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noch fragen? | ausgabe 15


15 - noch fragen?

von google zu google

"I phoned Marie Marie/ I said why don’t you talk to me?/ I got fifty thousand questions,/ Can’t you answer just one please?" - The Godfathers: Walking Talking Johnny Cash Blues Irgendwann im Leben ist der abgeklärte Status erreicht, wo man zwar noch etliche Fragen hat, aber sich im Grunde über nichts mehr wundert, weil man sich damit abgefunden hat, dass man viele Dinge einfach nicht verstehen wird. Zum Beispiel wie man seinen E... lesen



Feuilleton

ann cotten | sind sie ein gedicht?

Ann Cottens existenzieller Fragebogen

1) Halten Sie sich etwas auf Ihre Schönheit zugute? a) Ja, natürlich. Sie wurde mir auch vielfach bestätigt. b) Selbstverständlich irgendwie, aber die Konstruktion ist mir wichtiger. c) [Nimmt eine Schere und zerkratzt das Gesicht, schreit dabei:] Innere Werte! Innere Werte! d) [gähnt und wälzt sich auf die andere Seite] Ja gepflegt sollte man schon sein. 2) Was denken Sie über Zeilenumbrüche? a) Nerven unglaublich. Am liebsten w... lesen


anne peters | bin ich schwanger? bin ich schwul?

Über das Wesen indiskreter Fragen und die Unmöglichkeit, sie gesetzlich in den Griff zu bekommen

Fragen sind niemals indiskret. Antworten bisweilen schon. Oscar Wilde Ein Glück für den, der sich von Fragen nicht einfangen lässt, ihnen gelassen gegenübertritt und selbst abwägt, ob er durch seine Antwort eine indiskrete Situation entstehen lässt. Er kann alle Fragen zulassen, ohne sich einzulassen. Gelassen kann also derjenige sein, der, dem Zitat Oscar Wildes folgend, glaubt, mit seiner Antwort Distanz zur Frage schaffen zu k... lesen


katharina körting | bungee-jumping mit christiansen

Vom Kitzel, sich völlig zu veräußern

Ich glaube nicht an das Individuum. Ich weiß, dass das ketzerisch ist, in dieser gottlosen Zeit, aber Individualismus ist etwas für die anderen. So wie Risikosportarten, Fun-Food oder Christiansen. Neulich ist ein komischer Kauz aufgetreten, ein Rentner  der sein Leben lang hart gearbeitet hat. Der Mann hat seine gesamte Erbschaft einer kauzigen marxistischen Splitterpartei gespendet – ohne Bedingungen! –, und ihm verdankt Christia... lesen


helga pankratz | mfaq

Jetzt steht es endlich in der Zeitung

Ich weiß jetzt nicht: Ob ich Ihnen das schon erzählt habe? Ich hab’ es im Lauf des Jahres 2006 so oft erzählt! Fast immer, wenn ich gefragt wurde: „Was machst du so?” Oder: „Wie geht’s dir?” Oder: „Wo treibst du dich denn herum? – Man sieht dich fast nie!” Ob mündlich oder schriftlich, ob am Telefon oder per E-Mail habe ich es auf Fragen dieser Art erzählt. Sodass ich fast glauben könnte, es müsste inzwischen ha... lesen


parviz amoghli | leben wir in einer vormoralischen zeit?

Das Ende der bürgerlichen Moral

Egal ob Integration, Killerspiele, Komasaufen, Klimaschutz, Familien- und Gesundheitspolitik, Managergehälter oder Nothilfemissbrauch – in der Regel dauert es nicht lange und ein Diskutant beruft sich auf die Moral, womit der Zeitpunkt erreicht ist, ab dem es nicht mehr lohnt, sich an einer Debatte, sei es öffentlich oder privat, zu beteiligen. Wie will man auch vernünftig über einen Sachverhalt sprechen, wenn der Widerrede der Makel de... lesen


brigitte radl | widerstand zwecklos!

