schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 01 - weltenende von besseren und schlechteren sätzen (3)
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/01-weltenende/von-besseren-und-schlechteren-satzen-3

von besseren und schlechteren sätzen (3)

Neues aus österreichischen Kleinverlagen


SI.SI. Klocker: Grete Gulbransson. Leer-und Wanderjahre einer Dichterin

Wien, Das Fröhliche Wohnzimmer-Edition 1998

Rezensiert von: colette m. schmidt


Ebenso in der Edition Das Fröhliche Wohnzimmer erschienen ist die Auseinandersetzung der Bregenzerin SI.SI. Klocker mit der 1934 verstorbenen Dichterin Grete Gulbransson aus Bludenz. Grete Gulbransson. Leer- und Wanderjahre einer Dichterin. ist schwer einzuordnen. Der Titel spielt auf eine Biographie an, die eigenwilligen Geschichten und Dialoge sind allerdings alles andere als eine Anhäufung von Lebensdaten. Die 1000 und 1 angerissene Geschichte aus dem Waffenarsenal europäischer Länder im ausgehenden 20. Jahrhundert sind meist kurze Texte, oft Fragmente, Dialoge illustriert mit fünf Grafiken der Autorin, und ergeben erst nach und nach ein zusammenhängendes Ganzes. Die Figur der Dichterin Grete Gulbransson soll die Inspiration für diese Fiktionen und Sprachspielereien gewesen sein, vermutlich könnte es aber auch jede andere Frau gewesen haben. Kennt man weder Leben noch Werk der guten Gretel, erfährt man hier jedenfalls sicher auch nicht mehr über sie. Die Sprache von SI. SI. Klocker hält immer wieder die Weiblichkeit hoch, was an sich nichts Schlechtes ist, es sei denn, dieses Merkmal ist neben billigen Zitaten aus Schlagern und Sagern das einzig Bemerkenswerte. Die „Leerjahre“ der Gulbransson müssen wirklich sehr leer gewesen sein, wenn sie eine neben dumpfen Schüttelreimen etwa zu folgenden Ergüssen anspornen: „Göttin sei dank! Ich lebe in den Tag hinein wie es mir gefällt. Hoppla! Wetz nicht so auf dem Stuhl, Tante B. BusenBertaBär.“ Grete Gulbransson hatte es schwer in der Welt der Männer, soviel erfahren wir, dürfen wir zwischen den Zeilen herauslesen. Doch abgesehen davon, daß sie da nicht die einzige gewesen sein dürfte, sind die Schlüsse, die daraus gezogen werden zweifelhaft: „Der MANN steht der Maschine näher als dem Tier. Ihr will er gleichen, ihr nacheifern. Der Computer soll sein Lehrmeister sein. Die FRAU ist noch mehr Tierseele. Frau und MANN. MANN und FRAU werden sich nie verstehen, Also mein Rat zum Schluß: `Kaufe das Gut.´ Was immer das heißen mag.“ Letzteren Satz könnte man hinter einige Kapitel in diesem Buch setzen.