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alte häuser bewohnbar machen

Subitel der Rezension


Walter Grond: Old Danube House. Roman

Innsbruck: Haymon 2000

Rezensiert von: hannes luxbacher


In Old Danube House wendet sich Walter Grond einer schriftstellerischen Praxis zu, die wohl schon im groß angelegten Odysee-Nachdichtungsprojekt Absolut Homer angelegt war: dem Erzählen schlechthin. Gronds frühe spiegelverkehrte Erzählstrategie oder das „in Graz“ populäre Spielen mit den Errungenschaften aufgebrochenen Erzählverhaltens weichen in seinem neuen Roman einer gleichsam traditionell zu nennenden Form.

Angesichts des 1999 vorgelegten Essay-Bandes Der Erzähler und der Cyberspace (Haymon 1999) darf diese „Neuorientierung“ jedoch nicht verwundern. Grond griff darin u.a. das Thema der Positionierung des Autors auf und versuchte, sie unter Berücksichtigung der veränderten Produktionsbedingungen, insbesondere der an die Netzwerkkultur herangetragenen Erwartungshaltungen zu verorten. Da die Avantgarde passé ist, wie Grond dort meint, und das gleichzusetzen sei mit einer Befreiung des Autors, der darob nicht mehr in die Notwendigkeit getrieben wird, sich der symbolischen Distinktion wegen selbst als Genie zu inszenieren, könne sich ein Schriftsteller wieder seinem Handwerk widmen und „zu beschreiben versuchen, wie die soziale Wirklichkeit unter den neuen Kommunikationsverhältnissen aussieht“. Die Zuwendung zur sozialen Welt gewinnt dort an Bedeutung, wo nicht mehr länger symbolische Marktwirtschaft im literarischen Feld betrieben wird. Grond kommt seinen theoretischen Ausführungen mit unterschiedlichem Erfolg nach, indem er sich eines Realismus bedient, der mit den Erzählteilen großteils additiv verfährt.

Er schickt seine Hauptfigur, den Quantenphysiker Johan Nichol, von Wien nach Sarajevo, erinnerter Weise auch nach Moskau, um ihn schlussendlich auf offener See kentern und zusammen mit seiner esoterisch angehauchten Freundin auf einer Insel stranden zu lassen. Der rätselhafte Tod des Physikers Nicola Sahli ist mit antreibendes Prinzip der Reise nach Sarajevo und der Suche nach neuen Orientierungspunkten in einer bislang als gefestigt geglaubten Existenz. Dass die Textpassagen, die in Sarajevo handeln, ein z.T. nachdrücklicheres Stimmungsbild des Nachkriegsschauplatzes zeichnen – selbst wenn manchen Formulierungen schablonenhafte Züge anhaften – als viele Reportagen, mag jedenfalls für den Erzähler Grond sprechen. Was ihm jedenfalls auch gelingt, ist die glaubwürdige Hereinnahme von Sprachformeln der so genannten „Internet-Generation“. Die freundschaftliche Konfrontation des etablierten Professors mit einem aufstrebenden Studenten an seinem Institut legt das Spannungsverhältnis eines je unterschiedlichen Umgangs mit den neuesten Erkenntnissen insbesondere der Computertechnologie offen und zeichnet die Konturen eines spielerischen bzw. eines streng rationalen Umgangs mit denselben nach. Die Summe der feinen Erschütterungen und die angeschlossene Sinnsuche Nichols führt Grond in all ihrer kleineren und größeren Dezentheit nachdrücklich vor. Von den eher zähen Anfangsseiten und dem eher wenig originellen Schlussbild – kentern am Meer, stranden auf Insel, retten eines jungen Vögleins, Erlösung sozusagen – abgesehen, kann Grond seine Vorgaben an den restrukturierten Autor, wenn schon nicht immer, so doch vielfach einlösen.

Unter www.kultur.at/house.htm wird der Roman vielschichtig und ambitioniert aufbereitet.