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darüber reden

wolf haas | darüber reden

Wolf Haas im Gespräch über seinen Lektor Wolfram Hämmerling.

Befragt von Werner Schandor im Rahmen eines Podiumsgesprächs bei der "brennermania".

Werner Schandor: Anfang dieser Woche hat Wolfram Hämmerling angerufen und gesagt, er muss leider eine Hiobsbotschaft überbringen, eine Autorin des Verlags Hoffmann & Campe hat sich verrannt und steckt in einer veritablen Schreibkrise und es bleibt ihm keine Zeit mehr mit dieser Autorin am Text zu arbeiten - außer ausgerechnet an diesem Wochenende, wo er sehr gerne nach Graz gekommen wäre. Wir haben daraufhin das Programm umgestellt, ich habe Wolf Haas gefragt, ob er bereit wäre über die Zusammenarbeit mit Wolfram Hämmerling zu reden, weil ich immer den Eindruck hatte, dass sein Lektor eine zentrale Person im schriftstellerischen Leben von Wolf Haas ist, daraufhin hat mir Wolf Haas einen Text geschickt, mit dem wir jetzt einsteigen werden. Der Text trägt den Titel: Warum mich mein Lektor nicht umbringt. Und an diesen Text werden wir ein kleines Gespräch anschließen.

Wolf Haas: Bitte rufen sie nicht "lauter!", ich rede nur am Anfang so leise, bis ich weiß, wie das Mikrofon funktioniert.
Ich möchte kurz erklären, wie es zu diesem Text gekommen ist. Den habe ich ungefähr vor einem Jahr für eine deutsche Buchhändlerfachzeitschrift geschrieben, die hatten so eine Serie "Autoren porträtieren ihre Lektoren" und ich wurde eben auch eingeladen etwas zu schreiben. Es war eigentlich sehr schwierig, weil was schreibt man über einen Menschen, den man gut kennt und dem das dann vielleicht auch nicht unbedingt recht ist, was man über ihn schreibt. So habe ich mich mit Wolfram Hämmerling auch abgesprochen, und ich habe ihm gesagt, er kann sich das natürlich gern durchlesen vorher und sagen wenn irgendwo allzu Privates oder dergleichen drinnen steht, und wir haben dann unlängst sehr gelacht, weil er eben hier eingeladen wurde und die Situation plötzlich umgekehrt war und er bei mir angerufen hat, und gefragt hat, was er sagen darf, wenn er über mich gefragt wird. Und jetzt hat es sich noch ein drittes Mal umgekehrt, weil er eben nicht kommen kann. Das heißt ich habe jetzt doch wieder die Macht der Geschichtsschreibung an mich gerissen, über dieses Verhältnis zu berichten.
Wolfram Hämmerling ist für mich deshalb ein besonders wichtiger Mensch, weil er nicht nur mein Lektor ist, der meine Texte anschaut und Beistriche oder Kommas - wie man in Hamburg sagt - korrigiert, oder Grammatikfehler, sondern er ist der Mensch, der mich als Autor entdeckt hat. Ich hab immer nur meine Manuskripte in Kuverts gesteckt und an die Verlage geschickt, weil ich viel zu feig dazu gewesen wäre, um dort Rede und Antwort zu stehen und meinen Kopf hinzuhalten, wenn mir wer sagt "Das ist ja furchtbar". Es war eine viel hoffnungsfrohere Vorstellung, die Texte zu verschicken und dann ruft wer an und sagt, das ist toll, ja das machen wir. Davon handelt dieser Text, also brauche ich jetzt gar nicht mehr reden.

[Wolf Haas liest: "Warum mein Lektor mich nicht umbringt" ]

Du hast gemeint, als wir am Montag telefoniert haben, es ist vielleicht eh besser, wenn wir das Gespräch halten, weil Wolfram Hämmerling viel zu diskret wäre, um Sachen zu sagen, die bei deinen Büchern nicht gepasst haben. Er ist jetzt gerade bei einer Autorin und versucht da irgendwas geradezubiegen. Gab es auch bei einem deiner Bücher so eine Situation, wo du dich verrannt gehabt hast?

