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das nukleare ende europas

harald a. friedl | das nukleare ende europas

In La Hague steht die weltgrößte Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Ein Lokalaugenschein am äußersten Zipfel von Frankreich

Das Ölzeug gegen den Regenschauer ins Gesicht gezogen, zurrt die stämmige Gestalt seine Nussschale fest. Im Netz zappelt eine Handvoll Küstenfische. „Taugt nichts für die hohe See, die Schaluppe. Aber was Größeres passt da nicht mehr rein“, grinst der Alte und nickt nach dem schmalen Hafenbecken von Ormonville-la-petite, das sich stolz der „kleinste Hafen Frankreichs“ nennt. Eng schmiegt sich die Pier an die Uferböschung von La Hague, der schmalen Halbinsel im äußersten Norden der Normandie, wo eine weiß schäumende See mit satten 16 Knoten vorbeiströmt.

Zwischen Schachbrett-Feldern breitet sich rot blühende Heide zu einer irisch anmutenden Landschaft aus. Vereinzelt kauern Schafe im Schutz der kilometerlangen dichten Hecken, die das baumlose Weideland überziehen. Stämmige Milchkühe lehnen sich gegen den zerrenden Wind. Auf der Nez de Jobourg, der höchsten Klippe auf dem Kontinent, nisten tausende Kormorane und Silbermöwen vor dem Panorama der britischen Kanalinseln im Sommer, wenn die Winterstürme nachlassen.

„Ist gut für die da oben, der Wind und die Strömung. Treibt ihren ganzen Dreck rauf in die Nordsee. Hoffentlich...“


Frankreichs Stolz
Da „oben“, am höchsten Punkt der 40-km²-Landzunge, thront der Industriekomplex von COGEMA (Compagnie Générale des Matières Nucléaires) La Hague, die modernste Wiederaufbereitungsanlage der Welt, wo jährlich um die 1.500 Tonnen nukleare Abfälle aus Europa und Japan zu frischem Uranbrennstoff und rund 50 Tonnen hochgiftigem Plutonium239 verarbeitet werden. Der 300-Hektar-Industriemoloch ist die Spitze eines nuklearen Bermuda-Dreiecks, an dessen anderen Enden der 3.000-Megawatt-Reaktor Flamanville brütet und wo ein weiterer 1.600-Megawatt-Reaktor in Bau ist; und in der strenggeheimen Militärwerft von Cherbourg werden jene superleisen Atom-U-Boote der Klasse „Le Terrible“ produziert, für deren Raketen der Sarkozys Vorgänger Chirac die TN-75-Sprengköpfe im Pazifik testen ließ. Jedes U-Boot kann 16 Raketen mit je sechs Sprengköpfen tragen, von denen jeder die siebenfache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe „leistet“: Frankreichs militärischer Stolz!

 

Rostzernagter 2CV
La Hague, das bäuerliche Armenhaus Frankreichs am Atlantik, mutierte in einem halben Jahrhundert zum futuristischen Abfalleimer der nuklearen Welt, deren radioaktive Bedrohung keiner abschätzen kann – oder will – außer die COGEMA-Direktion selbst, die freundlich-sachlich in bunten Hochglanzbroschüren auf die saubere Technologie und die niedrigen Emissionswerte hinweist, die sogar „weit unter dem französischen Durchschnitt!“ liegen.

„Da wird wohl was dran sein“, murmelt der Fischer und schlichtet seinen kümmerlichen Fang in einen rostzernagten 2CV. „Jede Woche kommen die Typen von der COGEMA und kaufen Fisch für ihre Analysen. Ob man die Ergebnisse auch mal erfahre, fragten wir. Ja, ja, hieß es nur. Wir warten immer noch! Aber was soll’s. Still und leise krepierte man früher auch auf See!“, lacht die karstige Faltenlandschaft eines Gesichts. „Meinem Sohn passiert das nicht mehr. Der konnte einen Job bei denen da oben ergattern, endlich! Gutes Geld, schöne Wohnung, tolle Sportanlagen – das ist schon in Ordnung so.“