Unbemerkt fasst es uns, unbemerkt hält es uns, unbemerkt täuscht es uns

Ein Rätsel Es ist weder farbig noch grau, weder groß noch klein, auch nicht flauschig oder kratzig. Es kann nicht fliegen, ist niemandes Freund und bekommt auch keinen Durst, wenn der Regen für längere Zeit ausbleibt. Meistens ist es stur und kümmert sich nicht darum, was die anderen wollen – ein Egoist sozusagen. Manche Leute nennen es sogar einen Nihilisten. In meinem Fall trifft das wahrscheinlich zu, denn egal was ich tue, es hat i... lesen


georg marko | offen gesagt, verschlossen gemeint

Neun mittelschwere bis schwere Fragen zum Thema Pornographie und Explizitheit

1. … absolutely explicit sex – absolut expliziter Sex: So und ähnlich wird Pornographie einschlägig beworben. Was heißt „explizit“ hier? Explizitheit ist eine heterogene Ansammlung von sich teilweise überlappenden Eigenschaften, die der Pornographie zugeschrieben werden. Es gibt sicher Unterschiede zwischen (vornehmlich) visueller und textueller Pornographie, aber grundsätzlich lassen sich die besagten Eigenschaften an beiden For... lesen


ilona kästner | träumst du schon oder lebst du noch?

Gerade der Tod stellt Fragen. Träumt sich unser Bewusstsein nach dem Sterben einfach weiter fort?

„Es hat keinen Sinn, es zu versuchen“, sagte Alice. Man kann nicht an das Unmögliche glauben.“ „Ich wage zu behaupten, dass du darin nicht viel Übung hast. Als ich in deinem Alter war, habe ich es immer für eineinhalb Stunden getan. Manchmal habe ich an sechs unmögliche Dinge noch vor dem Frühstück geglaubt.“  Lewis Carroll Unter den vielen, vielen Fragen die uns das Leben täglich stellt, gibt es einige Fragen, di... lesen


alexandra rollett | ei o-e i ei?

Der Rest ist Schweigen

Aber ab wann kann man von einem solchen Rest sprechen? Wo beginnt und wo endet er? Und warum sollte gerade für mich dieser Rest alles gewesen sein? Ich muss jetzt auf jeden Fall reden. Weil andere das einfach zu oft tun. Noch dazu coram publico, im Rampenlicht und immer zu die gleiche Leier. Denn mal ehrlich: Sein oder Nichtsein – kann irgendjemand diese Frage noch hören? Hollywoodlegenden wie Ralph Fiennes murmeln sie hinter der Bühn... lesen


julian blunk | text und gegentext

Ein Hoch auf den Ähnlichkeitsfilter

... nachzulesen in schreibkraft, Heft 15, "noch fragen?" lesen


martin gasser | google und die letzten klugscheißer

Kann nutzloses Wissen wirklich nutzlos sein? – Ein gelehrter Disput.

A (referierend, mitunter schneidend, Geheimratsecken in der Stimme): ... kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit unnützem Wissen. Das halte ich für eine ausgesprochene Diffamierung, dass es so etwas geben soll. B (behält die ganze Zeit über einen skeptischen Tonfall): Na ja, es stimmt wohl, was Sie sagen. Ich erinnere mich an einen Freund, der die sonnenschwere Ödnis eines kroatischen Strandes zum Zeitvertreib mit einem guten Beispiel an... lesen


cornelia schuss | von träumen und realitäten

oder: Was Politiker und Masochisten gemeinsam haben

Fragt man kleine Kinder, was sie werden wollen, so sagen diejenigen, die mit den Eltern schon ein bisschen in der Welt herumgekurvt sind, Pilot oder vielleicht auch Kapitän. Die, die später mal groß hinaus wollen, sagen Astronaut. Später, mit 15, will man Rechtsanwältin werden, Arzt, die künstlerisch Begabten vielleicht Bestsellerautorin oder Geigenvirtuose. Daneben gibt es noch ein paar junge Weltverbesserer, die es sich zum Ziel setze... lesen


bernhard horwatitsch | kleine reise durch den nihilismus

Wie französische Autoren die Wurzeln des Alltags-Faschismus in ihren Werken entkleiden

Beim Prediger Salomo heißt es, dass die Frau bitterer sei als der Tod. Umberto Eco lässt seinen Franziskanermönch Wilhelm von Baskerville versöhnlich sagen, dass Gott kaum ein Geschöpf erschaffen würde, ohne ihr wenigstens ein paar Tugenden mit auf den Weg zu geben. Rein wissenschaftlich lässt sich sagen: Die Frau ist ein weiblicher, erwachsener Mensch, und das geschlechtliche Gegenstück zum Mann. Die Unterscheidung liegt vor allem in... lesen


dirk werner | mehr als weniger blauer dunst

Weder Fragen noch Rauchen – die Vernunft ist ein Endpunkt

1 Jedes Verbot zeugt ein Geheimnis. In der DDR, wo praktisch alles verboten war, gab es Unmengen von Geheimnissen, von Abernichtweiter-Sagen, Mythen und Mystifikationen. Und wenn jetzt in der BRD das Rauchen in den Gaststätten verboten wird – den Rauch treibt das nicht aus. Das Verbot wird die Kultur verändern, ja, aber das Gasgemisch, einmal von den Tischen verbannt, wird anderswo die Köpfe erneut unter sich versammeln. Keine Frage m... lesen


andreas r. peternell , evelyn peternel | wer hat an der uhr gedreht?

oder: Kann die Popkultur all unsere Fragen beantworten?

