Literarische Texte der Ausgabe 13 - mitte
egyd gstättner | märchen vom schönen leben
Es waren einmal sieben Zwerge, die hießen Novak, Oberhammer, Voglhuber, Deutschbauer, Jedlautschnig, Hochedlinger und Wallisch. Einer bekam Bauchspeicheldrüsenkrebs, einer Speiseröhrenkrebs, einer Prostatakrebs, einer Hautkrebs, einer Dramkrebs, einer Lungenkrebs und einer Knochenkrebs. Da waren es nur noch null. Bevor es aber soweit war, zeugten die sieben Zwerge mit einer isländischen Gebietskrankenkassaangestellten sieben Zwergen... lesen
michaela hawlik | ab durch die mitte
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Ich bin am Ende meiner Kräfte. Links und rechts von mir wird wild gestikulierend diskutiert über die Landtagswahlen, die politische Entwicklung in der Steiermark, Wien, Österreich, Deutschland, Europa. Ich kann nicht mehr folgen, nichts mehr hören von links, rechts, der dünnen Mitte, ich will die Müdigkeit Oberhand gewinnen lassen. Ich zähle von zehn bis null, stehe auf, ganz ohne Vorwarnung, schüttle höflich die Hände, wünsche... lesen
klaus ebner | reflektor
Ein Fall von Mediokrität, sagte er, purer, schrecklich purer Mediokrität, an welcher er nichts Beschönigendes ausmachte, so sehr er sich auch abmühte, solches herauszupicken und in den Vordergrund zu schieben. Nein, vermutlich spielte es nicht einmal eine Rolle, ob er die Studienabschlüsse, die in seiner Tasche ruhten, auf den Tisch legte oder nicht, denn dort, wo dieses sinnvoll wäre, verbarg er sie ängstlich, und do... lesen
stefan schmitzer | (viertausend, gleißen)
na also. viertausend im minus, ist das nichts? bürgerkrieg im sudan, inflation bei den amis, lebensmittelknappheiten wohin man schaut? im garten, hinterm haus, schwer einzusehen, sitzt frau hoffnung, schnuppert, denkt an früher, na, ist das nicht eine scheiß-allegorie, zu simpel und doch zu gelehrt im abgang? bloch in rechnung gestellt, und benjamin, und trotzdem viertausend im minus, mag schon nicht mal mehr kiffen, od... lesen
ferdinand schmatz | widerlich*
oder wer sorgen hat hat auch kümmel
etwas nicht austragen knospen etwa einblühen lassen immer wieder verlangt das sein treu das schön sein - rosen und garten plagen lieber fort fahren weg klagen den ort aus wort und sparten so der brauch wieder mal wider ich das du spielen wir die arten durch ausgelegt aufgegangen der spaten sticht meine wie deine male es gehört sich nicht was ich züchtet (spricht) bricht man nicht so e... lesen
günther freitag | nausea
Erinnerungssplitter
Vicenza an einem Sonntag im Februar. Spaziergänger auf dem Corso, in den Parks, auf der Piazza Signori. Turtleskinder, Jugendliche auf Motorrädern, vor einer kleinen Bar Männer mit einem Radioapparat, die auf die Fußballergebnisse warten. Um nach dem Ende der Spiele enttäuscht ihre Totoscheine zu zerknüllen. Stillstand der Zeit. Die Idylle, als Ort begriffen, ist der Platz des Nicht-Denkens, der starre Text der Agonie. Der abge... lesen
helmut eisendle | nachtland
Für die Bewohner und Organisatoren des Vinzidorfes in Graz
Ein guter Mensch bemerkt während eines Spazierganges wie ein böser schlechten Gewissens an ihm vorbeischleichen will. Erbost läuft der Gute dem Bösen nach und stellt ihn zur Rede. Als dieser keine Antwort gibt, überwältigt er ihn und schleppt ihn zur Polizei. Der böse Mensch ist darüber sehr traurig und nimmt sich vor, sein Leben zu ändern und ein guter Mensch zu werden. Der Mensch hat um sich und in sich ein großes Reich aufgebaut... lesen
franzobel | monolog der gitti w.
Auszug aus dem noch unveröffentlichten Theaterstück „Das Knie der Japanerin“
Gitti in ihrer Wohneinheit, sich die Beine rasierend: Putzen. Was hab ich denn sonst, vom horizontalen Gewerbe abgesehen, noch für Chancen? Putzen kann ich gehen. Aufwischen. Ins Gastgewerbe. Fabriksbesitzer hat er gesagt. Industrieller. Pha, ein läppisches Bräunungsstudio, das nichts bringt. Ich putze gerne, ich halte das nicht aus, wenn keine Ordnung ist, die Blusen müssen Millimeter, säuberlich geschlichtet sein, und meine Lippe... lesen
christian loidl | kleinstkompetenzen
„erinnerungen aus einer geheimen kindheit“. Ein Vorabdruck
da hats einen gegeben der hat sich die ohrwaschln weggeträumt wie er auf die nacht eingeschlafen ist hat er gesagt: wenn ich jetzt träum dann träum ich mir die ohrwaschln weg und zieh mirs in den kopf weil im traum brauchst du ja gar keine waschlohren weil du eh alles aso auch hören kannst und das hat gestimmt und wie er aufgewacht ist hat der bub keine ohren mehr gehabt und seine oma hat gesagt: das... lesen
andreas domweber | die hendl-maden-katzen-kotzen-geschichte
In der tiefen, hohen Weststeiermark, zum Beispiel am Hirschegger Berg, habe ich eine der schönsten Geschichten meines Lebens erlebt. Dort, also am Hirschegger Berg, wo der Zenzbauer seinen Misthaufen hat, habe ich einige Monate meines Lebens in erregenden Ferienlagern verbracht und habe dort nicht nur das Rauchen gelernt, sondern auch einiges über den Umgang mit Geistern und Dämonen, dem Wetter und den Bäuchen der Stadtkinder, die s... lesen
egyd gstättner | damals in jesenice
Einmal waren wir in Jesenice, heißa, das waren Zeiten, denn damals waren wir noch nicht in Beschlag genommen von Todesangst und Nierenleiden, Privatkonkursen, Vorweihnachtsglühweingestank und Diktatur. Noch galt unser heiliger Eid, uns nicht unters Joch der Wirklichkeitsprotze spannen zu lassen, und wir scherten uns nicht um Hunnen und Goten. Was kümmerten uns das Einfamilienernährungsgestöhn, die Zusatzpensionsgelüste und das Lu... lesen
elisabeth wandeler-deck | weil es keine markierung gibt
Das ist ja ganz abscheulich, sagen wir beide gleichzeitig. null Uhr dreissig Fotze! sagte sie, Hustengeräusche abgezogen nein dies nicht lebenslänglich. Sagt sie und sie ist noch draussen jederzeit und dieser Duft oder Aufguss von Pfefferminzblättern. Lebenslänglich jederzeit lebenslänglich gedacht jede Zeit als eine lebenslängliche, wiedergeholte oder abgehalfterte gedacht. Die Türschwellen sind schon von Paaren belegt wer kan... lesen