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andreas domweber | die hendl-maden-katzen-kotzen-geschichte

In der tiefen, hohen Weststeiermark, zum Beispiel am Hirschegger Berg, habe ich eine der schönsten Geschichten meines Lebens erlebt. Dort, also am Hirschegger Berg, wo der Zenzbauer seinen Misthaufen hat, habe ich einige Monate meines Lebens in erregenden Ferienlagern verbracht und habe dort nicht nur das Rauchen gelernt, sondern auch einiges über den Umgang mit Geistern und Dämonen, dem Wetter und den Bäuchen der Stadtkinder, die sich am Hirschegger Berg der Sommerfrische hingeben durften. So hatte der Zenzbauer direkt über seinem doch recht großen Misthaufen an einem Galgen ein totes Huhn aufgehängt, das - so seine Aussage - die bösen Wetterdämonen des Sommers, die Gewitter, Sturm und Hagel brachten, fernzuhalten. Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, hat sich das Henderl aber innerhalb weniger Tage recht verändert: Anfangs noch wie gerade verstorben, erschien es nach mehreren Tagen heißer Sonneneinstrahlung durchaus zerfleddert, graubraun und fast schon wieder lebendig, weil sich unter der fetten Haut Maden und Würmer eingenistet hatten, die den toten Körper in Bewegung versetzten. So hing das Henderl tagein, tagaus, war tot und bewegte sich doch im Rhythmus des Gewürms und nach dem Willen der Maden, die sich unter seine Haut gefressen hatten. Manchmal wusch der sanfte Regen den Staub aus dem gelichteten Gefieder, manchmal scharten sich hunderte Fliegen um den toten Körper, manchmal platzte die Haut und der Kot der Würmer und der Schleim der Maden quollen aus dem Hautloch. In gerade einem solchen Moment spazierte die junge, hellgetigerte Katze des Zenzbauern am Misthaufen vorbei, die Farbe der Katze ist nicht wirklich wichtig, und schaute zufällig zum Henderl hoch, das überzogen von Kot und Würmern, Schleim und Maden über dem übelriechenden Misthaufen hing. Da es Katzen sehr leicht würgt, da Katzen sehr oft die abgeleckten Haare heraufwürgen müssen, haben sie große Erfahrung im antiperistaltischen Bewegungsablauf. Nicht anders erging es der erschrockenen Zenzbauernkatze: Sie würgte erst ein bisschen, hustete kurz, würgte heftiger. Noch mal, und schon war der Punkt - den Sie alle kennen werden - überschritten und wie ein junger Gott kotzte die kleine Katze auf eine kleine Betonplatte ganz nah beim übelriechenden Misthaufen, sie spie alles, was sie über den bisher vergangenen Vormittag so gefressen hatte, halbverdaut und zerkleinert auf die Platte. Dann rannte das befreite Kätzchen durstig davon. Ich hatte die Katze beobachtet und war neugierig geworden. Mein Interesse rankte sich um die Frage, ob sich auf dem kegelförmig gekotzten Häuflein, das die Katze hinterlassen hatte, wohl eine Haut bilden würde. Zwei Minuten musste ich warten, und schon konnte ich leicht erkennen, dass sich ein feines, glänzendes Häutchen auf dem hingespienen Haufen gebildet hatte. Ich ergriff die Haut ganz oben an der Spitze und zog die zarte, schützende Decke vorsichtig vom Hauferl herunter, welches nun wieder völlig feucht und frei dalag. Wenige Minuten später hatte sich wieder ein Häutchen gebildet, das ich ebenso vorsichtig herunterzog. Dann legte ich es zum ersten, inzwischen ein wenig eingetrockneten Häutchen. Der Vorgang wiederholte sich mehrmals: Immer wieder konnte ich ein frisches Häutchen vom gekotzten, gespienen Haufen abziehen, immer wieder lag der Haufen frisch und feucht da, schon bildete sich eine frische Haut, undsoweiter, undsoweiter. Das frische Häutchen legte ich immer zu den bereits abgezogenen, die mit der Zeit etwas, aber nicht ganz eingetrocknet waren. Nach etwa fünfzehn Häutchen war der Kotzhaufen aufgebraucht, das letzte Häutchen - etwas dicker und bröckeliger als die anderen - war abgezogen und alle lagen so einladend da, dass ich Lust bekam. Ich nahm die gespienen Häutchen, tunkte sie einmal kurz in feinstes Olivenöl und briet sie ohne Fett in einer Edelstahlpfanne. Dann genoss ich speichelnder Zunge und schleckenden Hungers die gekotzten Häute. Ich hätte sie wohl ein wenig salzen sollen ...