schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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selbstgemacht | ausgabe 21


21 - selbstgemacht

bawa yah yah yippie yippie yeah

„Amputationen: Anteil der Heimwerker steigt“, war kürzlich auf den Teletextseiten des ORF zu lesen. Interpretationssache also, ob Baumärkte neuerdings auch Skalpell und Knochensäge für ambitionierte Hobbychirurgen bereithalten, oder ob sich der durchschnittliche Heimwerker zunehmend ungeschickt verhält. Die schreibkraft-Redaktion würde zu Antwort B neigen, vor allem aber bewundert sie den dialektisch offenbar vorzüglich geschulten... lesen



Feuilleton

jörg albrecht | schreib dich ab!

Sonst müssen wir auch den Sozialstaat selbst bauen

Hallo! Hallo?! Ah, ich dachte grad. Ich komm manchmal aus Versehen auf die Stummtaste, und dann hört mich keiner mehr. Na ja. Es gibt einen Satz, den ich mir jeden Tag selber sage: My work is my life. Nein, NICHT auf einem Blatt Papier, eine Stunde am Tag, in höchster Konzentration, Thomas Mann-like. Ich arbeite manchmal, bis ich so müde bin, dass ich nicht mehr arbeiten kann, noch weiter arbeiten muss, weil irgendwie dann, wenn alles so d... lesen


klaus erich dietl , stephanie müller | du hast es in der hand

Gestrickte Bomben zwischen Widerstand und Werbemasche

Politische Forderungen, per Kreuzstich eingestickt in Bauzäune, Bepflanzungsaktionen im urbanen Grau und bandagierte Überwachungskameras: Der spielerische Umgang mit Protest, allem voran unter dem Banner des Do-it-Yourself-Ethos, feiert seit geraumer Zeit fröhliche Hochzeiten. Es scheint, als sei eine traditionell auf Massenmobilisierung abzielende Protestkultur für so manchen längst keine attraktive Option mehr, um auf Missstände aufme... lesen


evelyn peternel | ach – das bin ich doch selbst

Wie das Facebook-Universum unser Leben beeinflusst

Krummnasen, Untersetzte und Breitbehüftete haben eines gemein: Sie müssen mit ihrem Makel leben. Sofern sie es nicht wagen, sich auf den Operationstisch zu legen, ist der ihnen von der Gesellschaft attestierte körperliche Defekt immer präsent und auch mit großen Ablenkungsmanövern nicht wegzubekommen – eine krumme Nase sieht man auch, wenn man sie mit einem falschen Bart zu verdecken versucht. Mit der Erfindung des Internets haben si... lesen


christiane kühl | es werde geld

Über die abstrakte Kunst des Geldvermehrens

Neulich musste ich mir ein paar Geldscheine machen. Der Anlass tut hier nichts zur Sache. Der Ausgang schon: Ich habe es, verdammt noch mal, nicht hingekriegt. Schon die Farbkopierer arbeiten mit dem Feind und verweigern ihre Dienste. Ich habe meinen 50-Euro-Schein geschickt gescannt. Geschickt sage ich, weil es auch unter den Scannern massenweise Kollaborateure gibt, und nur die wenigsten einem ehrlichen Geldfälscher zu Dienste stehen. Ich... lesen


christoph hartner | regalfantasien

oder: Ihr Tischler macht’s persönlich

Letztens bei der Onanie musste ich, wie so oft, an Billy denken. Nicht wie sie jetzt denken! Es handelt sich weder um schöne Erinnerungen mit der bekannten Kondommarke, noch den alternden Rocker, weder den jünglichen Helden eines Tanzfilms, noch einen der vielen männlichen Pornostars mit besagtem Vornamen (normalerweise gefolgt von einem Familiennamen wie Harder, Longer oder Coxton), und schon gar nicht um den legendären Revolverhelden de... lesen


thomas ehritz | selbst ist der mensch

Eine Reportage aus Kubas Parallelsystem

Alternative Eigeninitiativen sind in Kuba keine Domäne für spirituelle Bio-Freaks und Aussteiger, sondern integraler Bestandteil der Art und Weise, wie man sich auf der Karibikinsel sein Überleben sichert. Denn im Wirrwarr zwischen einem auf dem Papier immer noch sozialistischen, aber längst schon „nicht einmal mehr in Kuba funktionierenden“ System (Fidel Castro) kann die große Mehrheit der Bevölkerung nicht darauf warten, dass sie... lesen


