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Feuilleton der Ausgabe 05 - warten, bitte

eva t. | wer wartet mit?

taxi orange oder Ich warte/Ich warte mich/Ich warte dich. Ein Nachtrag zur jüngst beendeten „Daily Soap”

Ich warte [intransitiv] Seit Monaten wartet ein Gutteil der Österreicher auf taxi orange. Das heißt: In Wahrheit wartet man aufs Warten. Der vom nationalen Fernsehen gestiftete Mikrokosmos „Kutscherhof“ nämlich ist ein Modell der stillstehenden Zeit, die zwar ein Ablaufdatum hat, aber kein Tempo: Nichts bewegt sich, wenn die Bewohner Tag für Tag wahlweise Nudeln kochen, sich Zigaretten anstecken, einander Fußbälle zuwerfen... lesen


manfred prisching | schneller

Ein Abriss über die kulturellen Charakteristika jener Epoche, in der wir leben

Unser Thema ist v = Delta s/Delta t beziehungsweise a = Delta v/Delta t. Schließlich leben wir in einer verwissenschaftlichten Welt, in der wir mit derlei abstrakten Hinweisen umgehen können müssen. Und die Formeln haben den Vorteil der Kürze; wir leben in einer Welt, in der die Zeit knapp ist, also ist es zweckmäßig, sich auf diese knappe Weise zu verständigen. Es könnte sein, dass irgendjemand nicht weiß, worum es sich handel... lesen


ilona kästner | heldenandacht

Eine doppelte Grabrede

Einige wären ein Phönix gewesen, wären andere nicht zuvorgekommen. Großer Vorteil: erster zu sein, und wenn mit Vortrefflichkeit, doppelt. Bei Gleichheit gewinnt, wer als erster gewinnt. - Balthasar Gracian, Der Held In unserem Wertesystem gibt es eine Kategorie, die ist unschlagbar: der oder die Erste. Als Ordinalzahl markiert sie zunächst nur einen neutralen Ort im Rahmen einer abzählbaren und geordneten Reihe. Seltsamerwei... lesen


harald ditlbacher | bond oder colombo

James Bond: Moonraker (1979). Columbo: Murder Under Glass (1978). Zwei Filme, zwei Möglichkeiten

James Bond ist bekanntlich ein vielbeschäftigter Mann. Bevor er seinen neuen Auftrag erhält, ist er in einem Flugzeug der British Airways gerade mit dem linken Oberschenkel einer Stewardess beschäftigt. Bald schon fliegt er aus dem Flugzeug raus, – ohne Fallschirm; diesen muss er erst im freien Flug dem Piloten abknöpfen. Der Pilot wird dieses Abenteuer nicht überleben, aber das geschieht ihm nur recht, schließlich hat er mit de... lesen


rudolf götz | eilige wirklichkeitskonzeptionen

Wie vorverurteilte Realität durch journalistisches Schnellfeuer exekutiert wird

Selbst wer den Anbietern neuer Kommunikationstechnologien noch nicht ins Netz gegangen ist, muss sich damit abfinden, an einer humanoiden Entwicklungsstufe zu partizipieren, in der die vielzitierte Medien-Gesellschaft längst zu einer mediatisierten – den Medien unterworfenen – Gesellschaft mutiert ist. Ereignisse erhalten soziales oder/und politisches Gewicht ausschließlich vermittels medialer Präsenz – nicht dadurch, dass sie... lesen


helwig brunner | schöner streiten

Die knallharte Diagnose postmoderner Bewusstseinsspaltung öffnet den Blick für die Ästhetik zwischenmenschlicher Warten – oder etwa nicht?

Wenn sich nicht von Anfang an eine andere Logik oder ein anderer Raum abzeichnen, dann wiederholt und bestätigt der Umsturz mit negativen Vorzeichen das, was er bekämpft hat. - Jacques Derrida 1 Ein Scharmützel Wenn du und ich problematisch aneinandergeraten, und erfahrungsgemäß betreffen nicht wenige Probleme in erster oder letzter Konsequenz ein Du und ein Ich, dann gebieten uns oft schon die gute Kinderstube beziehungsweise... lesen


