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pansen, unlimited

andreas r. peternell | pansen, unlimited

Wiederverwertetes aus der sinnfreiesten Rubrik aller Zeiten

„Was sagst Du denn dazu?“
„Was soll ich schon sagen. Er hat ja nichts gesagt.“

So wunderschön klingen Dialoge nur mehr im Fernsehen. Im konkreten Beispiel (es stammt übrigens aus einer Folge des Alten) gut zu erkennen: klassische Errungenschaften des Strukturalismus. Die unbarmherzige Entmystifizierung der Sprache, die Konstruiertheit menschlicher Wahrnehmung und die Komplexität der Aussage. Das vage subjektive Geplauder wird zu größter Strenge und Klarheit geführt. Die romantisch anmutenden Vorurteile, dass ein Kriminalinspektor - zumal im Fernsehen - ein lebendiges Wesen sei und eine Seele habe, die man schon aus Gründen der Höflichkeit nicht behelligen dürfe, wird endgültig korrigiert und zu einem schmerzhaften Ende gebracht. Der Polizist, in diesem Fall Leo Kress, ist mindestens genauso real wie einige Jahre zuvor Brigitte Xander.

Doch Kress gibt's wenigstens noch, während Xander und mit ihr die legendäre Trash-Eat-Sendung Bitte zu Tisch, die mit absoluter Sicherheit auch Honeckers charmant-realsozialistische Aufklärungs-Belangsendung mit der Maus übertraf, schon vor Jahren der Quote zum Opfer gefallen war. Wo also sind die Zeiten als knallharter investigativer Journalismus (Fakten, Fakten, Fakten) noch im ORF beheimatet war. Wo sind sie, die Zeiten, als mein Held, mein Jimi Hendrix der 80er Jahre Heinz „Honzo“ Holecek vor laufender Kamera und beinahe live die Genese seiner legendären (und auf allen Kleinkunstbühnen Mitteleuropas gerühmten) gefüllten Truthahnbrust mit trefflichen Kommentaren und herzzereißender Mimik begleiten durfte. Ist sie nun endgültig vorbei, die Blütezeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in Österreich?

Aber warum immer an die Vergangenheit denken? Sprechen wir lieber von der Zukunft. Nehmen wir Thomas Klestil. Oder, besser noch: nehmen wir mich. Mich und Bozo Bakota. Gemeinsam ist uns, dass wir niemals bei Brigitte Xanders Bitte zu Tisch schaukochen durften (in beiden Fällen eine Ungerechtigkeit sondergleichen), gemeinsam ist uns aber auch das unbändige Verlangen, in permanenter Selbsausbeutung der Welt auf die Sprünge helfen zu wollen. Neulich erst wollten wir eine vielbesprochene Ausstellung in unserer gemeinsamen Heimatstadt Rust am Neusiedlersee besuchen. Allein Bakota kam nicht. So war ich gezwungen, völlig auf mich allein gestellt, die Hallen des Elitären zu durchschreiten. Ich parkte den Wagen längs zur Querseite des riesigen Gebäudekomplexes. Das Wagendach schimmerte befremdlich in der Sonne. Es dampfte noch von dem Waldnebel. Die Frau an der Kassa machte einen netten Eindruck. Ich zwinkerte ihr zu. Da es keine Führung gab, versuchte ich mich selbst zurechtzufinden. Irgendwo musste es doch diese Höhlenmalerei geben, wo deutlich zu erkennen ist, dass der Künstler eine bestimmte Kratztechnik verwendet hat und nicht, wie bei den üblichen Wandmalereien, Stöcke mit selbstgekochter Farbe, die eingerächert wird. Und schon stand ich vor dem Bildnis, kletterte unter der Kordel, die den Zuschauerraum vom Exponat abtrennte, hindurch und versuchte neue Erkenntnisse für die scientific community zu gewinnen. Ein überaus aufmerksamer Wärter hielt mich jedoch nach einem (für mich) eher erfolglos verlaufenen Handgemenge davon ab. Sei`s drum. Warum sollen Philosophen immer alles machen?