In Ordnung ist es – offiziell – seit 1959, als vom französischen Kommissariat für Atomenergie (CEA) beschlossen wurde, für ihr Atombombenprojekt eine Plutoniumfabrik zu bauen. Der isolierte Landstrich von La Hague, von abweisenden Eigenbrödlern so spärlich bevölkert wie von den mythischen Trolls und Feen einer vergangenen Welt, der Verödung preisgegeben und von den Naturgewalten stets aufs neue sauber gefegt, war ideal für eine gefährliche Industrieanlage. Die Pläne der Pariser Herren stießen anfangs auf den geschlossenen Widerstand jener argwöhnischen 300 Hagars, auf deren Boden Müll zu Gold verwandelt werden sollte. Unter dem Druck einer hoffnungslosen Wirtschaftskrise, der Aussicht auf sprießende Bodenpreise und fixe Jobzusagen zerbröckelte jedoch die Front schnell und unbürokratisch. Der kirchliche Beistand – „Keine Angst vor dem Fortschritt! Vielleicht schenkt uns COGEMA sogar eine Kathedrale“ – garantierte Gottes Segen und den freien Lauf des Schicksals. Auf La Hague wird man zum Fatalisten. Letzte Zweifel der 19 Gemeindebürgermeister wichen dem Glauben an die „völlige Harmlosigkeit einer sprudelnden Geldquelle“, welche die augen­zwinkernde Bezeugung auffällig „belangloser“ Strahlenwerte in den Folgejahren sicherte.

Für viele Jahre nach dem Produktionsbeginn im Jahr 1966 wollte niemand der Hagars genauer wissen, was „oben“ wirklich lief. Worauf es ankam, wurde den staunenden Fischern und Bauern von den charmanten Damen der Gästeführungen mit sanftem Nachdruck klargemacht: Alles ist so sicher und so einfach! Na also! Das übrige technische Kauderwelsch verstand ohnedies kein Mensch, und Angst – herrschte nur vor Kündigungen! Denn Fischerei und Milchwirtschaft ernährten kaum die angehenden Pensionisten, geschweige denn die Jungen. Für sie wurde COGEMA das Synonym für Unabhängigkeit und Wohlstand.

 

Milch und Honig
„Natürlich gibt es hier Atomgegner! Acht sind es – und die pflegen wir sorgsam! Sie sind unsere Sicherheitsgarantie! Probleme machen uns nur die Gastarbeiter!“, sinniert der Bürgermeister von Beaumont. Im einstigen 2000-Seelen-Dorf explodiert seit der Ansiedelung von COGEMA die Siedlung unter dem Zustrom Arbeit suchender Familien. 15.000 Menschen leben heute in den hübsch renovierten Steinhäusern für technisches Personal und in den Wohnwagencamps für arabische Hilfsarbeiter. Sauber getrennt trifft man sich in eigenen Cafés, ohne unnötigen Kontakt. „Wenn ihr Vertrag ausläuft, verschwinden die eh wieder. Wir Hagars sind vom Meer geprägt! Leutseliges Geschwätz ist nicht unsere Sache.“

Welches Paradies für die visionären Pariser mit ihren Plutoniumprojekten! Ihnen kam die Ölkrise 1973 wie bestellt. Dem Ruf nach unabhängigen Energiequellen verpflichtet, baute die CEA als ziviles Feigenblatt der Atomrüstungsindustrie eine Unzahl von Leichtwasser-Reaktoren in Frankreich und bastelte eifrig am Schnellen Brüter „Superphénix“ im südfranzösischen Creys-Malville: Die realisierte Energie-Utopie par excellence sollte aus minderwertigem La Hague-Plutonium239 Unmengen Strom und erstklassiges Waffenplutonium zaubern. Milch und Honig würden fließen – eine Illusion, die erst 1990 als größter Finanzflop der französischen Industriegeschichte zerplatzte und 400 Milliarden Francs Schulden hinterließ. Inoffiziell galt der sensible Reaktor wegen dauernder Störfälle bereits als hochgradiger GAU-Favorit.