bernhard wolf | antimaterie und protomasse

Wolfs kleine Privatmythologie im Überblick

Ich warte schon seit Jahren auf die Einführung von Antimaterie und Protomasse. Seit ich die Menschheit kenne, erscheint mir das Procedere vor allem eines des Schleppens, Tragens und Bewegens zu sein, also ein Kampf gegen Kubikmeter, Wegstrecken und die Gravitation. Bin schon öfter gesiedelt – ein Graus. Wie schön wäre all das mit Protomasse. Sämtliche Gegenstände bestehen nur aus spezifischem Gewicht mit einem Formgenerator und... lesen


gudrun sommer | das warten soll mich nicht verdrießen*

Über das Recht zu Dauern und die Kunst, es auszuhalten

Wie über das Warten sprechen? Nicht Phänomen, nicht Tatsache, benennt das Warten kaum mehr als einen Phantomschmerz in den Löchern des Alltags. Wie aber über etwas sprechen, dessen Substanz in der Leere und dessen Wert allein an deren Rändern zu verorten wäre? Was ist das für eine Bewegung, die nur in der Zeit zu denken ist und trotzdem keiner Geschwindigkeit bedarf? Es kann kein Zufall sein, dass ausgerechnet jene Religion, die... lesen


georg gartlgruber | wartehallen des lebens

Die Erde dreht sich von selbst, die Wolken ziehen allein, am Monatsersten kommt der Gehaltsscheck. Wieviele Menschen verlassen sich auf das Uhrwerk?

Schutzhaus Döbling Versteckt in einer dichten Siedlung aus geduckten Kleinhäusern, auf extremer Hanglage abwärts wartend, nur zu erreichen über eine enge Asphaltstrasse, mit einem wunderbaren Blick auf die Neuwaldegger Weinberge, befindet sich das Schutzhaus Döbling1. Ferdinand Jedlasek trifft sich hier seit Jahrzehnten mit Freunden. Dann reden sie, und sie trinken und sie beobachten die anderen Gäste. Im Sommer sitzen sie auf g... lesen


hermann götz | vergessen oder verdauen

Was kommt nach einer neuen Regierung. Und: Welche Warten taugen als Standpunkt. Von Österreichs Büchern und Österreichbüchern

„Ganz Österreich steht unter Beobachtung. Man sieht uns wieder. Wir sind wieder wer. Endlich.“ Die Gunst hat eine Stunde lang vorbeigeschaut. Bei uns in Hinterwelt. Und Armin Thurnher freut sich. Er weiß zu nutzen, was viele andere als Angriff auf ihr politisches Wohlbefinden oder ihren Patriotismus empfinden – die Regierungsbeteiligung der FPÖ, die Sanktionen und Demonstrationen. Er vernadert Österreich, wo er kann (sagt er... lesen


hannes luxbacher | der beichtvater der ungelesenen bücher

Ein Interview mit Julius Deutschbauer

Julius Deutschbauer ist bildender Künstler und Begründer der Bibliothek ungelesener Bücher. Als Bibliothekar der Bibliothek, die, soferne sie nicht auf Ausstellungen weilt, im Wiener Museumsquartier untergebracht ist, interviewt Julius Deutschbauer Leserinnen und Leser zu einem von ihnen ungelesenen Buch. Sowohl die Gesprächsaufzeichnungen als auch die ungelesenen Bücher sind in der Bibliothek zugänglich. Regelmäßig findet in ih... lesen


werner schandor | literaten im abwind

Eine junge österreichische Schriftstellergeneration versucht, mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen Erfolge einzufahren

Keinem Elektroniker würde es einfallen, sich damit zu brüsten, dass er eine bestimmte Fachrichtung – sagen wir die Schaltungstechnik – nicht versteht. Es würde ihm auch nicht einfallen, sich den Mund über Schaltungstechnik fusslig zu reden, wenn er sie nicht versteht. Und noch weniger würde es ihm einfallen, die Schaltungstechnik in Bausch und Bogen zu verdammen, nur weil er sich nicht damit befasst. Anders in der Literatur: Da... lesen


christoph d. weiermair | unerwartetes warten erwartet

Dem Warten auf der Spur

Als Neo-Grazer komme ich am Jakominiplatz nicht vorbei. Schon gar nicht, weil ich nur unweit beherbergt bin. Alle Straßenbahnlinien laufen hier zusammen und verzweigen sich zu einem Knoten öffentlichen Verkehrs. Morgens macht mich das permanente Kommen und Gehen von Mensch und Maschine, dieses Ein-, Um- und Aussteigen, dieses ruckelnde Einrollen und unmissverständliche Abfahren, immer ein Stück munterer. Doch diese off... lesen