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werner schandor | von google zu google

"I phoned Marie Marie/ I said why don’t you talk to me?/ I got fifty thousand questions,/ Can’t you answer just one please?" - The Godfathers: Walking Talking Johnny Cash Blues

Irgendwann im Leben ist der abgeklärte Status erreicht, wo man zwar noch etliche Fragen hat, aber sich im Grunde über nichts mehr wundert, weil man sich damit abgefunden hat, dass man viele Dinge einfach nicht verstehen wird. Zum Beispiel wie man seinen E-Mail-Account richtig konfiguriert, und warum im Service-Center von T-Mobile so viele Leute sitzen, die auch keine Ahnung von diesen Dingen haben. Aber das gehört nicht hierher.

Julian Blunk fand sich von den Tücken der Technik bereichert: Auf der Suche nach Internetseiten zu einem Architekturtheoretiker landete er dank Google-Ähnlichkeitsfilter („Meinten Sie …?“) auf der Website eines Geigenbauers und stellte fest, dass sich die Konzepte des Großdenkers und des Instrumentenherstellers verblüffend ähneln. Fazit: Alles ist mit allem verbunden. Und das ist ja in Wahrheit das Generalmotto der schreibkraft, die sich in ihrer 15. Ausgabe erneut den Mysterien des Lebens widmet. Dabei beschäftigen uns die großen Fragen der Menschheit ebenso wie die kleinen des Alltags.

Große Fragen: Alexandra Rollett ist dem Geist Hamlets auf der Spur, Brigitte Radl dem „gewissen Etwas“, und Parvis Amoghli erkundet die gesellschaftlichen Veränderungen, die uns aus Migration und Internet aktuell erwachsen.

Kleine Fragen, u. a.: Cornelia Schuss hat sich mit einem Mysterium der Demokratie beschäftigt und recherchiert, warum sich jemand den Job des Politikers antut. Der Sprachwissenschaftler Georg Marko untersuchte Dutzende englische Pornogeschichten und fand heraus, dass längst nicht alles gesagt ist, wenn Dinge verfickt offen benannt werden. Die Autorin Helga Pankratz hat die lähmendsten Zwischenfragen ihrer Zeitgenossen zusammengestellt, und Martin Gasser legt in einem Dialog von Diderot’schen Ausmaßen dar, warum die Wissenshegemonialmaschine Google allen Klugscheißern dieser Erde den Garaus macht.

Der Mensch ist sich selbst oftmals das größte Rätsel. Um es zu lösen, haben Lifestyle-Magazine Fragebögen erfunden. Auch in der zeitgeistigen aktuellen schreibkraft darf ein solcher nicht fehlen. Ann Cotten hat ihn entworfen, und wer ihn ausfüllt, weiß, ob er ein Gedicht ist oder doch eher Prosa. Der literarischen Bezüge gibt es auch sonst genug im Heft: Anne Peters lotet Oscar Wildes Bonmot aus, wonach es keine indiskreten Fragen gäbe, sondern höchstens indiskrete Antworten. Bernhard Horwatitsch verreist mit uns in den französischen Nihilismus des Michel Houellebecq und deckt dabei die faschistischen Wurzeln unseres Lebens auf. Dirk Werner fragt sich anhand von Tom Sawyer et. al., ob ein allgemeines Rauchverbot der gesunden Weisheit letzter Schluss ein könne. Und Stefan Schmitzer befragt den Autor Thomas Raab zu aktuellen Strategien der Subversion.

Das Thema des vorliegenden Heftes geht übrigens auf einen vergangenen Herbst bei einer Performance in Graz von Markus Köhle vorgetragenen Fragenkatalog zurück, den wir Ihnen im Literaturteil nicht vorenthalten wollen. Markus Köhle hat auch gemeinsam mit Doris Mitterbacher einen Teil der Rezensionen dieses Heftes redaktionell betreut und wird dies auch in kommenden Ausgaben tun, was wir sehr begrüßen. Evelyn Peternel & schreibkraft-Redakteur Andreas Peternell haben die brennenden Fragen der Popkultur gesammelt und ihre Antworten im Heft verstreut. Und die Künstlerin Marie Neugebauer schließlich steuerte die Bilder bei, die Sie zwischen den Rubriken des vorliegenden Heftes bewundern können. Falls Sie sonst noch etwas wissen wollen, schauen Sie einfach im Google nach.