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wörter auf großer flamme

astrid poier-bernhard | wörter auf großer flamme

Wolf Haas als Sprachspieler

Wenn du heute "Brenner" hörst, in Österreich, woran denkst du dann? An den berühmten Pass, über den du von Österreich nach Italien kommst oder von Italien nach Österreich, wenn er nicht gerade blockiert ist, der Umwelt zuliebe? Oder an den Simon Brenner, den der Wolf Haas erfunden hat? Wenn du nicht gerade in Tirol wohnst, wo Transit natürlich brennende Frage, sondern vielleicht im Salzburger Land, wo der Haas herkommt, aus dem Steinernen Meer, wie es immer so poetisch heißt, oder in Wien, wo der Haas jetzt lebt, als Autor, oder in Graz, wo die Kulturhauptstadt natürlich stolz ist, dass so eine berühmte Romanfigur wie der Brenner aus Puntigam stammt, ist das mit dem Simon Brenner vielleicht sogar wahrscheinlicher, je nachdem halt, ob du mehr in der Realität zuhause bist oder in der Fiktion - oder zumindest hier und jetzt, mitten in der brennermania in Graz. In Graz hat der Haas ja sogar schon im Arnold Schwarzenegger-Stadion gelesen (weil der Brenner dem kleinen Arnie in seiner Jugend einmal eine aufgelegt hat), und das Schwarzenegger-Stadion, da musst du zugeben, das ist nicht gerade ein 0815-Rahmen für eine Lesung, im Gegenteil, das ist einmalig in der Geschichte des Grazer Fußballs bisher, dass es zu so einem Cross-over kommt, und erst recht einmalig ist das in der Geschichte der Literatur, wo nicht einmal die Autoren, die die Angst des Tormanns beim Elfmeter oder andere Facetten des Fußballs zu ihrem Thema gemacht haben, auf so eine Idee gekommen sind, sprich Publicity und Marketing, wie sich's halt gehört bei einem Autor, der was davon versteht. Da hat es nicht wirklich was ausgemacht, im Gegenteil, dass das Funkmikro vom Haas nicht funktioniert hat, wie's funktionieren hätte sollen, wo sich zwischen zu laut und zu leise die goldene Mitte einfach nicht hat finden lassen wollen. "Funk schon bei der Polizei nicht sein Ding" hat es vom Brenner in Komm, süßer Tod einmal geheißen, und jetzt mords Funktroubles ausgerechnet bei der großen Lesung in Graz. Aber lustiges Event so oder so in den Augen der Haas-Fans, und dann noch Geld für den Eintritt zurück wegen dem technischen Desaster in Graz 2003, wo dir so was natürlich nicht passieren darf, theoretisch, wenn du Veranstalter bist. Die Bücher vom ewigen Leben sind dann jedenfalls nur so über die Verkaufstische gehuscht und in die Moser-Sackerln hineingeflutscht, aus denen sie dann noch einmal herausgenommen worden sind, meistens, damit der Haas noch was Nettes hineinschreibt. Der Brenner also ein Renner, frage nicht.


Mehr in der gedruckten Ausgabe der "schreibkraft", Heft 9, brennermania.