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mit der pferdekutsche ins 21. jahrhundert

colette m. schmidt | mit der pferdekutsche ins 21. jahrhundert

Die Kinder der kanadischen mennoniten gehen eigene Wege

Die schönsten Sommer meiner Kindheit verbrachte ich in Kanada. Im Südosten von Kanada, um genau zu sein in der Provinz Ontario, unweit der großen Seenplatte, mitten drinnen im Flachland um meine Geburtsstadt Kitchener. Als ich ein Kind war, war für mich alles in Kanada größer, weiter, moderner - schlichtweg besser als in Europa! Moderner zumindest dann, wenn ich von einigen Begegnungen absah, die sich regelmäßig ereigneten - wie folgende: Ich saß mit einer Tante im Bus, der vor einer Ampel hielt, und sah zum Fenster hinaus, wo neben uns eine alte Pferdekutsche stand, wie sie Menschen in Western fahren. Aus der Pferdekutsche blickten manchmal gleichaltrige Kinder zu uns herauf, die mit ihren Eltern unterwegs waren, alle bekleidet wie Michael Landons Familie in Unsere kleine Farm. Blickkontakt, das war jahrzehntelang alles.

Mir, dem austrokanadischen Kind, fiel auf, dass die Häufigkeit, mit der ich in Graz solche Kutschen samt kleinen Mädchen begegnete, die aussahen wie die Kinder auf meinen Sarah Kay-Klebebildchen, gleich null war. Aber immerhin hatte ich in Canada's Wonderland (Die Paramount-Version von Disneyworld) auch Yogibears Haus und Humpty Dumptys Mauer besucht, warum also sollten die Mitwirkenden aus Unsere kleine Farm nicht auch in Kanada wohnen?! Hier war alles möglich.
Von den Erwachsenen meiner Familie hörte man nie Abschätziges über die meist schwarz gekleideten Männer und Frauen. Nur Geschichten darüber, dass sie ohne Elektrizität auskämen, alles selber machten, ziemlich fleißig seien und gerne unter sich blieben. Aber persönlich kannte niemand einen der „mennonites“.

Viele Jahren später wollte ich wissen, wer die Mennoniten waren, woher sie kamen und was sich hinter ihrer angeblich sehr eigenartigen Sprache - dem Pennsylvania Dutch - verbarg. Die bewegte Geschichte der Mennoniten hat ihren Ursprung in der Schweiz des 16. Jahrhunderts, mitten in einer Zeit, in der neben Jean Calvin und Huldrych Zwingli viele kleine religiöse Gruppen und Religionsgemeinschaften in Europa ihre neuen Heilslehren verkündeten - und nicht selten die AnhängerInnen andere Gruppen verfolgten. So gab es in Europa etwa die Adamisten, die darauf schworen, nur nackt umherzulaufen; die weinenden Brüder, die immerfort weinten, weil Jesus beim letzten Abendmahl geweint haben soll; oder jene, die sich wie Kinder mit Spielsachen vergnügten und mit infantilen Lauten kommunizierten, weil Jesus empfohlen hatte, es den Kindern gleich zu tun.

Die Mennonitengemeinschaft versammelte sich um den 1498 in Friesland geborenen Menno Simons. Ihre ursprünglichen Beweggründe, sich von der Amtskirche abzuspalten, waren allerdings nicht derart abstrus und hatten auch nichts, wie man heute annehmen könnte, mit dem Verzicht auf Fortschritt zu tun. Denn zu jener Zeit waren Kutschen und die einfache, selbst gemachte Kleidung nichts, was irgendjemanden von der Mehrheit unterschieden hätte. Die Abspaltung war - wie bei den Amish People (benannt nach ihrem Begründer Jacob Amman) oder den aus Österreich stammenden Hutterern (nach Jacob Hutter) - theologisch motiviert: die Ablehnung der Kindstaufe, die in der katholischen Kirche seit dem 2. Jahrhundert üblich ist.

