Feuilleton der Ausgabe 13 - mitte
brigitte fuchs | kodo, der kosmische dolm
oder Legenden und der Mythos „Mitte“
Ohne Zweifel gibt es im Universum angenommene Örtlichkeiten und Punkte, die zwischen, neben, über oder unter anderen angenommenen Örtlichkeiten und Punkten liegen. Daher kann die „Mitte“ auch nicht ausschließlich als Mythos betrachtet werden. Beispielsweise wissen wir aus dem Mathematikunterricht, dass es für geometrische Flächen und Körper Formeln gibt, womit sich deren „Mittelpunkte“ berechnen lässt. Dazu ist einschränkend... lesen
julian blunk | zur mitte finden
Der Mensch im Zentrum verschiedener Kunstepochen
In der Renaissance, das weiß man genau, war die Welt noch in Ordnung. Denn in der Epoche ebenmäßiger Körper, makelloser Landschaften und zentraler Grundrisse stand in deren Mittelpunkt zentralperspektivisch fokussiert der Mensch. Den schönsten, höchsten und wertvollsten Ausdruck fand diese Tatsache, auch das ist gut bekannt, in Leonardo da Vincis Zeichnung des vitruvianischen Menschen – so rein, dass seine vollkommene Visualisierung g... lesen
christiane kalss | bis einem schwindlig wird
Vom Suchen und Erfinden möglichst mittelmäßiger Mittelpunkte
Sie gehören dazu. Ich gehöre dazu. Wir gehören zu den Suchern. Sie suchen wahrscheinlich gerade andere Dinge als meine pinkfarbenen Handschuhe und eine neue Wohnung für mich, was eigentlich bedauerlich ist, doch zumindest auf einer Suchexpedition befinden wir uns gewiss gemeinsam. Wir alle sind auf der Suche nach Mittelpunkten. Mittelpunkten, in denen man für eine Weile stehen kann, Mittelpunkten unseres Planeten, zu denen man reisen kan... lesen
vrääth öhner | punkt ohne ausdehnung
Zur Philosophie der Mitte
„Gibt es ein Leben vor dem Tod?“ In großen, schwarzen Lettern gemalt, verziert die Frage eine Wohnzimmerwand, die zu einem gerade noch besetzten, nun aber zum Abbruch freigegebenen Haus gehört. Ohne Zweifel richtet sie sich an die Öffentlichkeit und nicht an jene, die dort gewohnt haben, schließlich ist der Abbruch des Hauses gegen den Widerstand seiner Bewohner und deren politischer Verbündeter durchgesetzt worden. Jene, die gekomme... lesen
wolfgang kühnelt | nilfisk schlägt zidane
Das Ende der Kunst im Mittelfeld
Anlässlich der WM 2006 in Deutschland überhäufen uns die Buchverlage mit neuen Werken zum Wesen des Fußballsports. Da erscheinen historische Weisheiten nicht gebunden, sondern auf einen Lederball gedruckt, Fakten-Sammlungen werden gestaltet wie christliche Gesangsbücher und natürlich vermarktet man auch wieder die allseits beliebten und wie von Geisterhand geschriebenen Selbstdarstellungen berühmter Spieler. Kaum ein Fußball-Text abe... lesen
serjoscha wiemer | glückliche consolencowboys?
Das Universum verdichtet sich zwischen den Rändern der Mattscheibe
Alles zieht sich zusammen, die Stirnfalten etwa, in höchster Konzentration während einer Kampfszene. Wenn man Videospielern bei ihrer Arbeit über die Schulter guckt, den „Zockern“, die sich in Bildschirmwelten durch enge Gänge bewegen und sich den Weg freischießen müssen, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier für Momente des Spiels die Welt auf einen kleinen Punkt zusammenschnurrt. Das wahrnehmbare Universum ve... lesen
sarah fötschl | die wahrheit in der mitte
Mitte versus Anfang und Ende
Mitte bitte, nun denn, diese auszuloten, ob sie etwas taugt, soll hier einmal der Versuch sein. Ich persönlich müsste an dieser Stelle ja im Moment an den ph-Wert denken, meine persönliche Mitte, der Magen, wo übrigens auch mein Herz liegt, soll hier jedoch nicht inhaltlich zerlegt werden. Viele Meinungen gehen ja dahin, dass sie sagen, das Wahre sei in der Mitte zu finden. Die Ausgeglichenheit, die Gerechtigkeit, die Balance und die gold... lesen
werner schandor | ad absurdum
Das Weltgesetz der Hypertrophie harrt seiner Verbreitung
Die schlimmste Phase habe ich schon hinter mir: Das war mit einem Computer, der noch unter Windows 98 lief. Irgendwie hatte ich es geschafft, ihn so lahm zu machen, dass allein das Aufrufen eines neuen Word-Dokumentes bis zu zwei Minuten dauerte. Dann ergatterte ich aus dem Internet und von Software-CDs, die Computermagazinen beiliegen, allerlei Gratisprogramme, die versprachen, meinen PC schneller zu machen. Also tunte und entrümpelte und w... lesen
