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in seiten wie diesen (1)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm


Fritz Widhalm: mr. elk & mr. seal

Linz: Blattwerk 1999

Rezensiert von: hannes luxbacher


Nicht gerade leicht macht es einem Fritz Widhalm mit seiner letzten Veröffentlichung, mr. elk & mr. seal. Nach dem Vorgänger :huch, einem fast schon gemeinen Wort-ins-Ohr-Setzer, kommt das Buch in zwei Teilen etwas schwerfällig auf einen zu. mr. seals tagebuch, Teil eins des Gesamttextes, gibt Einblicke in nahezu alle Regionen des menschlichen Daseins, sodass, auch wegen der autobiographischen Namensgebung der Figuren, man sich mitunter die Frage stellt, ob man das denn wissen will, oder ob das die bessere Variante von Talk-Show wird. Man kann es ruhig Irritation nennen, die sich da an- und einschleicht, mit Aszendent „na ja“. Das spricht ja nun noch nicht gegen einen Text, auch nicht gegen diesen, aber ich kann mich Fritz Widhalm dieses Mal leider nicht anschließen, wenn er mr. seal schreiben lässt: „meine poesie ist mir sympathisch, da ich vor keiner form und keinem gehalt zurückschrecke.“

Zu uneindeutig ist der Weg, und Tagebücher mögen an sich haben, dass sie uneindeutig sind, weil sie ja mitunter nicht anders können, als Augenblicke festzuhalten, aber im Gegensatz zu den vorerwähnten Büchern scheint das Konzept nicht ganz aufzugehen. Das Spiel um die beiden Identitäten - mr. seal und mr. elk -, der eine Verfasser des ersten Teils des Buches, der andere Verfasser des zweiten Teils, bleistift und notdurft, bestehend aus ca. 50 Gedichten, findet keinen rechten Anfang und kein rechtes Ende und erscheint, ganz nonchalant geäußert, irgendwie willkürlich. Die Gedichte für sich genommen bieten verquere Beobachtungen und Offenbarungen und drehen sich wie ein Großteil des Buches um Sex und Sexus (oder umgekehrt). Reizvoll zu lesen bleibt auch die sehr handfeste Paraphrasierung von Filmbildern, die durch die Umsetzung in eine Mixtur aus allwissender Erzähler-Ergänzung und deftiger bis sehr deftiger Vokabelwahl den Kinematographen im Leser/in der Leserin beschwört. Zentral bleibt auch hier, etwas zurückgeschraubt allerdings, das Motiv Geschlechtlichkeit.

In Summe bleibt eine unbefriedigte Irritation, aber das ist eine Leistung, die Bücher auch erst mal erreichen müssen.