Die Kindstaufe wurde im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder zum Streitpunkt. Zweierlei war immer untrennbar mit dem Ritus der Taufe verbunden: die Existenz der Erbsünde und ein fester Glauben, aus dem heraus man die Entscheidung trifft, sich taufen zu lassen. Nun scheint es nicht besonders weit hergeholt, dass man an der Sündhaftigkeit eines Säuglings zweifeln kann. Und wie ein der Sprache noch nicht mächtiges Wesen seine tiefe Überzeugung zum christlichen Glauben ausdrücken soll, kann auch niemand erklären. (Ein Trick war die Einführung sogenannter Paten und Patinnen, die das Bekenntnis des Babys zur Umkehr sozusagen „übersetzen“.) Auch das Argument, dass für den gläubigen Juden Jesus von Nazareth die Erwachsenentaufe auch gut genug war, gibt den Anabaptisten oder Wiedertäufern, wie sich VerfechterInnen der Erwachsenentaufe nannten, reichlich Wasser auf ihre Mühlen. In einer Zeit, als durch den Buchdruck die Bibel auch Normalsterblichen zugänglich wurde, versammelte Menno Simons WiedertäuferInnen um sich, die die Kindstaufe als ungültig ansahen. Abgesehen davon waren die ersten Mennoniten auch Kritiker von wirtschaftlichen und sozialen Ungerechtigkeiten, und sie verweigerten den Militärdienst, weil dieser für sie nicht mit ihrer heiligen Schrift zu vereinbaren war. Kurzum: sie zeigten sich auch in durchaus weltlichen Fragen rebellisch, was sie den Herrschenden Europas nicht gerade sympathisch machte.

Verfolgt von Zwingli-Anhängern zogen die Mennoniten im 16. Jahrhundert zuerst nach Holland, flüchteten bald weiter nach Deutschland oder direkt in die USA. In Pennsylvania wurde im Herbst 1683 die erste Mennonitenkolonie der neuen Welt gegründet. Einige andere, die in Holland und Preußen auch nicht die gewünschte religiöse Freiheit vorfanden, auf die schon ihre Vorfahren gehofft hatten, ließen sich 1788 von der russischen Zarin Katharina nach Russland einladen. Die Zarin versprach ihnen den nötigen Schutz, der sie ihre Religion praktizieren ließ. Doch als 1871 Katharinas Urenkel Alexander II. an der Macht war, verlangte er von den Mennoniten zumindest indirekten Wehrdienst zu leisten, etwa in Spitälern oder Kasernen. Auch diese Form der Unterstützung von Gewalt war den Mennoniten konsequenterweise nicht möglich, und so folgten sie einer Einladung nach Kanada, um endgültig Religionsfreiheit zu erlangen. In der Provinz Manitoba bekamen sie nicht nur Land, sondern auch ein kleines Startkapital in bar. Einige von den „russischen“ Familien, die in Toronto ankamen, blieben in der östlichen Provinz Ontario, wo bereits Mennoniten Gemeinden gegründet hatten, die über die USA hierher gekommen waren.

Über diese beiden Wege kamen auch die Vorfahren von Dave nach Kanada. Dave ist Ex-Mennonit und lebt im Umland von Kitchener in der Grafschaft Waterloo, wo ich ihn auf seiner Farm besuchte. Daves Familie flüchtete über Russland nach Pennsylvania. Von dort kam Vorfahr John 1822 zu Fuß nach Waterloo, wo er Land rodete und damit urbar und rechtens sein eigen machte. Dann ging (!) er zurück nach Pennsylvania und überredete sieben andere Familien, ihm im nächsten Frühling nach Kanada zu folgen. Die Farm, auf der Dave aufgewachsen war, wird schon seit 6 Generationen von seiner Familie bewohnt. Eine Sesshaftigkeit, die für die Durchschnitts-KanadierInnen extrem untypisch ist.

