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petra ganglbauers textgarten

postmoderne für den endverbraucher (3)


Petra Ganglbauer: Schräger Garten Texte

Das Fröhliche Wohnzimmer-Edition: Wien 2000

Rezensiert von: stefan schmitzer


Dann hätten wir da Schräger Garten Texte von Petra Ganglbauer. Man könnte ihr anhand dieses Buches eine gewisse Nähe zum Zen-Buddhismus bescheinigen, aber nur dann, wenn man ohne Schubladen überhaupt nicht auskommt bzw. zu denen gehört, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn ein Text sich auf Schilderung eines Moments von Wahrnehmung beschränkt, ohne gleich mit augenzwinkernden Einordnungen ins ‘große Ganze’ der Welt vulgo Dichterseele daherzukommen.

Wir haben es, zunächst einmal, mit einer Sammlung von unglaublich präzisen Gedichten zu (Photos von) Schrebergärten zu tun. Mit den Ausweglosigkeiten, die durchs Hintertürl scheinbarer Idyllen hereinlugen, und die trotz allem ins Gefüge passen. Mit dem, was passiert, wenn man kleinbürgerliche Fluchtpunkte als solche ernst zu nehmen und - versuchsweise - zu bewohnen beginnt. Auf den ersten Blick wirken viele der Texte eher langweilig, aber das kommt, siehe oben, wohl daher, dass sie (a) ohne Geschwafel auskommen und (b) nicht vorgeben, mehr zu sein, als sie sind - wie es ja leider so oft vorkommt, dass zumindest ich mich an den dazugehörigen Überhöhungs-Tonfall soweit gewöhnt habe, dass er mir nur auffällt, wenn er fehlt.

Ganglbauer bewegt sich absolut auf der Höhe des state of art, bringt in diesem Band keine weiß-gott-wie-neuen Formen oder Methoden ein, sodass die Vorzüge, die zu schildern sind, dem werten Leser möglicherweise nur ein Achselzucken abringen („aber das hat doch schon ... gemacht“). Nur: Was der Band will, erfüllt er. Da treiben die Fetzen von Gesprächen und Beziehungen durch den Schräger-Garten-Luftraum und verdichten sich mit der Wahrnehmung zu klar und differenziert lesbaren Geschichten.

Wahrnehmung wovon? - Wahrnehmung dessen, was dem Gehetzten bleibt, wenn er Ruhe sucht. Wahrnehmung der Bruchlinien zwischen hier und draußen. In Yuppie-Terminologie: Zwischen Erfolg und Scheitern. Oder, so simpel respektive zen-buddhistisch das scheinen mag: Bruchlinien zwischen dem Chaos des „geordneten Lebens“ einerseits und der kleinen Ordnung im „Chaos“ der rohen, in ihrer Totalität hervortretenden Momente andererseits.

Petra Ganglbauer erfüllt eine der Grundforderungen von Lyrik in Schräger Garten Texte geradezu exemplarisch: Nämlich die Forderung, mit der geringst möglichen Anzahl von Worten auszukommen. Je nach Geschmack könnte man in diesem Zusammenhang das Wort „abstrakt“ in seinem negativen Sinn gebrauchen, nehme ich an, aber ich lass das schön bleiben: Ich finde „abstrakt“, wiewohl es eine adäquate Bezeichnung für zumindest einige der Gedichte ist, nicht so schlimm bzw. Abstraktion in Gedichten nicht sooo grundsätzlich fehl am Platz.

Es sind keine Vorlesegedichte, keine Gedichte, die bei Rotwein und Kerzerlschein einer schönen Frau vorzutragen wären, es sind spröde Gedichte, es sind Aufzeichnungen, keine Trägerwellen für „Aussage“. Zitat: „Diese farbigen Augenlappen, Flügel: Es beginnt, aber / es beginnt“.