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alice le trionnaire-bolterauer | auf ewig! auf ewig! auf ewig!

Von der Monomanie des Erhabenen bei Stifter

0.
Was veranlasst einen behäbigen Biedermeierautor, der nicht davor zurückschreckt, seine Leser mit den ausführlichen Beschreibungen landwirtschaftlicher Betätigungen zu langweilen, der sich daran ergötzt, Muster und Beschaffenheiten von Fußböden in extenso darzulegen, was also veranlasst diesen selbsternannten Autor des Kleinen und oft Kleinlichen, zu dem Adalbert Stifter sich selbst stilisiert hat, dann, wenn es um die Liebe geht, immer auf dem Pathos „ewiger Liebe“, der einzig wahren, immer währenden Liebe, der absoluten Liebe über Zeit und Raum zu bestehen? Das überrascht. Dieser Kontrast zwischen der peniblen, oft beinahe rituellen Aufzählung banaler Alltagshandlungen und Alltagsgegenstände – und was erfahren wir Leser und Leserinnen dabei nicht alles an Interessantem und weniger Interessantem: von der Geflügelhaltung über die Gartenpflege bis zur Schädlingsbekämpfung, von der Kunsttischlerei über die Kakteenzucht bis zur Sorgfalt, mit der Bücher in die Schränke zurück­gelegt werden, nachdem sie aus Neugier entnommen worden sind – und dem Entwurf einer Liebe ohne Ende. „Ja, mein Freund“, beteuert Nathalie im Nachsommer, „Liebe, unveränderliche Liebe, solange das Leben währt, und Treue, was auch die Zukunft von Gunst oder Ungunst bringen mag.“

Es ist eine Liebe, die keine Kompromisse eingeht, die auf alles oder nichts eingestellt ist, eine Liebe, die den Tod inkludiert und transzendiert, die einen Raum des Absoluten aufreißt, die höchstes Glück oder größtes Verderben bedeutet, die den Menschen vor einen Abgrund stellt, vor dem er erschauert und sich existentiell herausgefordert sieht. Darunter ist die Liebe nicht zu haben. „– – – ich weiß nur eines, daß draußen eine andere Welt ist, andere Bäume, andere Lüfte – und ich ein anderer Mensch.“ (Der Kondor) Die Liebe will den ganzen Menschen, sie fordert ihn in seinem physischen, psychischen und moralischen Sein. Und daran ändert sich auch nichts. So sehr sich Stifters Schreib- und Erzählweise im Laufe der Jahrzehnte wandelt, so sehr seine rituellen Tendenzen, die übrigens auch seine Darstellung von Liebesgeschichten beeinflussen, zunehmen, eines bleibt immer gleich: die Vision einer unendlichen, ewig währenden Liebe.


