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wiederkehr | ausgabe 02/03


02 - wiederkehr

danke danke danke

Wer sich in diesen Zeiten entschlossen hat, mit dem Kopf zu arbeiten, ohne ein Fußballer zu sein, ist Kummer gewohnt.- Helmut Qualtinger: Bei Blattlschluss ... Nachdem unser letztes Editorial (Heft 1, weltenende) mit seinen verschlüsselten apokalyptischen Anspielungen nur von geübten Kryptographen entziffert werden konnte, stellen wir auf vielfachen Wunsch hier wieder einen graden Michel auf die Schiene: Willkommen bei... lesen



Feuilleton

hermann götz | jenseits vom anderswo: propheten, poeten, schreihälse

Ein Essay ist erschienen: vom Verlust der Metaphysik und dem Aufbruch in den virtuellen Raum. Hinter den hochtönenden Sätzen des Autors schwimmt uns ein breiter Strom Gegenwartsliteratur entgegen: von der Wiederkehr der Metaphysik und dem Ausbruch wütender Polemik wider den Cyberspace Es erheben sich Meister des gedruckten Wortes und stimmen ein zorniges Lied an gegen das Wuchern der Wörter im großen Netz. Dichter und Phi... lesen


hannes luxbacher | wer hat an der uhr gedreht?

Gedanken zu Wiederkehr/Wiederholung

Wiederkehr lässt sich die verschiedensten Namen geben, um unter den buntesten Legitimationen auftreten zu können. Jahreszeit zum Beispiel, oder Pastiche. Reden wir gar nicht erst von Postmoderne, schweigen wir von der ORF-Programmierung. Einsichtig ist, dass Wiederkehr mehrere Wesenszüge aufweist und je nach Quantität und zeitlichem Regelmaß einerseits kontinuierliche Wiederholung - etwa das Erde-um-die-Sonne-Spie... lesen


werner schandor | die verehrung des immer selben

Über die Transzendenz im Sport und anderswo

Von einem Grazer Geschäftsmann ist die Anekdote überliefert, er sei während einer Opernvorstellung eingeschlafen. Als der Schlussapplaus einsetzte und seine Frau ihn rüttelte, um ihn zu wecken, sei er von seinem Sitz aufgesprungen und hätte sich, zur Erheiterung der anderen Zuhörer und zur Schmach seiner Frau, mitten im Parkett schlaftrunken bekreuzigt. Mir geht es beim Besuch von Lesungen ähnlich. Ich sehe sie... lesen


jürgen plank | wiedergänger, vampire und bela lugosi

Geköpft, verbrannt und doch nicht umzubringen: Wiedergänger als Kehrseite des ewigen Lebens.

1997 war das Jahr der Vampire: 100 Jahre zuvor hat Bram Stoker seinen Roman Dracula veröffentlicht, zum 125. Mal jährt sich das Erscheinen der Vampirgeschichte Carmilla des irischen Autors Joseph Sheridan LeFanu, die ein wichtiger Einfluss für Stoker war. Auch feiert in diesem Jahr der berühmte Dracula-Darsteller Christopher Lee seinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Und ein ewig lebender Stoker wäre 150 Jahre alt gew... lesen


gudrun sommer | dekadenz und wiederholung

Über Remakes und das Leben in der Endloss

Remake ist ein schöner Begriff, ist ein dankbarer Begriff. Remake ist ein Begriff, der zu uns passt und den wir verdienen. Ist Remake überall? Am Anfang war Remake in den Fabriken und den Arbeitern, die sie verließen, als die Gebrüder Lumière sie dabei filmten, und das gleich mehrmals. Das Prinzip der Wiederholung war für den Film entdeckt, und Generationen von Cineasten und Fernsehjunkies sollten das noch zu sp... lesen