Superphénix
In La Hague war der erste Beschäftigungsschub schnell verpufft und die Halbinsel reif für neue Investitionsimpulse. 1976 wurde die Wiederaufbereitungsanlage privatisiert, für „Superphénix“ adaptiert sowie für einen neuen Markt ausgebaut: Der internationale Atommüll versprach wachsende Berge an Geld und Plutonium239! Die 29 begeisterten Kunden aus aller Welt spendierten sogar selbst das nötige Kleingeld von 28 Milliarden Francs für einen zusätzlichen eigenen Trakt UP 3. Wer hätte da gezögert?

Doch die scheinbare Unbedarftheit der La Haguer schlug in aktiven Widerstand um. Französische Jobs für die Söhne – das ja, aber Abfalleimer für die ganze Welt? No, merci! Als schließlich das Projekt eines zusätzlichen Reaktors in Flamanville publik wurde, brach der offene Aufstand aus. Eine Demonstration tausender wütender Menschen vor COGEMA eskalierte und kostete einem Mann das Leben. Ein vergeblicher Preis, denn die Niederlage eines lokalen Referendums war vorprogrammiert. Die Lethargie der Flamanviller, seit der Schließung der nahen Erzminen vor 13 Jahren chancenlose Sozialhilfeempfänger, garantierte einen strahlenden CEA-Triumpf: 63 % der Dorfbewohner stimmten für „Fortschritt, Arbeitsplätze und Wohlstand“. Die Arbeitsauffassung der einstigen Erzkumpels änderte sich kaum durch den neuen Meiler, seit 1985 in Betrieb: „Ich geh’ in die Mine“ sagen sie auch heute noch und verschwinden im Betonberg.

Wenigstens hatten die Hagar eines durchschaut: Störende Fragen irritierten sogar die erhabene COGEMA-Führung! Welche Folgen etwa hatte das lecke Kanalsystem im Dezember 1978, wovon die Presse erst Wochen später durch einen Wink erfahren hatte? Warum bestätigte die Direktion erst nach Jahren die „Verhinderung eines schweren Unfalls“, als im April 1980 ein Brand die Stromversorgung der gesamten Fabrik lahmgelegt und die drohende Überhitzung der hochradioaktiven Stoffe in den Kühlbecken bewirkt hatte? Das Misstrauen der Hagar erreichte seinen Höhepunkt im Jänner 1981: Durch Feuer in einem Graphitbehälter war radioaktiver Caesium 137-Dampf entwichen, ohne Sirenenalarm auszulösen. „Um Panik zu vermeiden“, hatte die Direktion die ständig anschlagenden Kontroll-Detektoren ausschalten lassen. Kontaminiertes Personal konnte ohne Kontrolle die Fabrik verlassen und den verseuchten Staub gleich auf die liebe Familie übertragen.

 

Wozu die Aufregung?
„Wozu denn die Aufregung? Eine Kontamination ist immer noch besser als Aids oder Sozialhilfe!“ beteuerte einer der Arbeiter, die dabei waren. Die Kluft der COGEMA-Befürworter und -Gegner verlief damals quer durch die La Haguer Gesellschaft. Zur Rettung des Seelenfriedens gründete die Firma eine lokale, „unabhängige“ Untersuchungskommission, die allerdings vor jeder Analyse-Veröffentlichung „das Gespräch mit der Direktion suchen“ musste. Denn diese bezahlte schließlich auch die Tests.

Erst Tschernobyl musste explodieren, damit die „oben“ aus dem Traum vom „dummen Hagar-Bauern“ erwachten. Auf Pariser Anweisung hin wurde ein Warnsystem mit einer sechs­teiligen Skala installiert. Danach hätte der Silobrand von 1981 bereits der Stufe 4 entsprochen und die Evakuierung der gesamten Bevölkerung erfordert. Nach dem Super-GAU von Tschernobyl gründeten Atomgegner das Labor ACRO als unabhängige Gegenkontrolle, das anfänglich nur zögernd von den Gemeinden, den steuerlichen Nutznießern von COGEMA, finanziert wurde. Die nunmehr nachgewiesenen und veröffentlichten Test-Ergebnisse, wie der 150-fach überhöhte Caesium137-Wert der Milch im Juli 1995, ließen die Haguer Bauern dagegen mit keiner Wimper zucken: „Butter von La Hague“ gab es schon seit Tschernobyl keine mehr. Für den hohen Preis der Aufgabe ihrer Namens­identität hatte sich die lokale Kooperative durchgerungen, dem unbedarften Konsumenten nunmehr unschuldige, natürliche „Butter von Val-de-Saire“ anzubieten. Wen interessierten da schon Strahlenwerte von La Hague.

