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Rezensionen der Ausgabe 08 - fetzen

riten, räusche, rock’n’roll

Auch in der Provinz nördlich des Polarkreises lässt es sich ganz schön fetzen

Mikael Niemi: Populärmusik aus Vittula. Roman.

Lange bevor im deutschsprachigen Raum über Warmduscher, Weicheier und Nach-Vorne-Einparker diskutiert wurde, war es im hohen Norden an der finnisch-schwedischen Grenze für die dortige männliche Jugend bereits wesentlich, nicht „knapsu“ zu sein, was ungefähr so viel wie weibisch bedeuten dürfte. Zumindest geht das aus Mikael Niemis feinem Entwicklungs- und Poproman Populärmusik aus Vittula hervor. „Gewisse Beschäftigungen sind v... lesen


das erbe der kreativen

oder was Fast-Food mit einem Lexikon zu tun hat

Lou A. Probsthayn: Müll.

Lou A. Probsthayns neuen Roman kann nun jedermann lesen vielleicht auch verstehen, aber zumindest wollte yedermann Müll verlegen und kauderwelschte* seinen Autor nicht an. Die „irren Neugeborenen“ sind der Nachlass von Trash, dem Protagonisten des Romans und das Erbe der Kreativen, die den Bildungsauftrag der Stadt, in diesem Fall Norden, übernommen haben. Norden ist eine Stadt in Deutschland und Norden ist ein Lebensgefühl, sowie al... lesen


gassschwaden. atmoterrorismus. air-design

Über Peter Sloterdijks „Luftbeben“

Peter Sloterdijk: Luftbeben. An den Quellen des Terrors.

Er gehöre, so meinte Peter Sloterdijk in einem Interview, einer Gruppe von Menschen an, die mit dem 11. September seit jeher den Geburtstag von Theodor W. Adorno verbunden habe, und im Übrigen gäbe es nach dem 11. auch noch den 12. September, „an dem das autohypnotische Schaumwerk wieder in sich zusammenfällt“. Außerdem sei er der festen Überzeugung, dass die Assoziation mit Adorno unter kulturgeschichtlichen Aspekten weit... lesen


die kunst, schlechte bücher zu schreiben

M. G. Wanko hat es wieder nicht geschafft. Über seinen neuesten Roman Ken

Martin G. Wanko: Ken. A Crime Story

Es gibt Autoren, die es verweigern, in ihren Romanen auf herkömmliche Weise eine Geschichte zu erzählen. Und es gibt Autoren, denen die Story, die sie erzählen, schlichtweg egal zu sein scheint. Der kleine Unterschied offenbart sich im Lauf der Lektüre.  Martin G. Wanko gehört zweifellos der zweiten Gruppe an. Der Plot, den er für seinen Roman Ken entwirft, lebt von seiner Exposition: Der Ich-Erzähler killt einen Strichju... lesen


mannigfache enthüllungen

Ermittlungen mit aufgesetztem Rotlicht

Sabina Naber: Die Namensvetterin.

Im Grunde genommen ist keine literarische Gattung so sehr dem Willen nach Wissen und der Offenbarung der (einer?) Wahrheit verbunden, wie der Kriminalroman. Dennoch, oder deshalb, musste sich das Genre beständig gegen die Vorwürfe verwehren, zu sehr einer nicht tiefer dringenden Oberflächenwelt verbunden zu sein, als dass man es für wissenschaftlich-literarisch ernst nehmen könnte. Die Verkaufszahlen trugen das ihre daz... lesen


der coyote singt schön

Das neue Buch des Linzer Autors Christoph Janacs erzählt magisch-reale Geschichten aus dem heutigen Mexiko

Christoph Janacs: Der Gesang des Coyoten. Mexikanische Geschichten

Mexiko ist ein facettenreiches Land: Schon lange vor der Kolonialisierung – Hernan Cortez landet 1519 in Veracruz und macht die Region zu Neu-Spanien – gab es die Hochkulturen der Maya und der Azteken. Heute ist Mexiko reich und arm, modern und rückständig, neoliberal und kolonial strukturiert. Hier leben Weiße, Mestizen und Indigene, im urbanen Mexiko City und im ländlichen Chiapas. Zwischen diesen Gegens... lesen


marcuse, schau owa! (Teil I)

Ansätze zur Ent-Entfremdung der weiblichen Seele

Eugenie Kain: Atemnot.

Zwei Neuerscheinungen im Linzer Resistenz Verlag verstärken die Verankerung der „österreichischen Frauenfigur“ als solcher in den Fußstapfen der Bachmann, eine weitere aus dem Klagenfurter Kitab Verlag bietet, aus ebenso weiblicher Perspektive, endlich Alternativen zum qualitativ mittelmäßigen Betroffenheitsgedudel zuletzt erschienener „Jugoslawienbücher“ (siehe auch: Elke Papp: Wundräume und Viktorija Kocman: Reigentänze). F... lesen


marcuse, schau owa! (Teil II)

Ansätze zur Ent-Entfremdung der weiblichen Seele

Elke Papp: Wundräume.

Wundräume von Elke Papp ließe sich in vielerlei Hinsicht als ein polares Gegenstück zu Atemnot deuten, mit der einzigen und wichtigen Ausnahme des in beiden Fällen (bei Kain in der Rede der Figuren, bei Papp ziemlich grundsätzlich) meisterhaft lakonischen Tonfalls. Das Buch besteht aus Kurztexten, habituell fragmentarischen Erzählungen und textlichen Überbleibseln der Performances, mit denen sich die Autorin österreichweit einen Namen... lesen


marcuse, schau owa! (Teil III)

Ansätze zur Ent-Entfremdung der weiblichen Seele

Viktorija Kocman: Reigentänze

Und schließlich gilt es noch mit einer „Meinung“ über die drei novellenhaft geradlinigen Erzählungen Viktorija Kocmans aufzuwarten, aus denen der Band Reigentänze besteht; ein problematisches Unterfangen: Sich Texten, die von unbedarfteren Zeitgenossen in die bequem handhabbare Kategorie „Flüchtlingsliteratur“ getan werden, anders zu näheren als mit mitleidigen Schlagworten („beachtliche Reife... lesen


der ganze sirup, saft, sog

Eine Anthologie schöpft aus dem Halbvollen der neueren österreichischen Wortartistik

Petra Nachbaur und Sigurd Paul Scheichl (Hg.): Sprachkurs: Beispiele neuerer österreichischer Wortartistik 1978 – 2000.

Es gibt eine experimentelle Poesie nach Jandl und Artmann. Sigurd Paul Scheichl, Professor für österreichische Literaturgeschichte an der Universität Innsbruck, und Petra Nachbaur, die selbst als Autorin experimenteller Gedichte auftritt, haben ein spannendes Buch herausgegeben, das Anlass und Ausgangspunkt für Diskussionen über diese Art von Literatur sein kann. Der Bogen der Texte setzt mit... lesen


disparat zum quadrat

Wolfgang Helmharts Wiederbelebung eines mittelalterlichen Dämonen

Wolfgang Helmhart: Zwizwa. Reproduktion als Konfusion zwischen Wahrnehmung und Kommunikation

Die Frau liegt mit Diagnose Krebs im Spital, die Kinder sind bei Oma und Opa verstaut, und im leeren Leben des Ich-Erzählers in Wolfgang Helmharts Prosatext Zwizwa hat sich ein ehemaliger Arbeitskollege namens Schalko zu Besuch angekündigt. Schalko, so stellt sich bald heraus, ist noch um einige Grade ärger drauf als der auch schon leicht desorientierte Ich-Erzähler. Denn Schalko kommt in die oberösterre... lesen