ann cotten | wie ich mich, mich juckt das preispickerl am hals so, dem großen gomringer genähert
der gomringer war grad fischen, da sprang ich ihm fühlig auf den buckel und rutschte ab. meine hand versuchte sich am itüpfelchen über seinem kopf festzukrallen, aber das war völlig sinnlos. ich hatte dann flach am rasen liegend ein fettiges itüpfelchen in der handfläche liegen und erst recht keinen festen halt. der gomringer drehte sich um und sah mich an, ich weiß nicht wie. er klemmte etwas mit seinen lippen fest, war es loser tabak, grashüpfer oder ein größeres insekt. seine gedanken waren damit beschäftigt, und sich davon loszumachen und sie mir zuzuwenden hätte unter umständen lebensgefahr bedeuten können. „sie fischen im teich vom piringer jörg,“ sagte ich. „mch meiff,“ sagte er, „mfie flupfm mr mmr dvn! bbr nn chmb mch! mnd bmn gmb mch nmmr chr!“(1) ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte, aber dann fiel mir ein, ich könnte mich dafür interessieren. das wäre höflich. „was denn?“, fragte ich. dem gomringer war offenbar meine frage zu blöd. er wandte sich ab, nicht ohne dass das bewusstsein der größe seines rückens unsere überlagerten intimsphären erfüllte. es kann ein tiefes und angenehmes gefühl sein, schweigend nebeneinanderzusitzen, wenn jemand fischt. ich genoss die stille, die mit gomringer zusammen gar nichts bedrückendes hatte. es war eher ein gefühl der erleichterung. zu oft haben sich mir schon erzählungen aus dem leben tagelang in den kopfröhren festgesetzt. stattdessen plätscherten hier die schwäne. schwäne sind das verkehrte von eisbergen und auch von guten gedichten. schlechte gedichte sind dagegen wie schwäne. gute gedichte sind wie schwäne, die mit den füßen nach oben und der gefiederpracht nach unten schwimmen. das ist glaube ich vorher in der formulierung nicht klar geworden. man könnte auch sagen, wie enten, die nach futter grundeln. aber die enten grundeln immer nur kurze zeit, und gedichte sind wie ewigkeit, daher sind die verkehrten schwäne besser und heiliger. der eine schwan jedenfalls begann dann eine babyente zu jagen, auf die brutalste und gehässigste weise. die babyente wusste noch gar nicht, wie man untertaucht, und war daher unausweichlich auf der wasseroberfläche dem schwan ausgeliefert. der schwan wusste aber, wie man untertaucht, und attackierte die babyente von unten. ich wunderte mich, dass dies den gomringer völlig kalt ließ. zumindest hätte er sich um seine buchstaben sorgen müssen, die zweifellos vor dem krawall ans andere ende des teichs flohen. aber er saß da, als wäre nichts als sonnenschein und ein leichter wind. indessen hatte der schwan die babyente am kopf gepackt und untergetaucht und beide waren in den schummrigen tiefen verschwunden. ich wartete mit angehaltenem atem und verfolgte mit dem blick die luftbläschen, die eine spur durch den teich legten. vom linken ende nach vorne rechts, dann in einem zarten bogen entfernten sie sich, verschwanden kurz, um diesseits der schwimmenden mutterentenzentrale wieder aufzutauchen, sich immer nähernd. schließlich tauchte der schwan auf, zuerst verkehrt, dann seitlich, dann kippte er sich, wie eine badewannenente, mit schwung zurecht und blickte ganz starr den gomringer an. aus seinem schnabel heraus zappelte ein entenbeinchen. jetzt war ich ganz schockiert. „so tun sie doch was!“ flehte ich den gomringer an. er blieb sanftmütig und unbeweglich wie ein von vielen wassern abgewaschener granitstein. erst jetzt, da ich mich vor ihn, also zwischen ihn und den schwan gestellt hatte, las ich, was auf seinem tshirt stand. es war eine konstellation:vom rand
nach innen
im innern
zur mitte
durchs zentrum
der mitte
nach aussen
zum rand
...mehr in Heft 13