brigitte fuchs | paradise lost/regained

oder: Der Messias 1-7

Messias 1: Das himmlische Jerusalem Unter den bekanntesten Messiachim oder Erlösern der Weltgeschichte befindet sich Jesus, der Nazarener, auch: „Christus“. Jesus gilt als der Gegenspieler von Satan oder Leviathan; er ist der Stifter der christlichen Religion/en sowie einer Zeitrechnung, die gegenwärtig in der elektronischen Datenverarbeitung zu großen Komplikationen führt. Jesus wird manchmal als eine Reinkarn... lesen


colette m. schmidt | 60 jahre später

Über den Grundfesten der einstigen Grazer Synagoge entsteht eine neue. Im November 2000 soll sie eröffnet werden

„Am 13. Februar 1938, es war ein Samstag Abend, da kam ich aus dem Tempel heim und während des Nachtmahls öffnete meine Frau das Radio und da hörten wir, Schuschnigg sei in Berchtesgaden und werde morgen früh in Wien rückerwartet. Als ich das hörte, erhielt ich einen Schock und sagte:`finis Austriae´.“ Der Herr, der das Ende, das ziemlich genau einen Monat später eintraf, vorausahnte, war David Herzog, der... lesen


werner schandor | schöne alte welt der bücher

Stellvertretend für jene, die sich schon immer gefragt haben, was es in Antiquariaten eigentlich zu kaufen gibt, begab sich schreibkraft auf einen Streifzug in eine Welt von erlesenen Vermögenswerten

Am Anfang stand ein Missverständnis. Auf der Suche nach Hans Blumenbergs philosophischem Hit aus den 80ern, "Die Lesbarkeit der Welt", erntete ich in mehreren Grazer Antiquariaten nur ein bedauerndes Kopfschütteln. Ich ließ mich sogar in eine Kartei aufnehmen. Nach wenigen Wochen erreichte mich eine Karte: Das Buch sei nicht aufgetaucht. Wozu sind diese Antiquariate gut, fragte ich mich, wenn sie nicht einmal einem bibliomani... lesen


andreas r. peternell | wiederaufbau

Lettlands Wirtschaftssituation vor dem EU-Beitritt: Daten, Fakten, Geheimnisse

Um die Errungenschaften der Kollektivierung zu glorifizieren, die Moral zu stärken und gleichzeitig über den Mangel an funktionierenden Farbfernsehgeräten hinwegzutäuschen, erzählte man sich an den Lagerfeuern Lettlands einst folgende Geschichte: Als die Judäer vom Perserkönig Kyrus die Erlaubnis erhielten, nach Jerusalem zurückzukehren, dachten alle nur daran, ihr eigenes Heim aufzubauen und vernachlässigten dab... lesen


werner schandor | reprise: die verehrung des immer selben

„es is oiwei 1/2 8i“ - Attwenger

Wenn man darüber nachdenkt, was sich alles wiederholt, könnte einem ganz schwindlig werden. Ich habe versucht, eine Liste mit Dingen aufzustellen, die immer wiederkehren. Ich kam auf zwei Seiten, engst beschrieben. Dann merkte ich, dass ich natürliche Phänomene noch gar nicht berücksichtigt hatte: Die Tage, die Jahreszeiten, die Tage, das allgemeine Werden und Vergehen im sogenannten Kreislauf der Natur. Fürchterlic... lesen


andreas r. peternell | pansen, unlimited

Wiederverwertetes aus der sinnfreiesten Rubrik aller Zeiten

„Was sagst Du denn dazu?“ „Was soll ich schon sagen. Er hat ja nichts gesagt.“ So wunderschön klingen Dialoge nur mehr im Fernsehen. Im konkreten Beispiel (es stammt übrigens aus einer Folge des Alten) gut zu erkennen: klassische Errungenschaften des Strukturalismus. Die unbarmherzige Entmystifizierung der Sprache, die Konstruiertheit menschlicher Wahrnehmung und die Komplexität der Aussage. Das vage subjekt... lesen


