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heftig | ausgabe 07


07 - heftig

kein porno, keine morde

aber trotzdem arg

Was Sie in dieser schreibkraft alles nicht finden: Essays über Pornografie, Kriminali-tätsanalysen, Berichte aus den Zonen sozialer Devianz und eine Zwischenbilanz von zwei Jahren schwarzblauer Regressions-regierung in Österreich. Das vorliegende Heft hat es auch ohne diese Themen in sich: „Dass […] die Heftigkeit, die Intensität gelebten Lebens und Erlebens, als Inbegriff des Erstrebenswerten gehandelt wird, verweist auf ei... lesen



Feuilleton

helwig brunner | diagnose: dolchstoßsyndrom

Bemerkungen zu Sein und Schein der Heftigkeit

Der junge Dichterfürst stieß seinen Dolch heftig bis ans Heft ins Heft. Mit theatralischer Geste veredelte er, worum es in den darin zu Papier gebrachten Liebesoden ging: dass er eigentlich lieber in freudvollem Zusammensein mit seiner Herzensdame etwas anderes anderswohin gestoßen hätte – nicht minder heftig, versteht sich, und in ähnlich vollendeter Metrik der Hebungen und Senkungen, wie auch die Verse seiner Dichtung sie aufwi... lesen


birgit pölzl | graz im gegenlicht

Ein essayistischer Monolog

Grazerin, tendenziell ironisch, einige Heftigkeitsmomente: Ich bin das, was man intellektuell nennt. Selbstverständlich nicht nur intellektuell, ich habe auch andere Qualitäten, ich bin zum Beispiel ein harmonischer Typ. Aber das ist in Graz synonym. In Graz sind alle Intellektuellen und die, die es sein wollen, ausgesprochen harmonische Typen. Deshalb fügt sich hier die Intellektualität so gut ein, deshalb gibt es ein Miteinand... lesen


hermann götz | die leiden des jungen hausmanns

Oder von der Schwierigkeit Normalität wider die Norm zu leben

Als ich pickelig, pubertär und brünftig war, galt Selbstzerstörung als fesch. Kurt Cobain war der wohl schillerndeste Vertreter eines derartigen livestyle mit Ablaufdatum. Oder Werner Schwab, der für unsereinen nicht zuletzt ob seines Todes zur Kultfigur geriet. Meine ganz private Selbstzerstörung beschränkte sich in der Regel auf das Verschleißen und Zerreißen von Kleidungsstücken. Zum Glück, wie ich meine. Wenn ich trotzdem... lesen


werner suppanz | heftiges ballfieber

Fever Pitch in rot-weiß-rot

„Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“ Mit diesem Rückblick beginnt in Nick Hornbys autobiographischem Roman Fever Pitch die Schilderung seines „Heimdebüts“ anlässlich des englischen Meisterschaftsspiels Arsenal – Stoke City im S... lesen


heike nitschner | gedanken zur tour de france

oder Weshalb der ehemalige INXS-Sänger ein Trottel ist

Wenn ein guter Freund von mir, der gerne Radtouren fährt und gerne trinkt, nach dem Bergfest anderntags so richtig verkatert ist, die nächste Bergtour durchs Land aber ansteht, dann, so vertraute er mir einmal nach diversen Bieren und bei der zweiten Pina Colada an, sei es nur der Gedanke ans Ficken, der ihn den Berg hinaufbringe: „Vor Erregung bebende Brüste vor dir …“ Dieser interessante und, wie ich glaube, höchst maskuli... lesen


herwig g. höller | big brother hinter glas

Anmerkungen zu heftigen Wiederholungen und zu Schwarzmalereien

Die Reaktionen waren wieder einmal heftig. Wieder einmal, da es bereits zuvor unverwechselbar ähnliche Reaktionen in einer Reihe von Ländern gegeben hatte. Wobei die Wiederholung dieser konkreten Geschichte ausnahmsweise dennoch nicht als Farce durchgeht, zumal das inkriminierte Fernsehformat bislang eigentlich immer nur national rezipiert wurde. Und selbst in EU- bzw. neuerdings auch in Euro-Europa fehlt ein transnationaler Medienrau... lesen


colette m. schmidt | es wird alles zuwachsen

Eine Begegnung mit der Autorin Waris Dirie

Es kommt relativ selten vor, dass ich mich mit hunderten Frauen in einem Raum befinde. Mit hunderten von Frauen und Männern, das ist nichts Seltenes. Mit hunderten Männern saß ich zuletzt als einzige Frau in einem Fußballstadion in Sarajevo. „Man“ fühlt sich da als Frau nicht gerade pudelwohl, aber was tut man nicht alles für einen guten Kick. Vielleicht hab ich mit Massenansammlungen an sich ein Problem, aber gemischtgeschlec... lesen


stefan schmitzer | besinnungsstund hat dings im mund

Über Mythen und Medienphänomene. Oder: Was hat noch Platz neben Potter und Bin Laden?

