von besseren und schlechteren sätzen (2)
Neues aus österreichischen Kleinverlagen
Gerhard Jaschke: Stubenrein
Wien, Das Fröhliche Wohnzimmer-Edition 1998
Rezensiert von: colette m. schmidt
Für Sprachübungen und Kunststücke ganz anderer Sorte ist der
„König des Anagramms“ Gerhard Jaschke zu haben. Jaschke ist der
Herausgeber von Freibord. Zeitschrift für Literatur und Kunst, in der er
eine Vielzahl literarischer Gattungen sowie Graphiken und Comics von bekannten
und weniger bekannten Künstlern in einer abwechslungsreichen, lesenswerten
Mischung zusammenbringt. Stubenrein, sein in der Edition Das Fröhliche
Wohnzimmer erschienener Gedichtband, beginnt mit einem viereinhalb Seiten langen
Anagramm, das mit dem Buchstabenmaterial des Wortes „stubenrein“ zu
immer neuen Versen mutiert. Fragen wie „uni-sterben?“ werden aufgeworfen,
Anfang und Ende des Lebens beschworen - „berste nun ei - sterbe nun ei“,
der Adelsstand zu mehr Religiosität aufgefordert „bete nun, sir!“,
und das alles in einem energischen Rhythmus, den manche nicht einmal beim vollen
Ausschöpfen des alphabetischen Repertoires erreichen. Der Rest des Büchleins
setzt sich aus schlanker Lyrik, die oft mit einem ironischen Zwinkern treffsicher
und wortkarg (Zwischen-)Räume und Zeitlöcher beschreibt („wo
ein loch ist, muß gedichtet werden. So ist es nun einmal auf erden“),
und eingestreuten Zeichnungen Jaschkes zusammen, die an Kinderhände erinnern,
und das Pendant zu den Gedichten bilden: wenig Striche, die fröhlich drauflos
erzählen. In einem Prosatext, in dem unerwartet und elegant plaziert das
eine oder andere Anagramm eingestreut wird, findet sich auch eine äußerst
passende Beschreibung für das Konzept dieser Textsammlung: „ein buch
sollte ohne rest im leser aufgehen. aber es ist nicht gesagt, daß ein
buch zu ende geschrieben sein muß. der leser vollziehe es, vollstrecke
es, (...)“ Der Vollzug ist in diesem Falle jedenfalls ein lustvoller und
kurzweiliger! Gerhard Jaschke weiß: „es gibt bessere und schlechtere
sätze, aber wir werden uns wieder nach dem wetter erkundigen. Mit einem
wort: potzblitz!“
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