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patient spezial | ausgabe 14


14 - patient spezial

sie sind nicht krank, sie sind durstig!

Wer Visionen habe solle doch, bitteschön, zum Arzt gehen, beschied Helmut Schmidt, ehemaliger Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, all jenen, die sich mit einer solchen Bürde belastet sahen (heimische Medien legen dieselbe Äußerung gern seinem österreichischen Pendant Franz Vranitzky in den Mund). Ob diesem Aufruf in größerem Stil Folge geleistet wurde, ist nicht überliefert, was gemeint war, ist allerdings klar: Die Übersch... lesen



Feuilleton

bernhard wieser | die todgeweihten grüßen dich!

Die moderne Genforschung schickt sich an, den Begriff der Krankheit nachhaltig zu verändern

Krankheit rührt an der Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit. Sie beinhaltet die Erfahrung, dass der eigene Körper verwundbar ist, dass er nicht immer so funktioniert, wie man es sich wünscht, und schließlich irgendwann aufhören wird zu arbeiten. Krankheit ist an die Hoffnung auf Heilung gebunden, dass es wieder so wird, wie es war, dass alles gut wird, alle Schmerzen abklingen und man zurück in das unbeschwerte Leben kehren wird. K... lesen


hermann götz | kranken-klassen

Über Gesundheit als höchstes Gut und elitäres Konstrukt der Gesellschaft

Es ist nicht so, dass sie mit den Schultern zucken würde. Aber so etwas wie ein Schulterzucken liegt unzweifelhaft in der Stimme von Tante Gerda, wenn sie ihren Lieblingsspruch ausspuckt, der mindestens so resignativ ist, wie er optimistisch sein will: „Hauptsache, wir sind gesund“. Womit sie definitiv nicht sich selber meinen kann. Aber das ist eine andere Geschichte. Unsere Geschichte beginnt hier, weil Tante Gerda auch ganz anders hei... lesen


barbara kampas | zustände ohne aufstände

Eine Menagerie

Arzt oder Patient? Götter in Schwarz oder Weiß, Nullen oder Einser, Opfer oder Täter? Eines Tages steht jedes Kind, bevor es endgültig groß geworden sein wird, vor der Wahl: Arzt oder Patient zu sein, Macht oder Ohnmacht zu pflegen. Eine Frage der Bequemlichkeit. Patienten liegen im Bett, Ärzte sind rund um die Uhr erreichbar. Weil Ärzte ihrerseits so schlecht im Bett liegen und ständig aus diesem gerufen werden, sind sie die schle... lesen


brigitte fuchs | milzbrand

Aus Krankheiten lernen wir, dass Asien irgendwann nicht mehr in ganz Asien vorherrschte

Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. Sie tragen einen weißen Flaus und sind mit Schrot zu schießen Ich schieße keine Möwe tot, ich laß sie lieber leben und füttre sie mit Roggenbrot und rötlichen Zibeben Christian Morgenstern, Möwenlied, 1905 Seuche Ohne Zweifel gibt es Patienten. Die Frage ist, ob sie auch wirklich krank sind. Die Medizin als florierender, kommerzieller Wissenszweig beantwortet diese Frage allerdin... lesen


reinhard braun | liebling, ich habe die kinder ...

oder: Für eine neue Geständniskultur in progress

Allein schon die im deutschen Sprachgebrauch eher unübliche bis verpönte Anrede „Liebling“ deutet an, dass der Ausrufungssatz sich nur auf eine Katastrophe beziehen kann (und so legt es auch der Inhalt des dadurch zitierten Films nahe): ... fernsehen lassen, ... mit Milchschnitten ruhig gestellt, ... abzuholen vergessen. Die Anverwandlung anglizistischer Umgangsformen mündet in ein Eingeständnis des Versagens, eines Ungenügens und ei... lesen


sabine dengscherz | leiden: kein eintrag

oder: Wie das corpus das Ruder über- und die mens an die Kandare nimmt

Jenseits der Dreißig kommen die Wehwehchen. Das sagen alle. Und alle können nicht irren. Also zweifelst du allmählich an dir selbst. Bis jetzt hast du dich eigentlich nicht für zurückgeblieben gehalten. Aber so ist es nun mal: Die ersten dreiunddreißig Jahre deines Lebens bist du nachgerade unverschämt widerstandsfähig. Und schon auch irgendwie stolz darauf. Deine Hausapotheke füllt nicht einmal eine halbe Schuhschachtel, bei der Soz... lesen


