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Rezensionen der Ausgabe 07 - heftig

zwei mal klischees übertrumpft

Aarachnes Dorf- und Verwandtenhasser

Ernst Petz (hg.): Das große Dorfhasserbuch - Das große Verwandtenhasserbuch

Das Dorf zu hassen ist in der heimischen Literatur ein reichlich gebrauchter und folglich verbrauchter Topos. Als Reaktion auf den Selbstmord von Franz Innerhofer wurde dies vom heimischen Feuilleton ein weiteres Mal festgestellt. So sehr die sogenannte Anti-Heimatliteratur ein österreichisches Schreiben geprägt hat, so sehr hat sie sich ausgeschrieben. Die großen Wörter über die (un)schönen Tage am Land sind Literatur von gestern... lesen


das zurückgeflossene dorf

Eine ethnologische Monografie des Rabiatsteires

Franzobel: Austrian Psycho oder Der Rabiat Hödlmoser. Ein Trashroman in memoriam Franz Fuchs

„Wenn das Hödlmoser-Buch von Reinhard P. Gruber das Alte Testament der Steirer ist, dann habe ich es gewagt, sozusagen das Neue Testament zu schreiben“, sagt Franzobel über Austrian Psycho. Sein Rabiat Hödlmoser ist ein Schelmenroman und eine ironische ethnologische Monographie. Das Forschungsobjekt sind die Steirer, die emische Annäherung geschieht am Beispiel des aus R. P. Grubers Buch Aus dem Leben Hödlmosers nach Mürzzusch... lesen


eine bruchstelle, gekittet?

An Peter Truschners Prosadebut wird eine Frage geknüpft

Peter Truschner: Schlangenkind

Wie weit kann das Bedürfnis, den „banalen“ Entwürfen des Alltags eine eigene, ästhetisierende Variante entgegenzuhalten, eigentlich gehen, ohne dabei Fragen aufzuwerfen? Mit "Schlangenkind" legt der in Klagenfurt geborene, mittlerweile in Berlin lebende Mittdreißiger Peter Truschner sein Romandebüt vor. Ein Debüt, dass sich wie eine autobiographische Annäherung an die Kindheit des Autors, insbesondere an die zentralen Fig... lesen


täter, taten, tote und motive

Über Lisa Lerchers klassischen Kriminalroman

Lisa Lercher: Der letzte Akt

Antonia ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Vielmehr: war. Erfolgreiche Schauspielerin, rücksichtslose Egoistin, schwaches Weiblein, mit dem Hang, sich immer wieder die falschen Männer auszusuchen, chaotische Existenz hinter der Fassade einer Powerfrau, himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt und zu Tode kommt sie nun auch wirklich. Von Alkohol und Drogen betäubt, ertrunken in ihrer Badewanne. Fremdeinwirkung ist nicht auszuschließe... lesen


das meer nach hause tragen

oder Wie man aus einem Wohnzimmer ein Aquarium macht

Christian Stuhlpfarrer: fisch. ein Bericht.

Warum setzt ein Mensch seine Wohnung unter Wasser? Und flüchtet dann ausgerechnet nach Albanien? Ein gewisser Herr Ludwig Adalbert Unselig (nomen est omen?) soll tatsächlich auf diesen abstrusen Gedanken verfallen sein, um dann schließlich - nicht ganz spurlos - aus Wien zu verschwinden. Und in Albanien um Asyl anzusuchen, und schließlich, verunsichert von der Rat- und Verständnislosigkeit der dortigen Beamten, einfach unterzutauch... lesen


durch den tag fährt mein langes gehirn

Matthias Göritz hat den Puls der Großstadt in den Adern

Matthias Göritz: Loops. Gedichte.

Matthias Göritz, in Hamburg lebender Philosoph, Literaturwissenschafter und Übersetzer, hat bisher in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und, so darf vermutet werden, über die manuskripte seinen Weg zum Literaturverlag Droschl gefunden. Längere Aufenthalte in Moskau, Paris und Chicago liefern den großstädtischen Hintergrund seiner Gedichte. Tag und Nacht, Schweiß und Regen, Straßen, Busse und Stiegenhäuser – in imm... lesen


molden und die publikumserwartung

med ana schwoazzblauen dintn: Qualtingereskes aus verschiedensten Quellen (1)

Ernst Molden: Doktor Paranoiski

Ernst Moldens neuer Roman Doktor Paranoiski: Ein hanebüchener Plot, pseudokafkaesk vorgetragen. Offensichtlich mit der Marktanalyse seines letzten Werkes (Austreiben) im Kopf geschrieben. Trotzdem ein wahrhaftig geiles Buch. Warum, weiß ich auch nicht so genau. Das eine Problem mit diesem Buch ist, dass es trotz allem was kann. Das andere Problem resultiert daraus, dass es sich um einen „Spannungsroman“ im weitesten Sinne ha... lesen


JaNatz & erzählende Prosa

med ana schwoazzblauen dintn: Qualtingereskes aus verschiedensten Quellen (2)