Ein wahrhaft heftiges Jahr 2001 breitet sich vor den inneren Augen des Zurückschauenden aus, ein Jahr wie das Treatment eines überbudgetierten Achternbusch-Films; die feuchten Träume von Gott NEUZEIT, wie er in die Pubertät kommt, oder so: Erst Genua, zur Einstimmung, dann der 11.09., darauf logischerweise das sinnlose Bombardement eines armen Landes, und am Himmel eines Europa, in dem sich die Rechte recht komfortabel eingerichtet... lesen


bernhard wolf | grillen-missiles und tortenwerfer

Die zeitgenössische Kunst in den USA greift angesichts der Medien- und Politikmaschinerie des Mainstreams zu bemerkenswertem Aktionismus

Das Heftigste an den USA ist ihre pure Existenz. Als Europäer kann man sich vorzüglich über naives Schwingen der Nationalflagge in den Staaten alterieren, über die Diktatur des Fernsehens oder darüber, dass McDonalds für die Nationalspeise zuständig ist. Alles Makulatur. Kinkerlitzchen im Vergleich dazu, wie dieses Land auf der soziokulturellen Landkarte des Systems Menschheit jeden Tag aufs Neue geträumt wird. Die USA sind kein... lesen


susi schneider | uni-interventionen

Stehen die USA vor der Wiederkehr der schwarzen Listen?

Auge um Auge macht die Welt blind! Wir sollten Brücken und Beziehungen bauen und nicht nur Bomben und Mauern. Unwissen brütet Hass. Dies sind nur drei von 115 Statements, die vom American Council of Trustees and Alumni (ACTA) in seinem jüngsten Bericht Defending Civilization: How Our Universities Are Failing America and What Can Be Done About it penibelst aufgelistet und als subversiv kritisiert werden. Die gesammelten Zitate... lesen


werner schandor | die ausnahme von der regel

Der Wiener Autor Daniel Wisser verlegt mit der Zeitschrift „Der Pudel“ eine der unkonventionellsten Literaturpublikationen Österreichs

Am Anfang war ein Tintenklecks. Er sah aus wie ein Pudel. Dazu kam die Beschäftigung des 1971 geborenen Daniel Wisser mit etwas, das in vielen Lehrbüchern unter der Bezeichnung „konkrete Poesie“ oder „Experimentallyrik“ firmiert, aber das Wisser lieber „methodische Dichtung“ nennen würde. Die Synthese aus beiden Gegebenheiten mündete in der Gründung der Zeitschrift Der Pudel, deren Cover von besagtem Tintenklecks gezier... lesen


christian ide hintze | poetry is sexy

zum tod von christian loidl, *linz, 17 09 1957 – † wien, 16 12 2001

christian loidl – illuminated poet of the voices, the writings and the bodies – stürzt am 16. dezember 2001 um 23 uhr aus dem fenster seiner wohnung, fällt zwei stockwerke in die tiefe und prallt auf den gehsteig. er überlebt den unfall nicht. im bericht der polizei, die sich eine obduktion ersparen will, wird später ein selbstmord angedeutet. auch der standard, eine hiesige intellektuellenzeitung, recherchiert schlecht und schr... lesen


peter piller | der künstler sollte verrückt sein

Das ist für alle das Beste

Bei jedem größeren Neubau muss der Bauherr ein paar Prozent der Bausumme für Kunst am Bau ausgeben. Weil der Bauherr aber meist von Kunst keine Ahnung hat, wird aus Sachverständigen, etablierten Künstlern, Kunsthistorikern und den Laien eine Jury gebildet. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben und die Jurymitglieder aus der Kunst argumentieren für die Vorschläge ihrer Künstlerfreunde. Die Jury tagt bei Kaffee und Gebäck. Wenn sie... lesen



