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lyrik, und ... (2)

christian steinbacher | lyrik, und ... (2)

Im Dezember 97 stellten Oswald Egger, Christine Huber und Christian Steinbacher im Forum Stadtpark ihre Konzepte von Lyrik vor. Im folgenden bringen wir die Texte von Christine Huber und Christian Steinbacher als Nachlese

Wenn ich etwa in der Schweizer Korrektur den diese beschließenden Satz „Gedichte geben das Sichere und Gute“ lese, so erscheint es mir dringlich nötig, dem entgegenzutreten. Nicht unpassend in dem Zusammenhang sehe ich, daß die Veranstaltung Lyrik und ... des Forum Stadtpark zufällig am Tag des 200. Geburtstags von Heinrich Heine stattgefunden hat, worauf ich mich in meiner Lesung auch bezogen habe. Mich vom Terminus „Lyrik“, dessen „Stille“ mir schwer faßbar ist, distanzierend, habe ich für das „Gedicht“ plädiert, das sich für mich mehr aus Aspekten der „Rede“ heraus entwickelt. Im Sinne meiner damals vertretenen Unterscheidung von „Poesie“ - die ich als eine bestimmte (jedem bei Wollen ein- und ausschaltbare) Beleuchtungstechnik sehe, aber auch als Haltung, die sich u.a. eben gerade gegen Feststellungen wie die hier eingangs zitierte wendet, und die, wie ich meine, in ihrem Balanceakt nach wie vor, ohne jedoch ins Unverbindliche abzudriften, jede Verfestigung, also auch jede Sicherheit aufzuweichen hat - und dem „Rest“ an Literatur folgen hier sowohl ein damals vorgetragenes Gedicht mit Heine-Bezug als auch ein in seiner Heterogenität erweiterter „poetischer“ Text aus meiner aktuellen Arbeit an einer Sammlung zum Thema „Früchtchen“. (Der „Normalnähfuß“ läßt grüßen.)

zwei zeilen heine inbegriffen

sohin bemüht ums übliche verfahren
schliff sich der schätzwert zu notwendigkeiten
mit ausmaß wird da zugerichtet
auf praktikables rückverwiesen werden
ansonsten dient dem unterscheiden alles
doch nützt dir keiner dieser gut gehegten
und disponiblen schutzanzüge bislang

stand dem in aussicht etwaige belohnung
schon schuftet irgend so ein trottel weiter
da sagt es besser gleich nur nein und gütlich
und orientiert die sache wieder ins erwidern
wenn sie deinen zucker wittern
löst erwartung ein sich in melassen
heimlich schienst du zu miauen

geballt die einstandstreue streu
alsbald den ausstand in den klauen
was wird als nächstes unterlassen

 