Ilse Kilic & Fritz Widhalm: Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd. Des Verwicklungsromans zweiter Teil

Dass es da so ein autobiographisches Dings von Ilse Kilic und Fritz Widhalm gibt, ist ja wahrhaft keine Neuigkeit. Dass dieses Dings sich einen Verwicklungsroman nennt, vielleicht auch noch nicht. Dass aber der Verwicklungsroman mittlerweile einen zweiten Teil hat, "Neue Nachrichten vom gemeinsamen Herd", und in dieser seiner Zweiteiligkeit geilgeilgeil ist, möglicherweise schon. Die Jana und der Natz, die alter Egos der beiden G... lesen


zur kenntlichkeit entstellt

postmoderne für den endverbraucher (1)

Margret Kreidl: Grinshorn und Wespenmaler. 34 Heimatdramen.

Beginnen wir mit dem einfachsten im Sinne einer einfachen Rezensierbarkeit: Grinshorn und Wespenmaler, eine Sammlung mit Lesedramoletten von Margret Kreidl. Es handelt sich um ca. dreißig Kürzestvariationen desselben Themas, nämlich die Vielfalt der Beziehungen zwischen dem völkischen und dem kapitalistischen Flügel der FPÖ, bis zur Kenntlichkeit entstellt und exemplifiziert an den nur leicht verfremdeten Bannerträgern des jeweil... lesen


konnotationskirchen

postmoderne für den endverbraucher (2)

Monika Köcher: engeltexte

Unentwirrbar barocke Geräumlichkeiten – oder so – sind es, die Monika Köcher für ihren Lyrikband engeltexte geplündert hat, wie das Verb dafür wohl vorwurfsvoll lauten müsste, käme es aus dem Mund eines dieser „dekonstruktivistischen“ Raoulschrottunddergleichen-Verächter. Das einzige, was man dem Band vorwerfen könnte, ist das Fehlen einer dezidierten Einordnung der einzelnen Texte in eine wie immer geartete Linearität... lesen


petra ganglbauers textgarten

postmoderne für den endverbraucher (3)

Petra Ganglbauer: Schräger Garten Texte

Dann hätten wir da Schräger Garten Texte von Petra Ganglbauer. Man könnte ihr anhand dieses Buches eine gewisse Nähe zum Zen-Buddhismus bescheinigen, aber nur dann, wenn man ohne Schubladen überhaupt nicht auskommt bzw. zu denen gehört, die sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wenn ein Text sich auf Schilderung eines Moments von Wahrnehmung beschränkt, ohne gleich mit augenzwinkernden Einordnungen ins ‘große Ganze’ der Welt... lesen


ich und ich entwachsen dem kinderland (1)

Zwei sehr verschiedene Erzähler nähern sich bei Residenz ihrer Jugend und dem Älterwerden an. Ein fast zufälliger Vergleich

Gerhard Amanshauser: Als Barbar im Prater. Autobiographie einer Jugend.

Gerhard Amanshauser hat sich selbst seine Biographie geschrieben. Was an sich nichts Ungewöhnliches wäre. Doch unterscheidet sich Amanshausers Autobiographie deutlich von einem autobiographischen Roman, der in diesem Fall - ein alternder Autor rollt seine Jugend auf - zu erwarten gewesen wäre. Hier hält der Leser tatsächlich eine ?Biographie? in Händen. Ein Buch das sich ganz an dem orientiert, was entsteht, wenn das Leben eines i... lesen


ich und ich entwachsen dem kinderland (2)

Zwei sehr verschiedene Erzähler nähern sich bei Residenz ihrer Jugend und dem Älterwerden an. Ein fast zufälliger Vergleich

Andreas Mand: Vaterkind. Roman.

Das Kunststück, schöne Literatur im besten Sinne zu schaffen, ist dem 1959 in Duisburg geborenen Andreas Mand, der ebenfalls bei Residenz einen neuen Roman vorlegt, nicht oder nicht mit dieser Leichtigkeit geglückt. Mand, dessen Text zahlreiche Qualitäten, die jedem Lektor angenehm ins Auge springen müssen, bereits im Plot vereint, hat den autobiographischen Ton an vielen Stellen mit einem Tonfall von Betroffenheit verwechselt, der... lesen


über den sprachkamm

postmoderne für den endverbraucher (4)

Günther Kaip: Vademekum für Körper. Eine Bestandsaufnahme.

Schließlich bleibt noch "Vademekum für Körper". Eine Bestandsaufnahme von Günther Kaip, und ich sag’s, wie’s ist: Ich werde nicht recht schlau daraus. Der Tonfall ist ähnlich wie bei Ganglbauer, vielleicht weniger weit entfernt von Alltagssprache, aber im Gegensatz zu ihren stringenten Texten zerbröseln die Gebilde Kaips unter der Last des Anspruchs, nicht für sich, sondern als Teil eines Zyklus dazustehen. Die Gedichte sin... lesen