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gedanken zur tour de france

heike nitschner | gedanken zur tour de france

oder Weshalb der ehemalige INXS-Sänger ein Trottel ist

Wenn ein guter Freund von mir, der gerne Radtouren fährt und gerne trinkt, nach dem Bergfest anderntags so richtig verkatert ist, die nächste Bergtour durchs Land aber ansteht, dann, so vertraute er mir einmal nach diversen Bieren und bei der zweiten Pina Colada an, sei es nur der Gedanke ans Ficken, der ihn den Berg hinaufbringe: „Vor Erregung bebende Brüste vor dir …“
Dieser interessante und, wie ich glaube, höchst maskuline Gedanke eröffnet mir völlig neue Perspektiven auf die mörderischen Strapazen der Tour de France: Wie die es wohl jeden Tag ins Ziel und letztendlich nach Paris schaffen?

Klar, einmal dem Vordermann in den Popo ficken. Der arme kleine Lustprügel hat ja auch nichts zu tun. Lustlos liegt er da für knapp zwei Wochen – und während all des Trainings vorher auch schon! – beschäftigungslos neben der Sattelritze.
Abends gibt`s nur Massage oder Pressekonferenz und Massage und dann ins Bett, allein – und die Hände zu müd‘ zum runterreichen. So schaffen sie es nur bis zum Bauchnabel und prokeln daran ‘rum.
Aber der Gedanke, den Luststengel dem Vordermann in den schweißfeuchten Anus zu schieben, erzeugt ungeheure Energien, so scheint’s. Die reichen immerhin für knapp 200 km täglich.

Exkurs 1: Gen Westen
Dieser Gedanke regt auch neue Betrachtungsweisen der Völkerwanderung an: Zitat aus dem neuesten Klett-Geschichtsschulbuch (in Bayern und Sachsen nicht zugelassen): „Poppend bewegten sich die Goten gen Süden. Als einer die Heterosexualität erfand, spalteten sie sich bekanntermaßen in Ost- und in Westgoten.“ Die Homos natürlich gen Westen. ‘ne Fluppe im Maul und nur die Freiheit als Drehbuch.

Aber zurück zum Thema: Wie nannte ich die Tour de France? Mörderische Strapaz? Richtig! Kurz vorm Sterben kommt’s einer/einem am Besten. Wie dem INXS-Sänger Michael Hutchence zum Beispiel. Ein prominentes Beispiel für auto-erotische Spiele.

Exkurs 2: I´m on fire
Und damit meine ich nicht die eines Kfz-Mechanikers wie bei Bruce Springsteen in „Hey little girl, is your Daddy home? Did he go out and leave you all alone? I have a bad desire – ohohoh I‘m on fire.“

Letztens las ich, dass die hinterbliebene Hutchence-Witwe ihr Kind nicht mit der Überzeugung leben lassen wollte, ihr Vater habe sich umgebracht. Nein, denn das war es nicht! Er hatte sich nur kunstvoll einen runterholen wollen. Dazu legte er sich eine Schlinge um den Hals und zog sie so weit zu, dass er fast zu ersticken drohte.

Exkurs 3: Tory-Spielchen
Apropos: Ein englischer Medizin-Student erzählte mir einmal, dass besonders Tory-MPs sich beim Masturbieren auch mal eine Orange in den Mund steckten. Dann verrecken die auch fast, und kurz vor dem scheinbaren Tod gibt das Zentrale Nervensystem nochmal alles und verpasst denen den besten Orgasmus, wo gibt. Manchmal sterben solche Tories auch dabei und werden dann von der heimkehrenden Ehefrau im Rover, die die 12jährige Tochter gerade vom Reiten oder der Klavierstunde abgeholt hat, in der Garage tot aufgefunden.
Ah, das stelle ich mir gut vor: Londoner Westend, vornehme Villen hinter riesigen Rhododendren, der automatische Garagentoröffner quietscht, und dann hängt da der ungeliebte Sack, aufgeknüpft und mit heruntergelassenen Hosen von der Decke – Sperma- und Bremsspuren an den baumelnden Beinen.

Doch zurück zu Michael Hutchence und seiner Tochter und Witwe: Die Tochter soll also die „Wahrheit“ erfahren. Ja, eine super Idee. Wo ist der nächste Psychologe? Und was für ein Trost! Der eigene berühmte Daddy! Kein cleaner Selbstmord, der von ungeheurem Mut zeugen würde, sondern beim Wichsen umgekommen, unabsichtlich, aus Versehen! Was für ein Trottel.
Che tragico!
Ich weiß wirklich nicht, ob man das der adoleszenten Tochter erzählen sollte, nur damit eine religiöse Idee beruhigt ist, von der ich nicht weiß, ob die in ihrem Hirn überhaupt Platz hat.
Noch einmal zur Tour de France: Da radeln sie also, im Geiste po-fickend durch die französische Landschaft auf die „Hure Paris“ zu. Kein Wunder, dass bis kurz vorm Ziel niemand ganz vorne fahren will. Oder anders: Weshalb im Windschatten fahren so cool ist. Die Kommentatoren nennen das „Hinterradlutschen“, angeblich die Fahrer auch, aber die lutschen geistig, klar, an ganz was anderem. „Hah, schnell nochmal die Trinkflasche und am Nippel Isotonisches gesaugt.“
Geschlechtergrenzen drohen da im Eifer des Gefechts zu verschwimmen und das ist gut, bzw. wird es den Fahrern völlig egal sein, Hauptsache, sie können endlich mal.
Der Vordermann ist wie die Möhre, die den vor den Karren gespannten Esel immer weiter lockt, die Trieblok sozusagen. Nur kurz vorm Ziel sind sie alle wie die Spermien: Dann will jeder der Erste sein.

P.S.: Aber so ein Radrennfahrer hat bestimmt keine Tusse mit Birnenhintern zu Hause.