Ich glaub, ich war der letzte Spitzentitel von Hoffmann & Campe, wo Wolfram Hämmerling mehrere Nachtschichten einlegen musste, weil das Buch nicht fertig geworden ist. Das hatte auch recht ungute Konsequenzen, weil es ja diese Rezensionsexemplare gibt für die Buchhändler und Kritiker, und die müssen schon einige Monate vorher gedruckt werden, bevor das eigentliche Buch erscheint. Und in meinem Rezensionsexemplar waren dann nur die ersten 4 Kapitel enthalten. Die anderen Seiten sind leer, und das wurde dann eigentlich dem Verlag ziemlich um die Ohren gewatscht, so als billiger Werbegag sozusagen, mit dem Vorwurf, nicht einmal die Rezensionsexemplare würden mehr ordentlich gedruckt werden. In Wirklichkeit war der Grund, dass ich noch nicht fertig war, aber wir haben so getan als wäre das Absicht und haben ein Quiz veranstaltet bei Buchhändlern, wie das Buch wohl ausgeht.

...und das beste Ende hast du dann geschrieben?

Ja genau, so einfach geht's.

Wie geht das vor sich, wenn der Lektor eine Schreibkrise bereinigt? Kommt er dann so wie ein FBI-Agent, zieht seine Glace-Handschuhe an, setzt sich mit dir zum Computer und sagt: Pass auf, dieser und jener Absatz, da könnten wir ansetzen...?

Bei uns gibt es ja ganz eine seltsame Geschichte, weil ich ursprünglich in dieser Thriller-Reihe rauskam bei Rowohlt, und da war überhaupt nicht so ein großes Budget vorhanden, um eine großartige individuelle Betreuung zu ermöglichen. Das heißt, Hämmerling und ich haben uns bei den ersten drei Büchern gar nicht persönlich gekannt. Wir haben das nur über Fax und Telefon gemacht. Das klingt jetzt rückwirkend etwas eigenartig, aber es war - durch Fax-Kommentare und längere Telefonate - schon eine intensive Arbeit am Text. Meistens ist es so, dass Lektoren vor allem stilistische Probleme von Autoren behandeln. Bei mir ist es eher umgekehrt; diese Sprache, die ist eigentlich, wie sie ist, da wird im Detail nicht viel herumkorrigiert. Und das Prinzip dieser Bücher ist ja auch, dass ich mich beim Erzählen von dieser Sprache irgendwie wegtragen lasse. Dadurch hat der Lektor eher die Aufgabe, mich aufmerksam zu machen, dass ich mich manchmal irgendwo sozusagen allzu sehr verstiegen habe, oder dass irgendein Kapitel oder die Abschweifung von der Abschweifung der Abschweifung... - dass das schon soweit führt, dass es eigentlich schon unerträglich ist, und dann macht er mich darauf aufmerksam, dass man das auch etwas straighter und etwas näher an der Gattung Kriminalroman belassen sollte.

Kannst du ein konkretes Beispiel dafür nennen?

Ja. Bei meinem zweiten Buch, Der Knochenmann, das in Klöch spielt, da gibt es eine Knochenmehlmaschine, die immer surrt, und das hat mir so gut gefallen beim Schreiben, die surrt und surrt überall, wo man hinkommt. Und das ist irgendwie ein gutes Element in dem Roman. Aber ich war der Meinung, das genügt eigentlich an Spannung. Es hat überall gesurrt, und mir ist das irgendwie gespenstisch vorgekommen. Aber Wolfram Hämmerling hat gesagt, na ja es ist eh schön, aber es ist halt kein Kriminalroman, nur wenn am Anfang Knochen gefunden werden und am Schluss wird es aufgelöst. Und dazwischen war vor allem sozusagen Klöchmilieu und surrende Knochenmehlmaschine. Ich habe das noch richtig gut im Ohr, wie mir Wolfram Hämmerling am Telefon schweren Herzens mitgeteilt hat, dass das jetzt nicht so optimal ist, und er hat in seiner schönen Lübecker Sprache gesagt: "Ruhig noch einen Mord einfügen". Und dann habe ich halt noch einen Mord eingefügt.

Insgesamt sind es dann 4 geworden, also 4 Ermordete, oder war das schon beim 3., wo er meinte, einer geht noch?

