schreibkraft - Das Feuilletonmagazin

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Feuilleton der Ausgabe 16 - für immer

stefanie lehrner | im wurststrudel

Zwei Enden machen noch keine Unendlichkeit

Heute ist alles wie immer. Wir werden nicht für immer jung sein. Wir werden nicht ewig leben. Ich werde nicht für immer im Bett bleiben. Du wirst nicht immer für mich da sein. Wir werden uns nicht immer lieben. Auch wenn Milch immer teurer wird und Jugendliche immer früher Sex haben und ich nie, also nicht immer und auch nicht immer öfter Clausthaler trinke. Du bist immer nie am Meer, sondern meistens hier und trotzdem muss immer ich den... lesen


harald a. friedl | das nukleare ende europas

In La Hague steht die weltgrößte Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Ein Lokalaugenschein am äußersten Zipfel von Frankreich

Das Ölzeug gegen den Regenschauer ins Gesicht gezogen, zurrt die stämmige Gestalt seine Nussschale fest. Im Netz zappelt eine Handvoll Küstenfische. „Taugt nichts für die hohe See, die Schaluppe. Aber was Größeres passt da nicht mehr rein“, grinst der Alte und nickt nach dem schmalen Hafenbecken von Ormonville-la-petite, das sich stolz der „kleinste Hafen Frankreichs“ nennt. Eng schmiegt sich die Pier an die Uferböschung von La... lesen


peter glaser | speicherwahn

Manche fürchten, dass sie Daten verlieren. Andere hoffen darauf

Von Mobiltelefonen konnten Computer eine ganze Menge lernen – bis vor kurzem jedenfalls. Die alten Handys beherrschten nämlich eine große Kunst: das Vergessen. Inzwischen kann man sie mit zunehmend großen Speicherkarten ausstatten. Davor jedoch konnte man auf einer kleinen SIMcard außer seiner Telefonliste gerade mal eine Handvoll SMS speichern. War die Karte voll, mußte man Nachrichten löschen. Newsjunkies und Blogger horten heutzuta... lesen


werner schandor | das letzte gletscherbild

Die Fotografie liefert uns Ewigkeit für alle. Aber sie unterliegt der Bilderschmelze

Ich behaupte nicht, dass die Gletscher schmelzen, weil mehr fotografiert wird. Aber es kann durchaus sein, dass mehr fotografiert wird, weil die Gletscher schmelzen. Lassen Sie mich diesen Gedanken kurz erklären, ich habe dazu ein paar Aufnahmen vorbereitet. 1. Du lieber Scholli! 2007 geht ein Bild um die Welt: Ein ausgewachsener Eisbär balanciert auf der Kuppe einer Eisscholle, die kleiner als sein Körper scheint, als wär’s ein... lesen


anne peters | schon wieder

Über die Leerstellen in der Konzeption des Ewigen

Nicht einmal Naturgesetze sind für immer gültig. Gültig, also von bleibender Aussagekraft, sind sie zwar schon – aber eben nicht für immer. Deshalb pikiert sich Wittgenstein ja auch so schön und schreibt von „sogenannten“ Naturgesetzen. Dennoch dürfte den physikalischen Gesetzen wohl noch am ehesten Beständigkeit zugetraut werden. Der Modellcharakter von Beschreibungen der Naturwirklichkeit wird dabei gerne übersehen. Sie haben... lesen


georg gartlgruber | ewige liebe in der heutigen zeit

Eine Auftragsarbeit

1. For ever ever. For ever ever? – Outkast Natürlich gibt es die ewige Liebe; es gibt ja auch das Gute im Menschen. Was es nicht gibt, ist Perfektion. Die mediatisierte Umwelt erzeugt die Illusion, dass es möglich wäre, den Lebenslauf zu kontrollieren. Deshalb verzweifeln tausende Frauen auf der Suche nach der Perfektion in ihrer Beziehung. Sie reden ein Scheitern herbei, wo bloße Details nicht dem Ideal entsprechen. Schuld daran ist na... lesen


martin gasser | der verkaufte fan

Einem Verein die Treue zu halten, ist im österreichischen Fußball unmöglich

48,9 Prozent der in Österreich eingegangen Ehen werden geschieden, die Katholische Kirche erfreut sich auch nicht gerade wachsender Beliebtheit und die Arbeitswelt verlangt flexible Kräfte, die stets darauf vorbereitet sein müssen, Neuland zu betreten. Während man sich also mit diversen Lebensabschnittspartnern in unterschiedlich zusammengesetzten Patchwork-Familien zusammenfindet, sich seine Religion selber zusammenbastelt oder außer an... lesen


