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lob dem quickie!

Klaus Ebner kommt in „Auf der Kippe“ schnell zum Punkt. Kurzprosa eben


Klaus Ebner: Auf der Kippe. Kurzprosa

Arovell 2008

Rezensiert von: hermann götz


Ein wesentliches Merkmal von Kurzprosa ist, dass sie kurz ist. Trotzdem werden jene charmanten, kaltschnäuzigen, verdichteten oder auch nur skizzenhaften Texte, die sich entschieden nicht um Ausführlichkeit bemühen, allzu gerne als halbe Portionen angesehen. Aber ehrlich: Was kümmert es den Leser – und damit auch den Rezensenten –, ob der unausführliche Autor nur einen kurzen Atem hat? Oder ihn aufspart für den großen ganzen Roman, den langatmigen? Was soll das heißen, wenn es wieder einmal heißt: Davon hätten wir gerne mehr gelesen? Mehr gibt’s nicht! Fragen Sie Klaus Ebner. Sein jüngstes Buch namens Auf der Kippe ist der beste Beweis dafür. Ebners Texte präsentieren sich als schlichte Miniaturen eines Erzählers, der gerne schnell zum Punkt kommt. Da legt einer den Finger auf den Erzählfaden, zieht die Schleife drum herum und schon ist wieder ein eindrucksvolles Paket verpackt, oder besser: ein Paket von Eindrücken. Ebners Prosa steht stets an der Kippe zur Erzählung. Und bleibt doch stehen. Es ist immer ein Innehalten der Wahrnehmung, ein zweiter, genauerer Blick, den der Autor in seinen kleinen Texten serviert.
Sprachlich wird dieses Innehalten im Augenblick exekutiert, indem Ebner jedes Prosastück in einem Satz niederschreibt – wie in einem Atemzug.

An der Kippe stehen auch die Menschen – Männer –, die hier den Ton angeben, die Thema bestimmen: enttäuschte, unbefriedigte, zärtliche, betrogene, beleidigte, sympathische, sensible, verletzliche, verbitterte, belogene Männer, die sich erklären, oder besser: sich erzählen, um am Ende nahezu nackt dazustehen. Doch dann ziehen sie auch schon den Vorhang zu, Schluss aus, Ende der Einsicht! Ebner stellt Menschen, Augenblicke, Lebenssituationen vor, ohne sie weiter zu verfolgen. Und das ist gut so. Was kommt, wollen wir zuweilen gar nicht wissen. Auf 130 groß bedruckten Seiten entwirft er so ein Panoptikum an in Sprache gefassten Short Cuts, die stets auf das Wesentliche fokussieren.
Da ist das Kind, das zum ersten Mal beim Friseur sitzt, der Vater, der seinen Kleinen das Wort Sperma zu erklären versucht, der Mann, der mit Nachdruck erläutert, warum die Idee, Männer würden Sex und Liebe voneinander trennen, nur von einer Frau stammen kann, und ein anderer, der das himmelschreiende Unrecht seiner Scheidung gen Himmel schreit. Ohne eine Antwort zu bekommen, versteht sich. Aber mit Inhaltsangaben ist Ebners nachdenklichen Kurzstreckentexten nicht beizukommen. Es sind der nachdrückliche, aber unaufgeregte Tonfall, der ruhige, musikalische Stil, die schlichte Konsequenz, mit der der Finger auf Wunden gelegt wird, ohne darin zu wühlen, die diese Texte besonders machen. Und das Selbstbewusstsein ihrer Kürze.