bernhard horwatitsch | durch meiner hände arbeit in den tod

Über den direkten Weg von der Selbstbestimmung zur Selbstausbeutung

Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: daß das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint. Karl Marx. MEW Bd. 25 Die zentrale Botschaft der Lohngesellschaft lautet: Egal welche Arbeit, Hauptsache du hast eine Arbeit. Es zählt also nicht, was du arbeitest, sondern dass du arbeitest. Stalins Motto „Der Mensch ist das wichti... lesen


werner schandor | das system loipersdorf

Was man nach einem Thermenaufenthalt übers Leben lernen kann

„Was ist los mit Euch?“, fragte mein Bruder den Kellner und die beiden Kellnerinnen, die an der Bar standen und Trübsal bliesen. Immerhin standen einer der Frauen Tränen in den Augen. Mein Bruder hatte sich vom warmen Thermalwasser die malträtierten Bandscheiben besänftigen lassen und zum Abschluss seines therapeutischen Aufenthalts noch das Thermenrestaurant aufgesucht, in dem allerdings triste Stimmung herrschte. Die Ursache, so ste... lesen


dietmar seiler | das bewusstsein der gäste

Immer alles schön wegräumen

Von: dietmar.seiler@....net An: kundenservice@at.mcd.com Datum: 08. Oktober 2010 10:25:02 GMT+02:00 Betreff: Self-service   Sehr geehrte Damen und Herren, Ich bin ein begeisterter Besucher Ihrer Restaurants, etwas fällt mir aber immer wieder auf: Viele Kunden stellen nach Beendigung ihres Mahles das Tablett mit den Verpackungs- und Essensresten nicht auf den dafür vorgesehenen Wagen, sondern lassen alles einfach am Tisch z... lesen


markus krajewski | strickliesel und faule susanne

Der Weg in die Selbstbedienungsgesellschaft

Kurz vor dem Kollaps der alten Weltordnung, in den letzten Monaten der mitteleuropäischen Monarchien, mit deren Untergang ganze Hofstaaten und die dort angestellten Diener von einem Tag auf den anderen in die Beschäftigungslosigkeit abgleiten, erscheint in einer amerikanischen Zeitschrift eine Werbeanzeige. In der Dezemberausgabe jenes populären Magazins, das sich überaus treffend nach William Thackerays Roman Vanity Fair benennt, bewirbt... lesen


dirk werner | wenn räume erzählen

Warum wir Erinnerungen selbst machen müssen

Die Straße lag abseits. Als Zugereister nahm ich sie in den in den achtziger Jahren kaum wahr. Ich wusste sie nur jenseits der S-Bahn, die den Bezirk Mitte südlich von ihr durchschneidet. Hier Alexanderplatz, Fernsehturm, Palast der Republik, mit dem bisschen – lächerlichen – Glanz, da, auf der anderen Seite der S-Bahn-Bögen: sie. Sie lag jenseits vom Rosa-Luxemburg-Platz mit Volksbühne und dem Kino Babylon im Osten, jenseits der ges... lesen


thomas frahm | gefühlte nähe

Fremdkulturelle Erfahrung im Selbstversuch

Das war er also, der Großstadtdschungel, nach dem ich mich in der geordneten Perspektivlosigkeit meines deutschen Daseins immer gesehnt hatte: Nach zwei Tagen Fahrt im Kleinbus, in den ich das allernötigste Hab und Gut verladen hatte, war ich von einem idyllischen Städtchen mit restaurierten Fachwerkhäuschen, sauberen Straßen und ohne besondere Vorkommnisse im letzten noch vor der Wende erbauten Plattenbau-Viertel Sofias angekommen. Die... lesen


wolfgang gulis | annas tränen

Der lange Weg zum Bleiberecht

Anna (1) ist in Tränen aufgelöst. Die Sitzung ist unterbrochen. Ihre über die geröteten Wangen kullernden Tränen rühren alle Anwesenden. Zusammengesunken sitzt sie am Stuhl und versucht sich hinter ihren glatten, braunen Haaren, die ihr bis zu den Schultern reichen, zu verstecken. An eine nüchterne Abhandlung der Fakten und der Tagesordnung ist nicht mehr zu denken. Keiner der Anwesenden sieht einem anderen in die Augen, denn die meist... lesen