monika wogrolly-domej | die hinfällige seele

Über Personalität und Würde in der Medizin

Der in der Bioethik und modernen Medizin etablierte Personbegriff entfernt sich zunehmend von christlichen Ansichten einer Unantastbarkeit menschlichen Lebens und von dessen besonderem Wert. An die Stelle des Menschen, dem nach christlichem Denken bereits unmittelbar nach der Zeugung zentrale Rechte, wie ein Lebensrecht und Menschenwürde, zukommen, tritt nunmehr ein menschliches Wesen, dessen Personalität und Rechtsstatus im Lauf seines Leb... lesen


alexandra rollett | mein ich ist hirntot

Nachruf auf einen geliebten Patienten

Nicht nur trauern wollen wir, dass wir es verloren, sondern dankbar sein, dass wir es gehabt. Meinem ICH ging es schon seit geraumer Zeit nicht besonders gut. Es war nicht nur erschöpft, was ihm Alain Ehrenberg in seinem viel zitierten Buch Das erschöpfte Selbst gerade noch zugestanden hätte. Es musste eine Reihe äußerst bedenklicher Burnouts verkraften: neuronale Synapsen durchgeschmort, moralisch-ethische Sicherungen geflogen und a... lesen


karl hofbauer | und was macht der hase?

„Schön sieht man bei der Operation nicht gerade aus. Mit dem Stahlrohr im überstreckten Hals, durch das Sie übrigens der Chef persönlich operieren wird, sieht man ein bisschen aus wie ein Hendl am Spieß.“ Ob die an sich sehr sympathische Anästhesistin das nur mir oder allen Patienten anvertraute, die an den Stimmlippen operiert werden sollten, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hatte ich mich noch nie selbst als Hendl am Spieß visu... lesen


eleonore zorn | der öffentliche patient

Über Sinn und Zweck moderner Inneneinrichtung

Frau Schmitt ist krank. Das ist ihr peinlich. Ihr Image als flotte Mittfünfzigerin leidet darunter, besonders im Büro. Unter keinen Umständen möchte sie, dass die jüngeren Kollegen sie für nicht mehr belastbar halten. Sie tut ja auch alles, um gesund zu bleiben, macht Yoga, ernährt sich vollwertig, geht ins Fitness-Studio, achtet auf ihr Gewicht. Umso mehr ärgert es sie, dass ihr Körper anfängt, da und dort zu schwächeln. Sie wa... lesen


benedikt narodoslawsky | advertale influenza

Wir sind nicht nur werbe-degeneriert, sondern auch werbegeneriert

Ich bin krank. Mein Hausarzt diagnostizierte Advertale Influenza (AI) im fortgeschrittenen Stadium. Der Doktor übersetzte mir das als fieberhafte Beeinflussung durch Werbung. Ich leide an den krankheitstypischen Symptomen Kaufrausch und paranoide Naivität. Die Krankheit ist nicht tödlich – aber sie ist lästig. Ihr Erreger, penicillinresistent und großteils noch unbekannt, heißt Bacillus oeconomicus. Er breitet sich schleichend aus... lesen


michaela schröder | krankheit macht schulden

Gesundheit beinhart kalkuliert

Neuerdings spricht man von ”Human Resources”. Da die ”Ressource” laut Lexikon als ”natürliches Produktionsmittel für die Wirtschaft” definiert wird, darf man den Terminus ”Human Resources” wohl analog verstehen. Das menschliche Produktionsmittel gehört zu den wesentlichen Voraussetzungen nationalen Wohlstands – gleich wie das Vorkommen an Bodenschätzen, fruchtbarer Humus zur landwirtschaftlichen Nutzung und gewisse klima... lesen