„There are no answers in this book!“, musste Homer in der Kinoversion der Simpsons beim Durchblättern der Bibel verzweifelt feststellen – hätte er doch nur zur schreibkraft gegriffen. Damit nach Lektüre dieser Ausgabe auch wirklich keine einzige Frage mehr offen bleibt, haben Evelyn Peternel und Andreas R. Peternell versucht, all jene Mysterien zu klären, vor die uns die Populärkultur im Laufe der letzten zwei Millionen Jahre geste... lesen



Literarische Texte

markus köhle | viele fragen und eine antwort

Steckt in jeder Avocado ein guter Kern? Sind Sie mehr Taube als Nuss oder mehr Schwein als Schnitzel? Wie ist es um Ihr geistiges Vermögen bestellt? Mögen Sie Mägen von Tieren? Ist Religion eine verfremdete Wahrnehmung der Welt, verbunden mit einem Überlebensvorteil, oder ist Religion ein kulturelles System, das Gemeinschaften hervorbringt und stabilisiert, Ausbeutung und Betrug minimiert? Wieso fließt Strom und strömt nicht? Wer ist de... lesen


pia helfferich | Der Sinn des Lebens und alles, was man sonst noch wissen muss

Die kurze Zeit ohne Furcht verbringen. Wenn unter dem Auge kein Fältchen entsteht, ist es ein Fake. Träume sind selig. Das Gewicht der Margarine sorgt im Flug für eine Drehbewegung. Experimentieren und valuieren. 5 9 11 30 37 43, Zusatzzahl 25. Höchstwahrscheinlich ziehen Waschmaschinen ihre Kraft zum Schleudern aus den Sockengummis und verschlingen aus lauter Gier auch den Rest. Waschmaschinen sind farbenblind. Eine Zwiebel würfeln, in... lesen


roland steiner | Die Relevanz, keine Fragen zu stellen

Luther sitzt in der Welt auf Sand, der per definitionem porösen. Luther, es riecht nach Mimosen, ruf an. Skandinavisches Institut für Vergleichenden Vandalismus, Sie sprechen mit Jørge Nash, was kann ich für Sie tun? Wenn Fragen von 100 Bürgern im spanischen Fernsehen einen Quoten-, also Zitatenrekord bieten und der Premier dabei vorbestimmt strauchelt, wenn die Porta Aperta in der italienischen Grotesken Telerevision auf die Spitze trei... lesen


christian zillner | Katzen

soft-spoken she ain’t no cat living to high; maybe to loud a world drowning whispering Ovid’s inde fluunt lacrimae stillataque sole rigescunt de ramis electra Wasja! Bin Laden! Pirat! Sanft setzen sie ihre Schritte seit siebzehnhundert und vierundvierzig dreißig Katzen, Ursprungsgebiet Kasan, unter den Blicken von dreihundertdrei Wächterinnen. soft-spoken she prepares meals for Bin Laden, Wasja & the rest, Tatiana Danilova, Ei... lesen


christian de simoni | Verhöre, Inquisition, Guantanamo

Du schaust immer so böse, meint sie, lächle doch mal! – Ich werd’s versuchen, murmle ich und grinse. Nicht so, sagt sie. – Ich: Anders geht’s gerade nicht. Und, nach einer Pause: Wie geht es dir? – Sie verzieht das Gesicht. Willst du das wirklich wissen? – Würde ich sonst fragen? – Ich glaube nicht, dass dich das interessiert. Chaos pur. Depression. Weltfrieden, UNICEF, Angela und ihr neuer Freund, Stress im Büro, Ängste, Z... lesen


helge streit | und ob!