1.
Dabei ist die Liebe alles andere als etwas Wünschenswertes, „Romantisches“ etwa im landläufigen Sinn, nichts, was dem Menschen Behaglichkeit oder Sicherheit verschaffte – nein, ganz im Gegenteil. Die Liebe ist das Zerstörerische par excellence, dasjenige, was den Menschen aus seinem Lebensentwurf reißt, das sein Selbstbild und sein Selbstverständnis in Frage stellt und ihn oft gebrochen und zu nichts Brauchbarem mehr tauglich zurücklässt. Das ist das Schicksal des „Waldgängers“ oder des „Hagestolzes“, Figuren, die den jeweiligen Erzählungen den Namen gegeben haben, Bezeichnungen, in denen all das Exzentrische und Sonderlinghafte mitschwingt, das hier – in Stifters Frühwerk – nicht mehr das Verträumt-Weltfremde der Romantik meint, sondern das Misslungene eines verfehlten Lebens. Es sind vor allem Stifters frühe Erzählungen, gesammelt in den sechs Bänden seiner Studien, in denen diese desaströse Form von Liebe gezeichnet wird. Da bricht die Liebe wie eine alles revolutionierende Kraft in das Leben des jungen, talentierten Malers Gustav und seiner emanzipierten, interessierten Schülerin Cornelia (in der Erzählung Der Kondor) und bewirkt, dass alles viel schöner und „glänzender“ erscheint, die Figuren über sich selbst hinauswachsen, mit einem Schlag eine Reife und Einsicht erreichen, die ihnen vorher nicht zuzutrauen war, und hinterlässt am Ende zwei völlig resignierte, verzweifelnde Menschen, die wie rastlose Getriebene in der Welt herumirren oder in einem abgedunkelten Zimmer sich die Seele aus dem Körper weinen – „daß die Dame nach jenem Besuche in dem Salon nach ihrem Hause in der Straße St. Honoré fuhr, daß sie dort in ihrem Schlafgemache die Fenstervorhänge niederließ, die Hände über ihrem Haupte zusammenschlug und dann ihr Angesicht tief in die Kissen des Sofas drückte.“ Menschen, die sich auf die Liebe einlassen, riskieren nicht nur Verstörung und Verbitterung, sondern geraten auch in die Nähe von Mord und Selbstmord. Das eine ist der Fall des Holzfällers Hanns in der Erzählung Der beschriebene Tännling, der sich mit seiner Axt aufmacht, um seinen Nebenbuhler zu erschlagen, das andere die Geschichte des jungen Arztes Augustinus in der Mappe meines Urgroßvaters, der sich nach dem Bruch mit seiner Geliebten im Wald erhängen will. „Ich saß nämlich vor drei Tagen bei einem Weibe, das noch jung und unvermählt ist, und redete viele Stunden zu ihrem Sinne, daß sie ihn ändere. Als ich sie nicht abzubringen vermochte, lief ich in den Wald, an welcher Stelle eine Birke steht, und wollte mich daran erhängen.“ Zuvor aber hatte der junge Mann seine Geliebte in der zärtlichen Begleitung eines anderen Mannes gesehen und daraus auf ihre Untreue geschlossen. „Ich wollte nun gar nicht zu ihnen hinabgehen, sondern ich nahm meinen Stock, den ich in die Gräser niedergelegt hatte, und zerschlug mit demselben alle Steinbrechen, die in der Tat noch nicht blühten, daß der Ort wild und wüst war.“ Besser lässt sich die Destruktivität der Liebe nicht beschreiben denn hier als Aufhebung jeder Ordnung, als das Ausbrechen des Chaos. „Wild“ und „wüst“ war der Ort, die Blüten zerhackt, die Gräser zertreten. Ein stärkeres Bild der Verwüstung lässt sich kaum denken. Nur Hagelstürme, Feuersbrünste oder große Gewitter richten ähnliches Unheil an.