patrick merziger | der humor
Rasendes Monstrum, stille Idylle, keine Mitte
Die Mitte ist immer prekär, als Zustand kippelig. Die Sehnsucht nach der dauernden Mitte, dem eigenen Ruhepunkt und dem Idyll ist umso größer. Galina Berkenkopf fand ihre Mitte an einem Ort und zu einer Zeit, die wenig geeignet erscheinen: in Bonn im Herbst 1943. Der Humor entdeckte ihr diese Mitte: Septembermorgen im Walde. Die Stille webt unhörbar Frieden. Es ist gut, Atem zu holen und alle Sinne ausruhen zu lassen. In einer Fr... lesen
katja schmid | essen in hülle und fülle
Über Kraut- und andere Wickel
Montag, den 7. November Momentan bin ich im Wickelwahn. Alles, was ich koche, muss ich einwickeln, in Kohlblätter, Wirsingblätter, Spinatblätter, Bananenblätter, Schweinenetze, zur Not auch in Küchengarn. Gestern hat mein Freund das Abendessen verweigert, weil meine geschnürten Paprikaschoten aussahen wie Bondageopfer. Das mit dem Wickeln geht nun schon zwei Wochen so. Es begann mit einem geschmacklosen Krautwickel bei Ikea. Das k... lesen
ann cotten | wie ich mich, mich juckt das preispickerl am hals so, dem großen gomringer genähert
der gomringer war grad fischen, da sprang ich ihm fühlig auf den buckel und rutschte ab. meine hand versuchte sich am itüpfelchen über seinem kopf festzukrallen, aber das war völlig sinnlos. ich hatte dann flach am rasen liegend ein fettiges itüpfelchen in der handfläche liegen und erst recht keinen festen halt. der gomringer drehte sich um und sah mich an, ich weiß nicht wie. er klemmte etwas mit seinen lipp... lesen
klaus nathaus | die schönste mitte berlins
Erkundungen im Wedding
Ihr letzter Umzug hatte Carla in den Wedding verschlagen bzw. in die, wie es die Dame im Einwohnermeldeamt ausdrückte, „schönste Mitte Berlins“, schließlich war der Wedding bei der letzten Bezirksreform gemeinsam mit dem Tiergarten dem neuen Großbezirk „Mitte“ zugeschlagen worden. Tatsächlich erreichte man vom Leopoldplatz, Weddings Mitte, aus die Kreuzung Friedrichstraße/Unter den Linden in zehn Minuten; der Bahnhof Z... lesen
eva martischnig | mittel.punkt.mitte.
Zur Lage
Wenn man im Mittelpunkt einer Party stehen will, darf man nicht hingehen. - Audrey Hepburn Die Mitte ist eine Frage der Position. Als solche steht sie relational zu einem Gegenüber, mit dem verglichen und an dem gemessen werden kann. Und damit ist schon jeder Versuch einer Verortung der Mitte relativ. Und dennoch wird die Mitte als zentraler Maßstab herangezogen, um unsere Umgebung zu erfassen. Mit der steigenden Bedeutu... lesen
claudia rief-taucher | halt mal die luft an!
Eine Schnupperstunde beim Wellness-Coach.
Warm Up Halt’ mal die Luft an. Noch immer anhalten. Noch ein bisschen, bitte! So: Und jetzt wieder einatmen! Gründlich. Ist dir was aufgefallen? Sicher, du warst erleichtert. Du hast den Brustkorb gehoben, wahrscheinlich auch die Schultern, das Schlüsselbein. Du hast deine Lunge mit frischer Luft gefüllt, vielleicht auch ein bisschen geseufzt beim Ausatmen. Aber: Hat sich dein Bauchnabel gehoben, hat sich deine Bauchdecke... lesen
werner schandor | 84.000 wege des verstehens
Im Schatten der Auseinandersetzung des Christentums mit dem Islam blüht in Österreich der Buddhismus vor allem in seiner tibetischen Variante
Das mediale Interesse ist auffällig. Stern, GEO und National Geographic widmeten dem Buddhismus in den vergangenen Monaten Coverstorys und ausführliche Reportagen. Vielleicht ist das ein Indiz für das Bedürfnis des Westens nach echter Spiritualität abseits des Esoterik-Selbstbedienungsmarktes; vielleicht auch nur das Bedürfnis von Journalisten, einmal eine Weltreligion ins Rampenlicht zu rücken, die nicht mit penetranten fund... lesen
stefan schmitzer | der schlussstein im verfassungsbogen
Von den Fallen der Vulgärdialektik
Wäre ja nichts Neues: „Gesellschaftliche Mitte“ ist kein irgendwie objektivierbarer Ort, an dem der ideologische oder einkommensmäßige oder lebensgefühlige Durchschnitt einer Gesellschaft säße. Freund Sozialforscher irrt hier: Sie hat eben entweder einen Mann und ein Kind und keinen Job, oder keinen Mann und zwei Kinder und ein Angestelltenverhältnis, oder sonstwas, die Österreicherin, und gehört somit einer bestimmten (wi... lesen