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von heute auf morgen

andreas r. peternell | von heute auf morgen

„Steig ab, wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest“ lehrt uns ein altes Indianersprichwort. Nur: So leicht ist das auch wieder nicht! Schließlich setzt es schon ein gewisses Maß an Sensibilität und Selbstreflexion voraus, das Ableben des guten Tieres wahrzunehmen. Wie etwa merke ich, dass mein Pferd bereits das Zeitliche gesegnet hat: Ist es tot, wenn ich nicht mehr vom Fleck komme oder erst, wenn es seine Transformation in ein saftiges Leberkässemmerl schon vollständig hinter sich hat? Was ist dann zu tun: ein Neues stehlen, rasch ein Atom-U-Boot konstruieren oder aber gemütlich ein Lagerfeuer entfachen und die Landschaft genießen? Und überhaupt: Wäre es nicht eigentlich besser, den nahenden Tod schon frühzeitig zu erahnen und dem Gaul das Leben zu retten?

Paulus Hochgatterer würde zweifelsfrei zu Letzterem raten. Schließlich sei auch Pippi Langstrumpf nicht zuletzt deshalb so populär, meint er in seinem Beitrag über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, weil stolze Besitzerin eines Pferdes – lebend, versteht sich. Überhaupt scheint sich der Trend zum Privatbesitz in den nächsten Jahren noch weiter zu verschärfen. Das meinen nicht nur Zukunftsforscher (mit einem ehemaligen Repräsentanten dieser Zunft unterhält sich Harald Ditlbacher), sondern auch Michael Hardt und Antonio Negri, deren „Alternativen zur Globalisierung“ Brigitte Fuchs analysiert.

In dieser Ausgabe der schreibkraft versuchen unsere Autorinnen und Autoren also den Ort in der Geschichte zu definieren, an dem wir uns befinden oder aber Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Dass die nicht allzu erfreulich ausfallen könnte/n, fürchtet Werner Schandor: „Wir sind schon froh, wenn sich nicht permanent die blödesten Ideen durchsetzen.“ Ganz besonders gilt diese Erkenntnis im Bereich der Medien: Der „Artikel“ wurde vom „redaktionellen Umfeld“, die „Sendung“ von der „Fläche“ abgelöst, journalistische Prinzipien wie Faktenprüfung, Analyse oder Recherche werden immer mehr dem Aktualitätswahn geopfert. „Nie zuvor war Journalismus angehalten, sich dem Publikum dermaßen anbiedern zu müssen wie heute“, stellt Heinz M. Fischer in seinem Beitrag zur Befindlichkeit des Journalismus fest, und Hans Durrer ergänzt: „Schon mal den Ausdruck denkender Medienkonsument gehört?“

Doch wo andere Medien auf immer kürzere Textmodule setzen, agiert die schreibkraft vorsätzlich unzeitgemäß und bietet dem Denken reichlich Platz, sich schriftlich zu fassen. So finden Sie in der Literatursektion u. a. einen Vorabdruck aus Gabriel Loidolts 2005 erscheinendem Buch Liebe am Ende der Welt, Gedichte von Björn Kuhligk und zwei Prosatexte des Nachwuchsdramatikers 2004, Händl Klaus.

Mit der vorliegenden Ausgabe der schreibkraft können wir Ihnen jedenfalls ein Standardwerk der Gegenwartsanalyse anbieten, das auch in ferner Zukunft von großem Nutzen sein wird. Keine Ahnung von Film als subversive Kunst? Lesen Sie Angelika Reitzers Gedanken zu Amos Vogels Kultbuch. Steht die Impfbanane vor einem Revival? Bernhard Wieser, Sandra Karner und Manfred Hall geben in ihrem Beitrag über „grüne Gentechnik“ Auskunft. Mäuse im Keller? Stapeln Sie acht Hefte übereinander vors Mäuseloch, schon ist die Misere behoben.