Dave ist heute 38, fährt Auto, hat eine CD-Sammlung, in der man von Jazz über Country bis Rock alles findet, und geht nirgendwo ohne sein Mobiltelefon hin. Seine Herkunftsfamilie, die mit sieben Kindern in ihrer Gemeinde als vergleichsweise klein galt, gehört zu den „old order mennonites“. Das heißt, dass Dave ohne Musik, Kino, Fernsehen und vieles andere, was für seine MitbürgerInnen selbstverständlich war, aufwuchs. Seine Schwestern fahren heute noch mit Pferdekutschen. Warum nicht Dave?

„Ich wollte nie normal sein. Ich war nie der typische Mennonitenboy, ich war nie zufrieden. Immer wollte ich über den Rand hinaus blicken, weiter denken. Ich konnte nicht verstehen, dass ich in einem Auto mitfahren durfte, aber nicht selber eines fahren und schon gar nicht besitzen durfte,“ erinnert er sich, „ich durfte ein Telefon verwenden, aber keines haben.“ Aber auch vieles andere kam Dave einfach unsinnig vor: „Die Frauen durften ihre Haare niemals schneiden oder offen und unbedeckt tragen, weil das irgendwo im Alten Testament so geschrieben steht.“ Und die Mädchen mussten ihre Haare in geflochtenen Zöpfen, erwachsene Frauen hochgesteckt tragen. Dave sah seine jüngere Schwester ein einziges Mal mit offenem Haar und erkannte sie nicht.

In seiner Jugend hatte er viele Dis­kussionen mit seinem Vater über solche Regeln, die andere in seinem Alter einfach hinnahmen, während sie ihn zum Widerspruch herausforderten, weil sie für ihn jeder Logik entbehrten. Heute sagt er über diese und andere Gebräuche: „Es ergibt keinen Sinn. Es muss keinen Sinn ergeben. Es ist einfach so.“ Dave schätzt sich glücklich, nicht wie die meisten Mennoniten in eine religiöse Privatschule, sondern in eine öffentliche Schule gegangen zu sein. Dadurch habe er viel mehr Bildung erhalten als andere in seiner Gemeinde. Trotzdem war es klar, dass er nicht länger als acht Jahre zur Schule gehen sollte. Die meisten jungen Mennoniten lernen ein Handwerk von ihren Eltern und leben auf ihrem Bauernhof. Nur wenige, vielleicht zwei Prozent, beenden die Highschool, noch wenigere gehen danach auf eine höhere Schule. Das ist überhaupt nur nach ihrem Austritt aus der Mennonitenkirche möglich. Noch schwerer ist der Zugang zu Bildung für Frauen: Sie lernen in ihren kleinen Schulen nur das nötigste, um gute Hausfrauen, Ehefrauen und Mütter zu werden. Schreiben können sie genug, um Kochrezepte weiterzugeben.

In der Folge gibt es natürlich keine Ärzte, Rechtsanwälte und andere Akademiker in den Gemeinden. Wenn Mennoniten also beispielsweise einen Arzt brauchen, müssen sie diesen immer außerhalb ihrer Gemeinschaft suchen. Dave erzählt, dass Mennoniten etwa ihren Ärzten und Tierärzten sehr dankbar sind. „Sie leben nicht so, weil sie sich für etwas Besseres halten, sondern weil sie sich dazu entschlossen haben. Sie würden nie mit ihrer Pferdekutsche ankommen und auf jemanden herabschauen. Wenn du ein Bier trinkst, ist das in ihren Augen noch keine Sünde. Wenn du aber Mennonit bist und ein Bier trinkst, ist es eine Sünde.“

Als Jugendlicher begann Dave ein Doppelleben zu führen. Er ging heimlich aus, er trank und rauchte heimlich. Er lungerte mit gleichgesinnten Freunden am Zaun eines nicht Mennonitschen Hofs herum, wenn dort Partys gefeiert wurden, und hörte ihre Countrymusic. Er fotografierte heimlich seine Familie, was bei den old order mennonites ebenfalls verboten war. Sein Traum war es, irgendwo im Westen einen riesigen, schnellen Traktor zu fahren und einen Cowboyhut, Cowboystiefel und Jeans zu tragen. Die neueste landwirtschaftliche Maschine, die es am Hof seines Vaters gab, war 30 Jahre alt.

