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Rezensionen der Ausgabe 11 - und jetzt?!

zwei protokolle leiserer kompositionen

Über die letzten beiden Gedichtbände von Helwig Brunner

Helwig Brunner: grazer partituren

"wonach noch suchen", fragt Helwig Brunner in seinem Gedicht aus dem Zyklus "die praxis des versagens". Sowie einer angekommen ist, sollte er eigentlich nicht mehr suchen, könnte man antworten. Es gibt viele Möglichkeiten, Orte zu finden oder Welt zu erfahren. Zumeist finden Annäherungen in der eigenen Person statt, sozusagen in sich selbst. Auch Helwig Brunner nimmt in seinen Gedichtbänden gehen, schauen, sagen und Grazer Partituren dies... lesen


phantastische bilder

Traude Korosas Geschichten über die schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft

Traude Korosa: Hannas Vermächtnis und andere Erzählungen

Die abtrünnige Sonja lässt sich von ihrer Stadt zurückerobern. Marion liegt gefesselt im Gitterbett und träumt sich auf ihre Bank im Hessenpark. Den Frauen in Traude Korosas Geschichten fehlt oft die Kraft sich aus gesellschaftlichen Strukturen zu befreien. Aber auch Männer wie der Behinderte Georg oder der Karli Doktor, der vom sozialen Aufstieg träumt, stehen plötzlich vor einem unüberwindbaren Hindernis. Immer wie... lesen


gefühlswinterschwimmer begünstigt

Günther Freitag seziert in seinem jüngsten Roman gesellschaftliche Kälteschichten

Günther Freitag: Flusswinter

"Der Landstrich am Fluss, früher die fruchtbare Au und geschützt, entvölkert sich von Woche zu Woche mehr." Schon mit den ersten Sätzen steht man als Leser mittendrin im von Günther Freitag entworfenen Szenario und erahnt, weiß Bescheid, worum es geht: Um Katastrophen großen Ausmaßes, um Katastrophen, deren Namen die Kapitelüberschriften in Geschichtsbüchern sein könnten. Die #große Veränderung# hat das Land befallen... lesen


hohe wasser sind tief

7 Erzählungen aus dem Leben bedrohter Existenzen

Eugenie Kain: Hohe Wasser

"In mein eigenes Leben bin ich noch nie rechtzeitig gekommen. Ich bin immer zu spät dran. Als ich auf die Welt kam, war der Vater schon weg. So ging es weiter." In ihrer neuesten Publikation Hohe Wasser vereint die Linzer Autorin Eugenie Kain sieben Erzählungen aus dem Leben bedrohter Existenzen. Sie lässt uns teilhaben am Dasein derer, denen das Wasser bis zum Hals steht: Verlierer, Verlassene, Verzweifelte, Verlorene, Nutzlose, Suchende... lesen


stimmig zweistimmig

Sinnlich und synchron erzählt – Birgit Pölzls Romandebüt

Birgit Pölzl: zugleich. Roman

Viel war in den Feuilletons während der letzten Jahre über erotische Literatur von, für und über Frauen zu lesen, über literarisch verarbeitete Intimitäten, bisweilen über versprachlichten Exhibitionismus. Schnell gewinnen herbeigeschriebene Trends wie dieser an Eigendynamik, öffnen eine Schublade, in der sehr vieles und sehr Verschiedenes Platz hat - manches Mal zum Nutzen der Autoren, die sich und ihr Schreiben plötzlich auf der H... lesen


schema f und das funkeln

Anti-Joyce: Johannes Weinberger kehrt nicht die Erzählsprache gegen die Ideologie des Romans gekehrt, sondern den Inhalt

Johannes Weinberger: Ich zähle zornig meine Schritte

Ein Roman wird zum Roman nicht kraft seiner Länge. Der Roman grenzt sich von der Erzählung ab, indem er seine Bezeichnung vor sich herträgt. Und die signalisiert uns: Idealtypische Durchdringung von Allgemein und Besonders, Spannungsbogen und Moment, Satz und Kapitel, Individuum und Gesellschaft. Oft genug heißt ein Text Roman, und man bezieht ihn auf die paar Modelle des archetypischen Bauplans, die man kennt, ohne dass dazu wirklich Anl... lesen


wo die dinge schweben

Wolfgang Hermanns poetischer Blick auf das Andere in Gestalt von Japan

Wolfgang Hermann: Japanisches Fährtenbuch

"Manchmal geht von den uniformen Gesten der Menschen hier ein schöner Glanz aus. Dieser Glanz ist ihre Bereitschaft, nichts Besonderes zu sein." - In der kurzen Klappentext-Biographie des Vorarlberger Autors Wolfgang Hermann sind auch "langjährige Auslandsaufenthalte, u.a. als Lektor an der Sophia-Universität in Tokyo" vermerkt. Von einem dieser Aufenthalte im Fernen Osten hat Hermann das Japanisch... lesen


lebenswelt kaltgepresst

Elisabeth Vera Rathenböck wirft in ihrem „Herbarium des Präsens“ einen sachlichen Blick auf ihre Umgebung

Elisabeth Vera Rathenböck: Herbarium des Präsens

Pflanzen in dicke Wälzer legen, um ihnen jedes Tröpfchen Leben auszupressen, diese Methode ist bekannt. Aber den eigenen Wahrnehmungskosmos in seinen Einzelteilen literarisch plätten und schön alphabetisch geordnet zwischen zwei Buchdeckel zu bannen, das kommt einem seltener unter. Die in Steyr und Wien lebende Autorin Elisabeth Vera Rathenböck hat diesen Versuch unternommen und in der edition innsalz ihr privates Herbarium des Präsens... lesen