schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

Menüpfad zur ausgedruckten Seite: Home ausgaben 10 - eigen unser kaffee
Adresse: https://schreibkraft.adm.at/ausgaben/10-eigen/unser-kaffee

unser kaffee

werner schandor | unser kaffee

die auflösung des ontischen in den eigenen dokumenten III

Ihr persönliches Buch
Ihr persönliches Buch ist meine Dokumente. Es enthält zwei spezialisierte persönliche Bücher, meine Abbildungen und meine Musik. Sie können Ihre persönlichen Bücher zugänglich bilden bis jedes, oder Sie können sie in privates bilden, damit nur Sie die zugängliche Akte zurückbringen können es. […] Sie können das Erkundigen von von Windows verwenden, um Ihre Bücher oder die geteilten Dokumente persönlich zu bilden, die zur Musik und Bücher darzustellen zugänglich sind. Das Erkundigen von von Windows, zum Klickenanfang, nicht mit allen Programmen, nicht öffnen Forscher mit den ergänzenden Apparaten und im Windows Klicken dann.
Übersetzung der Babelfish-Übersetzung ins Französische, der französischen Übersetzung ins Englische und der englischen Übersetzung ins Deutsche

 
Wir Österreicher bilden uns ja ziemlich viel darauf ein, dass wir den Deutschen in puncto Kaffeevielfalt haushoch überlegen sind. Die Anekdote, dass ein Deutscher in Österreich einen Kaffee bestellt („Einen Kafffe bitte!“ - mit mindestens 3f!) und dann vom Kellner aufgefordert wird, sich doch zu präzisieren („Wollen Sie einen Verlängerten, eine Melange, einen Kapuziner, einen Einspänner, einen großen Brauen oder einen kleinen Schwarzen ...?“) - diese Anekdote habe ich schon mindestens drei Mal gehört: Einmal als Geschichte aus dem Zug (wohl aus jener fernen goldenen Ära, in der die ÖBB noch verstärkt Speisewagen in ihren Zügen führten), einmal als Anekdote aus einem Wiener Kaffeehaus (durchaus glaubhaft) und einmal als Geschichte von einer österreichischen Autobahnraststätte (absolut unglaubhaft!).

Die österreichische Kaffeeüberlegenheit ist leicht erklärt, leitet sie sich doch aus der grundsätzlichen kulturellen Überlegenheit Österreichs gegenüber Deutschland ab, und dieses Faktum wiederum ist eindeutig historisch bedingt, schließlich trafen sich auf dem Hoheitsgebiet des alten Österreich weit mehr Völker zum kulturellen Austausch als es sich die deutschen Landen je hätten träumen lassen dürfen. Österreich z. B. verfügte bereits über eine belagernswerte Hauptstadt, als in den deutschen Fürstentümern noch die Räuber Wald und Flur verunsicherten. Kein Muselman wäre im 16. oder 17. Jahrhundert je auf die Idee gekommen, Bayern erobern zu wollen, von der Öde des preußischen Tieflandes ganz zu schweigen. Aber Österreich, die Perle Mitteleuropas, das hätten die Suleimans und ihre zigtausendköpfige, waffentechnisch gut ausgerüstete Gefolgschaften gerne gehabt! Aber sie hatten Pech, wie wir aus dem Geschichtsunterricht wissen! Prinz Eugen, unser starker Held etc. etc.: Das Entsatzheer kam, die Türken waren entsetzt, Wien wurde entsatzt, und zurück blieb der Kaffee, der sich in den Jahren nach 1683 hierzulande kulturell prächtig entwickelte, wie man den Getränkekarten diverser österreichischer Lokalitäten entnehmen kann.

„An Kaffeee wuins??“ (Mit mindestens 3e!) „Wos wuins fia aan?!“

Auf unsere multilateral zusammengehamsterte Küche (im Sinne von Gesamtheit der beliebten und gängigen Speisen) bilden wir Österreicher uns etwas ein. Essen ist in einem Land, in dem der Fußball versagt und das staatliche Fernsehen grottenschlecht ist, Identitätsstifter Nummer 1. Oder was glauben Sie, warum sich Legionen von Müttern bei Besuchen ihrer Kinder, die der elterlichen Obhut entwachsen (sind), vor allem um den sonntäglichen Speiseplan sorgen?! - Familiäre Identität!
Ich wiederhole also, ohne hier auf Grillparzers berühmtes Diktum „Man isst, was man ist“, zu verweisen: Essen ist identitätsstiftend. Und die österreichische Seele kocht regelmäßig über, wenn sie eines Leitsternes der rotweißroten Küchenidentität beraubt werden soll. Das war zuletzt der Fall, als Mozart, UNSER Mozart!, der vielleicht genialste Konditor aller Zeiten, der geliebte Schöpfer der Mozartkugel und des nach wie vor gröblich unterschätzten Mozarttalers, vom ZDF unter Verwendung fadenscheinigster Argumente für eine zweifelhafte Unterhaltungssendung unter die größten Deutschen reklamiert werden sollte. Frechheit.

