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Rezensionen der Ausgabe 05 - warten, bitte

der holzmotorsägenbauer

Ausschweifungen über Reinhard K. Saurers Prosadebüt

Reinhard K. Saurers: Der Holzmotorsägenbauer. Eine Dorfgeschichte.

Seitdem ist einiges an Zeit vergangen. Damals, bei einem Konzert* der amerikanischen Band Souled Americans in Wien, die für eine sehr langsame Musik jenseits allen Schielens auf beats-per-minute steht, waren Teile des Publikums scheinbar unvorbereitet auf diese dem Hauptact vorgelagerte Vorband. In Erwartung testosteronabbaubefördernder Rockekstase war der mehr schlurfende denn peitschende Rhythmus der Souled Americans einem werten Ga... lesen


können wir schnell langsamer werden?

Lothar Baier versucht sich an der Beschreibung von Beschleunigung

Lothar Baier: Keine Zeit. 18 Versuche über die Beschleunigung.

Seitdem ist einiges an Zeit vergangen. Damals, bei einem Konzert* der amerikanischen Band Souled Americans in Wien, die für eine sehr langsame Musik jenseits allen Schielens auf beats-per-minute steht, waren Teile des Publikums scheinbar unvorbereitet auf diese dem Hauptact vorgelagerte Vorband. In Erwartung testosteronabbaubefördernder Rockekstase war der mehr schlurfende denn peitschende Rhythmus der Souled Americans einem werten Ga... lesen


für eine geschmackssichere kritik

Schreibkraft Franz Schuh legt meisterliche Essays zur Literaturkritik vor

Franz Schuh: Schreibkräfte. Über Literatur, Glück und Unglück.

Ja, das Leben ist kurz, und die Bücher sind lang, auch das hier vorliegende ist kein kurzes. Die Idee oder besser das pragmatische Ideal bei der Beurteilung von Büchern zielt auf die Schonung der Lebenszeit von Menschen ab. Soll man dies lesen oder etwas anderes? – eine schwere Frage angesichts der Tatsache, daß eines Tages das Leben eines jeden Menschen um ist. - Franz Schuh kann die Dinge auf den Punkt bringen. Der Wiener Ex-Lekt... lesen


die 90er als wille und vorstellung

Lässt sich die literarische Situation der 90er Jahre auf einen Nenner bringen?

Thomas Kraft (Hg.) : aufgerissen. Zur Literatur der 90er

Seit das Jahrtausend gewendet ist und das letzte Dezennium vorbei, hat es einen ganzen Rattenschwanz an Versuchen gegeben, den 90er Jahren klärend beizukommen – diesem „knallharten Jahrzehnt“, wie William Burroughs schon 1991 wusste. Da hat man uns zunächst mit Wickie, Slime und Paiper in die Untiefen unserer Marken-markierten Vorgeschichte zurückgebeamt, und dann kamen Leute wie Florian Illies und lancierten Begriffe wie Gener... lesen


rückkopplungsrezension

Des Pop-Besessenen Christian Gassers gesammelte Bekenntnisse

Christian Gasser: Mein erster Sanyo. Bekenntnisse eines Pop-Besessenen

An sich heißt es ja vorsichtig sein, wenn jemand sein Laster zur Leidenschaft macht und dieses dann auch noch unverhüllt samt aller Subjektzentriertheit in die öffentliche Auslage stellt. Also war auch beim Zugreifen auf Christian Gassers gesammelte Bekenntnisse eines Pop-Besessenen, die im eigentlichen Titel Mein erster Sanyo heißen (dazu später mehr), der erste durch Neugierde evozierte Reflex verzahnt mit Vorsicht und der Befür... lesen


urlaub im land der literatur

Christian Futschers perfekt unperfekter Urlaubsroman

Christian Futscher: Nidri. Urlaub total

Die Frage ist: Wann kommen die nächsten Sommerferien? Wer Christian Futschers Urlaub Total-Buch adäquat genießen will, muss wahrscheinlich noch ein Weilchen warten. Rechtzeitig zur Hitzezeit auf den Markt geworfen, hat es jedoch sicher schon dem einen oder anderen den letzten Sommer versüßt. Mir zum Beispiel. Wenn auch nur kurz. Ca. 100 sehr kleine Seiten lang. Die Story: Ein Schriftsteller macht Badeurlaub und schreibt mit. Zu Hau... lesen


arbeit im land der literatur

Harald Gsallers rhetorische Wiese

Harald Gsaller: Wiese. Einfälle und Ausfunde

Harald Gsallers Wiese ist in gewisser Weise ein unfertiger Text. Ein eigenwilliges literarisches Arbeitsbuch, könnten wir sagen, das erst durch seine Anwendung zur Vollendung gelangt. Bücher zu schreiben, Bücher zu lesen, kann eben auch Arbeit sein. So viel Binsenweisheit voran. Wie auch Futscher, bringt uns Gsaller durch seine kauzig angelegte Poetik-Warte dazu, den literarischen Produktionsvorgang wieder verstärkt ins Auge zu fass... lesen


die grenzen sind vermessen (1)

Zwei Autorinnen ver(b)raten ihre Kindheit

Monika Wogrolly: Die Menschenfresserin. Roman

I. Wie aus einem rosa Engelchen im miesen Graz, insgeheim längst eine Teufelsbraut, eine in Texas zum Tode verurteilte Menschenfresserin wird, die noch dazu behauptet, es könnte „kein besseres Ende für die Geschichte“ geben – dies versucht uns Monika Wogrolly in ihrem neuen Roman auf klassisch psychologisierendem, oft aber holprigem Wege vorzuführen. Es ist vordergründig die Geschichte einer klar definierten Opfer-Täter-Ko... lesen


die grenzen sind vermessen (2)

