schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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Feuilleton der Ausgabe 11 - und jetzt?!

werner schandor | wir leben alle ewig

Über das bewusstseinsbedrohende Vergnügen, die Gegenwart in einem medienverseuchten Paradies zu verbringen

Wenn es einen Gedanken gibt, der mich mental aushebeln kann - neben dem, eine winzig kleine Entität in einem unvorstellbar riesigen Weltall zu sein - dann der, dass sich genau in diesem Augenblick auf der Welt alles gleichzeitig ereignet, was man sich an Wunderbarem, Grauenhaftem, an Uninteressantem und völlig Faszinierendem denken kann, nämlich genau jetzt! Jetzt zum Beispiel hüpft irgendwo einer von einer Brücke, irgendwo nicht weit... lesen


paulus hochgatterer | pippi langstrumpf

oder von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens

Wie anfangen?, lautet in meiner Situation zwangsläufig die Frage. Zitieren ist in der Regel eine unverfängliche Möglichkeit. - Wen? Freud macht sich erfahrungsgemäß ganz gut, auch Peter Sloterdijk oder Steven Spielberg. Weniger in Betracht kommt vielleicht Michel Foucault, denn der ist an AIDS gestorben und mit etwas, das zugleich ambivalent besetzt und tragisch ist, soll man nicht beginnen, weniger auch John Locke. Seine Gedanken über... lesen


evelyne polt-heinzl | habe nun ach ...

Ein Kommentar zur aktuellen Kulturpolitik aus dem Jahr 1790

Prolog, sehr irdisch Für Leser gilt uneingeschränkt das Prinzip des Regietheaters in seiner freiesten Interpretation. Die folgende Lektüre von Goethes Faust I und Schillers Kampf mit dem Drachen unterlegt den Texten Befindlichkeiten des beginnenden dritten Jahrtausends und liest eine Ebene der aktuellen kulturpolitischen Misere hinein. Denn wenn Kulturbudgets über Jahre hinweg eingefroren bzw. beschnitten werden, hat man nicht nur um die... lesen


bernd wieser, sandra karner und manfred hall | gentechnik reloaded!

Nach ruhigen Jahren grüßt die „grüne Gentechnik“ wieder aus den Medien

Seitdem die Kontroverse um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVP) bzw. gentechnisch veränderter Organismen (GVO) in Österreich und anderen Ländern Europas in den späten 1990er-Jahren ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte, war es in den letzten Jahren ruhig geworden um die "grüne Gentechnik" - die Anwendungen der Gentechnik im Bereich von Landwirtschaft und Lebensmitteln. Ab Oktober 1998 wurden in der Europäischen Unio... lesen


bernhard wieser | gentechnik reloaded. epilog

Wie der Markt den Bürgern den Einfluss nimmt - am Beispiel Gentechnik

Pünktlich zur Zulassung der ersten gentechnisch veränderten Konserve seit sechs Jahren in der EU nimmt auch die Diskussion um die grüne Gentechnik mit altbekannten rhetorischen Strategien wieder ihren Gang. Ein kurzer Kommentar dazu sei aus aktuellem Anlass gestattet. Hans Rauscher schreibt am 13. Mai 2004 auf der Titelseite des Standard im so genannten „Einserkastl“: „Der amerikanische Agro-Business-Gigant Monsanto hat die Produktio... lesen


christine werner | tourismus kunst

Tourismustaugliche Kunst für tourismustaugliche Gäste

1. Der Laden mit angeblichen (oder gebräuchlichen) Kulturgütern dieser Gegend führt vom Salzstein bis zur Trachtenschürze praktisch alles. Mein Begleiter, K., nimmt dies und das in die Hand, probiert es an, zwingt mich, ihn zu bewundern oder zu verlachen.... und kauft nichts. Erst spielt er den Großkunden, spannt mich und die Verkäufer ein, und wenn alles aus dem Magazin herbeigeschafft worden ist, befriedigt K. seinen Kaufverweigerungs... lesen


peter wilhelmer | wirtschaftliche möglichkeiten für unsere enkelkinder

Die unerfüllten Hoffnungen der Wirtschaftspolitik

Im gegenwärtigen Augenblick erwarten die Menschen mehr als sonst eine grundlegendere Diagnose, sind sie ganz besonders bereit, sie aufzunehmen, begierig, sie auszuproben, wenn sie nur einigermaßen annehmbar sein sollte. Von dieser zeitgenössischen Stimmung abgesehen, sind aber die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen, sowohl wenn sie im Recht, als wenn sie im Unrecht sind, einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird. Die Welt wi... lesen


michaela monschein | quo vadis lyrik?

PASSION ist das Wort, welches die Neurosen heilt in das Wort Passion. Passion ist das Wort, welches das Wort Krankheit und Verstörtheit und Lächerlichkeit und Peinlichkeit und Obsession erlöst in das Wort Passion. Passion ist das Wort, in welchem das Wort Passion wird. Christian Uetz, Das Sternbild versingt „und jetzt?“ ist eine Frage, die heute auch immer wieder an die Lyrik gestellt wird. Lange sind jene Zeiten vorbei, in de... lesen


hermann götz | what next?

