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Rezensionen der Ausgabe 02/03 - wiederkehr

das kann ihr keiner weglesen: das bleibt

Der Lyrikerstling Christoph W. Bauers und die letzten Dinge

Christoph W. Bauer: wege verzweigt. gedichte

So schwierig es auch sein mag, über Qualitäten von Lyrik zu sprechen, Qualität also wort- und dingfest zu machen an den Symptomen des Gedichts, manchmal ist sie einfach da, diese Qualität, und schert sich herzlich wenig darum, ob ein dahergelaufener Leser ihrer habhaft wird oder nicht. So widerfuhr es dem Rezensenten, der nicht nur daherlief, sondern den Gedichten Christoph W. Bauers auch eine Zeitlang in der rasch ge... lesen


ganz normale blicke aus ganz normalen fenstern

Gerhard Amanshauser: Mansardenbuch

Ein Mansardenzimmer in seinen Zuständen vor und nach der längst fällig gewordenen Generalsanierung wird zum Ausgangspunkt der Streifzüge des Denkabenteurers Amanshauser, der als Mann im Hintergrund (so Anton Thuswaldner in den Salzburger Nachrichten über G. A.) doch vielen Literaturinteressierten längst ein Begriff ist. Der gebürtige Salzburger, seit nunmehr viereinhalb Jahrzehnten freiberuflicher Schriftsteller, k... lesen


ich, ich, ich? (1)

Auf unterschiedlichste Weise thematisieren drei österreichische Literaten in ihren aktuellen Büchern die Problematik des Ich

Ilse Kilic: Als ich einmal zwei war. Geschichten vom Kindsein

Ilse Kilic, Hanno Millesi und Helmut Schranz nähern sich der Frage nach Persönlichkeit und Subjektivität aus komplett verschiedenen Richtungen. Ilse Kilics Kindergeschichte Als ich einmal zwei war zielt im Grunde auf einen funktionierenden Ich-Begriff ab. Den stellen Hanno Millesi und Helmut Schranz in ihren Buchdebüts auf unterschiedliche Weise radikal in Frage. Ilse Kilic: Doppeltes Lottchen in Personalunion... lesen


wenn die hausantenne kaputt ist ... (1)

Kino im Kopf kann auch Fernsehen sein, zeigt der Aarachne Verlag - Passwort Auferstehung

Josef K. Uhl. (Hg.): Paßwort Auferstehung. 24 Texte zum Leben danach

Verwöhnte Literatur-Gourmets, heikle Cineasten und all jene, die der Nimbus des Trivialen verschreckt, sollen sich hier nicht angesprochen fühlen. Wenn aber unsereins als herkömmlich entwickelte Seele sich gerade an seinen zwei Fernsehprogrammen sattgesehen hat oder aus unerfindlichen Gründen gänzlichen TV-Verzicht üben muss, so sei vermittels dieser Spalten adäquater Ersatz angepriesen: Unter Paßwort Auferstehung... lesen


alltagsrituale, spektakulär arrangiert

Magdalena Sadlons wunderbares Prosadebut über einen ganz normalen Außenseiter

Magdalena Sadlon: Die wunderbaren Wege. Roman

Jakob Sagmeister ist frühpensionierter Lehrer und freigesprochen. Verführung einer Schülerin wurde ihm dereinst vorgeworfen. Zu Beginn der Vorwürfe wurde er gleich einmal beurlaubt, später dann pensioniert. Das erfährt man so nebenbei, denn es ist keine ganz unmittelbare Lebensgeschichte, die Magdalena Sadlon in ihrem Prosadebut erzählt, sondern die verstreute Gesamtheit an Dingen, Zuständen, Gedanken, Ängsten... lesen


wenn die hausantenne kaputt ist ... (2)

Eine leichte Brise

Alfred Paul Schmidt: Eine leichte Brise. Kriminalroman.