2.
Das aber, die unglaubliche Zerstörungskraft großer Naturkatastrophen hatte Stifter immer fasziniert. Dass es Hagelkörner vom Himmel schüttet – groß genug, um einen erwachsenen Mann zu töten –, dass ein Feuer ausbricht, das wie ein gefräßiges Ungeheuer das Leben von Mensch und Tier bedroht, dass der Schnee fällt – so dicht, dass man seine eigene Fußspur nicht mehr erkennen kann, diese und ähnliche Naturkatastrophen gehören zum fixen Bestandteil von Stifters Erzählmotiven, die in beinahe keiner seiner Erzählungen fehlen. In der Begründung dieser Faszination, die Stifter in der berühmten Vorrede zu dem Erzählband Bunte Steine gibt, führt der Autor allerdings auf eine falsche Fährte. Dort nämlich diffamiert er große Naturkatastrophen – ähnlich wie große Leidenschaften – als das schlechthin Verwerfliche, als das Schlechte, der Menschheit Schädliche, von dem man sich als Erzähler und Leser/Leserin ab- und dem entsprechenden Kleinen und Unbedeutenden zuwenden sollte. Die viel zitierte „Kraft, welche die Milch im Töpfchen der armen Frau emporschwellen und übergehen macht“, sei dieselbe, welche „die Lava in dem feuerspeienden Berge emportreibt und auf den Flächen der Berge hinabgleiten lässt.“ Es genüge deshalb, diese Kräfte im Kleinen zu studieren und zu beschreiben, um so ein Analogon der wirkenden Kräfte im Großen zu bekommen. Das ist der eine Aspekt. Der zweite Aspekt koppelt an diesen Versuch der Verharmlosung der gewaltsamen Naturkräfte ins Kleine und Häusliche einen moralischen Akzent, der diese drängenden Kräfte der Veränderung und Zerstörung als negativ disqualifiziert. „Das Wehen der Luft, das Rieseln des Wassers, das Wachsen der Getreide, das Wogen des Meeres, das Grünen der Erde, das Glänzen des Himmels, das Schimmern der Gestirne halte ich für groß: das prächtig einherziehende Gewitter, den Blitz, welcher Häuser spaltet, den Sturm, der die Brandung treibt, den feuerspeienden Berg, das Erdbeben, welches Länder verschüttet, halte ich nicht für größer als obige Erscheinungen, ja ich halte sie für kleiner, weil sie nur Wirkungen viel höherer Gesetze sind.“ Das Große, das die Aufmerksamkeit der Masse fesselt, mag das Spannende sein, es ist nicht das für den Fortbestand von Mensch und Welt Notwendige. Dieses „Welterhaltende“ liege vielmehr im Kleinen, Alltäglichen, Unbedeutenden. Das gelte sowohl für das physikalische wie für das moralische Sein. „So wie es in der äußeren Natur ist, so ist es auch in der inneren, in der des menschlichen Geschlechtes. Ein ganzes Leben voll Gerechtigkeit, Einfachheit, Bezwingung seiner selbst, Verstandesgemäßheit, Wirksamkeit in seinem Kreise, Bewunderung des Schönen, verbunden mit einem heiteren, gelassenen Sterben, halte ich für groß: mächtige Bewegungen des Gemütes, furchtbar einherrollenden Zorn, die Begier nach Rache, den entzündeten Geist, der nach Tätigkeit strebt, umreißt, ändert, zerstört und in der Erregung oft das eigene Leben hinwirft, halte ich nicht für größer, sondern für kleiner, da diese Dinge so gut nur Hervorbringungen einzelner und einseitiger Kräfte sind wie Stürme, feuerspeiende Berge, Erdbeben.“ (Vorrede zu den Bunten Steinen)

Genug zitiert. Denn was Stifter trotz der Beteuerung der moralischen Überlegenheit von Alltag und Anspruchslosigkeit in seinen Texten inszeniert, ist nun gerade nicht nur dieses Lob von Einfachheit und Bescheidenheit, sondern die Ergriffenheit im Angesicht von Katastrophen. Es ist eine Mischung aus Lähmung und Begeisterung, die aus diesen Schilderungen spricht. Hier passiert etwas, dem der Mensch hilflos ausgeliefert ist, das er mit seinen beschränkten Möglichkeiten nicht zu beherrschen imstande ist und das ihn trotzdem in der Wucht seiner Erscheinung ergreift. Dies aber, so meine ich, entspricht der Erfahrung des Erhabenen, wie Kant sie definiert.

 

3.
Immanuel Kant hat in seiner Kritik der Urteilskraft einen großen Teil seiner Überlegungen dem Phänomen des „Erhabenen“ gewidmet, einer Erfahrung, die als „nicht-schöne“ gleichwohl der ästhetischen Erfahrung zuzuschlagen und durchaus auch positiv zu konnotieren sei. Die Beispiele, die Kant zur Illustration des Erhabenen anführt, könnten aus Stifters Aufzählung in seiner Vorrede stammen. „Kühne überhangende gleichsam drohende Felsen, am Himmel sich auftürmende Donnerwolken, mit Blitzen und Krachen einherziehend, Vulkane in ihrer ganzen zerstörenden Gewalt, Orkane mit ihrer zurückgelassenen Verwüstung, der grenzenlose Ozean, in Empörung gesetzt, ein hoher Wasserfall eines mächtigen Flusses u. dgl. machen unser Vermögen zu widerstehen, in Vergleichung mit ihrer Macht, zur unbedeutenden Kleinigkeit.“

