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nichts für ungut, herr müller

Ein Autor strapaziert den Mainstream und wird von ihm überwältigt


Norbert Müller: Feierabend. Roman

Residenz: Salzburg; 2005

Rezensiert von: werner schandor


Der Residenz Verlag hat einen guten Fotografen für seine Autorenporträts. Lukas Beck setzt die Autoren in natürlicher Umgebung in Szene, die Lichtführung und Farbabstimmung ist harmonisch, das Spiel mit Vorder- und Hintergrund gekonnt umgesetzt. Der Autor Norbert Müller beispielsweise posiert neben einem Baustellenbild. Im Hintergrund verschwimmt die Fassade des Stephansdoms. Müller, 1963 in Aachen geboren, in Wien lebend, blickt skeptisch in die Kamera. Wie alle Bilder von Beck hat auch das von Müller Tiefe, es scheint ein Geheimnis zu bergen. Norbert Müllers Roman, Feierabend, für den diese Aufnahme gemacht wurde, hat leider nichts davon: Die Sprache ist simpel, die Figuren sind Dummies und die Geschichte ist so einfallslos runter erzählt, dass man sie, kaum klappt man das Buch zu, schon wieder vergessen hat. Hier in Skizze das von Norbert Müller entworfene Schnittmuster: Robert Feyerabend, ca. 40, ist Eventmanager bei einer Wiener Agentur. Er hat Stress im Job, eine Frau, die ihm fremd geworden ist, und eine Midlife-Crisis, bei der ihm weder seine Psychotherapeuten noch der regelmäßige Besuch des Suizidanden-Selbsthilfevereins „Schwanengesang“ helfen können. Gänzlich aus dem Lot gerät sein Leben, als seine Frau Nora, die ihn mit dem Vorlesen ihrer trivialen, selbst geschriebenen Romane langweilt, plötzlich schriftstellerischen Erfolg hat, bei einem renommierten Verlag unterkommt und eine Affäre mit ihrem Lektor beginnt, während sich bei ihrem Mann trotz Bettpartnerin buchstäblich tote Hose breitmacht.

„Norbert Müllers Satire auf die Ups and Downs von Ehe und Karriere lässt an Filme von Woody Allen denken“, dichtet der Verlag am Buchumschlag, „den Anfechtungen des Geschlechterkampfes und den Sinnfragen des Lebens gewinnt sie eine eigene, verzweifelt- vergnügliche Note ab“. Na ja, dem muss man leider widersprechen. Statt an Woody Allen denkt man bei Feierabend an deutsche TV-Komödien, denen kein Gag zu flach ist. Und die Sinnfragen des Lebens werden von Norbert Müller zwar aufgeworfen und verzweifelt abgehandelt, aber von Vergnügen wenig Spur. Dazu sind seine Dialoge zu witzlos, dazu bewegen sich seine Figuren und letztlich die Geschichte des Romans zu sehr im zweidimensionalen Bereich. Die Erzählung ist auf die Schilderung der Handlung bzw. die Wiedergabe der simplen Dialoge beschränkt. So seicht, wie die Figuren in Feierabend daher kommen, ist kein Mensch, nicht einmal der seichteste Werbefuzzi.

Was das mit den anfangs erwähnten- Bildern von Lukas Beck zu tun hat?! – „Wir leben im Zeitalter des Bildes, auch und gerade in der Literatur“, stellt die Autorenfotografin fest, die angeheuert wurde, um Nora Feyerabend für ihren Debütroman zu fotografieren. „Ein sehr gutes Foto von einem anziehenden Gesicht sichert auf jeden Fall den Verkauf der Startauflage. Da kann das Buch noch so schlecht sein ... nichts für ungut, Frau Feyerabend ...“ – Leider trifft das auch auf den Roman Feierabend zu ... nichts für ungut, Herr Müller. Feierabend hat gute Ansätze, leidet aber unter seiner uninspirierten Umsetzung. In der vorliegenden Form wirkt der Roman lediglich wie die Skizze eines Romans. Schade, dass sich nicht Martin Suter dieser Skizze angenommen hat.