Auf ein Vorabendprogramm folgt für gewöhnlich ein Hauptabendprogramm. Ein flotter Krimi etwa, aus österreichischer Produktion, wie zum Beispiel Eine leichte Brise von Alfred Paul Schmidt - ebenfalls bei Aarachne erschienen. Der Autor ist kein Unbekannter. Im selben Verlag sind von ihm bereits drei Bücher im Programm: ein Polit-Thriller, ein seismographischer Kriminalroman (der allerdings nichts zu tun hat mit Kollerit... lesen


ich, ich, ich? (2)

Hanno Millesi: Lähmung total

Hanno Millesi: Disappearing. Rückzugsvarianten.

Quälende Momente der Lähmung und des Erstarrens beschreibt Hanno Millesi in den Texten des Erzählbandes Disappearing. Rückzugsvarianten. Die zehn motivisch miteinander verknüpften Episoden des Buches umkreisen in einer um Präzision bemühten, eindringlichen und klaren Sprache jenen Moment des Stillstandes, in dem das Nichts in das Leben der Protagonisten eindringt und sich Platz verschafft. Dabei überwiegen in den... lesen


ich, ich, ich? (3)

Helmut Schranz: Aus den Lücken der Wahrnehmung

Helmut Schranz: schöner fehlen. stille exzesse

Gegen die Eindimensionalität herrschender Subjektivitätsbehauptungen setzt Helmut Schranz in seinem Buch schöner fehlen. stille exzesse kritische, komplexeste Poesie. Die 18 Prosatexte des Buches aus der ISBN-Reihe der NN-fabrik werden durch die montierten Gedichte MGV männergesangsverein ergänzt. Etliche der Texte haben mehrere Jahre kontinuierlicher Überschreibung hinter sich und präsentieren sich dementsprechend... lesen


zwischen haut und himmel

Die sinnliche Kosmologie Maja Vidmars überzeugt und irritiert

Maja Vidmar: Leibhaftige Gedichte. Aus dem Slowenischen von Fabjan Hafner

In einer Farbkombination aus Pink, Ziegelrot und Orange sticht der Einband einer Lyrik-Neuerscheinung aus dem Hause Droschl ins Auge. Was sich in derart poppig-dreistem Gewand verbirgt oder präsentiert, sind die Leibhaftigen Gedichte der aus Ljubljana gebürtigen und dort lebenden Lyrikerin Maja Vidmar. Das Buch fasst Auszüge ihrer drei slowenischsprachigen Lyrikbände aus den Jahren 1984 bis 1998 zusammen, ins Deutsche... lesen


in seiten wie diesen (1)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm

Karin Schöffauer: vorübergehend

Denken Sie an Tagebucheintragungen und Innenansichten! Und lesen Sie jetzt trotzdem weiter! Die alte aber stete Frage, wie und ob Literatur Erkenntnisprozesse forcieren, erzeugen oder darstellen kann und der Streit darüber und dazu hier: drei Texte von einer Autorin und zwei Autoren, und allen ist zumindest eine Facette gemeinsam, sie konfrontieren den Leser/die Leserin mit einer Textoberfläche, die ihn/sie aus dem S... lesen


neueinsteiger und wiederkehrer (1)

Neues und nicht mehr ganz Neues von Karl-Heinz Ott, Hugo Ball und Gert Jonke

Karl-Heinz Ott: Ins Offene. Roman

Ein junger Mann erfährt vom unmittelbar bevorstehenden Tod der Mutter und begibt sich auf eine Reise an die Orte der Kindheit. Dass es sich dabei nicht um einen sentimentalen Ausflug eines aufgeklärten Städters in die ländliche Welt der Kinderzeit handelt, wird im Romandebüt Ins Offene des 1957 geborenen Karl-Heinz Ott bereits nach wenigen Seiten deutlich: Die Reise des namenlosen Ich-Erzählers wird zur Reise in die... lesen


in seiten wie diesen (2)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm

Paul Divjak: eisenbirne

Mindestens so angeraten muss zu Paul Divjaks eisenbirne werden. Gleich der Erzählhaltung Karin Schöffauers trägt uns in diesem Fall ein männliches Ich seinen Gedankenfluss vor. Jochen Distelmeyer, Sänger der deutschsprachigen Band Blumfeld, könnte als Verweis für die Divjaksche Diktion herhalten, und diese Ähnlichkeit bezeugt umgekehrt, wider alle landläufige Meinung, dass auch mit der deutschen Sprache Musikalit... lesen


in seiten wie diesen (1)

