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Literarische Texte der Ausgabe 12 - verhalten

kerstin kempker | ein fall

    Alte Männer fallen selten von Balkonen. Es mag schon einmal vorkommen, dass ein alter Mann, der nicht mehr weiter weiß, sich von seinem Balkon stürzt. Aber die Regel ist das nicht. Auch wenn alte Männer diejenigen sind, die sich am häufigsten umbringen, Bilanzsuizid heißt das dann, so ist es doch die Ausnahme, sich als alter Mann so mir nichts dir nichts über die Balkonbrüstung zu schwingen und herabfallen zu lasse... lesen


peter campa | der seltsame hannes

Hannes Weinzierl war eigentlich ein ganz normaler Mann. Er war nicht zu groß und nicht zu klein, nicht zu dick und nicht zu dünn, nicht zu gescheit und nicht zu blöd. So dachte er über sich selbst. Trotzdem wurde bereits in der Schulzeit immer wieder betont: „Weißt du, dass der Hannes intelligent ist?“ Seine Schulkollegen betonten dies und die Antwort war immer wieder dieselbe: „Und was nutzt ihm das?“ Obwohl Hannes so intell... lesen


martin ross | und ich

Im Seminar. Nachmittags. Gruppenraum. An der Wand rechts neben der Türe hängt ein junges wildes Gemälde. Eine Gruppe von zehn Seminarteilnehmern, Männer und Frauen, ist im Raum verteilt. Sie sitzen auf Matratzen, sechs liegen und schlafen im Chor, vier sind wach. Einer von ihnen, ein Junger Mann, sitzt lässig an die Wand gelehnt unter dem Bild. Der Seminarleiter sitzt links neben der Türe auf einem Hocker, lächelt und schreibt emsig in... lesen


peter rosei | brief von unterwegs

Angesichts der tausendfachen Verortung – in einer einzigen Straße gibt es hunderte zumindest zehn Stockwerke hohe Häuser, und in jedem von ihnen kommen auf zehn Stockwerke zehn Lokale, Discos, Bars, Karaokeläden, die fünf Kellergeschosse jetzt einmal nicht eingerechnet, dann gibt es Boutiquen, Schallplattenläden, Fastfood, Losbuden, Anreißer und Zettelverteiler – und all das wird wieder beschienen von tausenden Neonlichtern, die zum... lesen


tom schulz | gedichte

aus dem januar 05 Es schneit nicht, nein es rieselt ach, wie sagt man in einem Menschen kann viel Regen weinen Nächstes Tief: Leni Riefenstahl (Die Christbäume, die wir abwarfen als Sandsäcke für die Augen damit die Unglücksstelle aus dem Text) Die Natur, die entrückte Amazone (als Seekuh gezeichnet von Linné) Wir haben vom Schneeschuhhasen gehört, wir haben verheerende Frösche seziert u. Keimlinge in Watte eingelegt Die Natur, di... lesen


martina ernst | vom verführten verstand

Nachts, wenn man aufwacht aus dem Schlaf, oder morgens, wenn man wieder einschläft, ohne es eigentlich zu wollen, nur weil der Regen ans Fenster klopft und die Bindfäden sich in Pfützen verteilen, dann ist die Zeit, dass Bilder durch die Gedanken huschen, durcheinander gewürfelt, Erlebnisse, die einen nicht ruhen lassen, Verhalten, das auf Unverständnis stößt und gefiltert werden will, bis es den Tag wieder herausspuckt mit gemartertem... lesen