Alarmierend war auch die 1000-fache Plutoniumbelastung der Muscheln in der Bucht von Ecalgrain, dem bezauberndsten Fleck der Halbinsel, wo dummerweise die 3,5 km lange Kühlwasserleitung der Fabrik im Meer endet. Und dass im Sommer 1992 in der 100.000-Seelen-Stadt Cherbourg eine 400-fach überhöhte Becquerel-Strahlung gemessen wurde, nährte den Verdacht auf den heimlichen Ausstoß von Plutonium 239-Dämpfen. Um Krebs auszulösen, genügt bereits 1/60 Milligramm. Verflüchtigt haben sich – allein nach offiziellen Angaben – bislang 697,8 Gramm Plutonium 239 mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren. Macht rechnerisch 40 Millionen potentielle Krebsgefährdungen, jedoch nur für die nächsten paar Jahre! 1995 konnte erstmals mit wissenschaftlich anerkannten Methoden ein 2,5-fach höheres Krebsrisiko bei Frauen auf der Halbinsel nachgewiesen werden. „Kontamination mit radioaktivem Staub, ja, das ist übel! Da wirst du behandelt wie ein Aussätziger! Aber eine kleine Strahlendosis, diese pure Energie...“, kichert ein COGEMA-Rentner in sein Glas Cidre, „... das fördert höchstens die Potenz!“

Was die Hagars vor 30 Jahren verhindern wollten, ist heute das Hauptproblem von COGEMA und der gesamten französischen Atomindustrie: Wohin mit dem Müll? Schon seit Mitte 1994 ist das rund 530.000 Kubikmeter große Depot für mittelaktive Abfälle voll! Mittlerweile wurden über 100.000 Betonsilos mit hochaktivem Müll vergraben, nicht mitgerechnet mehrere Tonnen hochgiftiges Plutonium. Auch hier machen sich bereits katastrophale Folgen bemerkbar: Das mittlerweile von Greenpeace finanzierte Labor ACRO konnte in Proben des Grundwassers Tritiumwerte von 750 Becquerel pro Liter nachweisen, mehr als das Siebenfache des europäischen Grenzwertes. Doch genau dieses Wasser nutzen die Bauern zum Tränken ihrer schwarz gescheckten Kühe, deren Milchprodukte nach Paris und Europa exportiert werden. Laut Greenpeace gilt La Hague heute als eine der schlimmsten radioaktiven Dreckschleudern der Welt, werden doch alljährlich 230.000 Kubikmeter radiokative Luft abgelassen. Kaum überraschend, dass in der Atmosphäre über der Halbinsel Krypton 85-Konzentrationen von bis zu 90.000 Becquerel pro Kubikmeter nachgewiesen werden konnten. Die natürliche Strahlung liegt bei ein bis zwei Becquerel pro Kubikmeter. Die Halbwertszeit von Krypton 85 ist rund 10.000 Jahre.


Kinkerlitzchen
Für COGEMA sind das Kinkerlitzchen, denn das nukleare Monstrum leidet an einer Identitätskrise – trotz seiner zweithöchsten regionalen Popularität unter Touristen, gleich hinter dem legendären Mont St. Michel: Seit dem gesetzlichen Zwang zur Rückführung importierten Mülls mutierte das einst so grün-glänzende Image vom sauberen Wiederverwerter hin zum gefährlichen Müllproduzenten und nuklearen Bedroher der Weltmeere. Schon mehrmals versuchte Greenpeace den Transport von Strontium, eines radioaktiven Abfallprodukts der Kernfusion, nach Japan zu verhindern. Und als der langjährige COGEMA-Kunde Deutschland vor über zehn Jahren über die billigere Variante der direkten Endlagerung nachzudenken begann, lockte COGEMA mit einem sensationellen Angebot: Garantierte Preise und die Plutonium-Endlagerung in Frankreich! Greenpeace ließ das topgeheime, widerrechtliche Papier auffliegen. Offizieller Kommentar: „COGEMA respektiert das französische Gesetz“.