kerstin eberhard | ich hasse apfelmus

Deshalb werfe ich es weg

Ich hasse Apfelmus ... und meine Tante. Dies deshalb, weil ich kein Apfelmus mehr sehen kann. Sie macht es nämlich immer selbst. Und könnte damit eine halbe Kompanie versorgen. In Einmachgläsern steht es da. Glas für Glas. In Reih und Glied. Regalfach für Regalfach. Unumstößlich. Und manche Gläser weisen das Datum von vor vielen Jahren auf. Igitt. Die obere Schicht ist dunkler-bräunlich als die untrige, die eigentlich Essbare. Apfelm... lesen


michael helming | mach halt, aber mach was, mach ...

Vom Glioblastom zum Tretlager und zurück

Immer gibt es was zu schweißen, abzubauen und einzureißen. Reinhard Mey Jeder Mann soll ja irgendwie in seinem Leben einen Baum gepflanzt, ein Haus gebaut und ein Kind gezeugt haben. Alles in Eigenleistung, versteht sich. Mit knapp vierzig Jahren habe ich noch keinen einzigen Punkt auf dieser gesellschaftlichen To-Do-List abgehakt und ich lege es darauf an, einen fetten „UNERLEDIGT“-Stempel quer darüber knallen zu können, wenn i... lesen



Literarische Texte

pia hierzegger | die stadt schenkt den muslimen eine kirche

Das stimmt natürlich so nicht ganz, aber das wusste ich noch nicht, als ich vorigen Sonntag in die Herz-Jesu-Kirche gehen wollte. Ich hatte meine schönste Bluejeans und eine blitzsaubere Bluse angezogen und kam pünktlich, zum ersten Mal nach einer ausgedehnten Reise durch Burgund, zum Gottesdienst. Doch an der Kirchentür stand eine kurze Mitteilung: Alle Gottesdienste abgesagt. Darunter stand noch etwas in einer Schrift, die ich wirklich... lesen


katharina seidlitz | ärgerhaut

Es gibt angenehme und unangenehme Wunschvorstellungen. Es gibt solche, in denen ich das Nachbarskind davor rette, von einem Laster überfahren zu werden, schwer atmend, doch mit unfehlbarem Instinkt. In anderen spiele ich auf einem grünen Rasen mit meinen zwölf Kindern und dem Hund, während eine Haushaltshilfe wie ein Engel pausenlos Limonade und Kekse herumreicht. Manchmal schiebe ich, vor mich hinmurmelnd, eingewickelt in lumpige Fetzen... lesen


reinhard strüven | von der entstehung eines kunstwerks

Emilia Castellos Aufgabe ... ... bestand in der Endkontrolle von Staubtüchern, einer Tätigkeit, die weder geistige noch körperliche Qualifikation erforderte und ihren Möglichkeiten wohl in keiner Weise entsprach, aber nach vielen Jahren der beruflichen Abstinenz, der Hausarbeit und dem Aufziehen dreier Kinder war es für Emilia – die gelernten Näherin – dennoch ein Glücksfall, Anstellung in einer großen Florentiner Tuchfabrik gefun... lesen


mario karl hladicz | die glücksverfehlung

Ich bin noch nicht einmal richtig in der Wohnung angekommen, da schwirrt Mutter auch schon um mich herum und will mir in allem behilflich sein. Während ich etwa die Reisetasche abstelle, greift sie umständlich danach, sodass wir das Gepäck seltsam ineinander verknotet zusammen in die Ecke meines alten Zimmers stellen. Sogleich durchlöchert mich Mutter mit den altbekannten Fragen. Wie es mir bei der Arbeit ergehe, ob ich genug Kleidung hab... lesen



Rezensionen

sieben tage im pliozän

Was sich im ostafrikanischen Regenwald abgespielt haben könnte

Klaus Ebner: Hominide. Erzählung.