Wir haben inzwischen fünftausend Meter Höhe erreicht. Oder sind es nur dreitausend? Ich habe nicht aufgepasst. Natürlich habe ich aufgepasst. Ich bin an den Lippen des Ausbildners gehangen, als ginge es um mein Leben, und es geht ja schließlich auch um mein Leben. Trotzdem habe ich kein Wort seiner Ausführungen verstanden. Oder habe ich sie nur augenblicklich wieder vergessen? Es ist natürlich Unsinn, zu glauben, es würde mich beruhige... lesen


klaus ebner | selbsterklärend

Das Thema glaubte ich treffend zu skizzieren, ich war richtig stolz darauf, nicht wie andere zu kneifen und mich auf Ausflüchte zu besinnen, sondern den Kindern die Frage, was denn eigentlich Sperma sei, mit ruhiger Stimme und so einfach wie möglich zu erläutern, den ersten Ansatz der wissenschaftlichen Befruchtungsdarstellung ließ ich nämlich sofort wieder fallen, als ich die großen Augen und offenen Münder gewahrte, ich suchte... lesen


michy köhn | + minus jugend

- meiner 1. erinnerung nach liege ich auf einer decke – vor dem gasherd - meiner 2. erinnerung nach komme ich aus dem kindergarten – es schneit dicke flocken + ich halte meine freundin christa an der hand - meiner 3. erinnerung nach stehe ich auf dem balkon einer wohnung + weine - meiner 4. erinnerung nach komme ich weinend vom balkon – gehe ins schlafzimmer + sehe meinen vater im bett mit einer frau – die nicht meine mutter... lesen



Rezensionen

von instinkten, zombies, schönheit

Ein Gespräch mit Thomas Raab

Thomas Raab: Nachbrenner. Zur Evolution und Funktion des Spektakels

Thomas Raab, unter anderem Autor des Romans Verhalten (Tropen Verlag 2002) und Kognitionstheoretiker, hat 2006 das Buch Nachbrenner herausgebracht. Es handelt sich um eine Studie, die von einer empirischen Rezeptionsästhetik ausgeht, welche auf dem Gedanken fußt, ästhetisches Erleben sei eine Weiterentwicklung von Instinktreaktionen auf Umweltreize unter den Bedingungen des „Spiels“, des „Lernens“. Auf solcher Grundlage unternimmt... lesen


botschaften aus dem schneckenhaus

Ratloses Funkeln in Blei

Amber Rusalka Reh: schnecken / laub / turbinen. Mit Illustrationen von Aurelia Annus.

Bei der Leipziger edition carpe plumbum erscheinen Bücher wie Einblattdrucke nur in kleinster Auflage. Langsamkeit, Beschränkung und Handarbeit bilden die Grundlage der Arbeit. „Typografie zum Anfassen“ und keine moderne Computertechnik, die immer nur vereinfacht, alles bequemer macht, vom eigentlichen Produkt aber immer stärker distanziert. Die Auseinandersetzung mit neuen Texten steht im Vordergrund bei diesem Leipziger Verlag – ge... lesen


ich regen, du blase

Die Menschen sind einfach und berechenbar. Michael Stauffers neues Prosawerk zeigt, wie man davon formschön profitiert

Michael Stauffer: Normal. Vereinigung für Normales Glück.

Marcel Oliver, Ich-Erzähler des neuesten Prosastreichs Normal. Vereinigung für normales Glück des Schweizer Dichters Michael Stauffer, ist arbeitslos, und wer arbeitslos ist, hat viel Zeit, sich Gedanken zu machen und die wahren Wünsche der Menschen zu analysieren. So findet Marcel heraus, dass ein Anlagefond in Beteiligungen an religiösen Gemeinschaften investiert und folgert: Die Menschen wollen spirituellen Halt und sind bereit, für... lesen


ein rumpl für alle fälle

Manfred Rumpl hat sich einiges vorgenommen. Er hat nicht nur einen Faust-Roman geschrieben, sondern ein Buch über und gegen unsere Zeit.

Manfred Rumpl: Fausts Fall. Roman.

Faust ist von sich angekotzt. „Ich hatte einfach keine Lust mehr, fortwährend nur ich zu sagen.“ Dieser erste Satz von Fausts Fall macht das klar. So muss der Ich-Erzähler, Faust, seine Erzählung immer wieder unterbrechen. Über ihn wird berichtet. Von seinem Leben. Das nur dazu dient, sich selbst zu verbergen. Faust trinkt wie ein Loch und kifft wie ein Schlot. Betäubt sich. Denn er will gegen die Meinung anleben, was einen guten... lesen


eine million mal klo & händewaschen

Themen und Rhemen, Aus- und Abschwiffe in Steffen Popps Roman genanntem Langgedicht. Mit 14 Zeichnungen von Andreas Töpfer.