sven drühl | androgynität in der gegenwartskunst

Wiederkehr eines antiken Ideals

1. Eine Einleitung Verfolgt man die unterschiedlichen Moden in Popkultur und bildender Kunst, so trifft man in letzter Zeit vielerorts verstärkt auf ein Thema, das teils direkt und teils wie nebenbei verhandelt wird: Androgynität. Unzählige Ausstellungen präsentieren Positionen der Gegenwartskunst, die sich auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Thema auseinandersetzen, weshalb hier der Versuch einer systematischen V... lesen


ralf b. korte | anyway the wind blows

anmerkungen zum lüften von räumen und anderen thermischen fragen

1. von den rückspiegeln an den sturzhelmen der kulturtouristen beim abtreten auf der baustelle „avantgarde ist ein historisches wort. es riecht nach geschichte.“ (holger kube ventura 99) ob his oder her story, time is gonna say good bye in den auffangkurven vorm milleniumsrand: im rausch der abschiede, der vom rauschen der neuauflagen belagert wird, türmen sich die links zu den abgehakten dekaden. zwischen den... lesen


werner schandor | der underdog

schreibkraft besuchte den Schriftsteller Gabriel Loidolt in seinem Wohnungsquartier in Graz St. Peter, um mit ihm bei einem Haus-Espresso über Ignoranz, Bestseller und Vorstellungen von guter Literatur zu sprechen

Der Blätterwald des berühmten deutschen Feuilletons raschelte anerkennend mit den Zweigen, als Gabriel Loidolts Roman Hurensohn im Frühjahr 1998 im Alexander Fest Verlag in Berlin erschien. Die Geschichte des 20jährigen Sonderschülers Ozren, der glaubt, seine Mutter, eine Prostituierte, umgebracht zu haben, erhielt von der Kritik durchwegs gute Noten ausgestellt (siehe auch Heimo Mürzls Besprechung in schreibkraft... lesen


| man muss alles wissen. man weiss gar nichts. darum weiss man mehr

Zum essayistischen Werk Raoul Hausmanns

„Ich verkünde die dadaistische Welt! Ich verlache Wissenschaft und Kultur, diese elenden Sicherungen einer zum Tode verurteilten Gesellschaft.“ So beginnt Raoul Hausmann im Jahr 1919 sein Pamphlet gegen die Weimarische Lebensauffassung. Der offenbarungsreligiöse Charakter des Dadaismus und dessen prophetische Verkündung in den wenigen Jahren ab 1916 in Zürich, Paris und v. a. Berlin treffen das Lebensgefühl des i... lesen



Literarische Texte

werner schwab | Thierschädel

Wie irgend ein schnelles Tier warf sich McVie auf die andere Seite, sein Leben schmerzte, wie es bei allen Menschen immer schmerzt. Der Kampf mußte beginnen können. Hunderte Schweine waren abzustechen, aufzuarbeiten, zu den Akten zu legen. Es graute ein Morgen. die abgestickte Menschenoberfläche will toilettiert werden, es spielt sich ein Anfang. Kein Gedächtnis ist mir jemals zugelassen. Jede Eigenzeit simuliert e... lesen


franzobel | franzobels kochecke

Heute: Grüne Nüsse

Walnüsse um Johanni herum pflücken (zwischen dem 24. und 30. Juni). Vorher probieren, ob sie sich mit einem Hölzchen durchstechen lassen. Schon beim Pflücken wie bei der ganzen weiteren Bearbeitung UNBEDINGT Handschuhe anziehen. Dann die Nüsse wiegen und hernach mit einem spitzen Holz (Fleischspieß) jede Nuss 4 - 5 mal durchstechen. Dann die Nüsse mit Wasser abschwenken und 10 - 14 Tage in kaltem Wasser, das täglic... lesen


