schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 07 - heftig JaNatz & erzählende Prosa
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/07-heftig/janatz-erzahlende-prosa

JaNatz & erzählende Prosa

med ana schwoazzblauen dintn: Qualtingereskes aus verschiedensten Quellen (2)


Ilse Kilic & Fritz Widhalm: Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd. Des Verwicklungsromans zweiter Teil

Wien: edition ch 2001

Rezensiert von: stefan schmitzer


Dass es da so ein autobiographisches Dings von Ilse Kilic und Fritz Widhalm gibt, ist ja wahrhaft keine Neuigkeit. Dass dieses Dings sich einen Verwicklungsroman nennt, vielleicht auch noch nicht. Dass aber der Verwicklungsroman mittlerweile einen zweiten Teil hat, "Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd", und in dieser seiner Zweiteiligkeit geilgeilgeil ist, möglicherweise schon.

Die Jana und der Natz, die alter Egos der beiden Gründer des fröhlichen wohnzimmers in deren Autobiographie, sind schräge Kreaturen. No na, wenn ihre Schöpfer und „Modelle“ gleichfalls schräg sind. Aber es handelt sich hier nicht um jene Form artifizieller Schrägheiten, wie wir sie heutzutage als Künstlerkopfputz auf den Vernissagen und in den „herbstbars“ dieser Welt zur Genüge beobachten können. Derlei possierliche Subversion ist nur solange in Mode, wie es Popkultur-Germanisten gibt, um sie wortreich zu rechtfertigen und Schleifchen hirnloser Bewunderung drum herum zu fabrizieren. Die Jana und der Natz aber, und darum geht es letztlich in den beiden Bänden dieses Verwicklungsromans, haben sich nicht unbedingt ausgesucht, das zu sein, was sie sind.

Sie müssten eigentlich recht fertigg’fahren sein, die beiden, in Anbetracht der Lebensumstände, die da so schnodderig geschildert und aufgerollt werden. Dass sie es nicht seien, weil sie die Literatur, oder weil sie sich und ihre Beziehung hätten, solche Moral von der Geschicht’ bleibt einem dankenswerterweise erspart. Warum? – Nun, zunächst, weil Dieses Ufer ist rascher als ein Fluss und Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd zwar einen Roman, aber nicht unbedingt eine Geschichte darstellen. Geschichten treten wohl zutage, zahlreich, bunt und in voller Breite, aber die Gesamtanlage des Werkes umfasst nichts in der Art von Exposé, Steigerung, Höhepunkt etc., und somit eben auch in dem Sinne nichts von einem „Lernziel“. Das Ding heißt nicht umsonst VERwicklungsroman. Es ist ein Dialog in artifizieller (wiewohl – s.o. – schnodderiger) Sprache, der zwei halbwegs heftige Lebensläufe von Szene zu Szene dekonstruiert. Diese beiden Lebensgeschichten selbst werde ich nicht referieren. Lest gefälligst selbst.

Nicht gegeizt wird außerdem mit Stellen, die den Akt des Erzählens, in diesem Falle also des Dialogführens über Geschichten thematisieren, bzw. – was auf dasselbe hinausläuft – mit Wechseln zwischen Jana/Natz an der jeweiligen Station der jeweiligen Geschichte einerseits und Kilic/Widhalm daheim in der Schreibsituation andererseits.

Das ganze Projekt ist sowohl seiner Anlage als auch seiner Stilistik nach so wienerisch, dass es wienerischer eigentlich nimmer geht (ausdrückliche Ausnahmen: Qualtinger und Heller). Wie gesagt: Die Geschichten, die da referiert und weichgeklopft werden, müssten eigentlich ausreichen, aus Menschen Deixfiguren zu machen. Das haben sie nicht geschafft, was sich durch die schiere Existenz der beiden Bände beweist, denn Deixfiguren haben weder soviel Selbstironie noch soviel Ehrlichkeit wie die Jana und der Natz. Auch gibt es keine einzige Stelle, von der man sagen könnte, was man von Qualtinger-Liedgut zu sagen pflegt: Dass man beim Lachen gleichzeitig einen Knödel im Hals kriegt. Nein: Der Verwicklungsroman ist allen Ernstes lustig.