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gute reise | ausgabe 23


23 - gute reise

von nah und fern

„Ich besitze kein Auto und besuche keine Tankstellen. Ich vermeide, so gut es geht, zu reisen.“ Ein wenig apodiktisch pocht der isländische Autor Gyrdir Elíasson auf sein Recht auf Sesshaftigkeit. Damit vertritt er eine heutzutage beinahe vom Aussterben bedrohte Position, denn das Reisen in seinen unterschiedlichen Spielarten erfreut sich größter Popularität. Ohne Rücksicht auf ökologische Fußabdrücke oder streikendes Flugpersona... lesen



Feuilleton

martin amanshauser | ist das nicht bestechung?

Über die Ästhetik der Pressereise – mit einigen erklärenden Worten zu einem Berufsbild

Seit 12 Jahren absolviere ich Pressereisen. Früher fuhr ich für den Standard, heute mache ich die meisten für die Presse und die eine oder andere für die Süddeutsche Zeitung. Ich war in Neuseeland und auf den Malediven, im Oman, in Monte Carlo, der Emilia-Romagna, am Klopeinersee und an 150 anderen Orten. Dort, wo Fluglinien, Tourism-Boards, Hotels und Reiseveranstalter uns Journalisten in der Hoffnung hinschicken, dass wir über ihre De... lesen


harald a. friedl | wie wir reisen werden

Der Tourismus, die verlässliche Wachstumslokomotive

Tourismus zählt zu den wichtigsten Branchen der Weltwirtschaft. Allein in Österreich, einem der am stärksten bereisten Länder der Welt, arbeiten rund 10 % aller Erwerbstätigen in diesem Geschäft mit genussorientierter Mobilität und erwirtschaften mit ca. 125 Mio. Nächtigungen von 33 Mio. Gästen über 22 Mrd. Euro oder 7,5 % der österreichischen Wirtschaftsleistung. Bei genauer Betrachtung ist die Reisebranche sogar noch wichtiger, d... lesen


evelyn peternel | drittklassig von moskau bis peking

Eine der besondersten Reisen überhaupt

162 Millionen Schweißdrüsen, versammelt auf einer Fläche von etwa 70 Quadratmetern. Und das über eine Strecke von 9.302 Kilometern. Das klingt nicht nur nach einer Zumutung, sondern ist es auch. Warum ich mich dem trotzdem aussetze? Weil es ja heißt, die Fahrt mit der Transsib sei eine der besondersten Reisen überhaupt. Der Versuch, herauszufinden, wieso. „Platzkartnyj?“, fragt die herbe Dame am Bahnhof in Moskau, ohne mich anzus... lesen


katja grach | weggespült

Über das Verhältnis zwischen Tod und Tourismus

Am 26. Dezember 2004 sterben 230.000 Menschen. 850 davon auf Koh Phi Phi Don. 1.300 werden noch vermisst – steht auf wikitravel.org zu lesen. Das Alter des Artikels unbestimmt. Ist auch egal. Wer interessiert sich 2011 noch dafür? Die Filmvorlage The Beach spült nach wie vor mehr Touristen an, als eine Naturgewalt verhindern mag. In ihrer Zerstörungskraft halten sie sich die Waage. Jedem die eigene Waffe. Beide raffen die Kultur eines La... lesen


eva reithofer-haidacher | precious‘ apfelstrudel

Reisenotizen aus Nigeria

50 bis 250 Naira kostet eine Busfahrt in Lagos, 1.000 Naira zahlt der Chauffeur in Benin City Schutzgeld an Polizei und Mafia pro Tag. Ein Liter Benzin kostet 65 Naira, also umgerechnet 35 Cent, im Land des Öls. In der katholischen Missionsschule beträgt das Schulgeld 75.000 Naira pro Trimester. Eine Packung Zigaretten kostet 200 Naira. Und so weiter und so fort. Geldbeträge sind hier aufgeschrieben, einer nach dem anderen, mindestens fün... lesen


martin gasser | lauter bestseller

Das Wandern als kulturindustriell verwaltetes Glücksversprechen

Das kann kein rechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein. - Wilhelm Müller Manchmal geht es nicht mehr weiter. Paradoxerweise ist gerade das der Zeitpunkt, an dem man aufsteht und losgeht. Im buchstäblichen Sinne. Als ein Studienfreund mitten in einer mittelschweren Lebens- und Beziehungskrise steckte, packte er kurzentschlossen das Allernotwendigste zusammen und setzte sich in einen Zug nach Südfrankreich. Wir schrieben Anfan... lesen


thomas ernst brunnsteiner | nach umba! zum gebet!