Zu Texten von Karin Schöffauer, Paul Divjak und Fritz Widhalm

Fritz Widhalm: mr. elk & mr. seal

Nicht gerade leicht macht es einem Fritz Widhalm mit seiner letzten Veröffentlichung, mr. elk & mr. seal. Nach dem Vorgänger :huch, einem fast schon gemeinen Wort-ins-Ohr-Setzer, kommt das Buch in zwei Teilen etwas schwerfällig auf einen zu. mr. seals tagebuch, Teil eins des Gesamttextes, gibt Einblicke in nahezu alle Regionen des menschlichen Daseins, sodass, auch wegen der autobiographischen Namensgebung der Figu... lesen


der teufel ist ein als-ob

(... und der pöbel lernt schreiben)

Michael Köhlmeier: Der traurige Blick in die Weite.

Michael Köhlmeier hat ein neues Buch veröffentlicht. Zu sagen er hätte es geschrieben ist übertrieben, denn es wird nicht hinlänglich klar, wann der Autor selbst am Wort ist, wo er abgeschrieben, wo er „geborgt“ oder gestohlen hat. Mit etwas Mut zur Vereinfachung könnte man diese Unklarheit umgehen, indem man erklärt: der Autor „erzählt“. Das wäre „beruhigend nichtssagend“ und ganz im Köhlmeiersche... lesen


neueinsteiger und wiederkehrer (2)

Neues und nicht mehr ganz Neues von Karl-Heinz Ott, Hugo Ball und Gert Jonke

Hugo Ball: Tenderenda der Phantast. Hrsg. und mit einem Nachwort von Raimund Meyer und Julian Schütt

Bereits in den Jahren 1914 bis1920 entstand Hugo Balls (1886-1927) Text Tenderenda der Phantast. Eine Gattungsbezeichnung ist nicht ganz einfach zu finden, sie wurde in der vorliegenden Neuausgabe des erst 1967 erstmals erschienenen Textes folglich und sinnvollerweise auch weggelassen, denn mit einem Roman im herkömmlichen Sinn - Hugo Ball selbst hatte für den als „work in progress“ entstandenen Text ursprünglich... lesen


neueinsteiger und wiederkehrer (3)

Neues und nicht mehr ganz Neues von Karl-Heinz Ott, Hugo Ball und Gert Jonke

Gert Jonke: Himmelstraße - Erdbrustplatz oder Das System von Wien

Keineswegs neu sind auch die Wiener Geschichten des 1946 in Klagenfurt geborenen Gert Jonke. Himmelstraße - Erdbrustplatz oder Das System von Wien enthält 15 kurze Geschichten, die allesamt bereits in anderen Zusammenstellungen erschienen, aber längst vergriffen sind. Die Grundidee Jonkes, einen - nie fertiggestellten - Wien-Roman anhand des Liniennetzes der Wiener Straßenbahnen zu schreiben, ist noch im Titel mancher... lesen


goethejahr - endlich vorbei!

Oder: Wie die Lektüre des Alten einen humanistisch entsetzen kann

Goethe: Die Wahlverwandtschaften. Roman

Jubiläum, Jubiläum! Goethens 250. Geburtstag wird gefeiert. Vor genau 190 Jahren erschienen seine Wahlverwandtschaften erstmals, und ich bin nun der genau 63475. Germanist, der sich mit diesem Werk auseinandersetzt. Dies aus drei Gründen: a) einmal, weil das Buch als Fischer Taschenbuchausgabe, die ich einmal um fünf Schilling aus einer Ramschkiste errettete, lange Zeit in meiner Bibliothek der ungelesenen Bücher... lesen