friederike mayröcker | für Elisabeth von Samsonow

solch Vogelherz fiel mir ein als ich erwachte und deine Stimme vernahm in meinem Kopf solch Vogelherz und dann fiel mir ein: TRÄNE und: GRASHALM und im Grase die Schwärme von Tauben grau auf grün sich niederlassend eintauchend da, als ob 1 Wind sich beruhigt hätte, als ob 1 Wind genistet hätte in diesem Gras - die Schar hatte sich niedergelassen und war verstummt, stille Herde unter Büschen und Bäumen, do... lesen


judith fischer | artificial txt:

dreck auf den seiten keine blaetter unter der zunge haelt eine wort sand mit klobigen schultern zwischen die naegel schnitte langsam tiefer unweigerlich versetzen sich borten ziegel die mundoeffnungen tropfen ein wenig das leder glaenzt in den falten den stein wirft sie den kopf in den nacken keine eile auf eine weise verschwinden auf eine andere wieder auftauchen versteckt sich abschuetteln allianzen bilden bei niedriger... lesen


marc adrian | das mammut. ein lehrstück

als primärtext montiert aus der kinderzeitschrift donald duck spezialrubrik ich weiß mehr (deutsche ausgabe 1963) primärtext 1. lesung das mammut ist der einzige urweltriese, dessen körper im ewigen polareis eingefroren, die jahrtausende überdauert hat. vor kurzem erst fanden forscher in der arktis den völlig unversehrten riesenleib eines mammuts. sein fleisch war noch so frisch, dass man es essen konnte... lesen


friederike mayröcker | auf einen Pappteller

und weisz und Schnee und mitten im Sommer Papptellers Spuren und Wischtuch Kufen und Tassenrand -rund meines gefältelten Augs .. Papptellers Weisz und Schnee und mitten im Sommer und Stiefel Schneise im Schnee und der Schatten des Tischtuchs zeichnet dunkles Profil auf danebenstehenden Hocker .. so Flusen Flausen von weiszem Brot / Flöckchen von Krume auf weiszem Tuch, und ach wie die Augen baden im salzigen Quell... lesen


friederike mayröcker | solch Himmelfahrts Zeisig

und hat geklungen wie Wasser sein Gesicht wie Wasser und die Nähe dieser Elemente zu einander die Empfindung der Saatkrähe im frühen September und schreit und schreit im düsteren Kopf und Wald im frühen September und schnüre am Rande des Traums am Rande des Himmels und habe gesehen im Traum die Wildnis der alten Maiglöckchen Blätter : Irrwisch unter gekrümmten Bäumen / so klirrender Zeisig für... lesen


friederike mayröcker | Beweinungen

für Valerie Lawitschka Tageslauf, so Infantin in 1 anderen Welt nur 1 paar Worte auf meinem Band die auf der Stelle mich versetzen in 1 andere Welt:stille Welt : „hier Valerie Lawitschka Hölderlinturm, freue mich dasz Sie kommen ..“ in 1 andere Welt die mich verzaubert : 1 Liguster Welt 1 Hölderlin Welt dann ist Juni 1 sehr stattlicher Juni, 1 Robinien Welt 1 Welt in welcher Trauerweiden tief in den Nec... lesen


friederike mayröcker | dieses Kind diese Parze dieser Ligusterhain

vor meinem Fenster die weiszen Lilien ungeschriebener Briefe wachsen herzu bis an mein Bett Levkojen Iris und Tausendschön ich weisz warum ich so traurig bin mein vorletzter Zahn das Blut stillt sich nicht es flieszt aus Mund und Nase es flieszt der Neckar mit Trauerweiden umflort - ich war dort an der Brücke bin an der Brücke gestanden : im Wasser : eines Hundes gewellter Schatten : mein eigener war es, zwisc... lesen