Mit Pfingstlern ans Weiße Meer – eine Pilgerfahrt

1. Teil – Von Lappland nach Russland Das ist der erste Satz. Kolari ist ein finnisches Wort und ein Bezirk in Finnland. Das Wort bedeutet auf Deutsch „Autounfall“. Im Bezirk liegt seit zehn Jahren mein Heimatdorf Vaattojärvi – als wäre es dort hingefahren und verunfallt. In der Bezirkshauptstadt gibt es einen Flohmarkt, der von Pfingstlern betrieben wird. Pfingstler sind die am schnellsten wachsende christliche Gemeinschaft der Welt... lesen


roland steiner | der panther sind wir

Über die Autonomie der Bewegung

0 Zahlen hasse ich. Aber sie durchzucken mich als romantischen Skeptiker und romanischen Träumer dennoch und werden mich, hoffentlich ungerade, überrollen. Denn ich gehe davon aus, dass ich mit 95 Jahren in einer Public-Private-Partnership-Klinik der Dritten Republik Österreich von einem indonesischen Krankenpfleger nach Bestimmungen für Leute wie mich als prekäres Schuldnersubjekt ein finales Naturpflanzengerät zu inhalieren bekommen u... lesen


stefan kaegi | werbung vom herzen

Erinnerungen an eine Rheumadeckenwerbebusfahrt ins Münsterland

An meiner Uni gab es immer wieder seltsame Flyer für Performances: japanischer Kung-Fu, Cyber-Soaps oder Pyrotechnik auf der Studiobühne. Gießen wäre ja sonst eine langweilige Stadt gewesen. Doch dieser Flyer hier war an Farbe nicht zu überbieten: Streichelzoo im Münsterland. Busreise in den Prickingshof von Bauer Ewald, nur 19,90 DM! Hauptattraktion: Prinz Elegant von Kolumbien, größter Zuchtbulle Deutschlands! Inkl. gratis 10 Kilo W... lesen


vasile v. poenaru | the toronto purchase

Wie Indianerland für ein bisschen Geld und allerlei Kram den Besitzer wechselte

Im Rahmen des intensiv mediatisierten Staatsbegräbnisses, das am 27.08.2011 in der Roy Thomson Hall in Toronto zu Ehren des an Krebs verstorbenen Oppositionsführers Jack Layton (New Democratic Party/NDP) begangenen wurde, ergriff gleich am Anfang der Oberhäuptling aller Ureinwohner Kanadas, Shawn Atleo, das Wort. Chief Atleo, genauer gesagt, the National Chief of the Assembly of First Nations, bediente sich dabei sowohl seiner Muttersprach... lesen


klaus knoll | hawaii ohne apostroph

Feuer, Flammen und ein Ozean, der diesen Namen auch verdient

Wie kommt der Mensch nach Hawai'i? Als Urlauber, was sonst. Besonders als Nachwuchsjapaner. Japan also und verheiratet und das erste Kind unterwegs. Drei Jahre waren wir schon in the most different country. Höchste Zeit, unser Gastland kennenzulernen. Als Alleinunterhalter in der japanischen Provinz, sprich Lektor am Germanistikinstitut, wäre das aus vielerlei Gründen angebracht gewesen. Es war aber unmöglich, weil ein Urlaub, der diesen... lesen


david staretz | one car racing through the night

Der anzunehmende Wagen sei schwarz wie ein Lamborghini Gallardo

Spätabends unter Freunden, wenn die Pizzaschachteln zur Tischmitte geschoben sind und die Feuerzeuge klicken (die Mädchen haben die Knie hochgezogen und schaukelnd umfasst), sagt einer mitten im Binnenland: „Leute, wär das nicht eine gelungene Aktion, den Kaffee am Meer zu nehmen?“ „Sowieso, und Tramezzini und Crossini und Paganini und wie die Teile alle heißen, und draußen steigt die Sonne des Südens hoch, denn das wär doch endl... lesen