Es war so: Im Hauptteil des Romans war weit und breit kein Mord und keine Spannung. Ich bin damals mit meiner Freundin im Wohnzimmer gesessen und habe gesagt: "Was soll ich denn nur machen?" Und während ich mit ihr darüber geredet habe, ist es mir eingefallen, und zwar habe ich dann... Falls wer das Buch gelesen hat: Es gibt eine Szene, wo ein Fußballtrainer einen Sack voller Bälle auf den Trainingsplatz trägt und ausleert, und einer der Bälle ist ein Kopf. Das war dieser Mord, den ich dann noch eingefügt habe. Wenn ich mir das Buch durchlese, denke ich mir, Hämmerlings Einwand war richtig. Das denke ich mir bei 99% seiner Einwände.

Das war dann sozusagen seine Belohnung, dass er einen der härtesten Morde bekommen hat.

Wahrscheinlich. Es ist halt so, ich gebe nie einen Text her, bevor der Text fertig ist, das wäre für mich unerträglich, mich abzusprechen, sozusagen auszudiskutieren, wie der Roman gehen könnte. Da gibt es keinen Kontakt, abgesehen von den paar Seiten Exposé, die ich ganz am Anfang schreibe. Ich schreibe immer das Buch fertig, er liest sozusagen ein fertiges Buch von Anfang bis Ende. Oder besser gesagt, das, was ich für ein fertiges Buch halte. Er legt dann zielsicher seinen Finger auf die Stellen, wo ich mir gedacht hab, hoffentlich merkt er's nicht, also langweilige Kapitel, unglaubwürdige Figuren usw., und dann bemühe ich mich eben wieder, ein fertiges Buch daraus zu machen. Es ist meistens ein Haufen Arbeit, weil wenn man ein paar Sachen ändert, fällt natürlich das ganze Kartenhaus zusammen.

Beim letzten Buch muss es anders gewesen sein. Du hast erzählt, der Verlag hat die Rezensionsexemplare ohne Schluss gedruckt.

Nein, den Schluss hat es schon gegeben, aber dazwischen war noch Handlungsbedarf.

Prinzipielle Frage: Wie ist das für dich, wenn da jemand im Text herumstreicht? Von deiner Arbeit als Werbetexter müsstest du eigentlich daran gewöhnt sein.

Das ist für mich unerträglich! Deshalb hänge ich auch so am Hämmerling, weil er es schafft, mit mir darüber so zu kommunizieren, dass ich das aushalte. Das ist für mich eine Meisterleistung, denn eigentlich krieg' ich einen Blutrausch, wenn mir wer an meinem Text herumfummelt! Der Text, den ich vorgelesen habe, ist auch ein Beispiel dafür, weil da hat mir dieser Scheiß-Redakteur von der Buchhändlerzeitschrift den Titel geändert. Ich meine, der ganze Text ist auf dem Titel aufgebaut, und dann hat er mir irgendeinen geschissenen, verbesserten Titel drübergeschrieben! Überhaupt, weil ja einige Journalisten da sind, möchte ich das hier sagen: Wehe, wenn Ihr mir bei einem Zeitungstext jemals noch einen Titel ändert!
Das war auch mein einziger Streit mit dem Hämmerling, wobei er völlig unschuldig war, weil er hat es nur weitergegeben: Einmal wollte mir der Rowohlt Verlag einen Titel ändern. Nach meinem Selbstbild kann ich das Romansschreiben eigentlich nicht, aber Titel kann ich ganz gut. Wenn sie mir dann einen Titel ändern, dann ...!

Welchen Titel wollten sie ändern?

Das war bei Wie die Tiere. Hämmerling hat mich angerufen und hat gesagt: Es gibt Stimmen aus dem Vertrieb - also Stimmen aus dem Vertrieb heißt: die Vertreter -, die Vertreter sagen: "Na, der Titel taugt ma aber net!" - und dann kannst'd den Titel ändern.

Wie ist es Dir als Werbetexter ergangen, wenn ein Auftraggeber etwas geändert haben wollte?

Furchtbar, ich war vom ersten bis zum letzten Tag deprimiert, und ich habe nie länger als 1 Jahr und 2 Wochen - da kann man dann wieder um Arbeitslose ansuchen - in einer Werbeagentur gearbeitet.

Alles klar.

Das klingt so witzig, aber das Schöne am Schreiben ist, dass man alles so machen kann, wie man selber will. Ich bin im Alltag sehr verbindlich und kompromissbereit, und da habe ich mir eben diese Insel des Schreibens geschaffen, wo ich gerne möchte, dass mir keiner reinpfuscht, und da kann ich auch relativ schnell unleidlich werden.
Magst du das, wenn dir jemand einen Text korrigiert?