gabriele feyerer | kein mensch träumt von aller medizin

Ascorbinsäure versus Vitamin C. Plädoyer für eine ganzheitliche Heilkunde

Patient, sprich „Duldender“ zu sein, ist heutzutage kein Leichtes. Wer das Wartezimmer eines rein schulmedizinisch orientierten Arztes betritt, kann sicher sein, es nicht ohne Diagnose und passendes Rezept zu verlassen – gleich wie gesund oder krank er in Wahrheit sein mag. Ich empfehle den Selbstversuch. Der bekannte Satz eines Zynikers: „Wem nichts fehlt, der ist noch lange nicht gesund, sondern bloß nicht richtig untersucht“, sc... lesen


andrea hiller , jürgen plank | der geist des büffels

Der Blackfoot Pablo Russell über den Sonnentanz oder: Was Indianer tun, wenn eine Verkühlung im Anmarsch ist

Die Blackfoot waren bis vor rund 300 Jahren halbnomadische Jäger und Sammler in einem Gebiet westlich der großen Seen. Anfang des 17. Jahrhunderts wichen sie den Algonkin und der beginnenden Kolonisierung Nordamerikas und zogen gen Westen, wo sie auch heute leben: Im US-Bundesstaat Montana und in der kanadischen Provinz Alberta. Pablo Russell ist Blackfoot Blood und lebt in der Stadt Calgary. Seine Familie zeigt im Kleinen einen Prozess... lesen


werner schandor | ein normaler dienstleister

Gespräch mit einem Chirurgen über das Handwerk des Heilens und die Selbstdefinition von Ärzten im Wandel der Zeit

Der Grazer Helmut Müller wusste bereits 1977, als er 12 Jahre alt war, dass er Arzt werden wollte. Seit 1993 steht er als Facharzt für Chirurgie im OP. Sein Schwerpunkt ist die Organtransplantation, insbesondere die Transplantation von Niere, Herz und Lunge. Mit diesem Thema befasst er sich auch in Forschungsarbeiten. Der habilitierte Mediziner arbeitet an der Universitätsklinik Graz, wo er an der Abteilung für Transplantationschirurgie d... lesen



Literarische Texte

wolfgang gulis | danke gut

Dramolett in sechs Patientenakten

I. Oberarzt Dr. Huber trifft Oberarzt Dr. Meier am Gang, hält den Befund vom Patienten in der Hand. Dr. Huber: Ah schön, dass ich Sie treff´, werter Kollege, kann ich Ihnen gleich den Befund des Patienten geben. (Liest vor): MR Leber. Ergebnis: Ca. 3,5 cm großer parenchymzersetzender Prozess am Übergang vom Segment 2 zu Segment 3 des linken Leberlappens nahe der Fissura interhepatica. Der Prozess liegt den Gallenwegen an. Ein Neoplasm... lesen


egyd gstättner | gesundheitskunst

Höchste Zeit, dass ich einmal von Dr. Orlowski erzähle, meinem Hausarzt, der sich seit vielen Jahren aufopferungsvoll, wenn auch mit untauglichen, nämlich medizinischen Mitteln um eine Gesundheit – oder sagen wir genauer: meinen Gesundheitszustand – kümmert. Denn mit Gesundheit hat mein Gesundheitszustand leider nicht viel zu tun. Ob man vom Gesundheitswesen spricht, vom Gesundheitsreferat, Gesundheitsministerium, vom Zentrum für see... lesen


egyd gstättner | vom kaputtreparieren

Eines der Worte, die in den letzten Jahrzehnten enorme Karriere gemacht haben, ist das Wort Depression. Und damit hat auch die Zahl derer, die daran leiden, sprunghaft zugenommen. Wenn meine Eigendiagnose zutrifft, zähle auch ich zum Kreis der Gelegenheitspatienten. Ich habe eine Schachtel Xanor in der Hausapotheke, und eines Tages werde ich sie öffnen! Ich meine es gar nicht ironisch, wenn ich die Malaise heimtückisch nenne: Man kann zum... lesen


