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Feuilleton der Ausgabe 07 - heftig

helwig brunner | diagnose: dolchstoßsyndrom

Bemerkungen zu Sein und Schein der Heftigkeit

Der junge Dichterfürst stieß seinen Dolch heftig bis ans Heft ins Heft. Mit theatralischer Geste veredelte er, worum es in den darin zu Papier gebrachten Liebesoden ging: dass er eigentlich lieber in freudvollem Zusammensein mit seiner Herzensdame etwas anderes anderswohin gestoßen hätte – nicht minder heftig, versteht sich, und in ähnlich vollendeter Metrik der Hebungen und Senkungen, wie auch die Verse seiner Dichtung sie aufwi... lesen


birgit pölzl | graz im gegenlicht

Ein essayistischer Monolog

Grazerin, tendenziell ironisch, einige Heftigkeitsmomente: Ich bin das, was man intellektuell nennt. Selbstverständlich nicht nur intellektuell, ich habe auch andere Qualitäten, ich bin zum Beispiel ein harmonischer Typ. Aber das ist in Graz synonym. In Graz sind alle Intellektuellen und die, die es sein wollen, ausgesprochen harmonische Typen. Deshalb fügt sich hier die Intellektualität so gut ein, deshalb gibt es ein Miteinand... lesen


hermann götz | die leiden des jungen hausmanns

Oder von der Schwierigkeit Normalität wider die Norm zu leben

Als ich pickelig, pubertär und brünftig war, galt Selbstzerstörung als fesch. Kurt Cobain war der wohl schillerndeste Vertreter eines derartigen livestyle mit Ablaufdatum. Oder Werner Schwab, der für unsereinen nicht zuletzt ob seines Todes zur Kultfigur geriet. Meine ganz private Selbstzerstörung beschränkte sich in der Regel auf das Verschleißen und Zerreißen von Kleidungsstücken. Zum Glück, wie ich meine. Wenn ich trotzdem... lesen


werner suppanz | heftiges ballfieber

Fever Pitch in rot-weiß-rot

„Ich verliebte mich in den Fußball, wie ich mich später in Frauen verlieben sollte: plötzlich, unerklärlich, unkritisch und ohne einen Gedanken an den Schmerz und die Zerrissenheit zu verschwenden, die damit verbunden sein würden.“ Mit diesem Rückblick beginnt in Nick Hornbys autobiographischem Roman Fever Pitch die Schilderung seines „Heimdebüts“ anlässlich des englischen Meisterschaftsspiels Arsenal – Stoke City im S... lesen


heike nitschner | gedanken zur tour de france

oder Weshalb der ehemalige INXS-Sänger ein Trottel ist

Wenn ein guter Freund von mir, der gerne Radtouren fährt und gerne trinkt, nach dem Bergfest anderntags so richtig verkatert ist, die nächste Bergtour durchs Land aber ansteht, dann, so vertraute er mir einmal nach diversen Bieren und bei der zweiten Pina Colada an, sei es nur der Gedanke ans Ficken, der ihn den Berg hinaufbringe: „Vor Erregung bebende Brüste vor dir …“ Dieser interessante und, wie ich glaube, höchst maskuli... lesen


herwig g. höller | big brother hinter glas

Anmerkungen zu heftigen Wiederholungen und zu Schwarzmalereien

Die Reaktionen waren wieder einmal heftig. Wieder einmal, da es bereits zuvor unverwechselbar ähnliche Reaktionen in einer Reihe von Ländern gegeben hatte. Wobei die Wiederholung dieser konkreten Geschichte ausnahmsweise dennoch nicht als Farce durchgeht, zumal das inkriminierte Fernsehformat bislang eigentlich immer nur national rezipiert wurde. Und selbst in EU- bzw. neuerdings auch in Euro-Europa fehlt ein transnationaler Medienrau... lesen


colette m. schmidt | es wird alles zuwachsen

Eine Begegnung mit der Autorin Waris Dirie

Es kommt relativ selten vor, dass ich mich mit hunderten Frauen in einem Raum befinde. Mit hunderten von Frauen und Männern, das ist nichts Seltenes. Mit hunderten Männern saß ich zuletzt als einzige Frau in einem Fußballstadion in Sarajevo. „Man“ fühlt sich da als Frau nicht gerade pudelwohl, aber was tut man nicht alles für einen guten Kick. Vielleicht hab ich mit Massenansammlungen an sich ein Problem, aber gemischtgeschlec... lesen


stefan schmitzer | besinnungsstund hat dings im mund

Über Mythen und Medienphänomene. Oder: Was hat noch Platz neben Potter und Bin Laden?

