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wenn die hausantenne kaputt ist ... (2)

Eine leichte Brise


Alfred Paul Schmidt: Eine leichte Brise. Kriminalroman.

Wien: Aarachne 1999

Rezensiert von: hermann götz


Auf ein Vorabendprogramm folgt für gewöhnlich ein Hauptabendprogramm. Ein flotter Krimi etwa, aus österreichischer Produktion, wie zum Beispiel Eine leichte Brise von Alfred Paul Schmidt - ebenfalls bei Aarachne erschienen. Der Autor ist kein Unbekannter. Im selben Verlag sind von ihm bereits drei Bücher im Programm: ein Polit-Thriller, ein seismographischer Kriminalroman (der allerdings nichts zu tun hat mit Kolleritschs seismographischen Pfirsichtötern) und der satirische Roman Hiob zweiter Klasse. Außerdem werden die Leser der Kleinen Zeitung regelmäßig mit Schmidtscher Welt-Anschauung versorgt und auch der ORF nimmt zuweilen seine schriftstellerischen Dienste in Anspruch. Kein Wunder also, dass sich sein Text für unser hauptabendliches Fernseh-Ersatzprogramm eignet. Die Neue hat bekanntlich das Feld räumen müssen, doch jetzt kommt Fanny Weihbusch, eine neue Neue, ihrer TV-Vorgängerin jedoch nicht ganz unähnlich: jugendlich, blond, attraktiv und keineswegs auf den Mund gefallen, Typ Radiomoderatorin - will heißen: selbstbewusst und emanzipiert, aber nicht ohne weibliche Schwächen (sprich: auch eine Frau Kommissarin kann sich verlieben). Der Schauplatz ist ausgesucht, eine hervorragende Kulisse, nicht zuletzt auch für ein Brise Fremdenverkehrswerbung. Es darf ruhig Alt Aussee sein, wo eine Direktorengattin als Leiche von einer steirischen Rotbuche baumelt, inmitten einer entzückenden Landschaft.

Selbstverständlich ist die Geschichte kompliziert, selbstverständlich ist die lokale Prominenz irgendwie involviert, und selbstverständlich wird irgendwann auch die politische Dimension der vorliegenden Verschwörung begreiflich. Aber eine wahrhaft gute Verschwörung spannt ihre Fäden vom Vogelhäuschen im Nachbargarten bis zum Nobelbordell in der Schweiz. Es dürfen dabei auch gepiercte Geschlechtsorgane nicht fehlen, genausowenig wie dubiose Organspenden für säuerlich seriöse Chefärzte. Und ein wahrhaft guter Krimi hat ganz am Ende auch noch eine kleine Überraschung zu bieten.

Alfred Paul Schmidt ist ein Profi. Sein Kriminalroman ist hundertprozentig fernsehtauglich; aber damit nicht genug, wird der literarische Teil des Buches auch noch durch einen theoretischen bereichert: „Wenn der Kriminalroman“, heißt es dort, „den Ehrgeiz hat, geistvolle Literatur zu sein, ist er gezwungen, sich um Erkenntnisse zu bemühen“. In der Folge ist vor allem Schmidt um Erkenntnisse bemüht, oder besser: um Argumente dafür, dass Kriminalromane geistvolle Literatur sind. Dass die seinen das sein sollen, ist dem Leser spätestens dort aufgefallen, wo Schmidt seine geistvolle Figur einführt, als Sprachrohr aller scharfsinnigen Schmidt-Sentenzen und verqueren Theorien zur Landschaftspsychologie, ein „Hiob dritter Klasse“ sozusagen, oder ein bisschen ein schnurrbärtig-glatziges Autorendouble. Wohl mag der Leser seine Freude haben, an Aussprüchen wie etwa: „Für mich hat der Ort etwas Mystisches. Eine spirituelle Wildheit. Man sieht ganz deutlich, durch die Luft zieht der Kernsatz des steirischen Buddhismus: ‘Mir wurscht!’“ Sie sind dem Protagonisten jedoch so deutlich in den Mund gelegt, dass man darüber zu stolpern droht.

Alfred Paul Schmidt ist ein Profi. Er schreibt gediegen komponierte Krimis, einfallsreich und spannend. Aber er hat den Ehrgeiz, geistvolle Literatur zu produzieren. Das merkt man.