gabriele rauch | nachsorge

Die Frau wartet im Wartezimmer. Andere Frauen warten im Wartezimmer. Die vor dem Fenster blättert in einer Zeitschrift, die mit dem Kopftuch greift nach ihrem Handy, die neben der Tür tröstet ihr Baby im Autositz. Eine Frau in Kostüm und Bluse dreht alle zwei Minuten nervös an ihrer Armbanduhr. Die Frau wartet bloß. Die Tür öffnet sich. Ein Mädchen in weißem Kittel ruft die Frau auf. Die nimmt ihre Tasche, steht auf, folgt dem M... lesen


amber rusalka reh | nachbarn

Zum ersten Mal passierte mir das, ich meine, dass ich meine Nachbarn hörte, in meiner ersten Wohnung. Ich stand im Bad und cremte mir das Gesicht ein, dabei summte ich ein Lied, das ich am nächsten Tag im Stühlchenkreis mit den Kindern singen wollte. Ein Himmel ohne Sonn, ein Garten ohne Bronn, ein Baum ohne Frucht, ein Mägdlein ohne Zucht, ein Süpplein ohne Brocken, ein Soldat ohne Gewehr sind alle nicht weit her. Ich hörte pl... lesen


katharina bendixen | menschen mit zettel und stift

Ich habe eine schwache Blase, deshalb verbringe ich täglich ungefähr zwanzig Minuten länger auf der Toilette als andere Menschen. Das sind im Jahr über fünf Tage. In zwanzig Jahren werde ich einhundert Tage mehr auf der Toilette verbracht haben als andere Menschen. Ein normaler Mensch ist bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von siebzig Jahren einhundertsiebenundsiebzig Tage seines Lebens auf der Toilette. Ich dagegen werde, wenn... lesen


christoph d. weiermair | heute schon stuhl gehabt?

Fünf Minuten vor Abpfiff packt den mäßig durchtrainierten Hobbykicker noch einmal der Ehrgeiz: Er zieht einen Sprint an und ist in nullkommanichts auf Augenhöhe mit seinem ballführenden Kontrahenten. Doch dann verheddert er sich unglücklich in dessen langen Beinen und strauchelt. Herbert Prohaska würde sagen: „Das sieht bitter aus. Schade für den Spieler. Ich wünsche ihn gute Besserung.“ Tatsächlich: Der ambitionierte Fußballer... lesen


reinhard wegerth | talgzyste, ängstlich

Jetzt geht er doch tatsächlich hin! Drei Jahre trägst mich bereits herum, vorne auf der behaarten Brust, als Erhebung nahe der Brustwarze rechts, langsam wachsend, harmlos im Grund, und jetzt willst dich von mir trennen? Dabei bin ich eh kaum zu sehen, münzengroß an der Basis, leicht aufgewölbt möglicherweise, die Brusthaare decken mich ab, bin höchstens zu tasten als verhärtete Stelle, das ist wohl der Punkt. Denn wer weiß, warum... lesen


markus köhle | alltagsallotria eines koprolalisten

„Hei Falk, alles klar?“ „Kein Politikfickgedicht im Arsch, was? Auch keine Ahnung, wie breit die Palette der Damenklosprüche gefächert ist, hm? Keinen Pullunder im begehbaren Schrank und kein Mutterdispositiv vorrätig, was? Jaja, dann ist es kein Zuckerdosenwunder, wenn im hauseigenen Glasbottich kein Kevin Pascal Kloß schwimmt, sondern lediglich Engelbert Humperdinck, der Erfinder von Hänsel und Gretel. Ja, 1921 gab’s noch ke... lesen



Rezensionen

das ende eines vorurteils

Geschichten vom Balkan handeln nicht zwingend von Autodiebstahl

Dragana Tomaševic, Birgit Pölzl und Robert Reithofer: Frauen schreiben. Positionen aus Südosteuropa.