Solchen gigantischen Naturphänomenen ausgesetzt, erfährt sich der Mensch in seiner Hilflosigkeit. Die Phänomene übersteigen seine Vorstellungskraft und es ist ihm nicht möglich, sie nach den Gesetzen seiner Erkenntnis zu kategorisieren und zu subsumieren. Was sich in diesem Fall einstellt, ist ein Gefühl der Unlust, ein Gefühl der Überforderung der Sinne. Dieser „Kollaps unserer sinnlichen Natur“ habe jedoch „eine lustfördernde Zweckmäßigkeit“, insofern er eine Herausforderung an unsere Vernunft darstelle, die aufgefordert sei, die „frustrierte“ – wie das Gerhard Plumpe in seiner Ästhetischen Kommunikation der Moderne nennt – Einbildungskraft zu überschreiten und die Vernunft „triumphieren“ zu lassen. Würden wir im Schönen die Vereinbarkeit von sinnlicher Erfahrung und Vernunftvermögen erfahren, so könnten wir uns im Erhabenen über die Grenzen der Sinnlichkeit emporheben und uns als Vernunftwesen erleben. Es ist also letztlich ein moralischer Gedanke, der hinter der Aufwertung des Erhabenen zu einer Kategorie des Ästhetischen steht. Das Erhabene erweist sich als ein Exerzitium, an dem sich – auch – die Würde des Menschen als Vernunftwesen unter Beweis stellt.

Diese Erfahrung des Erhabenen, die Kant auf Naturphänomene beschränkt, weitet Stifter auf Bereiche des Sentimentalen und der Leidenschaften aus. In der Konfrontation mit eigener Leidenschaftlichkeit sieht sich der Mensch – wie oben angedeutet – an die Grenzen seiner Wahrnehmung, einer Wahrnehmung nämlich, die vernünftig zu regeln und zu organisieren sei, verwiesen. Die Erfahrung der Leidenschaft übersteigt sein Fassungsvermögen, so dass es ihm nicht länger möglich ist, vernünftig darauf zu reagieren. Panik breitet sich aus.


4.
In seinen frühen Erzählungen bleibt Stifter oft bei der Darstellung dieser Panik stehen. Hier zeichnet er Menschen, die nicht mehr weiter wissen, die von der Wucht der ihre Wahrnehmungs- und Verstandeskraft übersteigenden Katastrophe erschlagen stehen. In Bildern der Öde, der Wildnis, des Abgrunds oder des Risses wird diese existentielle Grenzerfahrung symbolisiert.