Ein wahrhaft heftiges Jahr 2001 breitet sich vor den inneren Augen des Zurückschauenden aus, ein Jahr wie das Treatment eines überbudgetierten Achternbusch-Films; die feuchten Träume von Gott NEUZEIT, wie er in die Pubertät kommt, oder so: Erst Genua, zur Einstimmung, dann der 11.09., darauf logischerweise das sinnlose Bombardement eines armen Landes, und am Himmel eines Europa, in dem sich die Rechte recht komfortabel eingerichtet... lesen


bernhard wolf | grillen-missiles und tortenwerfer

Die zeitgenössische Kunst in den USA greift angesichts der Medien- und Politikmaschinerie des Mainstreams zu bemerkenswertem Aktionismus

Das Heftigste an den USA ist ihre pure Existenz. Als Europäer kann man sich vorzüglich über naives Schwingen der Nationalflagge in den Staaten alterieren, über die Diktatur des Fernsehens oder darüber, dass McDonalds für die Nationalspeise zuständig ist. Alles Makulatur. Kinkerlitzchen im Vergleich dazu, wie dieses Land auf der soziokulturellen Landkarte des Systems Menschheit jeden Tag aufs Neue geträumt wird. Die USA sind kein... lesen


susi schneider | uni-interventionen

Stehen die USA vor der Wiederkehr der schwarzen Listen?

Auge um Auge macht die Welt blind! Wir sollten Brücken und Beziehungen bauen und nicht nur Bomben und Mauern. Unwissen brütet Hass. Dies sind nur drei von 115 Statements, die vom American Council of Trustees and Alumni (ACTA) in seinem jüngsten Bericht Defending Civilization: How Our Universities Are Failing America and What Can Be Done About it penibelst aufgelistet und als subversiv kritisiert werden. Die gesammelten Zitate... lesen


werner schandor | die ausnahme von der regel

Der Wiener Autor Daniel Wisser verlegt mit der Zeitschrift „Der Pudel“ eine der unkonventionellsten Literaturpublikationen Österreichs

Am Anfang war ein Tintenklecks. Er sah aus wie ein Pudel. Dazu kam die Beschäftigung des 1971 geborenen Daniel Wisser mit etwas, das in vielen Lehrbüchern unter der Bezeichnung „konkrete Poesie“ oder „Experimentallyrik“ firmiert, aber das Wisser lieber „methodische Dichtung“ nennen würde. Die Synthese aus beiden Gegebenheiten mündete in der Gründung der Zeitschrift Der Pudel, deren Cover von besagtem Tintenklecks gezier... lesen


christian ide hintze | poetry is sexy

zum tod von christian loidl, *linz, 17 09 1957 – † wien, 16 12 2001

christian loidl – illuminated poet of the voices, the writings and the bodies – stürzt am 16. dezember 2001 um 23 uhr aus dem fenster seiner wohnung, fällt zwei stockwerke in die tiefe und prallt auf den gehsteig. er überlebt den unfall nicht. im bericht der polizei, die sich eine obduktion ersparen will, wird später ein selbstmord angedeutet. auch der standard, eine hiesige intellektuellenzeitung, recherchiert schlecht und schr... lesen


peter piller | der künstler sollte verrückt sein

Das ist für alle das Beste

Bei jedem größeren Neubau muss der Bauherr ein paar Prozent der Bausumme für Kunst am Bau ausgeben. Weil der Bauherr aber meist von Kunst keine Ahnung hat, wird aus Sachverständigen, etablierten Künstlern, Kunsthistorikern und den Laien eine Jury gebildet. Ein Wettbewerb wird ausgeschrieben und die Jurymitglieder aus der Kunst argumentieren für die Vorschläge ihrer Künstlerfreunde. Die Jury tagt bei Kaffee und Gebäck. Wenn sie... lesen