze noch immer und mustere die Bühne. Das Licht ist interessant da. Es gibt nur zwei Strahler über dem vorderen Bühnenbereich, die ganz steil über den Protagonisten angebracht sind. Jetzt schauen alle ein bisschen aus wie Leute, die am Lagerfeuer Geistergeschichten erzählen, mit ganz langen Schatten im Gesicht. Hat da jemand eine Frage gestellt? Oh, Frau Huser sitzt noch im Geistergeschichtenlicht und fragt: „Ist noch Zeit? Mögt ihr noch?“ – Österreichische Ichtraumichnichtstille –  drauf die Schweizerin: „Ich les euch noch was Kurzes.“ Gemeinsam mit Frau Husers neuerlichem Lesen setzt eine kurze Unruhe ein, denn einige der ichtraumichnichtstilleproduzierenden österreichischen Zuhörer geben ihr Amt auf und verlassen den Raum in Richtung Bar. Trotzdem bleibt eine Zweidrittelmehrheit zurück. Frau Huser verlässt schließlich unter Applaus die Bühne, vergisst jedoch ihre Handtasche unter dem roten Tisch mit dem grauen Pult.

    Wolfgang Pollanz beim Zehnjahresfest der schreibkraft

    Ein gutaussehender junger Mann sagt in nahezu jungmädchenhafter Scheu Wolfgang Pollanz an, der auch gleich energisch auf die Bühne stürmt und endlich der seltsamen Beleuchtung Sinn verleiht, denn sein schöner weißer Haarschopf erleuchtet hell strahlend im Geistergeschichtenlicht. Gleich gibt Wolfgang Pollanz – untermalt vom Windows-wird-hochgefahren-der-Rest-ist-Glück-Sound - zu, dass er nicht weiß, wie er die ihm zur Verfügung stehenden 20 Minuten füllen soll. Bei der letzten Schreibkraft-Präsentation im Juni hat er Musiktitel vorgespielt und kommentiert, worum ihn die Veranstalter für heute erneut gebeten haben. Nun fiel ihm aber nichts Neues ein und das alte von Juni wollte er, obwohl davon ausgegangen werden kann, dass kaum Publikum von damals heute auch da ist, dann doch nicht wiederholen. Er hat sich nun überlegt zum 10. Geburtstag von Schreibkraft Lieder zum Thema „10“ vorzuspielen. Da fiel ihm aber nur „10 Little Indians“ – das ebenso politisch inkorrekte englischsprachige Pendant von „10 kleine Negerlein“ – ein. Zum Thema „Birthday“ gab’s da schon mehr zu finden in der Musikwelt, sagt er. Als Beispiel präsentiert uns Herr Pollanz einen zart-schnulzigen 50er-Jahre Song, den er schon bei der Hälfte abbricht. Die nächste Überlegung, so erzählt Herr Pollanz, führte ihn zu Skurrilem und Kuriosem seiner Mp3-Sammlung. Hier spielt er dem belustigten Publikum gleich drei Beispiele vor: Mick Jagger singt auf Italienisch „As tears go by“, „The Shaggs“ als Urmütter aller Pop-Dilettanten schmettern, was sie damals schmetterten, und Screamin’ Jay Hawkins, der alle Urwaldgeräusche auf seinem Track selbst gemacht hat, und das weit vor dem Zeitalter des Samplings, puts a spell on us. Auch diese drei Hörbeispiele werden bereits bei der Hälfte jäh abgebrochen, denn auch diese Idee verwarf Herr Pollanz eigentlich für den heutigen Abend, sagt er. Als nächstes überlegte Wolfgang Pollanz, Songs zu präsentieren, die Wolfgang Pollanz zu Herzen gehen, die ihm an grauen Novembertagen Tränen in die Augen treiben, wie er sagt (was den Herausgeber offensichtlich belustigt, denn er lacht gerade herzhaft auf da vorne eins, zwei, drei, vier Reihen vor mir) und eines spielt er dann auch vor, der Herr Pollanz, stützt seinen Kopf auf die Hand und schaut bedrückt. Trotzdem bricht er auch dieses Lied ab, allerdings nicht so brutal wie die vorhergehenden, sondern mit Fade Out, mit Gefühl. Schließlich überlegte er dann noch, uns, dem Publikum, das Peinlichste zum Besten zu geben, das seine Festplatte zu bieten hat: Karel Gott covert „Paint It Black“ von den Stones, auf Deutsch natürlich, also mit dem naheliegenden Titel „Schwarz und Rot“. Mit dem etwa mittigen Abbruch dieses Klassikers sind die 20 Minuten um und waren dann doch prall gefüllt mit der Suche nach ihrer Füllung.

