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Rezensionen der Ausgabe 12 - verhalten

ein rosenblatt vor dem mund

Über Katrin Mackowskis Kriminalroman und was Wien dabei verloren hat

Katrin Mackowski: Die falsche Frau

Anfang 2005 wurde ein Begriff lanciert, der für ein paar Monate als Etikett für diverse Neuerscheinungen aus österreichischem Lande funktionieren sollte: „Wien-Roman“. Beiträge über so genannte Wien-Romane irrlichterten plötzlich durch die Medien. Clarissa Stadlers N. Eine kleine Utopie wurde da ebenso genannt wie Eva Menasses (unfreiwillig labelbildender) Erstling Vienna. Mit dabei in der Riege dieser Aufzählungen auch Katrin Mack... lesen


paarungsverhalten

Zehn sexy Texte: Die Edition Kürbis konzentriert sich mit „Sex Volume II“ auf das Wesentliche

Wolfgang Pollanz (Hg.): Sex. Volume II

Letzten Sommer hat uns Cosima Reif unverhofft zu einer Erkenntnis verholfen: Ihre Zufallskolumne, die jede Woche in der Freitags-Beilage des Standard, erscheint, ist eigentlich eine Sexkolumne. Und Cosima Reif eine Sexkolumnistin. Bislang ist dieser Umstand an Standard-Lesern nahezu spurlos vorübergegangen. Allein schon deshalb, weil ihre Zufallskolumne mit Sex meist wenig zu tun hat. Aber frei nach Umberto Eco erkennt man(n) Sexfilme ja auc... lesen


keine rechtfertigung 1

Über literarische Masturbationsvorlagen ersten und zweiten Ranges

Markus Köhle: Letternletscho. Ein Stabreim-Abecetera

Um Spielernaturen geht es im Folgenden und um zwei Bände randständiger Lyrik: Erstens um Letternletscho. Ein Stabreim-Abecetera des Innsbrucker Slam-Poeten Markus Köhle und zweitens um die mechanismen und defekte von Peter Enzinger (mit Zeichnungen Georg Bernsteiners). Markus Köhles Buch ist eine Sensation und völlig belanglos zugleich. Auf knapp 80 Seiten breitet der Autor aus, was der Untertitel verheißt – Ein Stabreim-Abecetera... lesen


keine rechtfertigung 2

Über literarische Masturbationsvorlagen ersten und zweiten Ranges

Peter Enzinger: mechanismen und defekte

Ganz anders spielt Peter Enzinger. So wie ein Kind die Möglichkeiten der Sprache in Abzählreimen, Spottversen und Unsinnspoesie erprobt, befragt er das Repertoire lyrischer Stilmittel auf seine Verlässlichkeit und lässt uns sein Bauklötzchenspiel beobachten, ohne die entstehenden Texte extra ernst zu nehmen. Manche seiner Gedichte mögen „Sinn“ ergeben oder eine „inhaltliche“ Seite aufweisen, andere mögen die Forderung nach „S... lesen


die lange vorgeschichte der gegenwart

Nach 62 Jahren wurde das Opus magnum des Exilautors Stefan Pollatschek endlich erstveröffentlicht

Stefan Pollatschek: Doktor Ascher und seine Väter. Historischer Roman

Als der Wiener Autor Stefan Pollatschek 1942 im englischen Exil verstarb, hinterließ er ein Manuskript im Umfang von 1.096 Seiten, einen Roman mit dem Titel Doktor Ascher und seine Väter. Unmittelbar nach seiner Vertreibung durch die Nazis hatte er daran zu arbeiten begonnen und ihn wenige Tage vor seinem Tod abgeschlossen. Sechs Jahrzehnte lang ist dieses Manuskript unbeachtet in seinem Nachlass gelegen, bis zwei Wiener Exilforscher, Ulrik... lesen


... in siedendem schlaf

Heftig und deftig: Lukas Kollmers Prosa

Lukas Kollmer: "Schlächtervergessen" und "Nihil"