Ich möchte eine Anekdote erzählen: Franzobel hat uns einmal einen Text zur Verfügung gestellt, also dem Andreas Peternell (schreibkraft-Redakteur) für eine Zeitschrift. Andreas hat ihn angerufen: Ja, toller Text, allerdings ein bisschen zu lang, um 2000 Zeichen. Franzobel hat gemeint: Kein Problem, du kannst den Text kürzen! - Und Andreas hat den Text gekürzt, ohne dass der Franzobel ihn noch mal sehen wollte. Also Franzobel ist es vollkommen egal, was mit seinen Texten passiert.

Weil wir hier ja eigentlich über den Lektor reden, muss ich sagen, dass ich es in gewisser Weise schon als Beschränktheit empfinde, wenn man da so empfindlich ist wie ich. Im Fall der Zusammenarbeit mit meinem Lektor werden die Texte ja durchaus besser. Es ist nur so, dass es einem im richtigen Moment und auf eine qualifizierte Weise gesagt werden muss, und das passiert in einer Werbeagentur natürlich etwas anders. Da kommt einfach der Vorgesetzte und sagt: Was soll der Scheiß? Und dann kann man was anderes schreiben.

Hast du Wolfram Hämmerling jemals gefragt, warum er damals dein Manuskript Die Auferstehung der Toten, das unverlangt eingeschickt worden ist, aus dem Stapel rausgezogen hat, und was er daran gefunden hat, dass er es zur Veröffentlichung vorschlug?

Da ist wohl einiges Glück zusammengekommen, wie es meistens, glaube ich, notwendig ist, damit ein Buch rauskommt. Diese Rororo-Thrillerreihe, die es jetzt nicht mehr gibt, die war quantitativ so breit, dass jedes Monat 4 Titel rauskamen. Dadurch konnte man da auch noch etwas riskieren, sozusagen. Die konnten nicht andauernd Star-Autoren publizieren, und darum waren Tickets frei auch für Versuche oder für Spinner oder so. Außerdem hat das Bücherl 70 Schilling gekostet oder 72 [ca. 5 Euro], also das finanzielle Risiko für den Verlag hat sich auch in Grenzen gehalten. So stelle ich es mir jedenfalls vor, konkret gefragt hab ich ihn eigentlich nie, vielleicht weil man nicht fragen will, wieso hast du gerade mein Buch ausgesucht? Jetzt wäre es doch besser, wenn er hier sitzen würde, weil ich da Sachen erzähle, wo ich gar nicht genau weiß, wie es war. Wir haben uns ja erst Jahre später kennen gelernt. Es war auch so, dass Wolfram Hämmerling - der war damals, glaube ich, 26 oder 27 Jahre alt - dort eigentlich Praktikant war. Wir waren wirklich zwei blutige Anfänger, und er hat da, glaube ich halt, sich auch sozusagen einmal ein bisserl aus dem Fenster lehnen wollen und einmal etwas Besonderes machen. Er hat sich offenbar gedacht, er probiert einmal, ob er im Verlag auch etwas Sonderbares durchsetzen kann. Andere Verlage haben das Manuskript eh abgelehnt. Ich habe es ja an viele Verlage geschickt.

Wie viele Absagen hast du bekommen?

Insgesamt oder für dieses Buch?

Für Die Auferstehung der Toten.

20 vielleicht.
Ich kann es auch verstehen. Wenn man nicht viel Zeit hat, das zu prüfen, und man liest nur kurz hinein, da muss man schon viel Vertrauen vorschießen, damit man die Sprache des Buches als Absicht erkennt.

Ja, so kann man sich täuschen.
Du hast erwähnt, Wolfram Hämmerling spricht schönes Lübecker Deutsch. War er jemals versucht, die Austriazismen in deinen Büchern zu tilgen?

Niemals. Ich glaube, da haben es Autoren schwerer, die relativ an das Standard-Deutsch angepasste österreichische Sprache schreiben. Denen werden dann die 3, 4 Austriazismen rauskorrigiert. Aber in meinem Fall wäre das ja hoffnungslos. Also da kann ich so ziemlich machen, was ich will. Manchmal passiert es mir, dass ich selber nicht weiß, dass ein Wort ein Austriazismus ist.

