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Literarische Texte der Ausgabe 10 - eigen

gisela müller | bauch zeigen

Nun bin ich inzwischen in ein Alter gekommen, in dem "auf eigenen Beinen zu stehen" gemeinhin das gleiche bedeutet wie Vier-, Sechs-, Acht- oder gar mehr Füßler zu sein. Kein Schritt bleibt fortan für sich allein. Immer hängt schon wer oder etwas daran: Ein ach so kleines klebriges Händchen, eine verführerisch süße Gewohnheit, ein anschwellendes Geschrei, eine lange Lebensspanne und die so große Verantwortlichkeit d... lesen


franzobel | eigenstiller

Es muss in den frühen achtziger Jahren gewesen sein, als sich mir ein Fußballspieler dieses Namens eingeprägt hat. Erinnere ich mich recht, hat er entweder bei Wacker Innsbruck, was passend erschiene, bei Casino Salzburg oder Admira Wacker gespielt. Sein Vorname war vielleicht Hans, Hans Eigenstiller. Ungefähr zur gleichen Zeit habe ich in einem Pornoheft einen Menschen in einer seltsamen, eigenwilligen Stellung entdeckt, die ic... lesen


| descubriendo suiza

"Warum rennen hier alle so?" Yona, denke ich mir, muss sich wie auf einem andern Planeten fühlen. Die einzigen, die ich in Kuba habe rennen sehen, waren Diebe auf der Flucht vor der Polizei. Nicht, dass ich auf ihre Frage eine Antwort gehabt hätte, schließlich verstehe ich auch nicht, was mich bereits im Flughafengebäude in Eilschritt verfallen lässt, und warum, kaum habe ich heimischen Boden betreten, ich bereits leicht gestresst auf m... lesen


martin ross | midlife crisis

Im Hotel. Spät abends am Gang. Niemand ist zu sehen. Die Lampen und die Notausgangslichter leuchten, am Boden liegt ein roter staubiger Teppichläufer. An den Wänden hängen Reproduktionen von Landschaften: Wälder, Seen, Wiesen. Plötzlich hört man jemanden eine Stiege heraufeilen. Es ist CONNY, die sich sehr beeilt, in ihr Zimmer zu kommen. CONNY, Mitte Zwanzig, trägt eine Art blauweiße Schuluniform und hat langes blondes Haar, das mit... lesen


harald ditlbacher | kodak

(Romanauszug)

Der Vater war eigentlich ganz angenehm. Er sagte nicht viel, er war nicht hysterisch, er war nicht übermäßig besorgt. Er verhielt sich ruhig und angemessen. Dr. Saluzzi hatte ihm gegenüber die Hoden nur am Rande erwähnt: Dr. Gertsen solle eine Kontrolluntersuchung durchführen, reine Routine, es gäbe keinerlei Verdachtsmomente in irgendeine Richtung, keinen Grund zu Beunruhigung, das entspräche absolut der üblichen... lesen


florian ranner | fahrtenbuch

Eigentlich fahre ich wirklich gerne Taxi. Doch, doch: Taxifahren ist etwas Besonderes. Nicht so, als würde man bei einem Freund mitfahren, oder Trampen, oder sonst irgendeine Art sich motorisiert fortzubewegen. Es hat diese Mischung aus Verruchtheit und Bequemlichkeit, Status und gesellschaftlicher Eleganz. Verstehen Sie, was ich meine?  Zum Beispiel eine schöne erfahrene Frau, so Mitte 40 im Pelzmantel und mit Minikostümchen... lesen


roland cresnar | der tag, an dem ich chancenlos war

Ich glaube, es war einer jener Tage, an denen ich nicht einmal erst aufstehen musste, um zu wissen, es war sinnlos. Ich könnte machen, was ich wollte, es würde mir nicht gelingen, das Kommende auch nur annähernd zu beeinflussen, geschweige denn nach meinem Willen zu gestalten. Also machte ich Frühstück und aß widerwillig die weichgekochten Eier eines seelenverwandten Huhns, schnitt einen Satz aus der Morgenzeitung heraus, den... lesen


erna holleis | im pfarrtor zwei parapluies

Aus- oder einfahrt straße hinauf hinunter adam oder eva hier ab gesperrte tür im tor auf längsseite loch im holzgatter durchsicht dick oder hell beides zugleich daß pflaumen vollkommen wären Auf rundbogen wappen mit hand mit ausgestrecktem bischofsmittelund zeigefinger ja gottes arm neben ziegeln rauher putz brüchiger aus dem nicht raucht kamin auch recht wenn es rauchte da Schönheit vollkommen k + m + b a... lesen