Nach durchgefeierten Samstagnächten schlich sich Dave morgens heimlich ins Zimmer zurück, zog sein schwarzes Gewand an, setzte seine schwarze Kappe auf und ging brav in den Frühgottesdienst. Dave war in der Mennonitengemeinschaft einem Mädchen versprochen, der Tochter eines Predigers. Die Verlobten durften sich nur sonntags in der Kirche treffen und waren nie alleine miteinander. Ir­gend­wann wurde ihm das alles zu viel. Er kaufte sich ein Auto, und es wurde offensichtlich, dass er sich entscheiden musste, denn auf der Farm seines Vaters konnte er mit dem Auto nicht bleiben. Nach drei Monaten verließ er die Farm und beendete damit sein Leben als Mennonit. Damals war er 19 Jahre alt.

„Ich glaube meine Eltern dachten immer, ich würde einmal gehen, aber sie hofften, ich würde es nicht tun. Immerhin war ich der jüngste Sohn und somit hätte ich die Farm übernehmen sollen. Außerdem haben mein Vater und ich uns trotz all den Diskussionen am besten verstanden“, erzählt Dave, der heute selbst begeisterter Vater ist und mit seiner Frau, einer gebürtigen Serbin, neben den eigenen Kindern auch Pflegekinder aufzieht. „Als es soweit war, ich mein Auto voll packte und mich verabschiedete, weinte meine Mutter, und mein Vater sagte: ,Egal wo hin du gehst und wie weit du weg gehst, du wirst immer mein Sohn bleiben.' Ich hab meinen Entschluss nie bereut und mein Respekt meinem Vater gegenüber wurde größer als zuvor, weil ich ihn nicht mehr belügen musste und er später das Leben von mir und meiner Frau akzeptierte.“

Am Anfang genoss Dave seine neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen. „Ich trank viel, probierte einige Drogen. Ich ging in keine Kirche, meine neuen Religion war das Ausschlafen am Sonntag. Ich klebte buchstäblich am Fernsehschirm, ich saugte alles auf wie ein Schwamm. Jetzt bin ich all dem entwachsen. Ich habe erkannt, dass Fernsehen einem nicht viel bringt. Aber damals war ich unsicher und wollte mit anderen mitreden können, etwas mit ihnen gemeinsam haben.“

Als Dave zuerst „in die Welt hinaus kam“, wie er es nannte, hielt er sich vor allem an andere Ex-Mennoniten, die ihm Ratschläge gaben und vor Fallen, in die andere die naiven jungen Männer gerne tappen ließen, warnten. Heute besuchen Dave und seine Frau Karen eine Kirche, die aus jener der Mennoniten entstand, aber sehr offen ist. Sie haben sich beide zum zweiten Mal taufen lassen. „Wir haben eine Priesterin, wir können mit Jeans zur Messe gehen, wenn wir wollen - es ist alles völlig anders.“

Daves Vater starb vor drei Jahren, und die Farm seiner Vorfahren musste verkauft werden. Daves Brüder sind noch Mennoniten, aber sie gehören zu einer moderneren Gemeinschaft, die auch Autos erlaubt - allerdings ausschließlich schwarze. Seine Schwestern, die noch zu den old order mennonites gehören, dürfen jetzt Telefone haben. Zu unangenehm wurde es den meisten, um drei Uhr morgens ihre Nachbarn wecken zu müssen, um mit deren Telefon den Tierarzt zu einer kalbenden Kuh zu rufen.
Während ich die Mennoniten jahrelang für ein eher schweigsames Völkchen hielt, war Dave ein eloquenter, witziger Interviewpartner, wie man ihn sich nur wünschen kann. Dieses Gespräch führten wir natürlich auf Englisch. Als ich Dave um Kostproben des Pennsylvania Dutch bat sagte er ein paar Sätze, die nichts anderes als ein etwas altertümliches Deutsch waren. Was für uns beide ein amüsante Überraschung war: Denn Dave dachte er könne nicht Deutsch, und ich hätte nicht gedacht, dass Pennsylvania Dutch verstehen zu können. Bei Dutch hatte ich immer an Niederländisch gedacht.