Stopfkuchen

I

Für einen besseren Rest, als ich ihn uns hier nachstelle, kann man sich ja gar nicht vergessen, fast jeder Splitter fiktiv, ohne daß wir uns an die Vorstellungskräfte zu wenden hatten in diesem in der Totale wiedergegebenen Spiel einer umfassenden Glocke, unter der es noch einen jeden Stopffuß hinaustreibt, bliebe sonst die Essenz ja zurück hinterm Begleitton, wogegen uns die Saugkraft so aber doch noch rechtzeitig vor dem Berieseln ereilt und uns das alles zu überdenken veranlaßt, sodaß das Dach deines Para-Gleiters nun den ersehnten Schaden beziehen kann und all der Humbug als Einsatz verspielt wird, wenn auch ohne die blauen Wunder, deren Aufkommen wir uns, auch wenn der Weg weg vom intakten Laufwerk eine sehr schmackhafte Aussicht verspricht, hier einfach wirklich nicht wünschen, nein, denn wenn schon unbedingt etwas akut sein soll hier, dann bitte höchstens akut beschuht wie mein Fuß, der sich nun nicht mehr erheben will vor irgend einem gravierenden Zeug, bringt uns doch schon jede geringfügige Änderung genug auf zu einem aufrechten Schlottern, das dann gar nichts mehr festhält, treiben wir das Unterfutter nach draußen, aber Vorsicht, die Gewöhnung, macht sie sich breit, und das macht sie, bewährt sich selbst hier in diesem beendenden Schwenk noch. Ohne weiteres holen wir das alles also wieder herauf aus dem Eingemachten, fallen uns die Augen von der Suppe und will uns die Meinung dann nicht mehr auseinandergehen, sind doch auch die anderen bereits wieder emsig am Werk, also gib schon her die Prothese und leg das Protein endlich ab, hält doch die Dose von Haus aus, beginnen wir weiter zu dösen, weil wir bereits mit dem Einstand einfach nur zurechtkommen haben wollen und daher diese Feier besser wieder wegstecken wie nichts, melde ich mich nun endlich zu Wort in dieser permanenten Kontrahierung, an der alles vorbeiwächst und schrumpft, was aber kaum wer bemerkt, sind es doch Luftwurzeln bloß, und wo bewegen sich die hin, melken wir mit dieser Frage nun die Pose dieser Tänzerin, nämlich ihr Ausbreiten der Arme, also deren Knicks vor der Schwerkraft, nämlich daß wir nicht umfallen können, ach, wie stolz und hager wir da sind angesichts unserer Sockel, nämlich angesichts dessen, daß die Kunst unsere Sinnesorganisation gleichfalls nur aufrecht erhält und wir auch mit ihr dann von der Gravitation um nichts mehr abstehen werden können, denn, zeigen sich manchmal Harn und Muschel erfreulicherweise auch uneins, im Anschein dieses Zauderns läuft das alles ja doch noch gut aus ins Finale dieses gar nicht vermeintlichen Saltos vorbei da an allem, bis du dich flach oder auch einfach wieder hinlegst vor seiner gesättigten Nummer unterm Futter vom Pelz und mir verwirrt deine umverteilten Weintrauben reichst, haben wir also doch noch ein blaues Wunder erlangt, aber gut, du willst eben nicht, daß es immer nur so ist, wie man sagt, denn dann hieße ja gar nichts und bliebe uns Sprache so erst wieder eine nur lose Verbindung -
Postulierst du schon wieder?
Hülfe, man will uns vermitteln!

II

Dreist zeigt sich die Tolle, ist teuer ihr Wert.
Üppig vorhanden. (Reichlich.)
Milchige Verhältnisse. (Undurchsichtig.)
Schlaues Leinen. (Gerissen.)
Vor gut gelauntem Himmel. (Heiter.)
Ich sage es doch, das SITZT mir auf den Fersen - man hängt uns ab, und es uns nach.
Eine einzige Rede, das ja, aber sag schon, an was denkst du sonst noch?
Stupid wie Harz.
Ja, immer länger wird sein Gang, bald hängt er durch, Gedränge macht ihn wieder enger.
So wird die Spur fein abgetönt.
(Du aber spiegelst immer nur Abklatsch und Zoten.)
„So, falls der Stoß verpufft, fällt ab der Schutt, begeistert sich mein Schwung und hilft uns Beistand, wird Erörterung kurz ausgesprochen.“
(Doch aufgepaßt:
Kleine Schoten im Kropf
wirken nur erlesen, nicht kostbar,
und der Buchfink fliegt flink,
aber er fliegt nicht geschwind.)
„So, häuft die Schar sich überhitzt, wirkt Dringliches gedämpft und hält vorm Schwungseil an der Durchlauf, der schon glänzt in aller Frühe.“
(Doch aufgepaßt:
Nachgereichtes liegt brach,
löst sich, will der Auszug verfliegen,
auf der Knoten zumal
und als Schlag ein im Verhau.)
So läuft das abgetönte Metrum auf uns zum Korsett.
Iwo, so läuft Radau.
He, mehr Recherchen, bitte, mehr Regie.
He, hauch mich doch nicht an, ich tauche auch nicht unter -
Der Vermittler: Stellt das ab, bitte.
Das hohe Roß (der Sattler): Nein, der Erhaltungsbereich soll vergößert werden, die Balken zwischen den Extrapolationen, die Puffer zwischen Wahrgenommenem und Erklärtem werden gedehnt und ausgezogen.
Der Folgestoß (die Lederhose): So, jetzt hast du wieder Platz für dein
Tummeln.
Also, weiter:

III

Dann springt sie ein, die Not, hängt ab den großen Gockel.