die tiefe der sa/eiten

Über den Versuch, Literatur zum Klingen zu bringen

Peter N. Gruber: Die schwarze Prinzessin. CD

Es ist ein riskantes Projekt, dem sich der in Graz lebende Musiker Peter N. Gruber verschrieben hat: „Nach einer Unterbrechung von beinahe 20 Jahren“, so Gruber im Umschlagtext seiner ersten Solo-CD Die schwarze Prinzessin, „habe ich 1997 die Herausforderung Kontrabaß wieder aufgenommen.“ Die Musik zu dieser CD entstand in den letzten zwei Jahren, und in dieser Zeit hat der bibliophile Musiker wohl auch eine Menge... lesen


ein versuchter tod und seine vorgeschichten

Georg Payrs Roman über seelische Verwesung in der Kleinstadt

Geor Payr: Vom Drücken des Schuhs. Roman

Der lange, dünne, zerbrechliche Albert ist von einer Brücke gesprungen, in ein ausgetrocknetes Flussbett hinein. Ein Studentenspargel, eine Bohnenstange. Ein Häufchen Elend jetzt, da er ohnmächtig im Krankenhaus liegt und nicht wieder erwachen will. „Wo drückt dich der Schuh, mein Junge“ wird man ihn fragen, falls er wieder hochkommen sollte. Wo drückt der Schuh: eine erschreckend deutliche Metapher für das Unge... lesen


das mensch, das unkind

Christine Werners Roman über das Schicksal von Frauen und über eine Familie

Christine Werner: Eine Handbreit über dem Knie

„Wer nicht einmal bis zur Türklinke reicht, darf nicht mitreden.“ Die Nazis schleppen Trixis Vater davon. Zum Glück kann sich, wer nicht einmal zur Türklinke reicht, im Wäschekorb verstecken. Und wer bald auch einen arischen Stiefvater hat, braucht sich gar nicht mehr zu verstecken. „Das ist das Schicksal, Trixi... Ein rosa Ding mit Flügeln“, sagt Mamuschka. Das Schicksal bestimmt über Mamuschka und Trixi... lesen


irdische sehnsüchte

Eugenie Kain: Sehnsucht nach Tamanrasset. Sechs Erzählungen

Mit Eugenie Kains Sehnsucht nach Tamanrasset landen wir auf einem anderen Planeten. Er ist weniger romantisch, härter, echter, und gerade deswegen für real existierende Lebewesen bewohnbar. Die sechs Erzählungen in Sehnsucht nach Tamanrasset sind auf der Erde angesiedelt, mitten in Österreich und oft am Rande der hiesigen Gesellschaft. Dass die Autorin und Journalistin Kain als Trainerin im Sozialbereich arbeitet... lesen


blaues gewäsch

Sylvia Treudl: Blues. Geschichten

Wenn Sylvia Treudl den Blues kriegt, dann sind in erster Linie Geschichtlein angesagt, angereichert mit Ungetümen von Metaphern, die runter gehen wie ranziges Öl. „Denn immer, wenn sie am wenigsten darauf Wert legt, überrollen sie Assoziationen der bittersten Sorte wie Gischtwolken eine Sandburg“, beschreibt den Parcours durch die frisierte Landschaft von Treudls Texten am besten. Unter welchen Gesichtspunkten die... lesen


himmlische qualen

Franzobel: Phettberg. Eine Hermes-Tragödie

„Wir schreiben das Jahr 1999. Sternenzeit. Hier ist Capitain Hermes Phettberg, Commander der Enterprise Gumpendorf. Eine unwahrscheinliche Penetrationsmanie hat uns erfaßt. Eine unwahrscheinliche Fortpflanzungshysterie hat uns erwischt. Alle Flüssigkeit versucht uns zu befruchten. Bald werden wir verdaut sein. Liebe Nachwelt, hier ist der Notstand ausgebrochen. Lauter Fälle aus der Psychiatrie, alles Österreicher... lesen