Und dann im Sommer 2003 die nächste ausländische Attacke! Als die EU in Aussicht stellte, die gute österreichische Marmelade solle in Zukunft „Konfitüre“ heißen! Auch da gab es Telefonumfragen auf Ö3 und helle Aufregung in den Medien. Vergeblich versuchte EU-Kommissar Franz Fischler die öffentliche Meinung mit dem Hinweis zu beschwichtigen, „Marmelade“ sei kein ur-österreichisches Erzeugnis, denn das Wort stamme - horribile dictum - aus dem Portugiesischen! Bitte, da könnte man genauso gut sagen, das Wiener Schnitzel kommt aus Mailand, und daher darf es laut EU-Norm Nummer soundso nur mehr als fischstäbchenförmiges Brikett mit den Maßen 90 x 50 x 15 mm (B x T x H) angeboten werden, wie ich es einmal in einer Dubliner Fleischerei in der Auslage gesehen habe. Völliger Nonsens!

Das Wort Kaffee stammt übrigens aus dem Arabischen, und wie schlimm es um die österreichische Identität in Wahrheit bestellt ist, beweist der Umstand, dass man in Österreich zwar wild entschlossen ist, um den Begriff „Marmelade“ zu kämpfen, dass es die sonst so reformfreudige schwärzestblaue Regierung nicht schafft (noch etwas, wo sie versagt!) trotz des zu erwartenden heftigen Widerstandes der Gastronomie-Lobby endlich eine längst fällige Nomenklaturreform für Getränke anzugehen!

Um die einfachsten Kaffeebezeichnungen herrscht hierzulande totales Chaos, und ich denke, das spiegelt den wahren Zustand der österreichischen Befindlichkeit besser wider als 5 Essays von Robert Menasse und Josef Haslinger und 37 lauwarmen Umfragen von Meinungsforschungsinstituten zusammen. Wenn Sie zum Beispiel in einem österreichischen Lokal einen Verlängerten bestellen, dann erhalten Sie einen doppelt überbrühten Kaffee entweder mit einem seperaten Kännchen Milch oder mit integriertem, obenauf schwimmendem Milchschaum. Wenn Sie eine Melange („a Melounsch“ auf gut Österreichisch) bestellen, dann erhalten Sie im Grunde das Gleiche, nur dass die Wahrscheinlichkeit, Milchschaum im Kaffee vorzufinden, ungleich höher ist als die, Milch beim Kaffee serviert zu bekommen. Damit könnte man ja noch leben. Aber. Nun gibt's auch noch den Cappuccino, und was diesen Gastarbeiter unter den heimischen Kaffeevariationen betrifft, so äußert sich der Umstand, dass er sich nie recht integrieren wollte, allein schon darin, dass der Cappuccino einmal als Melange auftritt, ein andermal aber mit einem Gupf Schlagobers obenauf auf Ihrem Tisch landet! Letztere Zubereitungsart ist übrigens ein untrügliches Zeichen dafür, dass Sie Ihren Kaffee in einer unterdurchschnittlichen Vorstadtwinde oder in einem Landgasthaus, das auf kanaldeckelgroße Wiener Schnitzel spezialisiert ist, zu sich nehmen.

Wenn man in Österreich in ein Lokal geht und einen Kaffee mit Milchschaum möchte - und zwar nicht dieses pseudohippe Gesöff namens Macchiatio, das bisher in Wien einfach Franziskaner (ohne Schlag!) hieß -, dann ist man relativ gut bedient, wenn man sich auf die Melounsch konzentriert. Das Schlimmste, was einem dabei passieren kann, ist Milch statt Milchschaum zu erhalten. Das dachte ich zumindest bis zu jenem Tag, als ich in der anno 2003 eröffneten Grazer Filiale des Cafés Sacher - einer ur-österreichischen Institutionen, in der Bilder von Hans Moser und Paul Hörbiger mit den Originalsignaturen an den Wänden hängen - eine Melounsch bestellte. Serviert wurde - Sie haben's erraten! - das Parodoxon eines Kaffees mit Milchschaum UND einem Gupf Schlagobers!

Als ich bei der Kellnerin, einem sauertöpfischen Wesen von etwa 24 1/3 Jahren, ob dieser Unkultur reklamierte, erhielt ich in bester präpotenter Wiener Oberkellner-Manier die schmallippige Auskunft: „Also in Wien ist das eine Melounsch!“
Das ist natürlich ein Schas mit Quasten, denn abgesehen vom Sacher würde kein Wiener Kaffeehaus, das etwas auf sich hält, Schlagobers in die Melange gupfen. Nur: Meine Melange-Gewissheit ist seither dahin, mein Urvertrauen in die österreichische Küche zerstört. Dafür können die Proponenten des Volksbegehrens zur Vereinheitlichung der Getränkebenamsung in Österreichs Kaffeehäusern fest mit meiner Stimme rechnen. Aber ob auf dem Marmeladeglas aus dem Supermarkt in Zukunft Konfitüre steht oder gar Jam, wie das sowieso schon oft passiert, und ob die Österreicher darob in Zeter- und Mordiogeschrei ausbrechen, das ist mir in Anbetracht der österreichischen Kaffeeheuchelei herzlich Powidl!