Literarische Texte

egyd gstättner | damals in aups

Einmal waren wir in Aups. Das waren glorreiche Zeiten! Denn nach Avignon, Arles oder Nîmes kommt jeder, wir aber kamen nach Aups! Alles war neu und aufregend und unberührt, und wir kannten damals in Aups noch keinen einzigen Aupser Troubadour, keine einzige Aupser Concierge und keine einzige Aupser Maîtresse, also setzten wir uns völlig auf uns allein gestellt und bloß mit unserem bisherigen Weltwissen ausgestattet an ein nachtk... lesen


christian loidl | der mit den schwarzen hörnern

nicht alles, was wie ein teufel aussieht, bewohnt notwendigerweise die hölle. der da bewohnt die gemütliche hölle, wo es den wein gibt: du hast einen verächtlichen zug um den mund. du waasd, wos se d leid eawoatn. du bediinsd des. es schaud eingdlich aa ned so füü dabei ausse. du iwalebsd hoed auf de oat. und de aundare höfdn fo dein gsichd is ee aufgrissn. do seeng ma duach in dein mund, duach de fasan fo dein fle... lesen


wolfgang pollanz | neue zähne für meinen bruder und mich

erinnerungen eines sanftmütigen

Mein Bruder und ich wir haben viel zu ertragen, keine Zähne im Maul & Geschwüre im Magen. Wir wollten den Mann nicht verletzen, wir brauchten das Geld, um unsere Zähne zu ersetzen. - Superpunk Schon meine Geburt war heftig. Meine Mutter hatte einen Geburtsdurchfall, und so kam es, dass ich auf der septischen Station zwischen Urin und Scheiße das Licht der Welt erblickte. Noch dazu hatte sich meine Nabelschnur so verheddert... lesen


herbert christian stöger | intensiv nachgeben

1.1 Heftiger Sex begleitete sie in den Morgen. Beide konnten bei den sommerlichen Temperaturen nicht schlafen. Sie hatte einige Videos besorgt. So stimuliert, befriedigten sie sich beim Anblick der Filme. Zuweilen auch gegenseitig, wenngleich sie nie zuvor miteinander geschlafen hatten, wie auch in dieser Nacht. Die Freundschaft ließ sie auch schlaflose Nächte teilen. Tisch wie Bett. Und dennoch keine Anwärter für den Eheschlu... lesen


christian loidl | einer kennt alles beim namen.

einer kennt alles beim namen. wo der ist, ist alles still. eine welt aus altem schlittenholz. eine nacht schlafen, und das haus steht nicht mehr. der himmel und die sterne sind ein tierfell, und auf dem fell liegst du, geboren zur sprache. lesen


christian loidl | zwei fische durchschwimmen

zwei fische durchschwimmen das meer in dieselbe richtung, in einem abstand, in dem sie einer den andern noch spüren. wir denken nicht nach. wir schwimmen jeder seine richtung. aber du, wenn du sie gleich- zeitig fließen siehst, kannst auf das muster schaun, das beide gemeinsam erzeugen. kannst einmal der eine, kannst auch der andre sein.   lesen


christian loidl | da hat einer eine

da hat einer eine koptische mütze auf, eine zylindrische hülse überm gesicht: das starr-dastehn, wenn plötzlich die tiere aus dir herausrennen, wie wenn ein mann seinen hut zieht, und eine spinne läuft ihm übers gesicht herunter und verschwindet im kragen, und er hat nichts bemerkt außer daß er gerade diese dame gegrüßt hat. ich bin starr gestanden, dann steh ich weich. ich... lesen


christian loidl | du rauchst und hast einen bart wie ein teufel

du rauchst und hast einen bart wie ein teufel. dein gesicht ist geformt wie ein mandelkern, aber spitz nach oben und auch nach unten. hast du versucht, böses zu tun? du hast wärme um den mund herum und hast ein langes, starkes kinn. nimm die leute, laß sie hinein in deinen kopf. laß sie flüssig werden, daß sie dein gesicht annehmen und aus deinen augen herausschaun und mit deinen hörnern die... lesen



Rezensionen

zwei mal klischees übertrumpft

Aarachnes Dorf- und Verwandtenhasser

Ernst Petz (hg.): Das große Dorfhasserbuch - Das große Verwandtenhasserbuch

Das Dorf zu hassen ist in der heimischen Literatur ein reichlich gebrauchter und folglich verbrauchter Topos. Als Reaktion auf den Selbstmord von Franz Innerhofer wurde dies vom heimischen Feuilleton ein weiteres Mal festgestellt. So sehr die sogenannte Anti-Heimatliteratur ein österreichisches Schreiben geprägt hat, so sehr hat sie sich ausgeschrieben. Die großen Wörter über die (un)schönen Tage am Land sind Literatur von gestern... lesen


das zurückgeflossene dorf

Eine ethnologische Monografie des Rabiatsteires

Franzobel: Austrian Psycho oder Der Rabiat Hödlmoser. Ein Trashroman in memoriam Franz Fuchs