Rezensionen

das kann ihr keiner weglesen: das bleibt

Der Lyrikerstling Christoph W. Bauers und die letzten Dinge

Christoph W. Bauer: wege verzweigt. gedichte

So schwierig es auch sein mag, über Qualitäten von Lyrik zu sprechen, Qualität also wort- und dingfest zu machen an den Symptomen des Gedichts, manchmal ist sie einfach da, diese Qualität, und schert sich herzlich wenig darum, ob ein dahergelaufener Leser ihrer habhaft wird oder nicht. So widerfuhr es dem Rezensenten, der nicht nur daherlief, sondern den Gedichten Christoph W. Bauers auch eine Zeitlang in der rasch ge... lesen


ganz normale blicke aus ganz normalen fenstern

Gerhard Amanshauser: Mansardenbuch

Ein Mansardenzimmer in seinen Zuständen vor und nach der längst fällig gewordenen Generalsanierung wird zum Ausgangspunkt der Streifzüge des Denkabenteurers Amanshauser, der als Mann im Hintergrund (so Anton Thuswaldner in den Salzburger Nachrichten über G. A.) doch vielen Literaturinteressierten längst ein Begriff ist. Der gebürtige Salzburger, seit nunmehr viereinhalb Jahrzehnten freiberuflicher Schriftsteller, k... lesen


ich, ich, ich? (1)

Auf unterschiedlichste Weise thematisieren drei österreichische Literaten in ihren aktuellen Büchern die Problematik des Ich

Ilse Kilic: Als ich einmal zwei war. Geschichten vom Kindsein

Ilse Kilic, Hanno Millesi und Helmut Schranz nähern sich der Frage nach Persönlichkeit und Subjektivität aus komplett verschiedenen Richtungen. Ilse Kilics Kindergeschichte Als ich einmal zwei war zielt im Grunde auf einen funktionierenden Ich-Begriff ab. Den stellen Hanno Millesi und Helmut Schranz in ihren Buchdebüts auf unterschiedliche Weise radikal in Frage. Ilse Kilic: Doppeltes Lottchen in Personalunion... lesen


wenn die hausantenne kaputt ist ... (1)

Kino im Kopf kann auch Fernsehen sein, zeigt der Aarachne Verlag - Passwort Auferstehung

Josef K. Uhl. (Hg.): Paßwort Auferstehung. 24 Texte zum Leben danach

Verwöhnte Literatur-Gourmets, heikle Cineasten und all jene, die der Nimbus des Trivialen verschreckt, sollen sich hier nicht angesprochen fühlen. Wenn aber unsereins als herkömmlich entwickelte Seele sich gerade an seinen zwei Fernsehprogrammen sattgesehen hat oder aus unerfindlichen Gründen gänzlichen TV-Verzicht üben muss, so sei vermittels dieser Spalten adäquater Ersatz angepriesen: Unter Paßwort Auferstehung... lesen


alltagsrituale, spektakulär arrangiert

Magdalena Sadlons wunderbares Prosadebut über einen ganz normalen Außenseiter

Magdalena Sadlon: Die wunderbaren Wege. Roman

Jakob Sagmeister ist frühpensionierter Lehrer und freigesprochen. Verführung einer Schülerin wurde ihm dereinst vorgeworfen. Zu Beginn der Vorwürfe wurde er gleich einmal beurlaubt, später dann pensioniert. Das erfährt man so nebenbei, denn es ist keine ganz unmittelbare Lebensgeschichte, die Magdalena Sadlon in ihrem Prosadebut erzählt, sondern die verstreute Gesamtheit an Dingen, Zuständen, Gedanken, Ängsten... lesen


wenn die hausantenne kaputt ist ... (2)

Eine leichte Brise

Alfred Paul Schmidt: Eine leichte Brise. Kriminalroman.