Das aber, was für Kant den eigentlichen Reiz des Erhabenen ausmacht, die Möglichkeit nämlich, so etwas wie sekundäre Lustgefühle zu entwickeln – dann nämlich, wenn die Vernunft sich über den Zusammenbruch der Sinne hinweghebt und das Ich den Triumph seiner Vernunft erlebt, diese Möglichkeit zieht Stifter als Erzähler erst nach und nach in Betracht. Hand in Hand geht der Versuch, die existentielle Betroffenheit vernünftig zu regeln und daraus so etwas wie – auch ästhetischen – Lustgewinn zu ziehen, mit einem Erziehungsprogramm, das sich humanistisch gibt, aber zugleich viel Selbstaufgabe und Selbstdisziplin verlangt. Es ist der Versuch, mit Hilfe penibelster Pflichterfüllung und ritualisierter Handlungsweisen sich selbst als Vernunftwesen zu etablieren und die negative Energie der Destruktion in positive Energie der Konstruktion umzuwandeln. „Ich muß mein Amt mit noch größerem Eifer verwalten, ich muß in die tiefsten Dinge desselben niedersteigen und muß die größten Schwierigkeiten und die kleinsten Pflichten desselben tun, damit wieder alles ausgeglichen werde.“ (Die Mappe meines Urgroßvaters) Nur so, nur auf diese so bieder und selbstquälerisch anmutende Weise kann die Erfahrung zerstörerischer Leidenschaftlichkeit domestiziert und in eine moralisch ebenso wie ästhetisch befriedigende Erfahrung umgewandelt werden. Erzähltechnisch bedeutet dieses Unterfangen die Rücknahme aller noch von der Romantik beeinflussten Expressivität: keine begeisterten Ausrufe mehr, keine Bilder, keine emphatischen Zukunftspläne, keine Bindestriche, die dem Unausgesprochenen Raum lassen, keine Rufzeichen. An die Stelle plötzlichen Verfallenseins, einer Leidenschaft, die die Welt aus ihren Angeln hebt, tritt nun das akribische Nachzeichnen der Realia dieser Wirklichkeit, das protokollarische Festhalten von Kommunikationen und Interaktionen. Wer wo wann und wie geht und steht, wer wem die Tür öffnet und in welchem Winkel die Sonnenstrahlen auf eine Statue fallen, das sind nun die Garantien von Welt und Wirklichkeitserfahrung. Es ist der Versuch, der Welt, und zwar sowohl der objektiven wie der subjektiven, über die Auseinandersetzung mit den Dingen habhaft zu werden. Liebe und Leidenschaft sind nicht verschwunden, sie liegen bloß halb verborgen und weggepackt unter dem Mantel vernünftiger Weltbetrachtung und Welterforschung, der den Sieg des Vernunftwesens Mensch garantiert.

 

5.
Nur manchmal, nur in den seltenen Momenten des Einander-Erkennens, des Liebesgeständnisses, des ersten Kusses blitzt noch etwas anderes auf, eine Ahnung von der abgrundtiefen Zerstörung der Liebesleidenschaft, die zugedeckt, aber nicht verschwunden ist. Dann ist sie noch erahnbar, die revolutionierende Kraft der Liebe, die auf das Absolute gestellt ist und sich in den Auflistungen der Dinge und Fakten nicht fassen lässt. Es ist eine Erfahrung, die erzittern macht, die Furcht verbreitet und nur mühsam, mit den gängigsten Klischees und Rührseligkeiten, gebändigt werden kann. „Schon als ich die süßen Lippen an meinen fühlte, war mir, als sei ein Zittern in ihr und als fließen ihre Tränen wieder.“ (Der Nachsommer) Es sind gerade die fast trivial anmutenden Formeln und Floskeln – von der ewigen Liebe und der immer währenden Treue –, auf die Stifter im großen Roman zurückgreift, um das anarchische Potential der Liebe anzudeuten. Gerade durch diese schon abgenutzten Wörter und Begriffe, die im Kontext von Liste und Inventar eine exklusive Stellung innehaben, schwingt etwas vom Absolutheitsanspruch der Liebe noch mit. Inmitten gezierter Betulichkeit stehen sich Heinrich Drendorf und Nathalie fassungslos gegenüber. „‚Ewig für dich allein’, sagte ich. ‚Ewig für dich allein’, sagte sie leise.“

An diesen exponierten Stellen, in diesen wenigen Minuten ist sie noch spürbar, die große Leidenschaft in ihrer überwältigenden Wucht, die Ewigkeit will und vor Zerstörung nicht zurückschreckt. Gut, sie hat das Gewand biedermeierlicher Empfindsamkeit angezogen und spricht beinahe wie in einem Dreigroschenroman, dennoch denke ich, dass Stifter sich hier verrät, dass Stifter, der Apologet des Kleinen und Bescheidenen, im ritualisierten Spätwerk doch noch einmal seiner Faszination für die große Leidenschaft nachgibt und sie in ihrer Dimension des Erhabenen präsentiert. Die große Zerstörungskraft der Liebe mag hier, im großen Roman, verdrängt, gebändigt, zurechtgestutzt, verbal entschärft und verharmlost sein, verschwunden, vergessen oder aufgegeben ist sie nie.