„Wenn das Hödlmoser-Buch von Reinhard P. Gruber das Alte Testament der Steirer ist, dann habe ich es gewagt, sozusagen das Neue Testament zu schreiben“, sagt Franzobel über Austrian Psycho. Sein Rabiat Hödlmoser ist ein Schelmenroman und eine ironische ethnologische Monographie. Das Forschungsobjekt sind die Steirer, die emische Annäherung geschieht am Beispiel des aus R. P. Grubers Buch Aus dem Leben Hödlmosers nach Mürzzusch... lesen


eine bruchstelle, gekittet?

An Peter Truschners Prosadebut wird eine Frage geknüpft

Peter Truschner: Schlangenkind

Wie weit kann das Bedürfnis, den „banalen“ Entwürfen des Alltags eine eigene, ästhetisierende Variante entgegenzuhalten, eigentlich gehen, ohne dabei Fragen aufzuwerfen? Mit "Schlangenkind" legt der in Klagenfurt geborene, mittlerweile in Berlin lebende Mittdreißiger Peter Truschner sein Romandebüt vor. Ein Debüt, dass sich wie eine autobiographische Annäherung an die Kindheit des Autors, insbesondere an die zentralen Fig... lesen


täter, taten, tote und motive

Über Lisa Lerchers klassischen Kriminalroman

Lisa Lercher: Der letzte Akt

Antonia ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Vielmehr: war. Erfolgreiche Schauspielerin, rücksichtslose Egoistin, schwaches Weiblein, mit dem Hang, sich immer wieder die falschen Männer auszusuchen, chaotische Existenz hinter der Fassade einer Powerfrau, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt und zu Tode kommt sie nun auch wirklich. Von Alkohol und Drogen betäubt, ertrunken in ihrer Badewanne. Fremdeinwirkung ist nicht auszuschließe... lesen


das meer nach hause tragen

oder Wie man aus einem Wohnzimmer ein Aquarium macht

Christian Stuhlpfarrer: fisch. ein Bericht.

Warum setzt ein Mensch seine Wohnung unter Wasser? Und flüchtet dann ausgerechnet nach Albanien? Ein gewisser Herr Ludwig Adalbert Unselig (nomen est omen?) soll tatsächlich auf diesen abstrusen Gedanken verfallen sein, um dann schließlich - nicht ganz spurlos - aus Wien zu verschwinden. Und in Albanien um Asyl anzusuchen, und schließlich, verunsichert von der Rat- und Verständnislosigkeit der dortigen Beamten, einfach unterzutauch... lesen


durch den tag fährt mein langes gehirn

Matthias Göritz hat den Puls der Großstadt in den Adern

Matthias Göritz: Loops. Gedichte.

Matthias Göritz, in Hamburg lebender Philosoph, Literaturwissenschafter und Übersetzer, hat bisher in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und, so darf vermutet werden, über die manuskripte seinen Weg zum Literaturverlag Droschl gefunden. Längere Aufenthalte in Moskau, Paris und Chicago liefern den großstädtischen Hintergrund seiner Gedichte. Tag und Nacht, Schweiß und Regen, Straßen, Busse und Stiegenhäuser – in imm... lesen


molden und die publikumserwartung

med ana schwoazzblauen dintn: Qualtingereskes aus verschiedensten Quellen (1)

Ernst Molden: Doktor Paranoiski

Ernst Moldens neuer Roman Doktor Paranoiski: Ein hanebüchener Plot, pseudokafkaesk vorgetragen. Offensichtlich mit der Marktanalyse seines letzten Werkes (Austreiben) im Kopf geschrieben. Trotzdem ein wahrhaftig geiles Buch. Warum, weiß ich auch nicht so genau. Das eine Problem mit diesem Buch ist, dass es trotz allem was kann. Das andere Problem resultiert daraus, dass es sich um einen „Spannungsroman“ im weitesten Sinne ha... lesen


JaNatz & erzählende Prosa

med ana schwoazzblauen dintn: Qualtingereskes aus verschiedensten Quellen (2)

Ilse Kilic & Fritz Widhalm: Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd. Des Verwicklungsromans zweiter Teil

Dass es da so ein autobiographisches Dings von Ilse Kilic und Fritz Widhalm gibt, ist ja wahrhaft keine Neuigkeit. Dass dieses Dings sich einen Verwicklungsroman nennt, vielleicht auch noch nicht. Dass aber der Verwicklungsroman mittlerweile einen zweiten Teil hat, "Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd", und in dieser seiner Zweiteiligkeit geilgeilgeil ist, möglicherweise schon. Die Jana und der Natz, die alter Egos der beiden G... lesen


zur kenntlichkeit entstellt

postmoderne für den endverbraucher (1)

Margret Kreidl: Grinshorn und Wespenmaler. 34 Heimatdramen.

