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fahrtenbuch

florian ranner | fahrtenbuch

Eigentlich fahre ich wirklich gerne Taxi. Doch, doch: Taxifahren ist etwas Besonderes. Nicht so, als würde man bei einem Freund mitfahren, oder Trampen, oder sonst irgendeine Art sich motorisiert fortzubewegen. Es hat diese Mischung aus Verruchtheit und Bequemlichkeit, Status und gesellschaftlicher Eleganz. Verstehen Sie, was ich meine?
Zum Beispiel eine schöne erfahrene Frau, so Mitte 40 im Pelzmantel und mit Minikostümchen schält sich elegant aus der Hintertür des beigen Mercedes mit dem charakteristischen Wagendachaufbau ... Im Gegensatz zur selben Dame, die aus der, von einem Chauffeur aufgehaltenen, Wagentür eines schwarzen Mercedes steigt. Die Taxifrau beweist Reife und Selbstständigkeit und natürlich, dass sie über einen Haufen Geld selbst verfügt. Sie hat alleine die Entscheidung getroffen hierher zu fahren, ist nicht auf den 5 Meter 12 langen Penisersatz ihres Mannes angewiesen - wenn sie überhaupt verheiratet ist; denn sie muss nicht heiraten, um in dieser Gesellschaft anerkannt zu sein. Sie wohnt auch bestimmt in einer dieser Villen am Stadtrand, mit neogotischen Säulen und einem Kiesweg und Zypressen auf dem getrimmten Rasen, der eine Spur zu satt aussieht für diese Jahreszeit. Die Fahrt in die Innenstadt kostet sie garantiert 80 bis 100 Euro. "Aber man kann's sich ja leisten, nicht wahr?"
Verrucht ist das Taxi, wenn Mann von der Helene kommt, oder von der Barbara, von der keiner weiß, und das schlechte Gewissen plagt einen schon sehr, besonders beim Anblick der glücklichen Familienfotos, die all abendlich beim Lichtausmachen im Büro zu Bette geküsst werden. Da wird der Sexualakt schnell zum Kriminalakt - in den Köpfen -, und das perfekte Verbrechen will getarnt sein: Der Terminplaner schön offen liegengelassen und für die Frau Gemahlin zum Stöbern einladend - natürlich fingierte Termine. Die Miniflasche Febrece, die die letzten feromonischen Beweisstücke der heimlichen Geliebten in Wohlgefallen auflöst, denn nur Febrece entfernt den Geruch, anstatt ihn zu übertünchen ... jetzt testen: das neue Febrece antibakteriell. Ich schaue definitiv zu viel fern.
Und natürlich das Taxi ... Das Standard-Fluchtfahrzeug aus der Vernunftehe, denn der Ehevertrag ist hart, und man möchte ja den Kindern solche Szenen ersparen. Es gibt Kollegen, die sagen, sie bräuchten die allwöchentliche Taxifahrt mittlerweile bereits, um sich auch erektionstechnisch in die richtige Verfassung einzuschwingen. Manchmal glaube ich den Testosteron-Gestank in den abgegriffenen Rindslederpolstern altgedienter Taxis zu riechen.

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