Von Vergangenheitsüberwältigung im Retro-Boom und wie die Popkultur dabei draufgeht

Wollten wir den Zeitfluss daran festmachen, wie schnell sich die Welt verändert, wie oft sie neu geschaffen, erfunden, ausgerufen wird, wir müssten sagen die Zeit rast. Oder besser: Sie rotiert. Im zügigen Zeitfluss des 21. Jahrhunderts ist längst das Ziel abhanden gekommen. Zumindest wenn wir von Mode, Musik oder auch von Kunsttrends reden. Die Zukunft küsst die Vergangenheit in Form hastiger Renaissancen, Remakes und Reanimationen. Das... lesen


bernhard flieher | ferien im nebenzimmer

Immer noch führt ein Toter den Rock’n’Roll durch die Gegenwart

Die Musik, die genau jetzt unser Leben verändern soll, handelt von Jacqueline. Sie ist siebzehn. Sie trägt eine dieser schicken, rechteckigen, schmalen Brillen. Sie hat blonde Haare, die auf schlanke Schulter fallen, von denen eine so genannte Traumfigur hinunter wächst bis dorthin, wo die teuren Stöckelschuhe nur noch einen letzten Rest Bodenhaftung ermöglichen. Jacqueline arbeitet am Infoschalter einer Empfangshalle, deren kühler Char... lesen


angelika reitzer | plüsch für das auge

Über "Film als subversive Kunst" – 30 Jahre nach Erscheinen des Kultbuches von Amos Vogel

1974. Mit Chinatown und Bring me the Head of Andy Garcia kommen zwei sehr unterschiedliche Filme über die Desillusion der Gegenwart in die Kinos, die virtuos beweisen (vor allem Peckinpah), dass unsere Welt die schlechteste aller möglichen und eine von Gott verlassene ist. In dem großartigen A Women Under the Influence (die großartige Gena Rowlands feiert in diesen Tagen übrigens ihren 70. Geburtstag) wird die (persönliche) Krise so gie... lesen


hans durrer | von medien und wirklichkeiten

Selbst denken macht glücklicher

Und jetzt schalten wir live in den Vatikan, wo der Papst vermutlich zum Frieden aufrufen wird, wie er das ja schon in seiner Weihnachtsansprache getan hat, sagt die Moderatorin auf n-tv und ich denke mir, da wird mir wieder einmal in Reinkultur vorgeführt, dass das nichts als Mutmassungen sind, die mir die Medien da unter dem Titel Nachrichten zumuten. Wie wäre es, wenn man mir ganz einfach sagte, was der Papst wirklich gesagt hat? Also kei... lesen


heinz m. fischer | ... es ist o.k., alles auf dem Weg

Vor, nach, in der Krise: Zur Befindlichkeit des Journalismus. Nichts ist, wie es einmal war und nie mehr sein wird.

Wer 2004 durch Redaktionen vornehmlich deutscher Medien wandelt, begibt sich in sonderbare Sphären. So beklemmend, manche sagen: so depressiv, war es schon lange nicht. Jetzt erst werden die Konsequenzen dessen merkbar, was in den vergangenen Monaten passiert ist. Wird spürbar, was hinter der Managerfloskel vom "Redimensionieren" steckt. Wird sichtbar, was es heißt, weglassen zu müssen, was nicht unbedingt sein muss. Wird fassbar, was es... lesen


harald ditlbacher | was macht die zukunft?

Interview mit Franz Mayerhofer, Zukunftsforscher i.R.

Vor etwa einem Monat lud mich die schreibkraft ein, einen Beitrag zum Thema Was wurde aus den Zukunftsforschern? zu verfassen. Bei meinen Nachforschungen stieß ich auf Franz Mayerhofers Buch Die künftige Welt, 1973 in Salzburg erschienen, und es gelang mir, den Autor ausfindig zu machen. Ich nahm mit Dr. Mayerhofer Kontakt auf, und er war so freundlich, mich für das folgende Gespräch in seiner Wohnung in Steyr zu empfangen. Herr Dr. M... lesen


brigitte fuchs | fighting empire

Hardt, Negri, Jedi, Jerusalem (neu) und die Kokosnuss

Und jetzt, fragt sich ein Zahn allein, und schreibt dann doch keinen Brief an den Direktor der Schifffahrtslinien, um eine Passage nach Suez zu ergattern. Sein Name ist auch gar nicht Rimbaud, sondern Spinzoa, und er stellt sich diese Frage auf Lateinisch. Und er ist in Wirklichkeit nicht allein auf der Welt. Er ist Philosoph und als solcher ist ein winziges Teilchen jener "multitudo", die er selbst erfunden hat. Dieses Wort bezeichnet all... lesen