Steffen Popp: Ohrenberg oder der Weg dorthin. Roman. Mit 14 Zeichnungen von Andreas Töpfer.

Man muss Steffen Popp einem halbwegs interessierten Publikum nicht mehr lang vorstellen: 1978 geboren, nach Berlin gezogen, Lyrikband Wie Alpen veröffentlicht, von Kritik geherzt, Roman draufgesetzt, Longlist zum deutschen Buchpreis und jetzt, 2007, Rauriser Literaturpreis. Ohrenberg oder der Weg dorthin, sein Prosadebüt, kommt im entsprechend zeitgeistigen Bücher-von-heute-Design daher, das so ausschaut, dass man denkt, die Verlagsseite i... lesen


we are the hollow men

Stefan Schmitzers ganzer Blick auf das eigene Hinwursteln

Stefan Schmitzer: moonlight on clichy. Gedichte.

Rezensionen mit einer Anspielung auf den Buchtitel einzuleiten birgt durchaus Gefahren. So kann es dem gestressten Rezensenten passieren, dass er Thomas Stangls Ihre Musik in die Nähe der Popliteratur rückt, weil er wohl offensichtlich weder die Popliteratur noch Stangls Roman wirklich verstanden hat, sondern sich irregeleitet vom Titel auf völlig falschen Pfaden befindet und diese geschätzte 125 Rezensionszeilen lang auch nicht mehr... lesen


ein mann steht im wasser

Thomas Brunnsteiners schillernde Reisereportage aus dem hohen Norden und tiefen Osten

Thomas Brunnsteiner: Bis ins Eismeer. Zwölf Reportagen von den Einwohnern der Welt zwischen Polarkreis und Kaukasus

Ein Mann steht im Wasser, an seinen Waden spürt er Shrimps hochspringen, er blickt auf die See, doch wenn er sich umsieht, ist hinter ihm kein Strand, sondern tiefer Wald, die Bäume zum Teil schon abgestorben. – Mit diesem Bild beginnt Thomas Brunnsteiner die Reportage Das Meer, das atmet über das Kaspische Meer, die erstmals 2001 in der NZZ erschien und nun – gemeinsam mit elf anderen Reportagen Brunnsteiners – im Sammelband Bis ins... lesen


berliner heißkaltschnauze

Über das Verblühen in der deutschen Hauptstadt

Marion Pfaus: Memoiren einer Verblühenden. Roman.

Die „Memoiren einer Verblühenden“ beginnen wie nebenbei. Klar, wenn man nicht mehr so ganz taufrisch ist, reißt einen ein Kinobesuch (Mission Impossible 2) und anschließendes Biertrinken und Flippern nicht mehr so vom Hocker. Und wenn man gerade in Berlin verblüht, macht sich so ein bisschen ein blasiertes Etwas im Tonfall allemal gut. Deshalb stimmt es schon, wenn man sich auf Seite 2 relativ unverhofft im Bett eines bisher unbekannt... lesen


schneewittchensyndrom

Wenn ruhelose Seelen erzählen

Myriam Keil: Angst vor Äpfeln. Kurzprosa.

Allergien sind in. Man gewinnt den Eindruck, dass jeder, der mitreden will, eine haben sollte. Pollen, Laktose, Äpfel. Äpfel? Ja, durchaus. Das kann sogar richtig heftig werden, erzählt uns eine Protagonistin im ersten Buch der deutschen Autorin Myriam Keil. „Im Laufe der Zeit finde ich neun Uhr achtundvierzig als Grenze für die Apfelübelkeit heraus, die [...] ausschließlich rohe Äpfel betrifft.“ Bis zu dieser Uhrzeit verursacht ih... lesen


nihil fit sine causa

Ein Roman über die ermüdende Daueranwesenheit der Vergangenheit und ihre Folgen

Michael Krupp: Spätfolgen. Roman.

Michael Krupps Roman Spätfolgen handelt von der Kausalität der Dinge. Von Erinnerungen an eine Zeit, in der für den Mann mit dem Stock und für die gezwungen lächelnde Frau das Leben noch schön war. Die geliebte Villa mit der braun getäfelten Wohnzimmerdecke aus Eichenholz, der kleine Sohn Felix mit seinem zerfetzten Stoffteddy vor der Garage, Gäste und Feste im Partykeller, den das Ehepaar eigenhändig mit griechischen Fresken ausg... lesen