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zur kenntlichkeit entstellt

postmoderne für den endverbraucher (1)


Margret Kreidl: Grinshorn und Wespenmaler. 34 Heimatdramen.

Das Fröhliche Wohnzimmer-Edition: Wien 2000

Rezensiert von: stefan schmitzer


Beginnen wir mit dem einfachsten im Sinne einer einfachen Rezensierbarkeit: Grinshorn und Wespenmaler, eine Sammlung mit Lesedramoletten von Margret Kreidl. Es handelt sich um ca. dreißig Kürzestvariationen desselben Themas, nämlich die Vielfalt der Beziehungen zwischen dem völkischen und dem kapitalistischen Flügel der FPÖ, bis zur Kenntlichkeit entstellt und exemplifiziert an den nur leicht verfremdeten Bannerträgern des jeweiligen Flügels – Wespenmaler und Grinshorn eben. Die reine Freude. Brutal. Weit jenseits der Grenze zur Groteske. Und den solcherart karikierten (?) Herren Zeile für Zeile zu vergönnen. Man spürt, da ist einer die Galle übergelaufen, doch anstatt sie wegzuwischen, hat sie darin gelesen, wie man dereinst in Kaffeesud las. Und siehe da, die Botschaften aus der Galle sind durchaus fähig, uns die Psychostruktur der Angesprochenen und vergleichbarer Gestalten noch näher zu bringen, als sie es erzwungenermaßen eh schon sind – nahe genug vielleicht, um sie einfach nur mehr als die armen Würstln zu sehen, die sie in den tiefsten Tiefen ihrer NLP-verkleisterten Seelen sind (nicht, dass sie uns ansonsten interessieren würden … aber wenn’s gar so schön bernhard’sch zugeht …).