„Ja, der Balkan […], das ist unbestritten ein männlicher Kontinent.“ – So lässt es die serbische Autorin Judita Šalgo ihre Protagonistin Bertha Pappenheim im Roman Reise nach Birobidschan ausdrücken. Was ist der Balkan? Ein Konglomerat aus unzähligen Völkern, Sprachen, Religionen? Ein Krisenherd? Ein Zukunftsmarkt für Investoren? Eine Region, wo immer noch die Patriarchen und Clan-Oberhäupter das Sagen haben? Wer im Klische... lesen


das performte wort, gedruckt

Die Anthologie „textstrom“ bietet Poetry Slam in Buchform

Diana Köhle und Mieze Medusa (Hg.): textstrom. Poetry Slam – Slam Poetry

maunche tog san schee und maunche tog san schiach, des is jo fost genauso wia mit de leit! Recht hat er. Und in ein Buch hat es Didi Sommer auch geschafft mit diesem tiefsinnigen Sager. Wie ein gutes Dutzend anderer Slammerinnen und Slammer ist er mit seinen Beiträgen in der 2006 erschienenen Anthologie textstrom vertreten. Sie vereint Kurzprosa, Rhythmisches und Lyrisches, Alltagsbeobachtungen und Science Fiction, Intellektuelles und T... lesen


im osten viel neues

Interview mit Bettina Balàka über den Kriegsheimkehrerkrimi „Eisflüstern“

Bettina Balàka: Eisflüstern. Roman

Eines der beeindruckendsten Bücher des Jahres 2006 hat Bettina Balàka geschrieben. Eisflüstern heißt es, und es ist aus mehreren Gründen erstaunlich: 1.) Balàka arbeitet ein Thema auf, das in der jüngeren österreichischen Literatur ziemlich einmalig ist, nämlich die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als das große Kakanien von den Siegermächten zum kleinen „Deutsch-Österreich“ zusammengestutzt wurde und sowohl ideologisch als... lesen


hilflos beim frisör

Über Liebe, Sex und alles dazwischen

Katharina Faber: Mit einem Messer schneide ich die Zeit. Über Liebende

Beim Frisör ist man dem Musikgeschmack des Besitzers und den Lieblingsradiosendern der Nation hilflos ausgeliefert. Beim Frisör hat man außerdem Zeit, wirklich auf die Texte all dieser Radiolieder zu achten, nur um nachher zu wissen, warum man sonst gut daran tut, sie einfach zu überhören. „Come my lady, you are my butterfly, sugar baby“ oder auch „My hips don´t lie“, gibt es da zu hören. Wow. Umso krasser ist der Gegensatz, we... lesen


widersprüchliche reminiszenzen

Was Sie schon immer über Pubertät wissen wollten

Fritz Widhalm: pubertät mit mädchen

Fritz Widhalms Buch pubertät mit mädchen ist voll von widersprüchlichen Reminiszenzen an eine Zeit, als pubertierende Mädchen noch keinen Style, sondern fuchsrote Haare, „von der großmutter mehr schlecht als recht kurz geschnitten“, hatten und die ultramarinblaue Hose des Erzählers noch ein Statement war. Der Ort der Handlung ist ländlich, die Zeit durch Referenzen auf „marc bolan shirts“ und „t rex singles“ zumindest anged... lesen


fünf stationen mehr

Was sie schon immer über U-Bahnen wissen wollten

Lukas Cejpek: Dichte Zugfolge

Seit kurzem hat Wiens U1 fünf Stationen mehr, und seit kurzem hat der deutschsprachige Literaturbetrieb DAS U-Bahn-Buch schlechthin. Für ersteres ist u. a. der Wiener Maulwurf, eine 44 m lange Maschine mit gigantischem Bohrschild, für letzteres die edle Edition Korrespondenzen und der nicht nur radioaktive Schriftsteller, Theater- und Hörspielregisseur Lucas Cejpek zuständig. „Wer Zeit hat, sollte nicht U-Bahn-Fahren“, heißt es a... lesen


von der falschen freiheit

Antonia Barboric schreibt den inneren Monolog einer Generation

Antonia Barboric: Schnittpunkt Leben

Ein 23-jähriger Mann sitzt im Zug und macht sich Gedanken. Soll öfters vorkommen, gerade beim Zugfahren hat man ja die Zeit dazu. Alles in allem also nicht besonders spannend, scheint es. Antonia Barboric erzählt trotzdem, was sich im Kopf des jungen Fahrgasts abspielt. Und auch sie tut das auf recht unspektakuläre Weise: In Worten, wie man sie tatsächlich in Zügen und auf Bahnhöfen hört, gerade so, wie es eben klingt, wenn Menschen s... lesen