Zwei Autorinnen ver(b)raten ihre Kindheit

Corinna Soria: Leben zwischen den Seiten. Erzählung

I. Corinna Sorias Debüt saugt den Leser gleichsam in eine Kindheit am Rande des Schlimmstmöglichen. Nach einer kurzen Spanne gemeinsamen Weges hat der Vater einen Abgang gemacht. Schubweise gleitet die Mutter in eine Welt der diffusen Ängste und konkreten Bedrohungen. Wahnvorstellungen über geheime Verfolger, Panikattacken und Zuflucht zu konspirativen Stimmen treiben sie in die Isolation. Ihre Tochter zieht sie mit in das Reich... lesen


eine nasenlänge hinter ovid

"Achterbahn" und andere Vergnügungstexte

Bernd Schmidt: Achterbahn. Erzählungen

Berndt Schmidts Erzählungen. Vom Autor illustriert. Ein Grazer Kulturmatador hat in die Tasten gegriffen. Hat seine Schreibmaschine angekurbelt und seinen Bleistift gespitzt. Was er im Übrigen täglich tut. Als leitender Kulturredakteur der Steirerkrone. Schon ein gutes Dutzend Jahre lang. Es ist an sich nicht einfach, über so ein Buch zu schreiben. Nicht einfach, den Autor zu kritisieren, ohne an den Kritiker zu denken, ohne die Kro... lesen


alte häuser bewohnbar machen

Subitel der Rezension

Walter Grond: Old Danube House. Roman

In Old Danube House wendet sich Walter Grond einer schriftstellerischen Praxis zu, die wohl schon im groß angelegten Odysee-Nachdichtungsprojekt Absolut Homer angelegt war: dem Erzählen schlechthin. Gronds frühe spiegelverkehrte Erzählstrategie oder das „in Graz“ populäre Spielen mit den Errungenschaften aufgebrochenen Erzählverhaltens weichen in seinem neuen Roman einer gleichsam traditionell zu nennenden Form. Angesicht... lesen


doppeldeutiger doppelroman

Nur die Pataphysik unternimmt nichts, um die Welt zu retten

Klaus Ferentschik: Schwelle und Schwall. Ein Doppelroman

Klaus Ferentschik haucht einer aus Frankreich stammenden literarischen Tradition neues Leben ein: dem Spieltext. 1960 wurde in Paris vom Collegium der Pataphysik die „Ouvrage de Littérature Potentielle“, die Werkstatt für potenzielle Literatur, kurz Oulipo, ins Leben gerufen. Ziel von Autoren wie Raymond Queneau war es, die Fesseln der Ratio auszuhebeln. Eines der berühmtesten Oulipo-Werke ist der Roman von George Perec, in dem k... lesen


steinböcke am himmel

Ein paar Worte darüber, dass mensch recht wenig sagen kann über „Reisen unter den Augenlidern“

Ulrike Draesner: Reisen unter den Augenlidern

Ulrike Draesner hat ihre „Gender studies“ gelesen, und sie ist nicht bei ihnen stehen geblieben. Dies vorweg, denn es geht in den zehn Texten der Reisen unter den Augenlidern dermaßen fundamental um (Geschlechter-)Rollenbilder, dass mensch ihnen das nicht mehr anmerkt. Wenn mensch sich nicht vorsieht, packt einen der Satzfetzenwiederholungsstrudel, verunklärt einem das kleine bisschen, das man bereits über Draesners Figuren zu wi... lesen


das hohelied der morbiden stadt

Lilian Faschinger hat einen üppigen Wien-Roman geschrieben

Lilian Faschinger: Wiener Passion.

Das kunstvolle Geflecht von Lilian Faschinger jüngstem Roman Wiener Passion setzt sich aus den Lebensgeschichten dreier Menschen zusammen. Das Tagebuch der Anfang des 20. Jahrhunderts wegen Gattenmordes zum Tode verurteilten Rosa Havelka und die inneren Monologe des hypochondrischen Musiklehrers Josef Horvath und der Schauspielerin Magnolia Brown, die nach Wien kommt, um Gesangsstunden zu nehmen, sind subtil und über lange Strecken ve... lesen


frau hermi und herr jirschi

Beppo Beyerls diagnostische Tagebucherzählung über die Wiener Krankheit

Beppo Beyerl: Die Wiener Krankheit

In jedem Wiener Gemeindebau gibt es mindestens eine alte versoffene Schachtel, die Selbstgespräche vor sich her schiebt wie der Mistkäfer seinen Mist. Solche Frauen hausen passender Weise meist in einem Müllhaufen und riechen leicht angefault, schon lange bevor sie gestorben sind. Und wenn sie dann gestorben sind, bleiben sie Monate lang in ihren Wohnungen liegen. Und weil sich niemand wundert, wenn es von der Wohnung durch alle sieb... lesen


praline in versform

Martin Amanshauser buhlt um das lüstern-belustigte Grinsen seiner Leser

Martin Amanshauser: in der todesstunde von alfons alfred schmidt. eine heurigenoper gedichte & eine taschenbahn.

Allerlei Männlein und Weiblein bevölkern Martin Amanshausers Bändchen mit Versen, das eine Heurigenoper, etliche Gedichte und ein in Riesenlettern gesetztes, zwanzig Restseiten wirksam füllendes Nonsensgedicht versammelt. Sie dümpeln in den diversen (meist erotischen) Untiefen ihrer Briefträger-, Chirurgen-, Kommerzialrats-, Admirals- oder Premierministerexistenzen. Da begegnet uns zunächst in alkoholgesättigter Heurigenatmosph... lesen