Zum Beispiel?

Das Wort Gelse habe ich einmal verwendet, und irgendwann Jahre danach hat mir Hämmerling gesagt, dass er das im Duden nachgeschlagen hat.

Ich finde es ja witzig, dass eure Namen die gleichen Initialen haben. Ich habe mich kurz gefragt, ob da eine Alter Ego-Geschichte im Spiel ist. Schreibt Hämmerling auch?

Nein, das glaube ich nicht, dafür ist er irgendwie zu wenig gefallsüchtig oder so. Autoren sind ja doch eher Leute, die sich produzieren wollen, wenn auch auf zurückhaltendere Weise als DJ Ötzi. Aber letzten Endes will man doch irgendwie ins Rampenlicht treten. Die Lektoren sind einfach zurückhaltendere Menschen, soweit ich sie kennen gelernt habe.

Hämmerling hat ja den Verlag gewechselt, von Rowohlt zu Hoffmann & Campe, und er hat dich sozusagen mitgenommen. Wie funktioniert so etwas, dass man einen Autor mitnimmt? Da gibt es ja doch Rechte, Verträge und so weiter...

So etwas wie bindende Verträge auf die nächsten 3 Bücher oder so gab es nie. Es gab immer nur einen Vertrag für das eine Buch. Außerdem war es bei mir insofern ein bisserl komisch, als dieser überraschende Erfolg eingetreten ist. Dadurch bin ich ja von der Taschenbuchwelt in die Hardcoverwelt befördert worden, aber ich habe im Verlag irgendwie nirgends hingehört. Es hat für die belletristischen Romane eigene Lektoren gegeben und eigene Lektoren für die Krimiserie, die bei Rowohlt eigentlich als Taschenbuch gelaufen ist.

... Lektoren mit einem Budget für Faxkorrekturen und Lektoren mit einem Budget für Flüge nach Wien ...

... oder Parkhotel in Graz, ja. [wo Wolf Haas vom steirischen herbst untergebracht wurde]. Deshalb bin ich bei Rowohlt trotz des Wechsels zum Hardcover weiterhin von Hämmerling betreut worden. Auch weil die Bücher schwer zuzuordnen sind, irgendwie zwischen allen Stühlen. Ich habe mich auch immer gewehrt mit anderen Lektoren zusammenzuarbeiten, weil ich Angst gehabt habe, dass ich einen erwischen könnte, der an meiner Sprache herumfummelt oder so. Mit Wolfram Hämmerling hat das so gut gepasst. Die Sprache hat er in Ruhe gelassen, und bei den Plots, also beim Zurückfinden in die Handlung, damit das nicht alles in Sprachspielerei verglüht, habe ich eh manchmal Hilfe brauchen können. Also das war einfach eine gute Zusammenarbeit. Und dann hat er dieses Angebot gekriegt von Hoffmann & Campe und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen kann, dass ich später einmal eventuell, wenn die Brenner-Serie abgeschlossen ist, und falls ich einmal etwas anderes schreibe, wieder mit ihm arbeite. Wirklich eine sehr unfordernde Forderung sozusagen. Ich habe gesagt, ja wenn schon, dann gehe ich lieber gleich mit, weil ich es ziemlich riskant gefunden hätte, dass ich mich für ein Buch zwischendurch an einen neuen Lektor gewöhne.

Die Zeit nach den Brennerkrimis böte eine gute Gelegenheit, mit einem anderen zu arbeiten. Das ist vermutlich nicht angedacht, oder?

Da müsste es schon einen triftigen Grund geben, den ich mir momentan schwer vorstellen kann. Natürlich ist es gut möglich, dass ich einmal ein Buch schreibe, das ihm einfach grundsätzlich nicht zusagt, oder das nicht in den Verlag passt, wo er arbeitet. Dass ich einfach woanders hin will als er. Aber da wäre er vermutlich der erste, der sagt, ich soll's mit wem anderen probieren. Es kann ja umgekehrt genauso sein, dass er einmal ganz was anderes arbeiten wird. Ewig Autoren-Seelen trösten ist vielleicht auch nicht das Wahre. Aber einfach so die Zusammenarbeit beenden - wozu?
Ich finde, dass er großen Anteil an meinen Büchern hat.

Lieber Wolf, danke für das Gespräch!

[Transkription: Sabine Achleitner]