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Rezensionen der Ausgabe 01 - weltenende

tanz ums grab

Nigel Barley: Tanz ums Grab. Aus dem Englischen von Ulrich Ulrich Enderwitz

In seinem neuesten Buch, Tanz ums Grab, setzt sich der britische Star-Ethnologe Nigel Barley kritisch mit Todesvorstellungen, Begräbnisritualen und den Beziehungen zwischen Lebenden und Toten in verschiedenen Kulturen auseinander. Die Ausführungen des Autors von Bestsellern wie Traumatische Tropen oder Traurige Insulaner sind anekdotenreich, und seine Quellenkenntnis, die er souverän einsetzt, ist beeindruckend. Der Tod... lesen


vielschichtige verquerungen

Dieter Sperl hat mit seinem zweiten Prosabuch, „Alles wird gut“, so etwas wie einen Roman vorgelegt

Dieter Sperl: Alles wird gut

„..., aber es ergibt keinen Trost mehr, sagt Paul, nur weil wir nicht mehr tiefer sinken können, wir weinen ja um fast nichts mehr, wir simulieren ja nur noch Bedeutung, ruft Paul, permanentes Auftauchen und Verschwinden, bleibt alles wie es ist so ein Stillstand/Strohstand, wir haben die Zeit einfach weggeschafft, weggekehrt, der Boden besteht aus Steinfliesen, ...“ Dieter Sperl, bisher vor allem als experimentel... lesen


drehen am gewinde der wahrnehmung (1)

Margret Kreidls „In allen Einzelheiten. Katalog“

Margret Kreidl: In allen Einzelheiten. Katalog

Manchmal schade, irgendwie toll, zeitweise un- bis doch noch interessant. Die Form des Katalogs generiert zumindest zwei Assoziationen. Er vibriert in einer Spannung von einerseits altehrwürdiger Aufzeichnungstradition und andererseits ist er manifester konsumpornographischer Ausdruck unserer kapitalistischen Warenwelt. Das heißt genauer: Über den Katalog war und ist es möglich, Objekte und Geschehnisse festzuhalten und über diese... lesen


drehen am gewinde der wahrnehmung (2)

Judith Fischers „mimose.schneckenhaus“

Judith Fischer: mimose.schneckenhaus

In der Textgestalt auf den ersten Blick ähnlich, dann aber doch anders, ist die letzte Veröffentlichung von Judith Fischer, mimose.schneckenhaus. Fischer verwebt in ihrem Text zwei Stränge, jenen über die Mimose mit jenem über das Schneckenhaus. Sie addiert im wahrsten Sinne des Wortes Textstellen, wozu sie neben dem Selbstverfaßten Gedichtausschnitte, Songfetzen, Eintragungen aus naturwissenschaftlichen Sachbüchern, Notizen u.a... lesen


froschsein ist die hölle

Die Sumpfbücher von Fritz Ostermayer und Thomas Edlinger

Fritz Ostermayer und Thomas Edlinger (Hg.): Die Sumpfbücher

Hätte er sich doch nie von ihren schönen Tränen erweichen lassen und ihr die goldene Kugel nicht wieder aus dem Brunnen heraufgeholt. Denn natürlich wollte der Frosch auch eine Belohnung. Keine große, nein, bloß einen Kuß von der hübschen Prinzessin. Das war ja nun wirklich nicht zuviel verlangt. Ganz ohne Zunge, und nein, er wollte auch keine Gegenstände in ihre Genitalien einführen. Nichts dergleichen. Und... lesen


von der endlosigkeit des unsinns ...

Zur 98er-Romankollektion von Franzobel

Franzobel: Böselkraut & Ferdinand. Ein Bestseller von Karol Alois

Mit zwei Prosabänden wartet Franzobel heuer auf: der eine treibt ohne Geschichte aus zu einer Art Sprach-Spüle, und der andere versucht eine Art „Kindergeschichte für Alt und Jung“. In letzterem erzählt Franzobel die Geschichte des Duumvirats Böselkraut & Ferdinand, das auf der Suche nach Böselkrauts Hund Knödel eine Kidnapperbande aufdeckt. Ferdinand ist ein gleich einem Kinderbuchdedektiv kombinier-erpich... lesen


von besseren und schlechteren sätzen (1)

Neues aus österreichischen Kleinverlagen

Günther Geiger: Exit Vienna

„alkpoeten geifern herum, oder pennen. 10 krügel hintereinander & kopf auf den tisch. einsamkeit, trauer, depression in der übervollen gaststätte. fertig, aus, keine unterhaltung mehr möglich, nur gelalle.“ Dieses Zitat aus Günther Geigers Roman Exit Vienna als Zustandsbeschreibung der gegenwärtigen österreichischen Literatur einzusetzen wäre, wie sich zeigen wird, unangemessen. Vielmehr ist es der erst... lesen


hurra, wir leben noch (1)

Drei kräftige Lebenszeichen der realistischen erzählenden Literatur in Österreich. Die neuesten Romane von Walter Klier, Thomas Glavinic und Gabriel Loidolt

Walter Klier: Grüne Zeiten. Roman

Über die Situation der österreichischen Literatur zu klagen, gehört seit rund fünfzehn Jahren zu den Gemeinplätzen des hiesigen Kulturbetriebs. Österreichischen Autoren gehören die Form und das Genie, der restlichen Autorenwelt der Stoff und das Handwerk. Auf diese Formel ließe sich das gängige Vorurteil über die österreichische Literatur bringen. Daß es sich hierbei vor allem um ein Vorurteil handelt, bew... lesen


mögen sie roseanne?

Lilly Bretts erfolgreicher Roman „Einfach so“

Lilly Brett: Einfach so. Aus dem Englischen von Anne Lösch.