Literarische Texte

ann cotten | die katze in der schachtel

lesen


rosemarie pilz | sechs grad unter dem mittleren horizont

Da hört sich alles auf. Schon länger nicht. Habe ich das gehört, meine ich. Diesen Satz. Obwohl ja schon länger allerhand dafür spräche; es sich ja grad in Wien traditionell leichter aussprechen lässt. Man würde meinen: am Würstelstand zum Beispiel. Wird nicht dort der Begriff des Hautgout laufend aktualisiert und erweitert? Man würde doch meinen, dass an diesen paar Quadratmetern Öffentlichkeit noch hörbar sei, was tags davor dur... lesen


monika rinck | drei fische

MAXIMUM ZANDER Hört ihr das, so höhnen Honigprotokolle: Es ist Zander. Liebchen, es ist Maximum Zander und Frühling dazu. Weißt du, was du siehst? Du bist eine Gefahr, oder: du bist in Gefahr (wie du willst). Sturz! Sturzblind in den Paternoster, der deinem Fall entgegenkommt. Das ist ja noch mal gutgegangen. Sag Danke. Man war dir gnädig. Manchmal, heißt es, haben Menschen mit sehr schlechten Augen solche Fähigkeiten, dass die... lesen


katharina seidlitz | kleiner ausschnitt ohne ausblick

Als ich anfing, im technischen Museum zu arbeiten, war ich überrascht, Martina dort zu sehen. Ich erkannte sie nicht beim ersten Mal. Sie trug die Haare kürzer, mit blonden Strähnen und war insgesamt runder geworden, weicher. Aber es war das gleiche schiefe Lächeln.  Drei Jahrzehnte zuvor gingen wir auf verschiedene Schulen, gehörten jedoch zum selben, losen Freundeskreis. Sie spielte damals in einer Band Triangel und Tamburin. E... lesen



Rezensionen

den unglauben im rucksack

Ilse Helbichs tröstliches Buch über das Altsein

Ilse Helbich: Grenzland Zwischenland. Erkundungen.

Auf dem Klappentext steht: Berichte einer furchtlosen und stilsicheren Reisenden aus dem unbekannten Land des hohen Alters. Und gleich mit dem ersten Satz wird dieses Motto bestätigt: „Mit einem Schlag bin ich sehr alt geworden, in einer Verfassung, die meinen Lebensjahren – ich war 87 – entspricht.“ Ilse Helbich ist also alt und beschäftigt sich in Grenzland Zwischenland damit. Und wie sie sich damit beschäftigt: nämlich so, dass... lesen


paartherapien ohne grenzüberschreitungen

Über Irene Pruggers erzählerische Ökonomie mit Pointen

Irene Prugger: Letzte Ausfahrt vor der Grenze. Erzählungen.

Letzte Ausfahrt vor der Grenze ist eine Sammlung von 18 unterschiedlich langen Erzählungen der Tiroler Schriftstellerin Irene Prugger. Scharfsinnig und ironisch, ehrlich und entwaffnend, mitunter sentimental und auch einmal erotisch geben Pruggers Erzählungen tieferen Einblick in den Lebensalltag zwischen Geburt, Midlife-Crisis und Tod, vermitteln, dass wir alle in Geschichten verstrickt sind und uns individuelle Lebensgeschichten zulegen... lesen


drift durchs leben

Vor 100 Jahren stellte Alfred Wegener erstmals seine Theorie der Kontinentaldrift vor – und wurde von der Fachwelt ausgelacht.

Jo Lendle: Alles Land. Roman.

Dass er mit seiner Theorie der Kontinentalverschiebung gegen eine Mauer lief, kränkte Alfred Wegener zeitlebens. Daran änderte auch die Genugtuung nichts, dass der Meteorologe anno 1924 als ordentlicher Professor an die Universität Graz berufen wurde. Wegener wohnte mit seiner Frau, seinen drei Töchtern und den norddeutschen Schwiegereltern in der Blumengasse am Fuße des Ruckerlberges – dort, wo heute die Wegenergasse ihre Biedermeieri... lesen