    Nun ja, mein Pferd ist tot, auch ich fade diese Veranstaltung daher aus, mit Gefühl. Gute Nacht, Herr Pollanz.

    Angelika Kuchling


    Internet-Heimathafen für Lyrik

    Hut ab vor Julietta Fix: Die Hamburger Autorin hat innerhalb weniger Monate mit www.fixpoetry.com eine optisch wie inhaltlich ansprechende Plattform für zeitgenössische, deutschsprachige Lyrik im Internet eingerichtet. Die Seite umfasst eine täglich wachsende Anzahl an Gedichten vorwiegend junger Autorinnen und Autoren, dazu kommen ein wöchentlicher Newsletter, ausgewählte Lyrikbände on Demand, eine Linkliste zum literarischen Leben, die an Umfang und Aktualität ihresgleichen sucht, ein Forum für Lyrikfreunde und ein Podcast von Julietta Fix' eigenen Texten.

    Fazit: Selten gehen Web 2.0, Lyrik und Flash-Animation eine so gelungene Symbiose ein wie auf www.fixpoetry.com. Die "schreibkraft" empfiehlt die Seite hiermit nachdrücklich all jenen, die uns ihre Lyrik zusenden, aber aufgrund unseres total begrenzten Platzangebotes bei uns abblitzen.

     


    schreibkraft kooperiert mit titel-magazin.de

    Der Beginn einer langen Freundschaft

    Das deutsche Internet-Magazin www.titel-magazin.de ist seit dem Jahr 2000 auf literarischer Entdeckungsreise abseits ausgetretener Pfade. Texte, Rezensionen - und neuerdings auch Essays aus der "schreibkraft" - sind auf der Homepage von titel-magazin.de zu finden. Wir freuen uns über die Kooperation mit den Kollegen vom Internet. Der erste Beitrag in der neuen Titel-Rubrik "schreibkraft präsentiert" ist übrigens Stefanie Lehrners "im wurststrudel" aus Heft 16, "für immer". Im Gegenzug veröffentlicht die "schreibkraft" ausgewählte Rezensionen aus dem Umfeld von titel-magazin.de.

    schreibkraft bei titel-magazin.de


    großer lagerabverkauf

    Die "schreibkraft" verschenkt Bücher

    "Big Business Literatur ,-- Reflexionen zum Marktwert der Literatur", herausgegeben von den schreibkräften Hannes Luxbacher, Andreas R. Peternell und Werner Schandor, erschien anno 2002 als Nachlese zum Literaturprojekt "www.literaturboerse.com" im steirischen herbst 2001.
    Der Sammelband beinhaltet auf 144 Seiten literarische Texte, Literaturkritiken und literaturökonomische Essays von Wolfgang Ferchl, Norbert Niemann, Burkhard Spinnen, Peter Geist, Petra Coronato, tongue tongue Hongkong, Franzobel, Lou A. Probsthayn, Björn Kuhligk, Enno Stahl, Gisela Müller, Christian Steinbacher, Norbert Silberbauer, Wolfgang Kühnelt, Petra Nachbaur, Stefan Schwar, Anja Nioduschewski und der Börsenaufsicht.
    Um unser Lager freizuräumen, verschenken wir Exemplare des Buches. Die Beschenkten müssen lediglich die Portokosten übernehmen (Versand nach Österreich: 1,25 EUR; ins EU-Ausland: 3,50 EUR).
    Bestellmails an: schreibkraft@gmx.at.
    >>> http://www.literaturboerse.com