Auf ein Vorabendprogramm folgt für gewöhnlich ein Hauptabendprogramm. Ein flotter Krimi etwa, aus österreichischer Produktion, wie zum Beispiel Eine leichte Brise von Alfred Paul Schmidt - ebenfalls bei Aarachne erschienen. Der Autor ist kein Unbekannter. Im selben Verlag sind von ihm bereits drei Bücher im Programm: ein Polit-Thriller, ein seismographischer Kriminalroman (der allerdings nichts zu tun hat mit Kollerit... lesen


ich, ich, ich? (2)

Hanno Millesi: Lähmung total

Hanno Millesi: Disappearing. Rückzugsvarianten.

Quälende Momente der Lähmung und des Erstarrens beschreibt Hanno Millesi in den Texten des Erzählbandes Disappearing. Rückzugsvarianten. Die zehn motivisch miteinander verknüpften Episoden des Buches umkreisen in einer um Präzision bemühten, eindringlichen und klaren Sprache jenen Moment des Stillstandes, in dem das Nichts in das Leben der Protagonisten eindringt und sich Platz verschafft. Dabei überwiegen in den... lesen


ich, ich, ich? (3)

Helmut Schranz: Aus den Lücken der Wahrnehmung

Helmut Schranz: schöner fehlen. stille exzesse

Gegen die Eindimensionalität herrschender Subjektivitätsbehauptungen setzt Helmut Schranz in seinem Buch schöner fehlen. stille exzesse kritische, komplexeste Poesie. Die 18 Prosatexte des Buches aus der ISBN-Reihe der NN-fabrik werden durch die montierten Gedichte MGV männergesangsverein ergänzt. Etliche der Texte haben mehrere Jahre kontinuierlicher Überschreibung hinter sich und präsentieren sich dementsprechend... lesen


zwischen haut und himmel

Die sinnliche Kosmologie Maja Vidmars überzeugt und irritiert

Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

In einer Farbkombination aus Pink, Ziegelrot und Orange sticht der Einband einer Lyrik-Neuerscheinung aus dem Hause Droschl ins Auge. Was sich in derart poppig-dreistem Gewand verbirgt oder präsentiert, sind die Leibhaftigen Gedichte der aus Ljubljana gebürtigen und dort lebenden Lyrikerin Maja Vidmar. Das Buch fasst Auszüge ihrer drei slowenischsprachigen Lyrikbände aus den Jahren 1984 bis 1998 zusammen, ins Deutsche... lesen


in seiten wie diesen (1)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm

Karin Schöffauer: vorübergehend

Denken Sie an Tagebucheintragungen und Innenansichten! Und lesen Sie jetzt trotzdem weiter! Die alte aber stete Frage, wie und ob Literatur Erkenntnisprozesse forcieren, erzeugen oder darstellen kann und der Streit darüber und dazu hier: drei Texte von einer Autorin und zwei Autoren, und allen ist zumindest eine Facette gemeinsam, sie konfrontieren den Leser/die Leserin mit einer Textoberfläche, die ihn/sie aus dem S... lesen


neueinsteiger und wiederkehrer (1)

Neues und nicht mehr ganz Neues von Karl-Heinz Ott, Hugo Ball und Gert Jonke

Karl-Heinz Ott: Ins Offene. Roman

Ein junger Mann erfährt vom unmittelbar bevorstehenden Tod der Mutter und begibt sich auf eine Reise an die Orte der Kindheit. Dass es sich dabei nicht um einen sentimentalen Ausflug eines aufgeklärten Städters in die ländliche Welt der Kinderzeit handelt, wird im Romandebüt Ins Offene des 1957 geborenen Karl-Heinz Ott bereits nach wenigen Seiten deutlich: Die Reise des namenlosen Ich-Erzählers wird zur Reise in die... lesen


in seiten wie diesen (2)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm

Paul Divjak: eisenbirne

Mindestens so angeraten muss zu Paul Divjaks eisenbirne werden. Gleich der Erzählhaltung Karin Schöffauers trägt uns in diesem Fall ein männliches Ich seinen Gedankenfluss vor. Jochen Distelmeyer, Sänger der deutschsprachigen Band Blumfeld, könnte als Verweis für die Divjaksche Diktion herhalten, und diese Ähnlichkeit bezeugt umgekehrt, wider alle landläufige Meinung, dass auch mit der deutschen Sprache Musikalit... lesen