Esther ist ständig auf der Suche nach wichtigen Leuten, die wahrscheinlich in der nächsten Zeit sterben werden. Sie arbeitet als Nachrufredakteurin für eine Zeitung. Esther ist ein Mensch, der sich um die Toten kümmert, damit sie nicht gleich vergessen werden. Esthers Eltern sind Juden. Es ist wichtig für Esther, daß sie Jüdin ist. Esthers Eltern waren beide im Konzentrationslager. Sie haben das Ghetto von Lodz... lesen


von besseren und schlechteren sätzen (2)

Neues aus österreichischen Kleinverlagen

Gerhard Jaschke: Stubenrein

Für Sprachübungen und Kunststücke ganz anderer Sorte ist der „König des Anagramms“ Gerhard Jaschke zu haben. Jaschke ist der Herausgeber von Freibord. Zeitschrift für Literatur und Kunst, in der er eine Vielzahl literarischer Gattungen sowie Graphiken und Comics von bekannten und weniger bekannten Künstlern in einer abwechslungsreichen, lesenswerten Mischung zusammenbringt. Stubenrein, sein in der Edition Das F... lesen


von besseren und schlechteren sätzen (3)

Neues aus österreichischen Kleinverlagen

SI.SI. Klocker: Grete Gulbransson. Leer-und Wanderjahre einer Dichterin

Ebenso in der Edition Das Fröhliche Wohnzimmer erschienen ist die Auseinandersetzung der Bregenzerin SI.SI. Klocker mit der 1934 verstorbenen Dichterin Grete Gulbransson aus Bludenz. Grete Gulbransson. Leer- und Wanderjahre einer Dichterin. ist schwer einzuordnen. Der Titel spielt auf eine Biographie an, die eigenwilligen Geschichten und Dialoge sind allerdings alles andere als eine Anhäufung von Lebensdaten. Die 1000 u... lesen


von besseren und schlechteren sätzen (4)

Neues aus österreichischen Kleinverlagen

Ronald Pohl: der möwensimulator

Keine angerissenen Geschichten, sondern fein durchdachte, redselige Stücke stellt der Wiener Standard-Theaterkritiker Ronald Pohl in seiner Trilogie der möwensimulator vor. Das die Qualität eines Stücks nicht unbedingt von seiner Aufführbarkeit abhängt, wird hier abermals bewiesen. Denn möwensimulator, acker furcht und schuttumkehr sind auf einer Bühne kaum vorstellbar, sie würden sogar einiges ihrer Ästhetik ei... lesen


von besseren und schlechteren sätzen (5)

Neues aus österreichischen Kleinverlagen

Thomas Hoeps: Pfeifer bricht aus

War anfangs von österreichischer Literatur die Rede, trifft das nicht auf alle Autoren zu: Thomas Hoeps ist Deutscher und hat erst kürzlich in der edition selene den wirklich bemerkenswerten Roman Pfeifer bricht aus veröffentlicht. Ein Buch, aus dem man keinen Schnappschuß, sondern einen ganzen Film als Erinnerung speichern möchte. Hier trifft Lust und Talent zum Erzählen auf ein Feingefühl für Menschen und ihre... lesen


hurra, wir leben noch (2)

Drei kräftige Lebenszeichen der realistischen erzählenden Literatur in Österreich. Die neuesten Romane von Walter Klier, Thomas Glavinic und Gabriel Loidolt

Thomas Glavinic: Carl Haffners Liebe zum Unentschieden. Roman

Auch Thomas Glavinic hat sein Handwerk gelernt, auch er „kann schreiben“, ohne es dem Leser mit jedem Satz beweisen zu müssen, er baut seine Geschichte(n) effizient und spannend auf, liefert ganz einfach „brauchbare“ Geschichten, das pralle Leben, kurz: Er weiß etwas zu erzählen. Der Österreicher Carl Schlechter war einer der weltbesten Schachspieler seiner Zeit. Er hielt 1910 einen Weltmeisterschaftksampf... lesen


hurra, wir leben noch (3)

Drei kräftige Lebenszeichen der realistischen erzählenden Literatur in Österreich. Die neuesten Romane von Walter Klier, Thomas Glavinic und Gabriel Loidolt

Gabriel Loidolt: Hurensohn. Roman

Gabriel Loidots Roman Hurensohn ist ein „österreichisches Buch“, in dem die (gesellschafts)politischen Themen und Befindlichkeiten zwischen Soziologiekursen, Zeit im Bild, Krone, täglich Alles und „gesundem Volksempfinden“ durch einen interessanten Plot in einen Erzählzusammenhang gebracht werden. Durch die Präzision und Authentizität der Beschreibung gewinnt Loidolts Roman an Relevanz, denn die Figuren des R... lesen


michal viewegh shooting star

Der tschechische Autor, der in seiner Heimat mit dem Prädikat „kult“ versehen wurde, kann auch in der deutschen Übersetzung durchaus Lesesuchterscheinungen auslösen

Michal Viewegh: Blendende Jahre für Hunde. Roman. Aus dem Tschechischen von Irene Bohlen und Kathrin Liedtke

Es gibt Bücher, wenn man die gelesen hat, möchte man eine Zeitlang kein anderes anrühren, weil man weiß, besser kann es nicht mehr kommen. Die Bücher des Tschechen Michal Viewegh sind auf dem Gebiet der Satire so ein Fall. Zwei sind heuer auf Deutsch erschienen. Erziehung von Mädchen in Böhmen, Vieweghs vierter Roman, kam im Frühjahr in der Übersetzung von Hanna Vintr bei Deuticke heraus. Sein Erstling Blendende... lesen