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Katzen

christian zillner | Katzen

soft-spoken she
ain’t no cat
living to high; maybe
to loud a world
drowning
whispering Ovid’s
inde fluunt lacrimae
stillataque sole rigescunt
de ramis electra
Wasja! Bin Laden! Pirat!
Sanft setzen sie ihre Schritte
seit siebzehnhundert und
vierundvierzig dreißig Katzen,
Ursprungsgebiet Kasan,
unter den Blicken von
dreihundertdrei
Wächterinnen.


soft-spoken she
prepares meals for Bin Laden,
Wasja & the rest,
Tatiana Danilova,
Eintopf am Herd:
Hühnerköpfe, Fisch und Reis.
Siebzig Katzen berufen
von Zarin Elizabeta Petrownas Dekret.
„Das Volk“, sagt Oleg Newerov,
seit vierzig Jahren in der Abteilung
für antike Kunst der Eremitage,
während er für eine Statue steht,
„heavy metal“ (sein Scherz), „hat sich
schon lustig gemacht.“
Die Katzen Kasans,
meint Newerov, waren Kämpfer,
sollten der Mäuse und Ratten
im Palast Herr werden, die letzten
zwei aus Kasan endeten mit
Mäusen und Ratten im Kochtopf
bei der Belagerung Leningrads.


soft-spoken she
takes them in from the streets
where another one (I mentioned herfirst)
met her fate, hungry
falling for another word.
Tatjana Danilowa, Herrin
der Wächter, Galina Genadjewna
und Alexander Kirow auch,
ehemals Musiker, nun ein Poet
des real verflossenen Sozialismus,
schrieb über Wassily „war nicht
unnütz dein Leben, hast mehr
als hundert Kätzchen gezeugt“,
(heute sind alle steril)


hüten siebzig Katzen in der
Eremitage
zwanzig Rembrandts,
einunddreißig Picassos,
siebenunddreißig Matisse,
die größte Sammlung der Welt an
Gaugins,
sechzigtausend Exponate,
insgesamt drei Millionen Objekte,
mausarm
Tatjana zieht die Pfauenuhr auf
und macht die Kronleuchter an,
wenn Touristen aus Japan kommen.
soft-spoken she,
life made on the outskirts
with precast concrete slabs
projecting
a purr down in the basement
at the Hermitage holding
her off.


Eine Woche vermisst,
tauchte eine im Saal der Van Dycks
wieder auf, empfing ihren Namen
und war wieder verschwunden
unter
den Rembrandts kam Van Dyck
dann ans Licht – Raráschek.
„Ich gebe von meinem Gehalt,
zwanzig Rubel den Katzen.“ Alexander
Kirow weiß was es heißt,
Hunger zu haben und trauert
um die Sowjetunion. Seinen Lenin,
die Büste, hat er auf der Straße
gefunden
wie eine räudige Katze, die Stirn
abgesägt. „Wer macht denn so was?“


Wasja bestimmt nicht, Bin Laden,
Van Dyck, der Pirat und die andern
hätten ihn aufgefressen, Kirows klebte
Lenins Hirn wieder an.
soft-spoken she
sleeps rough, her shadow
haunting my memory;
fat cats in the palace
Lenin on Kirov’s cupboard
no skeleton just
an empty street.