Wenige Tage, nachdem ich Dave traf, lernte ich noch jemanden kennen, der die Mennoniten schon früh verlassen hat. Tamara, eine hübsche, energiegeladene Frau um die vierzig, die ihr Haar schon seit 20 Jahren nicht mehr unter einem Häubchen versteckt, sondern es stattdessen jedes Monat in einer andern Farbe trägt. Heute führt sie einen gediegenen Schönheitssalon im Zentrum der Stadt, der sich „House of Angels“ nennt. In einem ihrer Nasenflügel funkelt ein kleiner Diamant, während sie mir die Geschichte ihrer schwierigen Kindheit erzählt. Ihre Mutter starb an Krebs als Tamara 5 war. Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund gaben ihre Tanten Tamara und ihren Geschwistern die Schuld daran. „Sie sagten, Satan hätte Böses in mich gepflanzt, und als Strafe hätte Gott meine Mutter geholt.“ Tamara hat zwei Schwestern und vier Brüder. Nur eine Schwester und Tamara blieben beim Vater, der nach dem Tod seiner Frau zu trinken begann. Die Tanten verprügelten die aufgeweckte Tamara vor der Messe oft so heftig, dass sie in der Kirche kaum sitzen konnte.

Als Tamara sich von ihrem ersten Mann scheiden ließ, den sie mit 17 geheiratet hatte und für den sie zum Katholizismus konvertiert war, wurde sie von der Familie „offiziell gemieden“: Man durfte noch mit ihr reden, aber nicht mehr mit ihr an einem Tisch sitzen. Das war für sie der Ausschlag, die Gemeinde endgültig zu verlassen. Mittlerweile sind ihre Schwestern etwas offener, aber heute ist es Tamara, die den Kontakt scheut: „Meines Erachtens ist diese Gemeinschaft eine Sekte, weil sie ihre Mitglieder von der Realität isoliert. Dennoch sind es gute Menschen, aber sie irren sich. Meine Schwestern sind auch gute Menschen, jedoch kann ich mit ihnen keinen Kontakt halten, weil ich nicht akzeptiert werde, wie ich bin.“

Auch mit ihren Schwägern hat Tamara Probleme: „Ich halte es nicht aus, wenn meine Schwestern ihre Ehemänner um alles um Erlaubnis bitten müssen.“ Tamara erzählt von der extremen Unterdrückung der Frauen in der Gemeinschaft, die ebenso wie die Kleidung vieler Mennoniten auf dem Stand des 16. Jahrhunderts blieb. Sie kennt viele Mädchen, die von Familienmitgliedern sexuell missbraucht wurden. Solche Verbrechen kommen zwar auch in vielen anderen Familien vor, doch Mennonitenfrauen tun sich schwerer damit umzugehen, da sie dazu erzogen werden alles schweigend hinzunehmen. Es ist auch schwerer für sie ein Leben außerhalb der Gemeinschaft aufzubauen, da ihr Bildungsniveau ungleich geringer ist als das der Männer.

Sich Tamara schweigend vorzustellen ist fast unmöglich. Sie ist zum zweiten Mal verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und ist mit ihrem Leben glücklich. Sie ist auch zum zweiten Mal in ihrem Leben konvertiert und gehört zu der Gemeinschaft der „Born Again Christians“. Wenn sie auf ihr bisheriges Leben zurückblickt fühlt sie keinen Hass: „Man kann zwar alles im Leben verschieden interpretieren, aber ich bin der Überzeugung, dass man jeden Menschen sein lassen muss, was er oder sie ist, was in seinem/ihrem Inneren steckt.“