langeweile, gepflegt

Andorranische Plattitüden auf hohem Niveau

Klaus Ebner: Andorranische Impressionen

Eines steht außer Streit: Wiesers Reihe Europa erlesen ist eine hierzulande einzigartige Sammlung hübscher kleiner Büchlein. Von A wie Alpen-Adria bis Z wie Zürich reicht die Kollektion. Einiges davon ist bemerkenswerte Literatur, anderes zumindest brauchbare Landeskunde. Doch will man auch 200 Seiten über den Zwergstaat Andorra lesen? Zweifellos, wenn das Werk gut geschrieben ist und vielleicht die eine oder andere Überraschung bereith... lesen


den leerräumen vertrauen

Über Ewigkeitsabschnittspartner und durchbuchstabierten Beziehungsstoff

Eva Scala: Schmetterlinge jagen. Roman

So stellt man sich ein freundliches Entree vor: Regen und Wind im Gesicht, Lehmgatsch an den Schuhen. Willkommen auf dem Friedhof! In Prato wird ein erfolgreicher Textilunternehmer begraben. Der Tod des Familienpatriarchen weckt Unruhe im Leben seiner Lieben. Ein Sohn wird die Firma weiterführen. Der Roman folgt ihm, seinen Geschwistern und den Partnern und Partnerinnen auf ihrer Jagd nach Liebesglück. Vor dem Hintergrund wirtschaftlicher E... lesen


out of kumberg

Ein Roadmovie kann auch zwei Kneipen als Eckpunkte haben.

Oliver Podesser: Twelve Bars oder Warum Bob Dylan niemals in Kumberg lebte

Wenn man sich mit einem Laib Bauernbrot, 10 Semmeln, 5 Dosen Tunfisch, einer Stange Dauerwurst und anderen Vorräten, darunter 5 Kisten Bier, Schnaps und Zigaretten, zu einer einmonatigen Klausur in die eigene Wohnung zurückzieht, können eigenartige Dinge passieren. Beispielsweise kann man Besuch von Sigmund Freud, Allan Ginsberg, Adolf Hitler und Heimito von Doderer, alle eigentlich schon länger verstorben, erhalten. Zuerst veranstalten b... lesen


open house in wien acht

Die Lebensreise von Ilse Kilic und Fritz Widhalm, 7. Teil

Ilse Kilic, Fritz Widhalm: Alles, was lange währt, ist leise. Des Verwicklungsromans siebenter Teil

Wann ist das Private von öffentlichem Interesse? Und wo fängt die Öffentlichkeit an? – Wenn es nach Ilse Kilic und Fritz Widhalm geht, dann beginnt die Öffentlichkeit im eigenen Wohnzimmer, das nach eigenen Angaben ein fröhliches ist, und zwar seit 1986, also jenem Jahr, in dem das Wiener Autorenpaar einen Kleinverlag namens Das fröhliche Wohnzimmer ins Leben rief. Kilic und Widhalm und ihr Wohnzimmer gehören seither zu den Fixpunkte... lesen


und noch "ein buch"

Die Ästhetik von Sitzbeinhöckern im öffentlichen Raum und Fritz Widhalms Liebe zum Glam

Fritz Widhalm (with a little help from my friends) : Ein Buch

In der Textsammlung Ein Buch plaudert „der schöne Fritz“ aus der Lebensschule und erklärt unter anderem, was er dem Glam alles zu verdanken hat, nämlich so ziemlich alles. In 29 Kapiteln und 126 Seiten lädt Fritz Widhalm die Leser unter seine Decke ein, um zu sehen, was da so steckt: T. Rex und Bowie, „Lust for life“ und 500 wichtigste Songs seit Widhalms Geburtsjahr 1956 – von Screamin’ Jay Hawkins’ I put a spell on you... lesen


graz zwischen grusel und soziologie

Ein Gespräch über Krimiliteratur und kollaboratives Schreiben

Elisabeth Hödl, Ralf B. Korte: Galatea. Kriminalroman

Die Grazer Juristin Elisabeth Hödl und der Berliner Autor Ralf B. Korte haben mit Galatea gemeinsam einen Krimi geschrieben, der sich durch seine Formbewusstheit und unerwartete Materialfülle auszeichnet. Über die Krimiform als Ersatzrealität, einen eitlen Sozialdemokraten, der tot an einer aufgelassenen Tankstelle liegt, und über die Wahl der Provinzstadt Graz als Hauptschauplatz des Romans sprach die schreibkraft mit einer Hälfte des... lesen