marie kreutzer | im himmel ist kein platz für uns zwei

Gedanken eines Telenovela-Junkies

Zeit ist im fiktionalen filmischen Erzählen beliebig dehnbar. Auf Liebesgeschichten bezogen bedeutet das etwa eine Ausdehnung zur extremen Zeitlupe im Moment des Verliebens, umgekehrt die Verdichtung ganzer Beziehungsphasen zu mit Musik unterlegten Montagen. Der erste Kuss bekommt mehr Raum als der vierzigste Streit, ein Blickwechsel zwischen einander Unbekannten üblicherweise mehr als ein wortlos-harmonischer Austausch von Frühstücksuten... lesen


brigitte radl | glaubensfragen

Oder der Schlüssel zum Paradies der Unenttäuschbaren

Es gibt ein paar Wörter in dieser unserer wunderbaren Welt, an denen lässt sich nicht einfach vorbeidenken. An solchen, die nie klar und verständlich definiert wurden und deren Bedeutung wir aufgrund fehlender psychischer Gegebenheiten und ihres hohen Komplexitätsgrades nicht begreifen können. Meist sind das Begriffe, mit denen wir trotzdem irgendwie leben, deren fehlende Eindeutigkeit wir bis zu einem gewissen Grad ignorieren oder von w... lesen


wolfgang pollanz | forever & ever & ever

10 Songs für die Ewigkeit

Das Schnelllebige, Ephemere ist wohl eines der Wesensmerkmale der Popkultur; nichtsdestotrotz erfreut sich das Ewige in der Lieddichtung der Popmusik größter Beliebtheit. Die mehr oder weniger berühmten hier behandelten Songs tragen zwar das Wörtchen „forever“ in ihrem Titel, einige sind möglicherweise sogar unsterblich, aber im Großen und Ganzen dauert die Ewigkeit in der Popmusik meist nicht länger als drei Minuten … &nbsp... lesen


alexandra rollett | stop motion!

Plädoyer einer Teilzeit-Fortbewegungsdissidentin

Das Credo des heutigen Menschen, die permanente Erweiterung seiner Selbst- und Weltverfügung, setzt eine zunehmende physische und psychische Beweglichkeit voraus. Flexibel, mobil, spontan und im lebenslangen Weiterbildungsprozess begriffen wechseln wir Job, Wohnort und Lebenspartner wie die Unterhosen und entdecken an uns täglich eine neue Seite, während die von gestern ins Altpapier wandert, um einige Zeit später recycled und chlorfrei g... lesen


martin fritz | lieber nachhallig!

Gegen Nachhaltigkeit als Kampfbegriff

Achtung: Wenn Sie irgendwo ein Konzept für ein temporäres, künstlerisches Vorhaben präsentieren und jemand in der Diskussion das Wort Nachhaltigkeit ausspricht, herrscht allergrößte Gefahr für Ihr Projekt. Jetzt fehlt nur noch, dass ein anderer stumm nickt und ein Dritter davon spricht, dass doch ebendieser Wert bei der letzten Klausur als zentraler Wert der Organisation bestätigt wurde – dann können Sie möglicherweise einpacken m... lesen


florian malzacher | der tod und das mädchen

Aggregatzustände des Todes in „Buffy the Vampire Slayer”

Sie ist wach. Dietmar Dath über Buffy „She came from the grave much graver“ – nicht nur ernster – fast als wär sie gar nicht zurück. Antigone aus der Höhle befreit, doch wo sie hinkommt, da sieht sie kein Leben, das lebenswert ist. Wie sie durch die Schlachtfelder der Realität stapft, sieht sie nur Grausamkeit und Sterben, Trauer und Einsamkeit und Sehnsucht ohne Ziel. Als wär sie noch immer dort, wo auch immer sie war, a... lesen


alice le trionnaire-bolterauer | auf ewig! auf ewig! auf ewig!

Von der Monomanie des Erhabenen bei Stifter

0. Was veranlasst einen behäbigen Biedermeierautor, der nicht davor zurückschreckt, seine Leser mit den ausführlichen Beschreibungen landwirtschaftlicher Betätigungen zu langweilen, der sich daran ergötzt, Muster und Beschaffenheiten von Fußböden in extenso darzulegen, was also veranlasst diesen selbsternannten Autor des Kleinen und oft Kleinlichen, zu dem Adalbert Stifter sich selbst stilisiert hat, dann, wenn es um die Liebe geht, im... lesen


georg fuchs | big crunch oder urknall?

Egal. Am Ende ist alles für immer vorbei

Time is the Killer Die Brüder   Die Zeit überlisten Das Ende ist nah. Wer auf das Reich Gottes, das zweite Kommen des Messias oder auf den Kommunismus wartet, muss wissen, dass die Uhr unerbittlich tickt. Wir befinden uns in einem Wettlauf mit der Zeit, in deren Strudel wir unterzugehen drohen, bevor das Gute über das Böse siegt und die Wohnungsmieten für immer auf ein äußerst günstiges Niveau gesenkt werden. Die Widerst... lesen