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Rezensionen der Ausgabe 06 - echt?

ich bin in luxor gestrandet

Bettina Balàkas lyrische Kopfreisen bieten Luxus und Abenteuer

Bettina Balàka: Im Packeis. Gedichte

Bettina Balàka, 1966 in Salzburg geboren, lebt als freie Schriftstellerin in Wien und kann nicht über mangelnden Erfolg klagen. Sie hat schon so ziemlich alles eingeheimst, was sich hierzulande an Auszeichnungen anbietet, ausgenommen jene Seniorenpreise, die ihr aus rein biologischen Gründen bisher verwehrt blieben. So erhielt sie unter anderem den Rauriser Förderungspreis, den Alfred Gesswein-Preis für Lyrik, den Meta Merz-Pre... lesen


fast wie papier, nur ungeduldiger

Der Chat-Roman von Marie Kaps belegt: Die Probleme online waren schon immer die Probleme offline

Marie Kaps: SOLO SUCHT MOON. Ein Chat-Roman

KORN schreit: gibt’s do a FETISH WEIBA :-) (Mon 8:36pm) Das Kleine Arschloch: Er schreibt mia ja imma so an Scheiß - mit Mausi und so’n Fuck :-) (Mon 8:36pm)… Der erste Besuch ist meist kurz - zehn Minuten reichen, um geschockt den Raum zu verlassen, die Tür hinter sich zuzuknallen und spontan die Menschen zu verabscheuen. Mit der Tür schlägt bei vielen Menschen die Neugier zu - und irgendwann findet man sich im Chatro... lesen


sie äsen friedlich datengras

Ein Western-Roman im Cyberspace: Matthias Schamp schickt Brainboys über schillernde Platinen

Matthias Schamp: Hirntreiben.EEG. Ein Western-Roman

Irgendwann am St. Nimmerleinstag, die Menschheit hat schon lange aufgehört zu existieren, stößt Big Daddy Computer, Vater aller Dinge, bei einer Innenrevision in einem seiner entlegeneren Gefilde auf die Datei HIRNTREIBEN.EEG, öffnet sie, liest sie - und beschließt, darüber den Verstand zu verlieren. Das ist die absolut letzte kontrollierte Handlung, zu der er fähig ist. In einer postapokalyptischen virtuellen Gesellschaft... lesen


heimat arscht ihn an

Der Innsbrucker Autor Helmuth Schönauer scheißt genussvoll auf Tirol

Helmuth Schönauer: Das Tiroler Heimatbuch. Aufschnitt/Roman

„Heimatkundler sind die perfekten Fakeforscher. Auf nach Fakestan!“ ruft Helmuth Schönauer, Tiroler des Jahrgangs 1953, Autor, Bibliothekar und „Literatur-Winnetou“ (Eigendefinition), am Ende seines bislang jüngsten Buches, Das Tiroler Heimatbuch, aus. Aber warum ist Heimat ein Fake, und wieso ist das Stoff für ein Buch? Und überhaupt: Wie kommt jemand darauf, ein Heimatbuch zu schreiben? - Dazu schreibt der Autor in ein... lesen


präsidentin vera

Martin Amanshauser hat in die Zukunft geblickt. Herausgekommen ist ein amüsanter Krimi

Martin Amanshauser: Nil. Roman

Wien, Anfang Juli 2010. Es ist ein schrecklich heißer Sommer. Das Wetter als Folterinstrument macht offensichtlich literarische Karriere in der österreichischen Krimiwelt. Bei Wolf Haas ist es der Föhn, der dem Kommissar Brenner das Leben vergällt, bei Ernst Molden streichen blutrünstige Vampire im Miniaturformat über die Donauauen, wo die Luft in der Hitze flimmert, während das Donauweiblein aus dem kühlen Nass steigt, um d... lesen


zwischen magda und lena

Das Leben einer ganz normalen Frau kann spannender als jedes Kriegsdrama sein. Oder ist es ein Kriegsdrama?

Marlen Schachinger: morgen, vielleicht

Der Punkt, an dem Marlen Schachingers Debütroman morgen, vielleicht einsetzt, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Zerreißpunkt im Leben der Protagonistin. „Magdalena betritt die Damentoilette des Bezirksgerichts“, lautet der erste Satz. Dort, vor dem Spiegel, wenige Minuten vor einer Gerichtsverhandlung, muss sie eine lebenswichtige Entscheidung treffen. Soll sie das Sorgerecht für ihre beiden Kinder ihrem geschiedenen Mann... lesen


authentizität in größe medium

Ernst Wünsch stellt sich als bemerkenswerter Erzähler vor

Ernst Wünsch: Wo lassen schreiben

Die Literaturkritik ist ziemlich anfällig für das Authentische. Kaum gibt ein Autor Wirtshausgespräche wieder, schon wird seinem Werk bescheinigt, es atme das echte Leben. Gerne wird auch der "große deutsche/europäische/amerikanische Roman" eingefordert, in dem sich beispielhaft abbilden soll, wie das echte Leben wirklich ist. Eine Nummer kleiner – und so der Durchschnittsexistenz angemessener – gibt es der Wiener Hörspielautor... lesen


reality für anfänger

„Die Kunst der Flucht: True Stories“ ist wohl ein notwendiges Buch. Über den rein literarischen Wert lässt sich streiten

Hg. von Megaphon/Diözese Graz-Seckau: Die Kunst der Flucht: True Stories

Die Texte der Sammlung von mehr oder weniger literarisch durchformten Flüchtlingsschicksalen, Ergebnis eines Wettbewerbes, weswegen - Zitat Klappentext - „professionelle SchreiberInnen […] in einer Reihe mit literarischen AmateurInnen“ aus aller Herren Länder stehen, wurden wohl in der Mehrzahl zum Zwecke der Selbsttherapie geschrieben, wurden gesammelt und veröffentlicht, um für Verständnis zu werben und Selbstbewusstsei... lesen


nerv getroffen

Rosemarie Poiarkov debütiert als berauschende Erzählerin

Rosemarie Poiarkov: Eine CD lang. Liebesgeschichten

Die Texte von Rosemarie Poiarkovs erstem Erzählband Eine CD lang werden im Untertitel als Liebesgeschichten ausgewiesen, und schon denkt man an Rosamunde Pilcher. Aber weit gefehlt, die Autorin, Jahrgang 1974, liefert Stories für die H&M-Generation, die das ganze Beziehungsschlamassel der (Unter-)30-jährigen, ihre Sehnsüchte und Unfähigkeiten, auf den Punkt bringen, ohne in die Lifestyle-Ecke abzudriften. Poiarkov erzählt... lesen


innovationszwang und retro-moden

Über Altersrelevanz und Innovationsfuror

Konrad Paul Liessmann (Hg.): Die Furie des Verschwindens. Über das Schicksal des Alten im Zeitalter des Neuen

2000 fand zum dritten Mal das Philosophicum Lech, wissenschaftlich betreut von Konrad Paul Liessmann, statt, das sich unter dem von Hegel geliehenen Titel "Die Furie des Verschwindens" zum Ziel setzte, dem Schicksal des Alten im Zeitalter des Neuen nachzuspüren. Nunmehr liegen die Beiträge des Symposions vor und angesichts des Themas nimmt es nicht weiter Wunder, dass die Vortragenden und Diskutanten sich neben der Diskussion im Rahme... lesen