Beginnen wir mit dem einfachsten im Sinne einer einfachen Rezensierbarkeit: Grinshorn und Wespenmaler, eine Sammlung mit Lesedramoletten von Margret Kreidl. Es handelt sich um ca. dreißig Kürzestvariationen desselben Themas, nämlich die Vielfalt der Beziehungen zwischen dem völkischen und dem kapitalistischen Flügel der FPÖ, bis zur Kenntlichkeit entstellt und exemplifiziert an den nur leicht verfremdeten Bannerträgern des jeweil... lesen


konnotationskirchen

postmoderne für den endverbraucher (2)

Monika Köcher: engeltexte

Unentwirrbar barocke Geräumlichkeiten – oder so – sind es, die Monika Köcher für ihren Lyrikband engeltexte geplündert hat, wie das Verb dafür wohl vorwurfsvoll lauten müsste, käme es aus dem Mund eines dieser „dekonstruktivistischen“ Raoulschrottunddergleichen-Verächter. Das einzige, was man dem Band vorwerfen könnte, ist das Fehlen einer dezidierten Einordnung der einzelnen Texte in eine wie immer geartete Linearität... lesen


petra ganglbauers textgarten

postmoderne für den endverbraucher (3)

Petra Ganglbauer: Schräger Garten Texte

Dann hätten wir da Schräger Garten Texte von Petra Ganglbauer. Man könnte ihr anhand dieses Buches eine gewisse Nähe zum Zen-Buddhismus bescheinigen, aber nur dann, wenn man ohne Schubladen überhaupt nicht auskommt bzw. zu denen gehört, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn ein Text sich auf Schilderung eines Moments von Wahrnehmung beschränkt, ohne gleich mit augenzwinkernden Einordnungen ins ‘große Ganze’ der Welt... lesen


ich und ich entwachsen dem kinderland (1)

Zwei sehr verschiedene Erzähler nähern sich bei Residenz ihrer Jugend und dem Älterwerden an. Ein fast zufälliger Vergleich

Gerhard Amanshauser: Als Barbar im Prater. Autobiographie einer Jugend.

Gerhard Amanshauser hat sich selbst seine Biographie geschrieben. Was an sich nichts Ungewöhnliches wäre. Doch unterscheidet sich Amanshausers Autobiographie deutlich von einem autobiographischen Roman, der in diesem Fall - ein alternder Autor rollt seine Jugend auf - zu erwarten gewesen wäre. Hier hält der Leser tatsächlich eine ?Biographie? in Händen. Ein Buch das sich ganz an dem orientiert, was entsteht, wenn das Leben eines i... lesen


ich und ich entwachsen dem kinderland (2)

Zwei sehr verschiedene Erzähler nähern sich bei Residenz ihrer Jugend und dem Älterwerden an. Ein fast zufälliger Vergleich

Andreas Mand: Vaterkind. Roman.

Das Kunststück, schöne Literatur im besten Sinne zu schaffen, ist dem 1959 in Duisburg geborenen Andreas Mand, der ebenfalls bei Residenz einen neuen Roman vorlegt, nicht oder nicht mit dieser Leichtigkeit geglückt. Mand, dessen Text zahlreiche Qualitäten, die jedem Lektor angenehm ins Auge springen müssen, bereits im Plot vereint, hat den autobiographischen Ton an vielen Stellen mit einem Tonfall von Betroffenheit verwechselt, der... lesen


über den sprachkamm

postmoderne für den endverbraucher (4)

Günther Kaip: Vademekum für Körper. Eine Bestandsaufnahme.

Schließlich bleibt noch "Vademekum für Körper". Eine Bestandsaufnahme von Günther Kaip, und ich sag’s, wie’s ist: Ich werde nicht recht schlau daraus. Der Tonfall ist ähnlich wie bei Ganglbauer, vielleicht weniger weit entfernt von Alltagssprache, aber im Gegensatz zu ihren stringenten Texten zerbröseln die Gebilde Kaips unter der Last des Anspruchs, nicht für sich, sondern als Teil eines Zyklus dazustehen. Die Gedichte sin... lesen