in seiten wie diesen (1)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm

Fritz Widhalm: mr. elk & mr. seal

Nicht gerade leicht macht es einem Fritz Widhalm mit seiner letzten Veröffentlichung, mr. elk & mr. seal. Nach dem Vorgänger :huch, einem fast schon gemeinen Wort-ins-Ohr-Setzer, kommt das Buch in zwei Teilen etwas schwerfällig auf einen zu. mr. seals tagebuch, Teil eins des Gesamttextes, gibt Einblicke in nahezu alle Regionen des menschlichen Daseins, sodass, auch wegen der autobiographischen Namensgebung der Figu... lesen


der teufel ist ein als-ob

(... und der pöbel lernt schreiben)

Michael Köhlmeier: Der traurige Blick in die Weite.

Michael Köhlmeier hat ein neues Buch veröffentlicht. Zu sagen er hätte es geschrieben ist übertrieben, denn es wird nicht hinlänglich klar, wann der Autor selbst am Wort ist, wo er abgeschrieben, wo er „geborgt“ oder gestohlen hat. Mit etwas Mut zur Vereinfachung könnte man diese Unklarheit umgehen, indem man erklärt: der Autor „erzählt“. Das wäre „beruhigend nichtssagend“ und ganz im Köhlmeiersche... lesen


neueinsteiger und wiederkehrer (2)

Neues und nicht mehr ganz Neues von Karl-Heinz Ott, Hugo Ball und Gert Jonke

Hugo Ball: Tenderenda der Phantast. Hrsg. und mit einem Nachwort von Raimund Meyer und Julian Schütt

Bereits in den Jahren 1914 bis1920 entstand Hugo Balls (1886-1927) Text Tenderenda der Phantast. Eine Gattungsbezeichnung ist nicht ganz einfach zu finden, sie wurde in der vorliegenden Neuausgabe des erst 1967 erstmals erschienenen Textes folglich und sinnvollerweise auch weggelassen, denn mit einem Roman im herkömmlichen Sinn - Hugo Ball selbst hatte für den als „work in progress“ entstandenen Text ursprünglich... lesen


neueinsteiger und wiederkehrer (3)

Neues und nicht mehr ganz Neues von Karl-Heinz Ott, Hugo Ball und Gert Jonke

Gert Jonke: Himmelstraße - Erdbrustplatz oder Das System von Wien

Keineswegs neu sind auch die Wiener Geschichten des 1946 in Klagenfurt geborenen Gert Jonke. Himmelstraße - Erdbrustplatz oder Das System von Wien enthält 15 kurze Geschichten, die allesamt bereits in anderen Zusammenstellungen erschienen, aber längst vergriffen sind. Die Grundidee Jonkes, einen - nie fertiggestellten - Wien-Roman anhand des Liniennetzes der Wiener Straßenbahnen zu schreiben, ist noch im Titel mancher... lesen


goethejahr - endlich vorbei!

Oder: Wie die Lektüre des Alten einen humanistisch entsetzen kann

Goethe: Die Wahlverwandtschaften. Roman

Jubiläum, Jubiläum! Goethens 250. Geburtstag wird gefeiert. Vor genau 190 Jahren erschienen seine Wahlverwandtschaften erstmals, und ich bin nun der genau 63475. Germanist, der sich mit diesem Werk auseinandersetzt. Dies aus drei Gründen: a) einmal, weil das Buch als Fischer Taschenbuchausgabe, die ich einmal um fünf Schilling aus einer Ramschkiste errettete, lange Zeit in meiner Bibliothek der ungelesenen Bücher... lesen


