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feiern Sie mit uns!

werner schandor | feiern Sie mit uns!

Das Eigene in seiner ganzen Vielschichtigkeit ist ein höchst dankbares Thema. Im Deutschen gibt es nicht weniger als 88 Wortzusammensetzungen mit „eigen“, d.h. man hat dadurch ein ziemlich großes Themenfeld zur Bearbeitung offen. Vorneweg würde es sich beispielsweise anbieten, statt Editorial fett „In eigener Sache“ zu schreiben. Dann würde das Heft mit politischen Beiträgen zur Fragestellung „Was wurde eigentlich aus dem Staatseigentum?“ eröffnen, eine kurze philosophische Strecke würde sich der Betrachtung des Wesentlichen widmen und schließlich hätte man Muße, sich den Ausprägungen des Eigenartigen in seiner ganzen Bandbreite zu widmen: Von der neuerdings oft praktizierten seltsamen Angewohnheit, in Langlauf-Outfit durch die grünen Wälder zu hirschen bis hin zu Reflexionen über die Infantilisierung unserer Gesellschaft durch den exzessiven Gebrauch von Nuckelverschlüssen auf Plastikgebinden sogenannter Wellness-Getränke. Ich muss Sie enttäuschen, das alles werden Sie in diesem Heft nicht finden. Zumindest nicht exakt. Aber die Richtung stimmt schon mal.

In altbewährter schreib*kraft-Manier bieten wir Ihnen in diesem Heft einen absolut heterogenen Mix aus feuilletonistisch-essayistischen Abhandlungen mit einem Schuss neo-linker Theoriebildung und ihrer alt-ironischen Entschärfung (ja, der gute, alte Bummelwitz: Wir glauben dran, dass er das Leben erträglich machen kann!). Zum Einstieg tritt Brigitte Fuchs einmal mehr den Beweis an, dass die Ethnologie durch ihre Fähigkeit, kulturelle Weltreisen auf engsten Raum zu absolvieren, die essayistische Königswissenschaft ist und bleibt. Anschließend werfen Andrea Hiller und Jürgen Plank einen Blick auf den Masochismus in Indonesien, Colette M. Schmidt berichtet von den Eigenarten kanadischer Mennoniten und Thomas E. Brunnsteiner von der Arbeitslosigkeit in Lappland, die er aus eigener Anschauung kennt. Kurz: Auch wir sind global!
Was die kritische Kulturreflexion betrifft, können wir Ihnen – nebst anderen Schmankerln - mit Michael Pands Betrachtung „Vom Nutzen und Nachteil der Inzucht im österreichischen Kulturbetrieb“ dienen, die ökumenische Bierandacht „Heineken statt Heimaten“ von Julius Deutschbauer und Gerhard Spring ans Herz legen und die gruppendynamische Neudifinition des Autorbegriffs im Text „EIGENscHReibkraFt???“ von RsteinleFneunerHschranz zum Studium anempfehlen.

Zu den Feuilletons gesellen sich Rezensionen aktueller belletristischer Erzeugnisse aus österreichischen Klein- und Kleinstverlagen, und das Heft schließt wie immer mit dem gebührenden Anteil literarischer Beiträge (unter anderem von Gisela Müller, Roland Cresnar und Franzobel), die sich diesmal unseres Erachtens besonders harmonisch an die Themenstellung schmiegen. Der bildnerische Teil des Heftes stammt übrigens von der Münchner Künstlerin Angela Dorrer.

Die schreib*kraft wandelt übrigens auf den Spuren erfolgreicher Möbelhausketten: Auch wir feiern Geburtstag, und zwar den 5.! Seit 1998 hat sich viel getan. Unser Ziel, den Markt des österreichischen Feuilletonismus zu erobern, konnten wir Dank Ihrer Mithilfe, geschätzte Leserinnen und Leser, zumindest am Segment des handverlesenen Mengenmediums schon einmal erreichen. Nun wollen wir weiter expandieren. Da wir in Sachen Vertrieb eher auf der idealistischen Seite beheimatet sind, sind wir weiterhin auf Ihre generöse Unterstützung angewiesen: Empfehlen Sie uns Ihren Freundinnen und Freunden! Und erneuern Sie Ihr Abo, wenn Sie es nicht schon getan haben, um weitere 5 Jahre!