„Ich will nicht viele kleine Schlückchen machen, nur um länger leben zu können.“ Ein Satz aus Lukas Kollmers jüngstem Roman, Schlächtervergessen, ein paar Worte unter vielen, die vielleicht den Anspruch erheben können, etwas über die Literatur des jungen Wiener Autors auszusagen. Es ist eine kantige, heftige, hämmernde Prosa, der man sich unvermittelt ausgesetzt sieht, gleich der Wirkung eines satten Zugs aus einer Tequila-Flasche... lesen


durch die gegend schreiben

Erwin Einzinger dreht an der Samplingmaschine

Erwin Einzinger: Aus der Geschichte der Unterhaltungsmusik

Einst glaubte man, dass man beim Menschen ganz einfach oben Wissen, Geschichten und Lehren reinstecken müsste, damit unten eine proper gestaltete Geschichte, eine Lebensgeschichte, rauskommt. Heute jagt man Geschichten und Teile davon durch den Sampler und glaubt, dass einem jeder das Ergebnis mit seinen zahlreichen Verzweigungen und Verweisen als organisches Gebilde voller Weltgehalt abnimmt. Auch Erwin Einzinger hat sich daran gemacht, einen... lesen


die göttinnen im bombenhagel

Petra Ganglbauers konstruierte Absichtslosigkeit. Eine Gratwanderung

Petra Ganglbauer: Glöckchen. Nachtprogramm

„Wenn sie zerbirst, setzt es Anorganisches“. – Es gibt Bücher, die muss man von hinten nach vorne lesen, um sie ganz zu verstehen. Und manchmal muss man sich wohl auch davon lösen, verstehen zu wollen, was zu verstehen geboten wird. Von „Absichtslosigkeit“ spricht Petra Ganglbauer in ihrem alles erklärenden Nachwort zu ihrem jüngsten Werk Glöckchen. Nachtprogramm, kürzlich erschienen in der Edition Das fröhliche Wohnzimmer. D... lesen


und andere suggestible lücken

Linda Stifts "Kingpeng" kreiert eine Welt zwischen Wirklichkeit und Traum, zwischen Blackout und Präzision

Linda Stift: Kingpeng

„Wir nennen die Terrasse gegenüber Terrakottainsel“. Mit knappen Worten zieht uns Ich-Erzählerin Kinga zu sich und ihrem Bruder auf einen kleinen Balkon zwischen Küchenkräuter und Tomatenstauden. Selbst in den Nächten liegt eine unaufhörliche Hitze zwischen den Dächern, die die ganze, abwechselnd von Kinga und, seltener und kürzer, von Nick dargelegte Geschichte in eine leichte, schläfrige, bewegungslose Atmosphäre taucht. Bald... lesen


das gegenteil der osbournes

Ilse Kilic und Fritz Widhalm führen alle, die gerne in fremden Wohnungen schnurchteln, in ein literarisches Eldorado

Jana Brenessel & i.g. Naz: Reise in 80 Tagen durch das Wohnzimmer. Eine Fest- und Forschschrift. Mit Begleit-CD.

Wenn einem das Heim zum Kosmos wird, dann ist es Zeit, dass das Universum-Team ausrückt und diesen Kosmos beschreibt. Im Fall von Ilse Kilic und Fritz Widhalm ist der Kosmos Das fröhliche Wohnzimmer und das Universum-Expeditionsteam besteht aus ihren literarischen Alter Egos Jana Brenessel und i.g.Naz. Das fröhliche Wohnzimmer kennt man als Kleinverlag, als Zeitschrift (Untertitel: für unbrauchbare Texte und Bilder) und nicht zuletzt a... lesen


talschlusspanik

Olga Flor entwirft in ihrem neuen Roman eine vordergründig heile Welt

Olga Flor: Talschluss

Das Tal wird eng, schließt sich und geht über in den Berg. Almboden, Kühe, Talschluss. Dort feiert Grete ihren 60. Geburtstag. Sie ist Lebensberaterin, eine gefestigte Frau, naturverbunden und positiv. Um sich hat sie ihre Lieben versammelt, Ehemann Ernst, Sohn Thomas, Tochter Sabine samt deren Kindern. Junge Musiker sind für das Fest engagiert. Und Katharina, von Beruf Event-Managerin. Sie ist fünfunddreißig, Single, erfolgreich und ei... lesen