Obwohl in La Hague sämtliche Wiederaufbereitungsanlagen auf Hochtouren laufen, ist die lokale Wirtschaftslage prekär. Die bis in die 90er-Jahre investierten 55 Mrd. Francs (rund 9 Mrd. Euro) an Konstruktionskosten für Flamanville und La Hague sind längst versickert, die Arbeitsplätze wurden wieder auf nur 5000 Dauerposten reduziert, während der Arbeiter-Zustrom unvermindert anhält. Darum galt die Erweiterung von Flamanville als Antwort auf die regionale Krise – mit dem Versprechen, für sieben Jahre 2000 Jobs und später 700 Dauerbeschäftigungen sowie 20 Millionen Euro Gemeindesteuer zusätzlich zu bescheren. Atomgegner schlugen als Gegenprojekt den Bau von acht Windgeneratoren für die umweltfreundliche Stromversorgung von 3500 Wohneinheiten vor. Von den nötigen fünf Mio. Euro fehlten letztlich noch zwei, weshalb das Projekt starb. Heuer begann der Bau des neuen Superreaktors, der im Jahr 2013 ans Netz gehen soll.

 

Prestigeverlust
Mit der Flucht nach vorn reagierte COGEMA in den 90er-Jahren auf den Prestigeverlust durch die damalige Anti-Atom-Bewegung, verbunden mit der Sorge um drohende Auftragsverluste – trotz der 840 Millionen Francs Gewinn bei einem Umsatz von 26,4 Mrd. Francs (1994). Eine Erweiterung der Produktionspalette auf MOX, ein Brennstoff aus 93 % Urandioxid und 7 % Plutoniumdioxid, würde COGEMA das Überleben sichern und die Plutoniumlager abbauen. Heute wird bereits der Großteil der 59 Reaktorblöcke in 20 französischen Kernkraftwerken erfolgreich mit MOX betrieben. Die weiten Adaptionen gehen zügig voran. Ein aufblühender Zukunftsmarkt – mit dem Haken der zehnfachen Kosten herkömmlicher Brennstofferzeugung, denn die Verarbeitung in hochkomplexen Anlagen ist langwierig, und mit den weiten Transportwegen wächst die Gefahr einer schleichenden Plutonium-Umweltvergiftung. Doch auch die wachsende Gefahr eines Terroranschlags scheint in Sachen Atomenergie vergessen zu sein.

 

Riskante Fuhren
Durch die neu entfachte Begeisterung des internationalen Marktes für Nuklearenergie angesichts des globalen Klimawandels bei gleichzeitig begrenzten Uranium-Vorkommen werden sich die Transporte radioaktiver Substanzen vervielfachen. Alljährlich rollen mehrere Hundert solcher riskanter Fuhren über Frankreichs Straßen und über die Weltmeere.

Dass COGEMA mit seiner Strategie des ständigen Wachstums auf dem richtigen Weg ist, beweist seine heutige Position als weltweit führende Gesellschaft auf dem Gebiet des nuklearen Brennstoffkreislaufs mit Uranminen in Kanada und dem wiederholt von rebellierenden Tuareg erschütterten Niger. Seit 2001 ist COGEMA im französischen Dachkonzern Areva eingebettet, der als einzige Institution der Welt auf sämtlichen Gebieten der Nuklearindustrie maßgeblich beteiligt ist. Zudem ist die Firma neben Toshiba Weltmarktführer für Nukleartechnik.


Der Fischfang ist tot
Risiken, Strahlenwerte und Halbwertszeiten, das sind mittlerweile schwache Argumente für die Hagars. Heute schweigen sogar schon die einstmals militanten Atomgegner, die ihre Vergangenheit zu vergessen suchen: „Der kommerzielle Fischfang ist praktisch tot, die hiesige Landwirschaft am Aussterben, Touristen kommen nur wegen COGEMA und Flamanville. Kritik an Atomenergie gefährdet nur die Anstellung unserer Kinder. Unser Problem war immer die Krise! Früher waren wir nur arm und arglos. Heute kennen wir das Geld, die Angst vor Arbeitslosigkeit und – vor allem COGEMA.“