Irgendwann vor drei bis vier Millionen Jahren in Ostafrika, dort, wo der Regenwald in die Savanne übergeht: Ein Rudel Hominide vertreibt sich die Zeit mit Futtersuche, Rangeleien und Philosophie. Sie sind zwar schon der Sprache mächtig, die sich wie Traumbilder über die Vorstellungen der Intelligentesten legt, leben aber noch auf Bäumen. Einer von ihnen, Pitar, wird immer wieder von Visionen geplagt: dass das nomadische Rudel den Wald ver... lesen


wir haben es gut mit diesem hummer

Eine Enzyklopädie der Verschrobenheiten

Nora Gomringer & Michael Stauffer: Kleine Menschen

Für die Hör-CD Kleine Menschen haben sich zwei Ausnahmetalente der (gesprochenen) Literaturszene zu einem schweizerisch-deutschen Joint Venture vereint: Nora Gomringer und Michael Stauffer. Eines vorweg: Das Experiment ist geglückt, und das liegt nicht nur am virtuosen Vortrag der Texte durch die Autoren. Gomringer und Stauffer schleichen sich wie ein Expeditionsteam an die kleinen Menschen an und dokumentieren mit scharfem Blick den Leben... lesen


orales origami

Endlich kann mal ein Poet mit Ableton umgehen

Thomas Havlik: Das Auto voller Wasser. Hörbuch

Die mit Liebe sowohl zum Detail als auch zur Andersartigkeit gemachten CDs der Edition Audiobeans, die wie die ebenso zu lobende Literaturzeitschrift Zeitzoo zum gleichnamigen Verein für Leguminosen gehört, sind Veröffentlichungen eines nach Eigenaussage „Labels für unerhörte Literatur und Musik“, das – ähnlich der Falttechnik fürs Booklet – einfach und effizient breit gefächert die bloße Lust des Schreib- wie Sprechaktes üb... lesen


bilder und tote

In den Kellern des Horrorgenres

Judith Fischer: Some. Women Houses Phantoms. Künstlerbuch.

Großaufnahmen von Gesichtern, Häusern, grob gerastert. Sich am Terrain des Horrorfilms entlangtasten, es langsam und auf Samtpfoten austasten: Judith Fischers Konzept-Künstlerbuch Some. Women Houses Phantoms ist ein faszinierendes Konglomerat aus fotografischen Arbeiten, literarischen Beiträgen verschiedener Autorinnen und Autoren sowie filmtheoretischen Artikeln. Zum Thema hat dieses Kaleidoskop aus Bildern und Buchstaben die Schattenwe... lesen


skeptisch von zärtlichkeit

The good, the bad, and the ugly aktueller deutscher Lyrik

Ulf Großmann, Axel Helbig (Hg.): Skeptische Zärtlichkeit. Junge deutschsprachige Lyrik.

Wäre das Subsegment des Literaturbetriebs, das „aktuelle Lyrik“ heißt, eine Live-Musiksendung: Niemand, aber auch wirklich niemand würde sich die anschauen. Mainstream-Gitarrenrockbands, Ensembles für hoch anstrengende Kompositionen der neuen Musik (für drei Rasenmäher und Bratsche), volkstümliche Humptatakapellen und Renaissancechöre würden ohne erkennbares Ordnungsprinzip hintereinander über eine leere Bühne getrieben, und ob... lesen


zärtliches pingpong

Über die Liebeslyrik von Maria Seisenbacher und Hermann Niklas

Maria Seisenbacher, Hermann Niklas: Konfrontationen. Gedichte 2005-2008. Artwork von Goto

Warum arbeiten Andrea Stift und Andreas Unterweger in ihrer ersten gemeinsamen Rezension mit kommunizierender Kritik in Form von abwechselnden Wortmeldungen, die sich als spezielle kritische Dialogform verstehen? Wie bitte? Andrea, meine Frage ist eine Variation auf den ersten Satz des Buchs, das wir besprechen. Du sollst sagen: Weil auch „Hermann Niklas und Maria Seisenbacher [...] in ihrem ersten gemeinsamen Gedichtband Konfrontatio... lesen


die schatten werfen objekte

Ein Vogelforscher verliert sich auf der Reise zu den Taten in der Sprache.

Thomas Brunnsteiner: Taten. Ein Journal.

Für jeden Autor ist es eine Begegnung der seltsameren Art, wenn eines Tages die erfundene Hauptfigur aus einem Roman leibhaftig vor ihm auftaucht. So ist es dem Schriftsteller, Reisejournalisten und Geschichtensammler Thomas Brunnsteiner ergangen, der daheim in Finnland Besuch von einem Ungarn bekam. Der Besucher wollte bei Brunnsteiner seine wirre Lebensgeschichte loswerden, weshalb sich er ein paar Tage beim Autor einnistete. Faszinier... lesen


mehr als die summe einzelner texte

Das geile Buch mit dem erweiterten Theaterbegriff

Stefan Schmitzer (Hg.): Text Performanz Text (cooperate and / or defect).