die tiefe der sa/eiten

Über den Versuch, Literatur zum Klingen zu bringen

Peter N. Gruber: Die schwarze Prinzessin. CD

Es ist ein riskantes Projekt, dem sich der in Graz lebende Musiker Peter N. Gruber verschrieben hat: „Nach einer Unterbrechung von beinahe 20 Jahren“, so Gruber im Umschlagtext seiner ersten Solo-CD Die schwarze Prinzessin, „habe ich 1997 die Herausforderung Kontrabaß wieder aufgenommen.“ Die Musik zu dieser CD entstand in den letzten zwei Jahren, und in dieser Zeit hat der bibliophile Musiker wohl auch eine Menge... lesen


ein versuchter tod und seine vorgeschichten

Georg Payrs Roman über seelische Verwesung in der Kleinstadt

Geor Payr: Vom Drücken des Schuhs. Roman

Der lange, dünne, zerbrechliche Albert ist von einer Brücke gesprungen, in ein ausgetrocknetes Flussbett hinein. Ein Studentenspargel, eine Bohnenstange. Ein Häufchen Elend jetzt, da er ohnmächtig im Krankenhaus liegt und nicht wieder erwachen will. „Wo drückt dich der Schuh, mein Junge“ wird man ihn fragen, falls er wieder hochkommen sollte. Wo drückt der Schuh: eine erschreckend deutliche Metapher für das Unge... lesen


das mensch, das unkind

Christine Werners Roman über das Schicksal von Frauen und über eine Familie

Christine Werner: Eine Handbreit über dem Knie

„Wer nicht einmal bis zur Türklinke reicht, darf nicht mitreden.“ Die Nazis schleppen Trixis Vater davon. Zum Glück kann sich, wer nicht einmal zur Türklinke reicht, im Wäschekorb verstecken. Und wer bald auch einen arischen Stiefvater hat, braucht sich gar nicht mehr zu verstecken. „Das ist das Schicksal, Trixi... Ein rosa Ding mit Flügeln“, sagt Mamuschka. Das Schicksal bestimmt über Mamuschka und Trixi... lesen


irdische sehnsüchte

Eugenie Kain: Sehnsucht nach Tamanrasset. Sechs Erzählungen

Mit Eugenie Kains Sehnsucht nach Tamanrasset landen wir auf einem anderen Planeten. Er ist weniger romantisch, härter, echter, und gerade deswegen für real existierende Lebewesen bewohnbar. Die sechs Erzählungen in Sehnsucht nach Tamanrasset sind auf der Erde angesiedelt, mitten in Österreich und oft am Rande der hiesigen Gesellschaft. Dass die Autorin und Journalistin Kain als Trainerin im Sozialbereich arbeitet... lesen


blaues gewäsch

Sylvia Treudl: Blues. Geschichten

Wenn Sylvia Treudl den Blues kriegt, dann sind in erster Linie Geschichtlein angesagt, angereichert mit Ungetümen von Metaphern, die runter gehen wie ranziges Öl. „Denn immer, wenn sie am wenigsten darauf Wert legt, überrollen sie Assoziationen der bittersten Sorte wie Gischtwolken eine Sandburg“, beschreibt den Parcours durch die frisierte Landschaft von Treudls Texten am besten. Unter welchen Gesichtspunkten die... lesen


himmlische qualen

Franzobel: Phettberg. Eine Hermes-Tragödie

„Wir schreiben das Jahr 1999. Sternenzeit. Hier ist Capitain Hermes Phettberg, Commander der Enterprise Gumpendorf. Eine unwahrscheinliche Penetrationsmanie hat uns erfaßt. Eine unwahrscheinliche Fortpflanzungshysterie hat uns erwischt. Alle Flüssigkeit versucht uns zu befruchten. Bald werden wir verdaut sein. Liebe Nachwelt, hier ist der Notstand ausgebrochen. Lauter Fälle aus der Psychiatrie, alles Österreicher... lesen