Endlich gibt es nun eine Veröffentlichung zur zeitgenössischen, tatsächlich gerade stattfindenden literarischen Performance, eine Darstellung also jenes Wildwuchses von Aktionen, die wir dem Verlangen mancher Künstler zu verdanken haben, Texte nicht nur dem Alphabet in Druckform zu übergeben, sondern darin auch, um es mal salopp zu schreiben, die Modi der Ekstase aufzuspüren: den Körper also, die Lust, dem Text ein extrovertiertes Selb... lesen


tabu tabula rasa

Die ödipal-inzestuösen Humorfeuerwerke des Steven Uhly

Steven Uhly: Mein Leben in Aspik. Roman.

Bei meinen Streifzügen durch die Buchhandlungen sind mir vier auffallend kantig, aufwendig bibliophil gestaltete und äußerlich unverwechselbare Bücher ins Auge gestochen. Haptisch erinnern diese an bereits ziemlich erfolgreich vom Fortschritt gefressene Videokassetten aber sie sind schwerer, liegen gut in der Hand und die Vermutung liegt nahe, dass hinter dem Literaturverlag seccession alte Profis stecken dürften. Also nichts wie rein in... lesen


das „frau im luftschutz“-lesebuch

Texte über furzbanales falsches Bewusstsein, ins bedrohlich Monströse gekippt

Lilly Jäckl: amen, amen.

Lilly Jäckl, Carl-Meyer-Drehbuchpreisträgerin aus Graz-Umgebung, wohnhaft in Berlin, schreibt neben Drehbüchern durchaus auch Prosa, und außerdem Zeug für den Einsatz in ihrer eigenen performativen Arbeit, bei der es sich nicht exakt um „Theater“ handelt. Regelmäßige Besucher des Forum Stadtpark in Graz erinnern sich u. a. an das oratorien- oder messfeierartige Deklamations-Ding Frau im Luftschutz, bei dem sie NS-, Werbefritzen- un... lesen


stimmenzeugen, zeitversetzt

Mit Reinhard Wegerth durch drei Jahrzehnte österreichischer Zeitgeschichte

Reinhard Wegerth: Damals und dort. Stimmenroman.

Drei Jahrzehnte, die Zeit von 1970 bis 2000, das ist der Rahmen, den sich Reinhard Wegerth für sein Buch Damals und dort steckte. Ein „Stimmenroman“, heißt es auf dem Buchumschlag, und spätestens nach ein paar Seiten weiß der Leser, was damit gemeint ist: Im Stimmenroman kommen zahlreiche Personen, aber auch Gegenstände und sogar abstrakte Begriffe zu Wort. Zwar verraten die Kapiteltitel, dass es sich im Folgenden um persönliche Erl... lesen


heiratsschwindeln, schiffbruch erleiden

Ein rabiater Fußnotenporno mit Dichterheld

Max Höfler: Texas als Texttitel. Ein Rabiatkomödienroman.

Es gibt einen Erstling des Grazer Hardcore-Musikers, Bühnenarbeiters, Doktors der Philosophie, Literaturperformers Max Höfler. Das Buch heißt Texas als Texttitel und bezeichnet sich im Untertitel als Rabiatkomödienroman. Es bräuchte zu ihm an dieser Stelle eigentlich nicht viel mehr als eine dringende Kaufempfehlung nebsamt der Begründung, dass es sich um ein tatsächlich hochkomisches Werk handelt. Vielleicht noch die folgende Präzisi... lesen


kein klappentext

Von vorschnellen Urteilen und einer Welt voller Deppen

Bernhard Moshammer: Zeit der Idioten. Roman.

Jaja, die Typen mit den hässlichen Plastikrucksäcken (Stichwort Invicta) und diesen Eierwärmer-Wollmützen, die aus jedem Kopf das totale Fiasko formen. Die Typen in nichtssagenden dunklen Winterjacken. Jaja, denk ich mir, das sind schon richtige Idioten, die mit diesem breitbeinigen Gang durch Vorstädte voller Einfamilienhäuser latschen. Jaja, ganz klar, hier geht´s um schlecht gekleidete Menschen an architektonischen Unorten mit inakz... lesen